Hans Grisebach (Architekt)

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Hans Grisebach (* 26. Juli 1848 in Göttingen; † 11. Mai 1904 in Berlin; vollständiger Name Hans Otto Friedrich Julius Grisebach) war ein deutscher Architekt. Er war der Sohn des Botanikers August Grisebach.

Werk[Bearbeiten]

Gut Mielenforst um 1900
U-Bahnhof Schlesisches Tor in Berlin-Kreuzberg (Februar 2008)
Villa Grisebach, Berlin-Charlottenburg, Fasanenstraße 25 (bearbeitete historische Aufnahme)

Grisebach realisierte verschiedene Projekte im Stil des Historismus und der deutschen Neorenaissance, er wird auch apostrophiert als „Architekt der Berliner Secession“.

Grisebach gestaltete den Chemie-Pavillon für die Weltausstellung in Chicago 1893 (World’s Columbian Exposition) und den Pavillon für die Weltausstellung Paris 1900. Auffälligstes Zeugnis seines Schaffens in Berlin ist die Hochbahn-Station „Schlesisches Tor“ in Berlin-Kreuzberg (1899–1901), die allerdings stark die Handschrift seines Partners August Dinklage trägt, mit dem er von 1889 bis 1901 in Sozietät zusammenarbeitete und zum Beispiel auch die Johanneskirche in Gießen und die Peterskirche in Frankfurt am Main entwarf. In Berlin-Charlottenburg, Fasanenstraße 25, erbaute Grisebach 1891/1892 sein eigenes Wohnhaus (Villa Grisebach), und ganz in der Nähe 1902/1903 das Haus Fasanenstraße 39 nach Ideen des Bauherrn Dr. Richard Cleve, der dort auch vorzugsweise in Holland erworbene Bauteile in die Fassade mit einbauen ließ. Grisebachs bekanntestes Bauwerk dürfte allerdings das „Haus Wiesenstein“ im polnischen Agnetendorf sein, das Wohnhaus Gerhart Hauptmanns, in dem dieser bis zu seinem Tod lebte.

Überhaupt lieferten Grisebachs Bauten die Kulisse für viel Prominenz des deutschen Geisteslebens. In der Breslauer „Villa Neisser“, 1898 im Scheitniger Park für den bekannten Arzt Albert Neisser und seine Ehefrau Toni errichtet, trafen sich neben Gerhart Hauptmann, Gustav Mahler und Richard Strauss; die „Villa Röhl“ baute er für die Familie Wahllaender/Gropius – sie blieb Walter Gropius' Sommerhaus. Mit Max Liebermann verbanden ihn freundschaftliche Bande: Grisebach wurde für den Umbau des Wohnhauses der Liebermanns am Pariser Platz und für die Gestaltung des Familiengrabes herangezogen; Liebermann seinerseits steuerte Wandgemälde zum „Schloss Klink“ bei, das von Grisebach und Dinklage 1896–1898 bei Waren (Mecklenburg) für Arthur von Schnitzler errichtet wurde. Dieses Schloss ist heute ein bekanntes Ausflugsziel an der Müritz und als Hotel öffentlich zugänglich. Schon zuvor war Grisebach für einen Kölner tätig, indem er 1882/83 für den Industriellen Paul Andreae dessen Gut Mielenforst neu beplante. Das Herrenhaus wurde 1885 fertiggestellt.

Ein weiteres Gebäude Grisebachs ist das „Schloss Tremsbüttel“, nahe Bargteheide im Nordosten Hamburgs gelegen. Der Remscheider Montanunternehmer Alfred (Fritz) Hasenclever ließ den weithin sichtbaren Bau im Stil des Historismus für seine Frau Olga 1893/1894 als verspätetes Hochzeitsgeschenk errichten. Dieses Gebäude hat innen wie außen viele Details und Elemente bewahrt, die Grisebach mit dem Stil der damaligen Zeit verband. Ebenso wie Schloss Klink wird Tremsbüttel als Hotel und Gastronomie genutzt und ist somit öffentlich zugänglich. Das Gleiche trifft für das Erbprinzenpalais in Wernigerode zu, das er 1893/1894 im Auftrag des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode als Wohnhaus für den gräflichen Kammerpräsidenten Rudolf Grisebach – seinen Vetter – errichtete. Ferner stammen auch die Entwürfe des Hotels „Steinerne Renne“, die 1901 errichtete Villa des Rechtsanwalts Hasert am Lindenberg in Wernigerode und das Landhaus Weise in Hasserode aus seiner Feder.

Im Büro Grisebachs arbeitete vorübergehend auch der Architekt Julius Graebner.

Grisebachs Sohn war der Kunsthistoriker August Grisebach. Der Architekt Helmuth Grisebach hingegen war sein Neffe.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ekhart Berckenhagen (Bearb.): Hans Grisebach. Architekt der Gründerjahre. Seine Zeichnungen in der Kunstbibliothek Berlin. Berlin, 1974. (Sammlungskataloge der Kunstbibliothek Berlin, 7.)
  • Uwe Kieling: Berliner Privatarchitekten und Eisenbahnbaumeister im 19. Jahrhundert. Biographisches Lexikon. In: Miniaturen zur Geschichte, Kultur und Denkmalpflege Berlins, Nr. 26. Hrsg. v. den Berliner Bezirksvorständen der Gesellschaft für Heimatgeschichte und für Denkmalpflege im Kulturbund der DDR, Berlin 1988 (Biografische Daten und Verzeichnis der Bauten)
  • Irmgard Wirth: Grisebach, Hans Otto Friedrich Julius. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 99 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hans Grisebach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien