Hans Adler (Autor)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hans Adler (eigentlich Johann Nepomuk Heinrich Adler; * 13. April 1880 in Wien; † 11. November 1957 ebenda) war ein österreichischer Librettist, Schriftsteller und Jurist. Er schrieb die Libretti für eine Reihe von Operetten von Nico Dostal.

Leben[Bearbeiten]

Jurist[Bearbeiten]

Hans Adler war der Sohn des Hofrats Dr. Hans Adler. Schon als Kind schrieb er erste Gedichte und Geschichten. Adler bestand 1899 das Abitur am Gymnasium Kremsmünster. Noch im selben Jahr begann er ein Jura-Studium an der Universität Wien. Im Juli 1901 legte er die die rechtshistorische Staatsprüfung ab und beendete sein Studium im Juni 1904 mit der judiziellen Staatsprüfung.

Am 21. Juli 1905 promovierte er an der Universität Wien und trat am Anfang Januar 1906 seine erste Stelle als Konzeptspraktikant an der niederösterreichischen Statthalterei an. Nur rund zwei Wochen später wurde er zur Bezirkshauptmannschaft St. Pölten versetzt. Im April 1911 trat er seinen Dienst beim k. k. Patentamt an.

Freier Schriftsteller[Bearbeiten]

Hans Adler war seit seiner Jugend kränklich und wurde am 1. Juni 1915 im Alter von 35 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Fortan machte er sein Hobby zum Beruf: Er schrieb Gedichte (Sonette, veröffentlicht im Simplicissimus, Buchausgabe 1920), Kurzgeschichten, Theaterstücke, Libretti und übersetzte Bühnenwerke aus dem Englischen und dem Französischen ins Deutsche. Besonders fruchtbar gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Nico Dostal. Der Schriftsteller Leo Perutz unterstützte sein literarisches Schaffen. [1] Adler verwendete neben seinem Klarnamen eine Reihe von Pseudonymen, u.a. Hertha Bauer, H. H. Delar, Anton Hangleitner, Adam Hayndl, Honso, Hanns Rudolf Lonner, A. W. Hans und Paul Vulpius.

1935 wurde Hans Adler in dem antisemitischen Buch Musikalisches Juden-ABC von Hans Brückner und Christa-Maria Rock als Jude aufgeführt. Der Librettist dementierte, wurde aber dennoch im März 1938 von der Gestapo verhaftet und kurzzeitig in ein Gefängnis gebracht. Er beantragte daraufhin in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen zu werden, da hierfür ein Abstammungsnachweis erbracht werden musste. Die österreichische Landesleitung der Kammer bestätigte mit Schreiben vom 11. November 1938 an den Theater-Verlag Eirich in Wien, dass der Schriftsteller Hans Adler die erforderlichen Unterlagen und seinen Arier-Nachweis erbracht habe und aufgenommen werden könne.

1943 musste Adlers Anwalt bei Behörden intervenieren, da erneut Zweifel an Adlers Abstammung aufgekommen waren. In Theodor Fritschs antisemitischen Handbuch der Judenfrage (49. Auflage 1944) wurde Adler im Kapitel Das Judentum in der Musik genannt, wobei der Autor darauf hinwies, nicht nur Juden aufzulisten, sondern auch die Namen derer [...], die in der jüngsten Vergangenheit bei arischer Abstammung jüdisch dachten und handelten.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurde Adlers Wohnung durch einen Bombenangriff zerstört. 1945 wurde Adler Mitglied desVerbandes demokratischer Schriftsteller und Journalisten und durfte ab 1946 wieder als freier Schriftsteller arbeiten. Am 4. Juli 1951 heiratete Adler seine Adoptivtochter Ernestine Antonia Fortunata Meitner. Ernestine starb am 30. April 1956, am 11. November 1957 folgte Adler seiner Frau nach. Er starb an den Folgen eines Autounfalls.

