Hans-Werner Gessmann

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Hans-Werner Gessmann

Hans-Werner Gessmann (* 24. März 1950 in Duisburg) ist ein deutscher Psychologe, Psychodramatherapeut und Hochschullehrer in Russland.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Gessmann promovierte 1976 über Verursachungsfaktoren der Dyslexie, wandte im gleichen Jahr, nachdem er Helen Singer Kaplan in New York kennengelernt hatte, erstmals das von ihm begründete Humanistische Psychodrama[1][2] in Verbindung mit der Hypnose bei Behandlungen von Sexualstörungen an und führte das Psychodrama in die Kinderpsychotherapie ein. Pionierarbeit im deutschsprachigen Raum leistete er hierbei durch wissenschaftliche Filmdokumentationen,[3] durch die Publikation einer Schriftenreihe "Humanistisches Psychodrama"[4][5] und der Herausgabe eines Internationalen Journals zum Humanistischen Psychodrama. Gessmann gehört zu den wenigen empirischen Forschern im Bereich des Psychodramas[6] und veröffentlichte über 160[7][8] Texte zu psychologischen Themenbereichen. Maßstäbe setzte seine Arbeit über die Methode des Doppelns von 1996. Er gründete 1973 das Psychotherapeutische Institut Bergerhausen in Duisburg, dann ab 1977 bis 1989 in der Wasserburg Bergerhausen bei Kerpen,[9] welches als Zentrum für die Weiterentwicklung Humanistischer Psychotherapien sowie Integrativer System- und Familientherapie von bislang mehr als 1.500 Psychotherapeuten genutzt wird. Nach dem unerwarteten Tod des Burgeigentümers Baron Clemens von Loé arbeitete das Institut wieder in Duisburg weiter.

Als Schwerpunkt der Arbeit entwickelte und lehrte Gessmann seit 1979 das Humanistische Psychodrama als neue Form des Psychodramas. Es wurde integraler Bestandteil der sich seit 1960 begründenden Humanistischen Psychologie. Gessmann rückte das kollektive Handeln und Wesen des Menschen in den Mittelpunkt der therapeutischen Ethik. Glaube, Liebe, Hoffnung und die Idee einer menschlichen Gemeinschaft wurden für das Humanistische Psychodrama sinngebend. Intuitives Schauen zum Erfassen der Ganzheit einer Sache, die dialektische Auffassung von Polaritäten, der Verzicht auf absolute Autorität, nehmen entscheidend Einfluss auf das Bild vom Menschen und seinem Leben. Die Ziele und Methoden des Klassischen Psychodramas wurden notwendigerweise neu bewertet und beschrieben. Dies führte weltweit zu einer grundsätzlichen Veränderung der Psychodramapraxis. Gessmann ist seit 1977 Mitglied in der American Society of Group Psychotherapy and Psychodrama sowie der International Association of Group Psychotherapy and Psychodrama.

Mit der Abteilung Schlafmedizininisches Zentrum gründete Gessmann 1986 Deutschlands erstes ambulant arbeitende Schlaflabor. In diesem wurde unter seiner Leitung von 1998 bis 2002 das Zungenmuskel-Training mit dem eingetragenden Markenzeichen ZMT® als alternatives Behandlungsverfahren gegen die Schlafapnoe entwickelt.[10][11][12]

Gessmann lehrt und forscht als Hochschullehrer für Klinische Psychologie in der Fakultät der Sozialpsychologie der Staatlichen Nekrassow-Universität Kostroma, für Allgemeine und Entwicklungspsychologie an der Staatlichen Akademie der Sozialverwaltung Moskaus. Im April 2011 wurde er als 1. Deutscher mit Promotionsrecht in Russland Direktor des russischen Internationalen Zentrums für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Staatlichen Universität Kostroma mit dem Arbeitsschwerpunkt Psychotherapieausbildung und -forschung. Hier werden unter seiner Leitung in der Zusammenarbeit deutsch-russischer Fachleute aus den psychosozialen Berufen innovativ für Russland eigenständige Psychotherapie-Fortbidungsgänge verwirklicht. Seit 2012 lehrt er an der Fakultät für Juristische Psychologie Staatlichen Moskauer Pädagogisch-Psychologischen Universität (MGPPU) systemische Familientherapie und Humanistisches Psychodrama. Mit Beginn 2013 ist Gessmann Gastprofessor an der Staatlichen Universität Smolensk. Hier lehrt er Humanistisches Psychodrama. Im gleichen Jahr erhält Gessmann einen Ruf auf den Lehrstuhl für Humanistisches Psychodrama an der Southeast Universität in Nanjing der Provinz Jiansu in China. Seine interkulturelle Arbeit wird durch die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt. Er ist in die Liste der bedeutsamen Psychotherapeuten aufgenommen und zählt weltweit zu den 30 einflussreichsten lebenden Psychologen.[13]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2010: Orden für die Völkerverständigung Russland-Deutschland[14]
  • 2010: KSU Kostroma - Fakultät für Soziale Psychologie Ehrenprofessur[15]
  • 2011: Staatliche Nekrassow-Universität Kostroma Ehrenprofessur[16]

