Hans Kopfermann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hans Kopfermann (1937)

Hans Kopfermann (* 26. April 1895 in Breckenheim bei Wiesbaden; † 28. Januar 1963 in Heidelberg) war ein deutscher Experimentalphysiker.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Hans Kopfermann (1920)

Der Pfarrersohn Hans Kopfermann wuchs im Rheinland auf, begann 1913 ein Physikstudium an der Universität Erlangen und der Universität Berlin, meldete sich 1914 freiwillig als Soldat und war bei Kriegsende Stabsoffizier an der Westfront. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte er sein Studium in Erlangen und Göttingen fort und beteiligte sich im Frühjahr 1919 im Freikorps Epp an der Repression der Räterepublik in München. Nach dem Staatsexamen fürs Lehramt promovierte er im Jahr 1923 bei James Franck und ging anschließend als Assistent zu Rudolf Ladenburg ans Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem (dem späteren Fritz-Haber-Institut). An die Habilitation 1932 schloss sich ein einjähriger Forschungsaufenthalt bei Niels Bohr in Kopenhagen an. 1933 wurde er Oberassistent von Gustav Hertz an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg und bekam den Titel eines nichtbeamteten außerplanmäßigen Professors. 1937 übernahm er die ordentliche Professur Heinrich Rausch von Traubenbergs an der Universität Kiel. 1941 trat er der NSDAP und dem Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund bei und wurde Dekan der philosophischen Fakultät in Kiel.[1] 1940 und 1942 setzte er sich in den von Wolfgang Finkelnburg organisierten Schlichtungsgesprächen (später als „Münchner Religionsgespräche“ bezeichnet) gegen Angriffe von Vertretern einer "arischen Physik" und für die Anerkennung der modernen theoretischen Physik ein. 1942 wechselte er an die Universität Göttingen und wurde dort Direktor des II. Physikalischen Instituts. Während des Zweiten Weltkriegs war er nicht am deutschen Uranprojekt beteiligt.[2] Er entwickelte ein auf medizinische Anwendungen ausgelegtes Betatron, das kurz vor Kriegsende von Siemens-Reiniger in Erlangen fertiggestellt, aber erst 1947 in Göttingen in Betrieb genommen wurde. Kopfermanns letzter beruflicher Wechsel führte ihn 1953 als Direktor des I. Physikalischen Instituts an die Universität Heidelberg.

Mit Ladenburg beschäftigte er sich mit der anomalen Dispersion in Gasen[3] und mit stimulierter Emission. Ab 1931 begann er seine grundlegenden Untersuchungen zur Hyperfeinstruktur in atomaren Spektren und den daraus gewonnenen Erkenntnissen über Kernmomente.

Er war der Lehrer u. a. von Hans Georg Dehmelt, Wolfgang Paul, Hans Ehrenberg, Gisbert Freiherr zu Putlitz und Peter Brix.

Kopfermann gehörte 1957 (er war damals Vizepräsident des Arbeitskreises Kernphysik in der Deutschen Atomkommission) zu den Unterzeichnern der "Göttinger Erklärung" gegen die Atombewaffnung der BRD der Göttinger Achtzehn.

Kopfermann war Mitglied der Heidelberger, der Göttinger und der königlich dänischen Akademie der Wissenschaften.

Werke[Bearbeiten]

  • Kernmomente, Leipzig 1940; 2. neubearb. Aufl.: Frankfurt 1956.
  • Physics of Electron Shells, Fiat Review of German Science 1939-1946, Vol. 12, Klemm, Wiesbaden 1948, Petersburg (N.Y.) 1950.
  • Physik der Elektronenhüllen, Verlag Chemie 1953
  • Über Optisches Pumpen an Gasen, Springer 1960

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen und Verweise[Bearbeiten]

  1. Nach Hentschel (Herausgeber) „Physics and National Socialism“, Birkhäuser 1996, wurde er vom Universitätspräsidenten dazu gedrängt
  2. Klaus Schlüpmann, Vergangenheit im Blickfeld eines Physikers. Hans Kopfermann 1895-1963, 2002, Kap. 2.12
  3. “Untersuchungen über die anomale Dispersion angeregter Gase II – anomale Dispersion in angeregtem Neon“, Zeitschrift für Physik Bd.48, 1928, S.26, „Experimenteller Nachweis der negativen Dispersion“, Zeitschrift für physikalische Chemie, Abteilung A, Bd.139, 1928, S.375