Hans Chemin-Petit

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Hans Helmuth Chemin-Petit (* 24. Juli 1902 in Potsdam; † 12. April 1981 in Berlin) war ein deutscher Komponist, Dirigent und Musikpädagoge.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Der Sohn von Hans Chemin-Petit d. Ä. und einer Konzertsängerin[1] studierte von 1920 bis 1926 an der Musikhochschule Berlin Violoncello bei Hugo Becker und Komposition bei Paul Juon. Seine Musikerlaufbahn begann er als Cellist. 1929 konnte er mit der Kammeroper Der gefangene Vogel auf der Opernfestwoche Duisburg und 1933 mit der Uraufführung seiner ersten Sinfonie in Dresden unter Fritz Busch erste überregionale Kompositionserfolge feiern. Neben Busch gehörten auch Wilhelm Furtwängler, Siegmund von Hausegger und Hans Joachim Moser zu seinen Förderern. Ab 1929 unterrichtete er an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde Chemin-Petit 1933 Mitglied der NS-Betriebszellenorganisation, des NS-Altherrenbundes und der NSV.[1] Daneben war er Mirglied des Werkprüfungsausschusses der deutschen Komponisten.[1] Noch am 7. Oktober 1934 konnte er in einem Konzert der Berliner Philharmoniker Auszüge aus der Bühnenmusik zu Shakespeares Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy bringen.[1] 1936 wurde er zum Professor an der Berliner Musikhochschule ernannt. Am 24. Mai 1938 wurde Chemin-Petits Kantate An die Liebe im Rahmen der Reichsmusiktage uraufgeführt.[1] 1939 wurde er Leiter des Reblingschen Gesangsvereins in Magdeburg, 1943 des Philharmonischen Chores Berlin. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs war er seit dem 6. Dezember 1944 freiwilliges Mitglied des Volkssturms.[1]

1945 wurde er zunächst Lehrer am internationalen Musikinstitut und zusätzlich Leiter des Städtischen Chores Potsdam.[1] Seit 1948 war er Lehrer für Musiktheorie und Komposition an der Berliner Musikhochschule, deren stellvertretender Direktor er von 1965 bis zu seiner Emeritierung 1969 war.[1] 1963 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste ernannt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Hochschuldient leitete er dort die Abteilung für Musik.

Hans Chemin-Petit galt als einer der bedeutendsten Chordirigenten seiner Zeit und machte sich besonders um den Philharmonischen Chor Berlin verdient, den er von 1943 bis 1981 leitete.[2]. Neben Standardwerken aus Barock, Klassik und Romantik bildete die damals zeitgenössische Musik einen wichtigen Grundpfeiler seines Repertoires. So leitete er zahlreiche Ur- und Erstaufführungen der Werke von Komponisten wie Paul Hindemith, Johann Nepomuk David, Boris Blacher, Rudolf Wagner-Régeny, Günter Bialas und Harald Genzmer. Für sein vielfältiges Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, z.B. den Kunstpreis der Stadt Berlin (1964), das Bundesverdienstkreuz (1968), die Ernst-Reuter-Plakette der Stadt Berlin (1977) und die Goldene Nadel der Dramatiker Union (1977).

Er wurde auf dem Luisenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt.

[Bearbeiten] Tonsprache

Chemin-Petits Hauptwerke finden sich auf dem Gebiet der chorsymphonischen Vokalmusik. Zu nennen sind hier vor allem seine Kantaten und Psalmvertonungen. Daneben schrieb er auch Orchesterwerke, Opern, Kammermusik und zahlreiche kleinere Stücke für Chor a cappella. Er war ein konservativer Komponist, dessen Werke durchgängig tonal gehalten sind. Auffallend an vielen seiner Kompositionen ist eine große Vorliebe für kontrapunktische Gestaltungsformen, wie Kanon, Fuge und Passacaglia, die er bis in ihre kompliziertesten Ausprägungen hinein mit souveräner handwerklicher Meisterschaft zu gestalten vermochte. Der Stil Chemin-Petits vereint verschiedenste Einflüsse von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach über Anton Bruckner und Max Reger bis hin zu Paul Hindemith und kann insgesamt als in der Tradition der deutschen Spätromantik wurzelnder Neoklassizismus charakterisiert werden, in dem sich archaisierende und moderne Elemente zusammenfinden.

