Hans Hinkel

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Staatsrat Hans Hinkel in der Uniform eines SS-Brigadeführers (1939)

Hans Hinkel (* 22. Juni 1901 in Worms; † 8. Februar 1960 in Göttingen) war ein deutscher Journalist, Ministerialbeamter und SS-Führer im nationalsozialistischen Deutschen Reich.

Leben[Bearbeiten]

Hinkel, Sohn eines Fabrikanten, trat 1920 dem Freikorps Oberland und 1921 als Student erstmals der NSDAP bei (Mitglieds-Nummer: 287).[1] 1923 nahm er am Hitlerputsch teil.[1] Bereits 1919 hatte er sich der Burschenschaft Sugambria Bonn angeschlossen.[2] Nach dem Verbot und der Wiederzulassung der NSDAP trat er 1925 erneut der NSDAP bei (Mitglieds-Nummer 4.686).[1] 1928 war er Schriftleiter im NS-"Kampfverlag" Berlin, in dem die Organe der NSDAP erschienen, von 1930 bis 1932 Redakteur für den Völkischen Beobachter in Berlin. Daneben war er im völkisch gesinnten, antisemitischen Kampfbund für deutsche Kultur tätig.[1] 1930 wurde er Reichstagsabgeordneter. 1931 trat er der SS bei.[1]

Nach der „Machtergreifung“ der NSDAP 1933 wurde Hinkel Reichsorganisationsleiter des Kampfbundes für deutsche Kultur (KfdK) und Dritter Geschäftsführer der Reichskulturkammer. Ab Juli 1933 überwachte Hinkel als Staatskommissar und „Reichskulturwalter“ den Kulturbund Deutscher Juden, der am 15. Juli 1933 gegründet und am 11. September 1941 durch die Gestapo Berlin aufgelöst wurde. In dieser Funktion sorgte Hinkel für eine Abschottung von den nicht-jüdischen Künstlern.

Seit 1935 war Hinkel im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda als Sonderbeauftragter für „Kulturpersonalien“ zuständig („Sonderreferat Hinkel – Judenfragen“). In dieser Funktion war der SS-Offizier und Blutordensträger insbesondere für die Verdrängung jüdischer Deutscher aus dem Kulturbetrieb verantwortlich, die sogenannte „Entjudung“. Hans Hinkel war unter anderem die treibende Kraft hinter dem Druck, der auf den populären Schauspieler Joachim Gottschalk ausgeübt wurde, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen.

Ende 1942 übernahm Hans Hinkel im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda die Leitung der Filmabteilung. Hinkel organisierte Probevorführungen von Filmen vor Propagandaexperten, Einrichtungen und Behörden. Propagandafilme wurden laufend auf ihre Wirksamkeit getestet. Da die antisemitische Filmpropaganda eine Kernfrage des Nationalsozialismus berührte, dienten diese Testvorführungen zugleich auch als Mittel, um den gesamten Propagandaapparat auf eine gemeinsame, radikale Linie einzuschwören.

Im März 1944 wurde Hans Hinkel neuer Reichsfilmintendant. In dieser Eigenschaft sorgte er dafür, dass in der Endphase des Krieges mehr als die Hälfte aller Angehörigen der deutschen Spielfilmindustrie als Soldaten und beim Volkssturm zwangsdienstverpflichtet wurden. 1945 wurde er interniert und 1947 wegen seiner Verwicklung in den Raub polnischer Kulturgüter nach Polen überstellt.[1] Er kehrte von dort 1952 in die Bundesrepublik Deutschland zurück,[1] wo er nicht mehr für seine Taten zur Verantwortung gezogen wurde.

Seine sämtlichen Veröffentlichungen, darunter die von ihm herausgegebenen Schriften Handbuch der Reichskulturkammer und Judenviertel Europas, wurden in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[3][4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alan E. Steinweis: Hans Hinkel and German Jewry, 1933-1941. In Leo Baeck Institute Yearbook 38, 1993, S. 209-219 1. Seite
  •  Erich Stockhorst: 5000 Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. Arndt, Kiel 2000, ISBN 3-88741-116-1.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 2: F–H. Heidelberg 1999, S. 342–343.
  • Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 249–250.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 249–250.
  2. Helge Dvorak/Christian Hünemörder, Biographisches Lexikon der deutschen Burschenschaft, Teilband 2: F–H, Heidelberg 1999, S. 342-343, hier: S. 342.
  3. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-h.html
  4. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-i.html