Hans Bethge (Dichter)

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Grabmal von Hans Bethge in Kirchheim unter Teck

Hans Bethge (* 9. Januar 1876 in Dessau; † 1. Februar 1946 in Göppingen, begraben in Kirchheim unter Teck) war ein deutscher Dichter. Er machte sich vor allem einen Namen durch seine Nachdichtungen orientalischer Lyrik.

Leben[Bearbeiten]

Hans Bethge studierte neuere Sprachen und Philosophie in Halle, Erlangen und Genf. Nach der Promotion arbeitete er zwei Jahre in Spanien als Lehrer. 1901 ließ er sich als freier Schriftsteller in Berlin nieder. Hans Bethge war ein Mensch der Freundschaften und offen für alles Schöne. Viele Literaten und Künstler seiner Zeit zählten zu seinen Freunden, darunter der Dichter Prinz Emil von Schoenaich-Carolath, Karl von Luxburg, Fürst zu Carolath -Beuthen und Prinz von Schoenaich-Carolath, die Maler Willi Geiger und Karl Hofer sowie der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe, ebenso der Jugendstilmaler Heinrich Vogeler und andere Künstler des Worpsweder Kreises. Vogeler hat drei Bücher Hans Bethges mit Buchschmuck versehen. Der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, dessen Genie Bethge früh erkannte, hat ihn mehrfach porträtiert.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten]

Bethge veröffentlichte mehrere Gedichtbände (hauptsächlich Liebes- und Naturlyrik), Tagebücher, Reiseberichte, Erzählungen, Essays und Dramen. Er war erfolgreicher Herausgeber moderner deutscher und fremdsprachiger Lyrik. Vor allem aber seine Nachdichtungen klassischer orientalischer Lyrik (ab 1907) machten ihn weit bekannt. Der erste Band „Die chinesische Flöte“ erlebte eine Gesamtauflage von knapp 100.000 Exemplaren. Gustav MahlersLied von der Erde“ basiert auf sieben Gedichten aus der Chinesischen Flöte. Bethges frische, musikalisch-rhythmische Sprache, seine ungebundenen Verse inspirierten mehr als 180 Komponisten zu Vertonungen, darunter auch Richard Strauss, Karol Szymanowski, Arnold Schönberg, Anton von Webern, Hanns Eisler, Viktor Ullmann, Gottfried von Einem, Ernst Krenek, Artur Immisch, Ludvig Irgens-Jensen, Paul Graener, Ernst Toch, Fartein Valen und Egon Wellesz.

Nachlass[Bearbeiten]

In Kirchheim unter Teck werden in einer ständigen Ausstellung des Max-Eyth-Hauses Hans Bethges Bücher, Fotos und andere Lebenszeugnisse gezeigt. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach pflegt seinen literarischen Nachlass.

Werke[Bearbeiten]

  • Die stillen Inseln
  • Der gelbe Kater, illustriert von Leo Prochownik
  • Deutsche Lyrik seit Liliencron (Anthologie)
  • Die Lyrik des Auslandes in neuerer Zeit (Anthologie)
  • Lieder des Orients (Nachdichtungen)
  • Die chinesische Flöte. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. Leipzig, Insel Verlag 1907 (1935: Insel-Bücherei 465), ISBN 3-9806799-5-0
  • Pfirsichblüten aus China. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. ISBN 3-935727-06-2
  • Ägyptische Reise
  • Die armenische Nachtigall. Nachdichtungen des Nahabed Kutschak und anderer armenischer Dichter. ISBN 3-935727-02-X
  • Das türkische Liederbuch. Nachdichtungen türkischer Lyrik. ISBN 3-9806799-7-7
  • Japanischer Frühling. Nachdichtungen japanischer Lyrik. Leipzig, Insel Verlag 1911 (1936: Insel-Bücherei 492), ISBN 3-935727-00-3
  • Hafis – Die Lieder und Gesänge in Nachdichtungen. Leipzig, Insel Verlag 1910 (1939: Insel-Bücherei 492), ISBN 3-935727-03-8
  • Omar Khayyām – Die Nachdichtungen seiner Rubai'yat. ISBN 3-935727-01-1
  • Sa'di der Weise. Die Verse des persischen Dichters in Nachdichtungen. ISBN 3-9806799-6-9
  • Der persische Rosengarten. Nachdichtungen persischer Lyrik. ISBN 3-935727-01-1
  • Die indische Harfe. Nachdichtungen indischer Lyrik. Nachdichtungen orientalischer Lyrik. ISBN 3-9806799-8-5
  • Arabische Nächte. Nachdichtungen arabischer Lyrik. Leipzig: Insel, 1912 ISBN 3-935727-05-4
  • Der asiatische Liebestempel. Nachdichtungen der Liebeslieder der Völker Mittelasiens. ISBN 3-935727-04-6
  • Die Courtisane Jamaica. Novellen. Karlsruhe und Leipzig, Dreililien-Verlag 1911, 157 S., Deckelillustr. Karl Walser (auch: Vorzugsausgabe, Ganzpergament, Kopfgoldschnitt, Kassette mit farbigen, montierten Deckelillustrationen v. Karl Walser, nummeriert 15 Ex. auf van Geldern Bütten – Berlin, Gyldendalscher Verlag, 1922. 2.–4. Tausend, bei Morawe & Scheffelt und Universitas Deutsche Verlags AG Berlin)
  • Selbstporträt. Zum fünfzigsten Geburtstag in: Neues Wiener Journal, 34 (1926) #11543, 12. (10. Januar 1926)

Literatur[Bearbeiten]

  • Eberhard Gilbert Bethge: Hans Bethge. Leben und Werk. Eine Biographie. 3. erweiterte und bebilderte Auflage. Yinyang-Media-Verlag, Kelkheim 2002, ISBN 3-9806799-9-3.
  • Bernd Löffler: Hans Bethge in Kirchheim/Teck. Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 1991, ISBN 3-928882-60-0 (Spuren 12).
  • Hansjürgen Wille: Hans Bethge zum 50. Geburtstag – am 9. Januar. In: 8-Uhr-Abendblatt, 79. Jg., 8. Januar 1926, Nr. 6, 1. Beiblatt, S. [3]

Weblinks[Bearbeiten]