Hans Deutsch

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Hans Deutsch (* 17. April 1906 in Wien, Österreich; † 13. Mai 2002 in Lausanne, Schweiz) war ein österreichischer Rechtsanwalt, der aus einer jüdischen Familie stammte. Als die Deutschen 1938 Österreich besetzten, wurden sofort die Juden verfolgt, so auch die Deutschs. Hans schaffte es, ins Exil zu gelangen, während seine Eltern in Auschwitz ermordet wurden. Nach dem Ende des Nationalsozialismus war Deutsch ein bekannter Anwalt in Wiedergutmachungsfällen und Verleger.

Leben[Bearbeiten]

1938 gelang Deutsch die Flucht ins Ausland, er gelangte nach Palästina, wo er als Anwalt arbeitete. Erst 15 Jahre später kehrte er nach Wien zurück. In Österreich und Deutschland vertrat er als erfolgreicher Wiedergutmachungsanwalt die Interessen von meist jüdischen Opfern der NS-Diktatur und forderte unter anderem die Rückgabe von geraubten Kunstgegenständen ein. In seinem bekanntesten Fall hatte er für den österreichischen Zweig der Rothschildfamilie eine große Entschädigung erzielt. Er betrieb den Hans-Deutsch-Verlag, einen renommierten literarischen Verlag. Laut Spiegel galt er als „der engagierteste und erfolgreichste Vorkämpfer von Hoffnung, Anspruch und Forderung an der Front der Entschädigung für Opfer nationalsozialistischer Verfolgung“.[1]

1964 wurde er wegen angeblich gefälschten Beweismaterials über die ungarische Sammlung Hatvany (Budapest) in Haft genommen und sein Haus in Lausanne von deutschen Beamten durchsucht. Die Bilder seien nicht, wie Deutsch beweisen wollte, von der SS, sondern von den sowjetischen Truppen geraubt worden. Als Gegenspieler traten der ehemalige SS-Untersturmführer und spätere Präsident des Bundeskriminalamtes (1965–1971) Paul Dickopf, Ernst Féaux de la Croix vom Bundesfinanzministerium (vor 1945 Reichsjustizministerium) sowie der Bundesminister der Finanzen Rolf Dahlgrün, früher NSDAP, auf. Die Zeugen gegen Deutsch stammten aus Nazi- und SS-Kreisen, die von vorhandenem ungarischen Beutegut profitiert hätten. Nach 18 Monaten Untersuchungshaft und 9 Jahren Rechtsstreit endete das Verfahren mit einem Freispruch. Dieser wurde in zweiter Instanz eingeschränkt und er erhielt keine Haftentschädigung, da er durch sein Verhalten selber zur Haft beigetragen habe. Allerdings war in den Gerichtsverhandlungen festgestellt worden, dass die Angaben der Erben Hatvany, die Deutsch bei Gericht vorgetragen hatte, die Gemäldesammlung sei von den Deutschen geraubt worden, falsch gewesen seien. Die dafür bestellten Zeugen der Hatvanys hätten Meineide geschworen.[2]

Danach war Deutsch ein gebrochener Mann und stritt bis zu seinem Lebensende um seine Rehabilitation. 1995 wurden einige Bilder der Sammlung Hatvany in der Beutekunstausstellung im Moskauer Puschkinmuseum ausgestellt. 2003 tauchte der „Berg Sinai“ von El Greco in New York wieder auf. Dieses Bild war nachweislich nie in Russland und wurde mit falschen Expertisen versehen bei Sotheby’s nach Griechenland verkauft. Somit war dieses Bild von deutschen und nicht von sowjetischen Truppen geraubt worden. Es löste eine erneute Diskussion darüber aus, ob Deutsch von ehemaligen SS-Angehörigen und ihren Erben, die im Besitz der geraubten Bilder sind, gezielt denunziert worden sei. Der Sohn von Hans Deutsch Joram Deutsch, strengte in den USA eine Klage gegen den deutschen Staat an. 2005 wurde der Fall Gegenstand eines Dokumentarfilms.

Hans Deutsch sammelte in der Nachkriegszeit Kunst. 1964 gründete er mit seinem Sohn Joram die Kunststiftung „Fondation Deutsch“ und baute an seinem Wohnsitz in Belmont-sur-Lausanne ein Privatmuseum „Musée Fondation Deutsch“, das 1989 eingeweiht wurde. Mittlerweile ist es wieder geschlossen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Emmenegger: Der Fall Deutsch: Tatsachen zu einem Justizskandal, 1789 Editions, New Haven (Connecticut); Zürich 1970
  • Anja Heuß: Verstreut nach West und Ost - Die drei Geschichten der Hatvany-Sammlung. In der Zeitschrift Osteuropa 1-2/2006 mit dem Titel Kunst im Konflikt- Kriegsfolgen und Kooperationsfelder in Europa. S. 85-110.
  • Jürgen Lillteicher, Raub, Recht und Restitution. Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in der frühen Bundesrepublik. Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0134-4, Hier Abschnitt: Betrug und Korruption in der Rückerstattung - Der Fall Hatvany. S. 453-460.

Dokumentarfilm[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Mauz: Ich glaube, ich war da nicht sehr kleinlich, Der Spiegel, 30. Oktober 1972
  2. Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit, Berlin 2007, ISBN 978-3-00-019368-2, S. 408 f.