Hans Herbert Blatzheim

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Hans Herbert Blatzheim, auch HHB genannt, (* 27. November[1] 1905 in Köln; † 1. Mai 1968 in Vico Morcote) war ein deutscher Großgastronom und Unternehmer. Er war mit Magda Schneider verheiratet und der Stiefvater von Romy Schneider.[2]

Leben[Bearbeiten]

Der Gürzenich in Köln

Blatzheim wurde als Sohn des Großkaufmanns Ludwig Blatzheim (* 10. August 1877 in Köln, † 17. September 1961 ebenda) geboren. Er besuchte zunächst ein städtisches Realgymnasium und schloss eine Banklehre an. 1926 wurde Blatzheim Kassenchef beim Bankier Salomon Sternberg in der Metropol-Betriebe AG in Berlin. Ein Jahr später kehrte er nach Köln zurück und eröffnete sein erstes Restaurant namens „Charlott“. Im gleichen Jahr gründete Vater Ludwig Blatzheim mit seinem Sohn die damals 18 Einzelbetriebe umfassenden „Blatzheim-Betriebe“. Es folgte am Hohenzollernring die Neueröffnung des „Kaiserhof“[3], der bald wieder zu einer der führenden deutschen Varietebühnen wurde, das Volksvarieté „Der Burghof“ sowie das Revuetheater Groß-Köln.[4]

Im Dezember 1953 heiratete Blatzheim in zweiter Ehe Magda Schneider, die Mutter von Romy Schneider. Aus seiner ersten Ehe mit der Französin Florence Vroome brachte er drei Kinder mit; sein Verhältnis zu Romy Schneider blieb stets angespannt. Er förderte ihre Karriere, indem er unter anderem ihre Filme in seinen Kinos aufführte, und übernahm ihr Management. Er verwaltete ihre Einnahmen und sondierte die eingehenden Rollenangebote. So wurde ein Angebot für einen Film des spanisch-mexikanischen Regisseurs Luis Buñuel ebenso abgelehnt wie mögliche Engagements in Neuverfilmungen von Der Kongreß tanzt (1955) und Die Drei von der Tankstelle (1955). Blatzheim sah in der jungen Schauspielerin ein Produkt und verplante ihr Leben werbewirksam für seine eigenen Zwecke.

Im Oktober 1958 erwarb Blatzheim mit dem Brüsseler Spitzenlokal Rotisserie Ardennaise sein erstes ausländisches Restaurant.[5] Im April 1965 eröffnete er mit Romy Schneider medienwirksam zehn Restaurants im gerade fertiggestellten Berliner Europa-Center.[6] Blatzheims Unternehmensgruppe, die mit 80 Betrieben zum größten deutschen Gastronomiekonzern aufgestiegen war, durchlebte nach jahrelanger Gewinnphase erstmals 1967 eine größere Unternehmenskrise und erwirtschaftete 1972 bei einem Umsatz von 32 Millionen DM einen Verlust von 750.000 DM.[7]

Blatzheim wohnte während seiner letzten Lebensjahre überwiegend in seiner Villa in Vico Morcote in der Nähe von Lugano in der Schweiz. Hier hatte er bereits die Verlobungsfeier von Romy Schneider mit Alain Delon im März 1959 medienwirksam in Szene gesetzt. Nachdem sich Blatzheim in früheren Jahren von zwei Schlaganfällen gut erholt hatte, starb er dort überraschend am 1. Mai 1968 im Alter von 62 Jahren an einem Herzinfarkt. Der „Gastronomie-Zar“ genannte Blatzheim hinterließ etwa 80 Gastronomiebetriebe in ganz Westeuropa. Nach seinem Tod stellte sich heraus, dass er rund 1,2 Millionen Schweizer Franken vom Vermögen Romy Schneiders veruntreut hatte, um seine Unternehmen vor dem Bankrott zu retten.[8]

Nachfolge[Bearbeiten]

Die Bastei

Jochen Blatzheim (* 1942), sein Sohn aus erster Ehe, leitet heute die Blatzheim-Gaststättenbetriebe GmbH, zu der unter anderem seit mehr als 50 Jahren die Restaurants des Gürzenichs sowie die Bastei gehören. Sein anderer Sohn Dieter war 1966 bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Soénius/Jürgen Wilhelm, Kölner Personenlexikon, 2008, S. 61
  2. Der Spiegel 2/1958 vom 8. Januar 1958, Hans Herbert Blatzheim
  3. www.cologne-info.de
  4. Kölner Express
  5. Der Spiegel 40/1958 vom 1. Oktober 1958, Personalien, S. 73
  6. Wilfried Rott, Die Insel: eine Geschichte West-Berlins 1948-1990, 2009, S. 212
  7. Der Spiegel 34/1973 vom 20. August 1973, Daddys Erben, S. 34 ff.
  8. Ernst Probst, Romy Schneider - Sie wollte nicht ewig "Sissi" sein, 2012, S. 35