Hans Kroll

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hans Kroll (1962)

Hans Kroll (* 18. Mai 1898 in Deutsch Piekar (heute: Piekary Śląskie), Oberschlesien; † 8. August 1967 in Starnberg, Bayern) war ein deutscher Diplomat und Botschafter in Belgrad, Tokio und Moskau.

Leben[Bearbeiten]

Hans Kroll trat nach seinen Studium und seiner Promotion 1920 in den diplomatischen Dienst ein. Er war eingesetzt bei der Gesandtschaft in Lissabon, der Botschaft in Madrid und in den Generalkonsulaten in Odessa, Chicago und San Francisco. Von 1929 bis 1936 arbeitete er im Auswärtigen Amt im Sonderreferat Wirtschaft unter der Leitung von Karl Ritter. 1934/35 reiste er für mehrere Monate mit einer deutschen Wirtschaftsdelegation durch Südamerika. Kroll war von 1936 bis 1943 in der Türkei tätig, zuletzt als Erster Botschaftsrat, ab 1939 unter dem Botschafter Franz von Papen. Anschließend leitete er bis zum Kriegsende das Generalkonsulat in Barcelona.

Nach 1945 arbeitete Kroll für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Karl Arnold, für den Außenpolitischen Ausschuss der CDU der Britischen Besatzungszone und für die Presse. 1950 trat er ins Bundesministerium für Wirtschaft ein, wurde erster bundesdeutscher Gesandter bei den COCOM-Ausschüssen in Paris und leitete dann die Gruppe West-Ost.

Von 1953 bis 1955 war Kroll deutscher Botschafter in Belgrad, Jugoslawien, und hatte dort die Gelegenheit, die durch den Tod Stalins verursachten politischen Auswirkungen zu beobachten. Von 1955 bis 1958 war Kroll erster deutscher Botschafter in Tokio, Japan.

Von 1958 bis 1962, zur Zeit der sogenannten Zweiten Berlin-Krise und des Mauerbaues der DDR im Jahre 1961 war Kroll Botschafter in Moskau. Dabei war sein Ziel stets die Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Zu diesem Zweck lud er sich beispielsweise am 9. November 1961 selbst zu einem Gespräch bei Regierungschef Nikita S. Chruschtschow ein, das in der internationalen Presse starke Aufregung verursachte.

Im Februar 1962 entstand eine Affäre um Hans Kroll, der neu ostpolitische Überlegungen Konrad Adenauers, die auf dem sogenannten Globke-Plan beruhten, gegenüber Pressevertretern ausplauderte. Im September 1962 wurde er von seinem Posten abberufen und arbeitete die wenigen Monate bis zu seiner Pensionierung im Mai 1963 als Berater der Bundesregierung für Ostfragen im Auswärtigen Amt.

Kroll war Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Winfridia (Breslau) Münster im CV und Mitglied der CDU.

Kroll-Affäre[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Hans Kroll war als Botschafter der Bundesrepublik Mittler und geschätzter Vertrauter von Adenauer und Chruschtschow.

Kroll wurde vorgeworfen, in einem Gespräch mit Chruschtschow am 9. November 1961 ohne Auftrag Adenauers eigene Vorstellungen zur Lösung des Deutschland-Problems entwickelt zu haben – Vorstellungen, die der offiziellen Politik der Bundesrepublik zuwiderliefen. Trotzdem schickte ihn der Kanzler, nachdem er ihn umgehend zur Berichterstattung nach Bonn einberufen hatte, zurück nach Moskau. Adenauer wusste es wohl zu schätzen, in der sowjetischen Hauptstadt einen Vertreter zu wissen, der sich eines guten Kontaktes zu Chruschtschow erfreute.

