Hans Doerr

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Hans Doerr (* 14. September 1897 in Wilhelmshaven; † 9. September 1960 in Großkarolinenfeld)[1] war ein deutscher Generalmajor sowie von August 1943 bis Mai 1945 Militärattaché bei der deutschen Botschaft in Madrid.

Leben[Bearbeiten]

Doerr trat während des Ersten Weltkriegs am 8. April 1915 als Fähnrich in das Garde-Fußartillerie-Regiment der Preußischen Armee ein. Am 27. Mai 1915 kam er im II. Bataillon des 1. Garde-Reserve-Fußartillerie-Regiments an die Front. Dort wurde Doerr am 18. August 1915 zum Leutnant befördert und war als solcher ab 1. Mai 1917 für drei Monate als Austauschoffizier zur k.u.k. Artillerie-Division 7 kommandiert. In den letzten Kriegsmonaten diente er als Batterieführer im Fußartillerie-Bataillon Nr. 151. Für seine Leistungen während des Krieges hatte man ihn mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes, dem Verwundetenabzeichen in Schwarz, sowie dem Österreichischen Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet.[2]

Nach Kriegsende ab Mitte Dezember 1918 zunächst zum Generalkommando des XIV. Armee-Korps kommandiert, wurde Doerr am 3. Juli 1919 mit der Versetzung in das Reichswehr-Artillerie-Regiment 7 in die Vorläufige Reichswehr übernommen. Kurz darauf erfolgte am 1. Oktober 1919 seine Versetzung in das Reichswehr-Artillerie-Regiment 3. Am 31. Dezember 1920 wurde Doerr unter Verleihung des Charakters aus der Reichswehr verabschiedet.

Am 1. Mai 1924 wurde er als Leutnant im 4. Artillerie-Regiment der Reichswehr wieder angestellt und war hier bis Ende September 1927 tätig. Anschließend zum Stab der III. Abteilung des 3. (Preußisches) Artillerie-Regiments nach Jüterbog versetzt, kehrte Doerr zum 1. Oktober 1931 in das 4. Artillerie-Regiment zurück und wurde zur Führergehilfenausbildung beim Stab der 5. Division nach Stuttgart kommandiert.

Ab September 1937 war Doerr Dozent für das Transportwesen an der Heereskriegsakademie in Berlin-Moabit. Die Akademie wurde zum 1. September 1939 geschlossen. Von Dezember 1939 bis 20. September 1940 diente Doerr als Erster Generalstabsoffizier der 44. Infanterie-Division aus Wien. Seit 4. Juni 1941 Chef des Generalstabes des LII. Armeekorps, nahm Doerr am Überfall auf die Sowjetunion, der „Operation Barbarossa“ teil und erhielt für seine Leistungen am 8. Oktober 1942 das Deutsche Kreuz in Gold.[3] Vom 22. bis 30. September 1942 befand er sich in der Führerreserve und fungierte anschließend als Chef des deutschen Verbindungsstabes zur rumänischen 4. Armee.[4] Über die Schlacht von Stalingrad schrieb er ein Buch. Er war Mitglied des Generalstabes in der Abteilung Fremde Heere Ost. Ab 10. August 1943 war Doerr Militärattaché an der deutschen Botschaft in Madrid. Er verhandelte mit dem Waffeneinkäufer von Juan Perón, Oberst Carlos Alberto Vélez.[5] 1949 setzte sich Doerr bei Konrad Adenauer ein für in Spanien internierte Deutsche, welche unter anderem im Lager Nanclares interniert waren.[6] Er war Mitarbeiter der Organisation Gehlen und am Handel mit 38.000 Pistolen „Astra 600“ von Spanien nach Deutschland beteiligt.[7] Doerr war der erste Leiter einer Auslandsstelle eines (west-)deutschen Nachrichtendienstes nach dem Zweiten Weltkrieg.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dermot Bradley (Hrsg.), Karl-Friedrich Hildebrand, Markus Rövekamp: Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 3: Dahlmann–Fitzlaff. Biblio Verlag. Osnabrück 1994. ISBN 3-7648-2443-3. S. 171–173.
  • Eine große Privatsammlung wurde Museum. In: Die Zeit. Nr. 19/1951.
  • Über den Wert und Unwert von Kriegserfahrungen. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau. Jg. 4, 1954.
  • Der Feldzug nach Stalingrad, Versuch eines operativen Überblicks. Mittler & Sohn, Darmstadt 1955.
  • Wie entsteht Militarismus? In: Die Zeit. Nr. 23/1952.
  • Der Große Chef. In: Wehrkunde. 6, 1957, S. 542–550.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wehrkunde. Zeitschrift für alle Wehrfragen. Organ der Gesellschaft für Wehrkunde e. V., IX. Jg., 1969, Nr. 10, S. 542.
  2. Reichswehrministerium (Hrsg.): Rangliste des Deutschen Reichsheeres. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1930, S. 165.
  3. Klaus D. Patzwall, Veit Scherzer: Das Deutsche Kreuz 1941-1945. Geschichte und Inhaber. Band II. Verlag Klaus D. Patzwall, Norderstedt 2001, ISBN 3-931533-45-X, S. 88
  4.  Stalingrad: Wendepunkt des Krieges. In: Der Spiegel. Nr. 5, 1983 (online).
  5. 27 de setiembre de 1998 La Nacion Los lazos de Perón con el Tercer Reich. lanacion.com.ar
  6. Kohlsuppe, Wachturm und keine Unterstützung aus der Heimat. In: Die Welt, 7. Dezember 1949.
  7. Walter Lehmann: Die Bundesrepublik und Franco-Spanien in den 50er Jahren. Oldenbourg, München 2006. (google books)
  8. James H. Critchfield: Partners at Creation: The Men Behind Postwar Germany's Defense and Intelligence Establishments. Naval Institute Press, Annapolis 2003, ISBN 1-59114-136-2, S. 96.