[Bearbeiten] Werke (Auswahl)

[Bearbeiten] Opern

  • “Der Gefangene Vogel“, Lyrisches Spiel für Menschen oder Marionetten (Libretto: Karla Höcker; 1927, UA Berlin 1927)
  • “König Nicolo“, Oper in 7 Bildern (Libretto: Hans Chemin-Petit nach Frank Wedekind; 1959, UA Aachen 1962)
  • “Die Komödiantin“, Heitere Oper in 3 Bilden (Libretto: Hans Chemin-Petit nach Heinz Coubier; 1965, UA Coburg 1970)
  • "Die Rivalinnen", Heitere Kammeroper (Libretto: Hans Chemin-Petit und Wolfgang Poch nach Gian Francesco Loredano; 1969, UA Berlin 1984)
  • “Kassandra“, Drama in 2 Bildern mit Vorspruch und Epilog (Libretto: Hans Chemin-Petit nach Aischylos; 1980, UA Berlin 1982)

[Bearbeiten] Vokalmusik

  • “Von der Eitelkeit der Welt“, Kantate nach Andreas Gryphius für Bariton und Kammerorchester (1935)
  • "Werkleute sind wir", Kantate nach Rainer Maria Rilke für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester (1944)
  • “Psalmentryptichon“, 1962 nachträglich zusammengefasst aus:
    • “Der 90. Psalm“ für Bariton, gemischten Chor und Orchester (1953)
    • “Der 150. Psalm“ für gemischten Chor und Orchester (1954)
    • “Der 98. Psalm“ für gemischten Chor und Orchester (1962)
  • “Prooemion“ nach Johann Wolfgang von Goethe für gemischten Chor, Orgel bzw. Bläser und Schlagzeug (1961)
  • “Summa vitae“, Kantate nach Kurt Ihlenfeld und Psalm 130, 1 für gemischten Chor und Kammerorchester (1964)
  • “Symphonische Kantate“ nach Worten des Predigers Salomo für Alt, gemischten Chor und Orchester (1966)
  • “Introitus und Hymnus“ nach Psalm 148 für gemischten Chor, Orgel, Bläser, Harfe und Schlagzeug (1969)
  • zahlreiche Motetten, Hymnen, Lieder und Madrigale für Chor a cappella

[Bearbeiten] Orchestermusik

  • Konzert für Violoncello und Orchester (1931)
  • Sinfonie Nr. 1 a-Moll (1932)
  • Orchesterprolog (1939)
  • Orchesterkonzert D-Dur (1944)
  • Sinfonie Nr. 2 C-Dur (1949)
  • Intrada und Passacaglia (1963)
  • Konzert für Orgel, Pauken und Streichorchester (1963)
  • Musik für Orchester (1968)
  • Violinkonzert (1971)
  • Konzert für Blockflöte, Cembalo und Kammerorchester (1973)
  • Concerto Symphonico (1976)
  • Heitere Suite (1980)

[Bearbeiten] Kammermusik

  • Kleine Suite für 9 Instrumente (1938)
  • Trio im alten Stil für Oboe, Horn und Fagott (1943)
  • Bläserquintett (1948)
  • Sonate für Blockflöte und Orgel d-Moll (1964)

[Bearbeiten] Literatur

  • Vera Grützner (Hrsg.): Hans Chemin-Petit (1902-1981). Dokumente zu Leben und Werk. Henschel, Berlin 1994, ISBN 3-89487-212-8

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2004, S. 882.
  2. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 97.
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