Hans Adlers Nachlass wird in der Wienbibliothek im Rathaus der Stadt verwahrt.

Zitat[Bearbeiten]

A wie Adler. Hans Adler. Ist das lange her … Da habe ich hier, noch vor dem Kriege, den ›Simplicissimus‹ gefragt, warum er denn nicht diese reizenden kleinen Verslein, die öfter in ihm zu finden waren, gesammelt herausgäbe. In der Tat ist das geschehen; das Buch heißt ›Affentheater‹, die Verse sind noch dieselben, aber inzwischen muß etwas passiert sein. Ist ja wohl auch. Es stimmt mächtig melancholisch, das zu lesen. Immerhin: ein paar Verse bleiben haften – wenn auch der große Feuerwerksschein jenes Vierzeilers:

Wem es bestimmt, der endet auf dem Mist
Mit seinem edelsten Bestreben …
Ich bin zum Beispiel immer noch Jurist.
So ist das Leben.

nicht mehr den abendlichen Garten erhellt – die Entfernung von Mist und Jurist hat sich inzwischen leicht vermindert. Aber es sind doch hübsche Gedichtchen. Kurt Tucholsky in der Weltbühne, 9. Juli 1929 [2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1927: Künstlerpreis der Stadt Wien (zusammen mit Franz Theodor Csokor und Max Mell)

2009: Der Roman Das Städtchen wird von der Darmstädter Jury zum Buch des Monats Dezember gewählt.[3] Im selben Jahr wurde der Titel auf die Hotlist gewählt, dem Preis der unabhängigen deutschsprachigen Verlage.

Werke[Bearbeiten]

Prosa und Lyrik[Bearbeiten]

  • Affentheater. Tal, Leipzig, Wien und Zürich, 1920 (2. vermehrte Auflage 1929)
  • Das Städtchen. Roman. Strache, Wien und Leipzig, 1926 (Neuauflage im Dezember 2009, Lilienfeld Verlag, Düsseldorf)

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • Der Fall X. Groteske in drei Akten. 1912
  • Die Reise nach Pressburg. Schauspiel in drei Akten. Mit einem Vor- und Nachspiel von Leo Perutz. Georg Marton, Wien und Berlin, 1930
  • Première. Zusammen mit Paul Frank. Lustspiel in drei Akten. Georg Marton, Wien und Berlin, 1930
  • Nacht vor dem Ultimo. Lustspiel in fünf Bildern. Drei Masken, Berlin, 1933
  • Das große Wunder. Lustspiel in drei Akten. Georg Marton, Wien, Berlin und London, 1933
  • Mädchen für Alles. Lustspiel in vier Akten. Georg Marton, Wien, 1934
  • Tohuwabohu. Lustspiel in drei Akten nach Alexander Lernet-Holenia. Eirich, Wien, 1936
  • Katinka. Musiklose Operette. Zusammen mit Adorjan Bonyi. Wien, 1937
  • Verliebtes Abenteuer. Lustspiel in sieben Bildern. Georg Marton, Wien, 1938. Verfilmt von Hans H. Zerlett (1938)

Libretti[Bearbeiten]

Drehbücher und Liedtexte[Bearbeiten]

Adler arbeitete an mehreren Filmen mit: Er war Drehbuchautor der Filme Die Menschen nennen es Liebe (1922) von Mano Ziffer-Teschenbruck und Sommerliebe von Erich Engel (1942) und verfasste die Liedtexte für die Filmoperetten Die Pompadour (1935) von Willy Schmidt-Gentner und Prinzessin Sissy (1938) von Fritz Thiery.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Hans-Harald Müller, in: Walther Killy (Hrsg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Gütersloh, München 1992, Band 9, S.118 (Artikel Leo Perutz)
  2. Bänkelbuch. textlog.de, abgerufen am 20. Februar 2014.
  3. http://www.sudelblog.de/index.php?cat=10&paged=2

Weblinks[Bearbeiten]