Am 17. Februar 1962 kam ein neuer Paukenschlag. Der Bonner Korrespondent Der Welt, Georg Schröder, schrieb in einem Leitartikel: „Die Zahl derer in Bonn ist nicht klein, die wissen, dass es einen vielgenannten Beamten gibt, der den deutschsowjetischen Ausgleich, koste es, was es wolle, propagiert.“ Er konnte sich dabei auf ein Gespräch Krolls mit Journalisten am 13. Februar berufen, in dem der Botschafter neue ostpolitische Überlegungen des Kanzlers und seiner beiden Vertrauten Hans Globke und Heinrich Krone ausgeplaudert hatte.

Zwischen Kanzleramt und Auswärtigem Amt kam es in den folgenden Tagen zu intensiven Diskussion, in denen man sich schließlich darauf einigte, Kroll nach einigen Monaten – schließlich dann im September 1962 – aus Moskau abzuberufen. Auf diese Entscheidung hatte, trotz gegenteiliger Gerüchte, die amerikanische Regierung keinen Einfluss. Forciert wurde die Affäre jedoch durch die Springer-Zeitungen Welt und Bild. Letztere titelte am 1. März 1962: „Schickt Kroll sofort in die Wüste!“

Zitate[Bearbeiten]

Der bundesdeutsche Botschafter in Moskau, Hans Kroll, beschreibt in seinem Tagebuch die in Moskau herrschende politische Stimmung im Jahre 1961:

„Die sowjetische Presse und der sowjetische Rundfunk setzen ihren Nervenkrieg in der Berlin-Frage fort. Offenbar hat die enorme Zunahme der Flüchtlingszahlen nicht nur Pankow, sondern auch den Kreml nervös gemacht. Botschafter Thompson (der amerikanische Botschafter in Moskau, d. Hg.) befürchtet, daß man bald etwas gegen diese Massenflucht unternehmen wird. Aber was kann man dagegen tun? Sollte man versuchen, die Lufttransporte zu behindern, so dürfte dies mit Sicherheit zu einer akuten und überaus ernsten Krise führen. Ich fand Botschafter Thompson, aber auch meine Freunde Roberts und Dejean (der britische bzw. französische Botschafter in Moskau) selten so besorgt wie jetzt.“

Kroll 1967, S. 498

Dem damaligen deutschen Botschafter in Moskau, Hans Kroll, erläuterte Chruschtschow später:

„Man kann sich unschwer ausrechnen, wann die ostdeutsche Wirtschaft zusammengebrochen wäre, wenn wir nicht alsbald etwas gegen die Massenflucht unternommen hätten. Es gab aber nur zwei Arten von Gegenmaßnahmen: die Lufttransportsperre oder die Mauer. Die erstgenannte hätte uns in einen ernsten Konflikt mit den Vereinigten Staaten gebracht, der möglicherweise zum Krieg geführt hätte. Das konnte und wollte ich nicht riskieren. Also blieb nur die Mauer übrig. Ich möchte Ihnen auch nicht verhehlen, dass ich es gewesen bin, der letzten Endes den Befehl dazu gegeben hat. Ulbricht hat mich zwar seit längerer Zeit und in den letzten Monaten immer heftiger gedrängt, aber ich möchte mich nicht hinter seinem Rücken verstecken, er ist viel zu schmal für mich.“

Hans Kroll: Lebenserinnerungen eines Botschafters. Köln/Berlin 1967

Schriften[Bearbeiten]

  • Hans Kroll. Lebenserinnerungen eines Botschafters Kiepenheuer & Witsch; Köln, Berlin, 1967.
  • Mémoires d’un ambassadeur. Fayard, Paris 1968
  • Botschafter in Belgrad, Tokio und Moskau: 1953–1962 Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1969.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Heinrich von Hardenberg Deutscher Botschafter in Belgrad
1953–1954
Karl Georg Pfleiderer
Heinrich Northe Deutscher Botschafter in Tokio
1955–1958
Wilhelm Haas
Wilhelm Haas Deutscher Botschafter in Moskau
1958–1962
Horst Groepper