Hans Luther

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Hans Luther (* 10. März 1879 in Berlin; † 11. Mai 1962 in Düsseldorf) war ein deutscher Jurist, Politiker und Finanzfachmann.

[Bearbeiten] Leben und Werk

Luther schloss ein Jurastudium in Kiel, Genf und Berlin 1904 mit der Promotion ab. Er war Mitglied im Akademischen Turnbund (ATV Ditmarsia Kiel und ATV Kurmark Berlin). Anfangs schlug er eine Verwaltungslaufbahn ein und war ab 1907 Stadtrat in Magdeburg sowie von 1918 bis 1922 Oberbürgermeister von Essen.

Von 1922 bis 1923 war er als Parteiloser, der aber der DVP nahestand, Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, anschließend bis 1925 Reichsfinanzminister der Weimarer Republik. In dieser Funktion trug er zur Konsolidierung der Währung nach der Zeit der Hyperinflation bei. Dies gelang auch dadurch, dass er die Einsetzung Hjalmar Schachts als Reichswährungskommissar erwirkte, der später als Nachfolger von Rudolf E. A. Havenstein Reichsbankpräsident wurde.

Ab Januar 1925 führte Luther als Reichskanzler die bürgerliche Koalitionsregierung an, der außer Zentrum, DDP und DVP erstmals die rechtsnationale DNVP angehörte. Als Reichskanzler versuchte er die Rechte des Parlaments zugunsten der Regierung einzuschränken. Die Koalition zerbrach nach der Unterzeichnung des Locarno-Pakts durch den Austritt der DNVP, bis Mai 1926 amtierte Luther noch als Regierungschef einer bürgerlichen Minderheitskoalition, bis er wegen einer Auseinandersetzung um die Flagge des Reiches zurücktrat.

Im Januar 1928 wurde er Vorsitzender des Bundes zur Erneuerung des Reiches, der einen dezentralen Staat anstrebte, 1931 Mitglied der Gesellschaft der Freunde.

Von März 1930 bis März 1933 war er Reichsbankpräsident und wurde am 17. März 1933 durch seinen Nachfolger Hjalmar Schacht abgelöst. Durch seine Bereitschaft zur massiven Kreditaufnahme unterstützte er das Arbeitsbeschaffungsprogramm Adolf Hitlers, sprach sich aber dagegen aus, dass auch zur Aufrüstung verstärkt Kredite aufgenommen werden sollte. Darauf wurde er durch Schacht ersetzt und war bis 1937 deutscher Botschafter in den USA.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war er in verschiedenen Funktionen an der Ausgestaltung des bundesrepublikanischen Bankenwesens und von 1952 bis 1955 als Vorsitzender des Sachverständigen-Ausschusses für die Neugliederung des Bundesgebietes an der Erörterung der Ländergliederung beteiligt.

[Bearbeiten] Werke

  • Politiker ohne Partei, Stuttgart. 1960.
  • Vor dem Abgrund 1930-1933. Reichsbankpräsident in Krisenzeiten, Berlin 1964.

[Bearbeiten] Weblinks

Siehe auch: Kabinett Luther I, Kabinett Luther II

Persönliche Werkzeuge