Schriften[Bearbeiten]

  • Übungslehrbuch zum psychologischen Test für das Studium der Medizin, Zahnmedizin und Tiermedizin. (Ü-PTM 14). Jungjohann Verlag, Neckarsulm 1981.
  • (Hrsg.): Bausteine zur Gruppenpsychotherapie. Jungjohann Verlag, Neckarsulm, Band 1 1984, Band 2 1987; Band 3 1990.
  • Über die Wirksamkeit psychodramatischer Wochenendseminare auf die im Freiburger Persönlichkeitsinventar erfaßten Merkmale und auf das Aggressionsverhalten gemessen mit dem Rosenzweig-Picture-Frustration-Test. In: Humanistisches Psychodrama. 1. Verlag des Psychotherapeutischen Instituts, Bergerhausen 1994, S. 85–94.
  • Übungstest für Medizinische Studiengänge 95/96 im Originalformat. 3. Testrevision, Jungjohann Verlagsgesellschaft, Neckarsulm/ Stuttgart 1995.
  • Das Humanistische Psychodrama. In: Internationale Zeitschrift für Humanistisches Psychodrama. Juni 1995, 1. Jahrgang, Verlag des PIB, Duisburg.
  • Empirische Untersuchung der therapeutischen Wirksamkeit der Doppelmethode im Humanistischen Psychodrama. In: Internationale Zeitschrift für Humanistisches Psychodrama. 2(1), 1995, S. 5–23.
  • Humanistische Psychologie und Humanistisches Psychodrama. In: (Hrsg.): Humanistisches Psychodrama. Band 4, Verlag des PIB, Duisburg 1996.
  • (Hrsg.): Humanistisches Psychodrama. Band I - IV. Verlag des PIB, Duisburg seit 1996.
  • (Hrsg.): Empirische Untersuchung der therapeutischen Wirksamkeit der Doppelmethode im Humanistischen Psychodrama. In: Humanistisches Psychodrama. Band 4, Verlag des PIB, Duisburg, 1996.
  • Das Zungenmuskel-Training - ein alternatives Behandlungsverfahren gegen Schlafapnoe und Schnarchen. Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg 2001, ISBN 3-928524-43-7.
  • Lehrbuch der Systemtherapie. (Russische Bearbeitung: Elena Oladova). Verlag des PIB, Duisburg 2011.
  • Formen der Psychotherapie - Einführungen. (Russische Bearbeitung: Elena Oladova). Verlag des PIB, Duisburg 2011.
  • Empirischer Beitrag zur Prüfung der Wirksamkeit psychodramatischer Gruppenpsychotherapie bei NeurosepatientInnen (ICD-10: F3, F4) The effects of psychodramatic group psychotherapy with neurosis patients — an empirical contribution (ICD-10: F3, F4). In: Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie. Volume 10, Supplement 1, S. 69–87, doi:10.1007/s11620-011-0128-3.
  • Im Rollentausch mit Sigmund Freud - Konspekt-Analyse über die Traumdeutung 1916. Materialien für den Psychologie-Unterricht Verlag des PIB, Duisburg 2011, ISBN 978-3-928524-65-0.
  • Субъективные теории болезни / пер. на рус. яз. Е. А. Шеронов. – Кострома 2014: КГУ им. Н. А. Некрасова, ISBN 978-5-7591-1429-1.

