Hans Jeschonnek

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Hans Jeschonnek (* 9. April 1899 in Hohensalza; † 18. August 1943 im Lager Robinson, Ostpreußen) war Generalstabschef der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg.

Leben[Bearbeiten]

Hans Jeschonnek war Sohn eines Studienrats, sein Bruder war der spätere Inspekteur der Marine Vizeadmiral Gert Jeschonnek.

Hans Jeschonnek meldete sich mit 15½ Jahren von der Kadettenanstalt Lichterfelde an die Front des Ersten Weltkriegs, wo er im 3. Niederschlesischen Infanterie-Regiment Nr. 50 diente und im September 1914 zum Leutnant befördert wurde. Im Sommer 1917 wechselte zur Fliegertruppe, mit der er nach Kriegsende an den Grenzkämpfen in Oberschlesien teilnahm.

Nach der Übernahme in die Reichswehr tat er Dienst als Kavallerieoffizier und beendete als Jahrgangsbester die Generalstabsausbildung.

Danach arbeitete er in einer Abteilung des Reichswehrministeriums, die für den geheimen Aufbau einer nach dem Krieg verbotenen Luftwaffe verantwortlich war. 1933 wurde Jeschonnek Adjutant des Staatssekretärs im Reichsluftfahrtministerium Erhard Milch.

1935 wurde er zur Fliegergruppe Greifswald versetzt und übernahm im Oktober 1936 als Kommodore das dort aufgestellte Lehrgeschwader der Luftwaffe. 1937 kehrte Jeschonnek als Abteilungsleiter ins Reichsluftfahrtministerium zurück, wo er im Februar 1938 zum Chef des Luftwaffenführungsstabes ernannt und im November 1938 zum Oberst befördert wurde.

Vom 1. Februar 1939 bis zu seinem Tod war er Generalstabschef der Luftwaffe, ab August 1939 als Generalmajor. Nach den Erfolgen der Luftwaffe im Polenfeldzug 1939 und im Westfeldzug 1940 wurde er bereits im Juli 1940 unter Überspringung des Rangs Generalleutnant zum General der Flieger befördert.

Die Luftrüstung erwies sich (mit Blick auf das Blitzkrieg-Konzept) letztlich als zu knapp geplant. Dies zeigte sich bereits in der Luftschlacht um England 1940, später angesichts hoher Verluste im Krieg gegen die Sowjetunion und im Mittelmeerraum, wo es der Luftwaffe nicht gelang, die Luftüberlegenheit herzustellen und somit die Versorgung des Afrikakorps zu sichern.

Jeschonnek hatte vor dem Krieg als einziger Amtschef des Reichsluftfahrtministeriums das völlig überzogene, wegen fehlender Rüstungskapazitäten wie Finanzen nicht umzusetzende Luftrüstungskonzept Adolf Hitlers gutgeheißen, so dass Hermann Göring es nicht wagte, Hitler ein realistisches, verkleinertes Programm vorzuschlagen. Das schließlich realisierte Rüstungsprogramm blieb weit hinter den Vorgaben Hitlers zurück.

Jeschonnek wurde noch im Frühjahr 1942 zum Generaloberst befördert.

Nach den schweren Luftangriffen auf Hamburg im Juli und August 1943 wurde in der Luftwaffenführung bereits die Ablösung Jeschonneks und Görings diskutiert. Hitler war seit dem Scheitern der Luftversorgung des Kessels von Stalingrad schlecht auf Göring zu sprechen und richtete seinen Zorn über die Hilflosigkeit der Luftwaffe gegenüber britisch-amerikanischen Angriffen wie der Battle of the Ruhr zunehmend auch gegen Jeschonnek, wobei Göring seinen Generalstabschef im Stich ließ.

Beisetzung Jeschonneks, rechts Reichsmarschall Hermann Göring
Grabstein Jeschonneks

Nach dem ersten schweren Luftangriff gegen Peenemünde in der Nacht von 17. auf den 18. August 1943 beging Jeschonnek am nächsten Morgen Suizid. Göring verfälschte den Todestag auf den 19. August, um keinen Zusammenhang zu dem Bombenangriff aufkommen zu lassen, und bestimmte Magenbluten als Todesursache. Joseph Goebbels kommentierte das in seinem Tagebuch am 20. August 1943: Göring teilt mir mit, daß Generaloberst Jeschonnek plötzlich an einer Magenblutung verstorben sei. Diese Magenblutung entspricht natürlich nicht den Tatsachen. Jeschonnek hat sich erschossen, genau wie Udet.[1] Bis heute hält sich der falsche Todestag in der Literatur über Jeschonneks Tod.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hans Jeschonnek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elke Fröhlich (Hrsg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels. K. G. Saur, München, Teil II: Diktate 1941–1945. 15 Bde. 1993–1996, ISBN 3-598-21920-2. Band 9, S. 318, 20. August 1943
  2. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 421