Lehrfilmproduktionen[Bearbeiten]

  • "Willst Du gesund werden?" - eine Einführung in das Bibliodrama. Verlag des PIB, Duisburg 1994.
  • Gessmann/Hossbach: Peter Härtling - Trauer und Trost. Erarbeitung eines literarischen Textes mithilfe szenischer Methoden aus dem Humanistischen Psychodrama. Verlag des PIB, Duisburg 2006.
  • Gessmann/Opdensteinen: Rainer Maria Rilke - Der Panther. Theaterprojekt der Kölner Nordpark Förderschule Lernen mit Methoden des Humanistischen Psychodramas. Verlag des PIB, Duisburg 2008.
  • Methoden des Humanistischen Psychodramas (digitalisierte Neubearbeitung von 1989) - ausgewählte Methoden aus dem Humanistischen Psychodrama: Szenen-Erstinterview, Doppel, Hilfs-Ich, Rollentausch, Soziales Atom, Stegreif-Szenen, Kreative Erwärmungen. Verlag des PIB, Duisburg 2008.
  • "Es war kein Sekt mehr da" (digitalisierte Neubearbeitung einer dokumentarischen Aufzeichnung aus dem Jahre 1989 von der Behandlung einer Arbeitsstörung mit Hilfe des Humanistischen Psychodramas). http://www.pib-zentrum.de/index.php?id=434 Verlag des PIB, 2008
  • Gessmann/Romeik: Psalm 23 - Er ist mein Hirte. Humanistisches Psychodrama mit biblischem Text. Verlag des PIB, Duisburg, 2009.
  • «Шампанское закончилось» Использование игры протагонистов гуманистической психодрамы в работе с нарушениями отношенийб. Издательство ПИБ, Дуисбург 2009.
  • Gessmann/Passmann: Der Querk im Lummerland. Humanistisches Psychodrama mit Vorschulkindern. Verlag des PIB, Duisburg 2009.
  • Gessmann/Vieten: Humanistisches Psychodrama mit älteren und alten Menschen. Marienkloster 2009. Verlag des PIB, Duisburg 2009.
  • Kindheit und Jugend in der NS-Zeit – Dokumentation einer Zeitzeugenbefragung am Städtischen Gymnasium Straelen. Verlag des PIB, Duisburg 2010.
  • „Heute koch ich, morgen brau ich …“ - Eine „rührende“ Geschichte. Protagonistenzentriertes Humanistisches Psychodrama über einen Traum. Verlag des PIB, Duisburg 2011.
  • Methoden der Systemischen Therapie 1: Der Einsatz des Familienbrettes in verschiedenen systemtherapeutischen Schulen. Verlag des PIB, Duisburg 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Saaman: Auf dem Weg zur Organisation von Morgen. Poeschel Verlag 1989, 15, S. 221.
  2. E. H. Bottenberg, H. Daßler: Wege in die Psychologie des Gefühls. Roderer Verlag, Regensburg 1997, S. 164.
  3. Ferdinand Buer: Jahrbuch für Psychodrama, psychosoziale Praxis & Gesellschaftspolitik. Opladen 1992, S. 252–254.
  4. Hellmuth Benesch: Enzyklopädisches Wörterbuch Klinische Psychologie und Psychotherapie. Beltz - PsychologischeVerlagsUnion 1995, S. 303.
  5. Siegfried Grubitzsch, Klaus Weber (Hrsg.): Psychologische Grundbegriffe Ein Handbuch. rowohlts enzyklopädie rororo 1998, S. 451–452.
  6. Jutta Fürst, Klaus Ottomeyer, Hildegard Pruckner (Hrsg.): Psychodrama-Therapie - Ein Handbuch. Facultas, Wien 2004, S. 441.
  7. Literatur von H..-W. Gessmann: http://www.pib-zentrum.de/wir-ueber-uns/hans-werner-gessmann/veroeffentlichungen.html
  8. Lehrfilme von H.-W. Gessmann: http://www.pib-zentrum.de/wir-ueber-uns/hans-werner-gessmann/lehrfilm-produktionen.html
  9. Henriette Meynen, Oberkreisdirektor des Erftkreises: Wasserburgen, Schlösser und Landsitze im Erftkreis. Rheinland Verlag, Köln 1980, S. 96.
  10. H.-W. Gessmann: Das Zungenmuskel-Training. Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg 2001.
  11. W. Randerath, W. Galetke, K.-H. Rühle, C. Rocholl: Zungenmuskel-Training durch intraorale Elektrostimulation bei obstruktiver Schlafapnoe. In: Am J Respir Critical Care Med. 167, Suppl. 1, A327 (2003)
  12. Th. Verse: Transkutane Elektrostimulationstherapie bei obstruktiver Schlafapnoe. IN: MedReport. Blackwell Verlag Nr. 32, 26 Jahrgang Berlin, Sept. 2002.
  13. bestmastersinpsychology.com
  14. :ru:http://ksu.edu.ru/index.php?option=com_joomgallery&func=viewcategory&catid=40&Itemid=460
  15. :ru:http://ksu.edu.ru/index.php?option=com_content&task=view&id=47&Itemid=55
  16. :ru:http://ksu.edu.ru/index.php?option=com_content&task=view&id=1049&Itemid=783