Hans Neuenfels

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Hans Neuenfels (* 31. Mai 1941 in Krefeld) ist ein deutscher Schriftsteller, Dichter, Filmemacher, Librettist, Theaterregisseur und Opernregisseur.

Biografie[Bearbeiten]

Hans Neuenfels studierte Schauspiel und Regie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, wo er auch seine spätere Frau, die österreichische Schauspielerin Elisabeth Trissenaar kennenlernte, mit der er bis zum heutigen Tag verheiratet ist und einen Sohn, den Kameramann Benedict Neuenfels, hat. Am 2. Februar 1962 hat er an der Bühne für sinnliche Wahrnehmung – KONZIL, einem im Rahmen des „Studium Universale” der Universität Bonn von Gerd Hergen Lübben gegründeten kulturellen Forum, mit seinen Gedichten „ABSPRUNG IN ANDEREN ATEM“ teilgenommen.[1] Über ein Jahr war Hans Neuenfels Assistent von Max Ernst und lebte mit ihm in Paris.

1964 begann er mit dem Inszenieren am Theater am Naschmarkt in Wien, arbeitete in Trier, Krefeld und Heidelberg und ging 1972 nach Frankfurt am Main, wo er unter der Intendanz von Peter Palitzsch im Mitbestimmungsmodell das Schauspiel mitprägte (Medea von Euripides, 1975 und Goethes Iphigenie auf Tauris, 1979). Er inszenierte unter anderem Roger Vitracs Victor oder Die Kinder an der Macht (in Hamburg mit Ulrich Wildgruber und in Wien mit Klaus Maria Brandauer), Penthesilea am Schillertheater (Berlin) mit Elisabeth Trissenaar, Ein Sommernachtstraum ebenfalls am Schillertheater mit Bernhard Minetti, Das Käthchen von Heilbronn am Wiener Burgtheater mit Anne Bennent sowie 1977 Frank Wedekinds Lulu am Schauspielhaus im Corso Zürich.

1974 mit Verdis Der Troubadour in Nürnberg begann dann seine Karriere als Opernregisseur. Berühmt wurde 1980 seine Produktion von Giuseppe Verdis Aida an der Oper Frankfurt (Bühnenbild Erich Wonder, Dirigent Michael Gielen), und geradezu sprichwörtlich wurde Neuenfels' Entscheidung, die Titelheldin als Putzfrau zu zeigen. In Frankfurt inszenierte er auch Die Gezeichneten von Franz Schreker. Seine erste Inszenierung einer Mozart-Oper, Die Entführung aus dem Serail (in Stuttgart), wurde mit dem Bayerischen Kunstpreis ausgezeichnet. Skandale oder zumindest größeres Aufsehen produzierten Le prophète (Giacomo Meyerbeer) an der Wiener Staatsoper, seine Nabucco-Interpretation an der Deutschen Oper Berlin, sowie im Sommer 2001 Die Fledermaus von Johann Strauß bei den Salzburger Festspielen.

Von 1986 bis 1990 war er Intendant am Theater der Freien Volksbühne in West-Berlin.

Zeit seines Lebens war er schriftstellerisch tätig. Zahlreiche Artikel erschienen in "Theater heute", in "Die Zeit" und anderen Zeitungen. 1991 veröffentlichte er seinen ersten Roman "Isaakaros". 2000 wurde sein erstes eigenes Stück Frau Schlemihl und ihre Schatten am Münchener Residenztheater und sein erstes Libretto Giuseppe e Sylvia – eine Überarbeitung seines Original-Stoffes von 1981 – mit der Musik von Adriana Hölszky an der Staatsoper Stuttgart unter eigener Regie uraufgeführt. Für seine Rede über die Klassik, die er anlässlich der Eröffnung einer Antikenausstellung in Berlin hielt, wurde er 2003 mit dem Cicero-Rednerpreis ausgezeichnet.

Seine Inszenierungen im Jahre 2004 waren Leoš Janáčeks Die Sache Makropulos in Stuttgart (Dirigent: Sylvain Cambreling), Fidelio in Hamburg (Dirigent: Ingo Metzmacher), die Uraufführung der von ihm selbst getexteten Oper Die Schnecke (Musik: Moritz Eggert) am Nationaltheater Mannheim und Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk, Komische Oper Berlin. 2005 schrieb und inszenierte er für die RuhrTriennale eine "Oper mit Klavier" mit dem Titel "Schumann, Schubert und der Schnee".

In Neuenfels' Idomeneo-Inszenierung, welche im Dezember 2003 an der Deutschen Oper Berlin Premiere hatte, gibt es im Epilog eine Szene, in der Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Christus, Mohammed und Buddha aus einem Laken holt und diese auf 4 Stühle stellt. Nach einer Warnung des Landeskriminalamts setzte die Deutsche Oper Berlin Idomeneo am 25. September 2006 aus Angst vor islamistisch motivierten Anfeindungen gegen diese Szene ab. Nach heftigen öffentlichen Protesten und einer Entwarnung des LKA wurde die Oper (in unveränderter Inszenierung) jedoch ab Dezember 2006 wieder aufgeführt.

Seit 2005 ist Neuenfels Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und seit 2006 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

2010 inszenierte Neuenfels Richard Wagners Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen[2] und Johann Simon Mayrs Medea in Corinto an der Bayerischen Staatsoper München[3].

Ehrungen, Preise[Bearbeiten]

Literarische Arbeiten[Bearbeiten]

  • 1959: Ovar und Opium. Ein manieristisches Diktat – Zyklos aus fünf Gedichten, Verlag Eremiten Presse, Stierstadt im Taunus
  • 1963: Mundmündig, Galerie der Spiegel, Köln
  • 1991: Isaakaros, Residenz Verlag, Salzburg
  • 2001: Neapel oder die Reise nach Stuttgart, Jung und Jung, Salzburg
  • 2009: Wie viel Musik braucht der Mensch? Über Oper und Komponisten, Bertelsmann, München, ISBN 978-3-570-58005-9 (= Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann).
  • 2011: Briefe an Vater und Sohn, mit Grafiken von Bernhard Jäger, Corvinus Presse,
  • 2011: Das Bastardbuch. Autobiografische Stationen. Bertelsmann, München, ISBN 978-3-570-58028-8 (= Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann).
  • 2012: Ich war der Kater von Dmitri Schostakowitsch, in: Katzenmusik und Katerstimmung: Tierisch-musikalische Geschichten, herausgegeben von Elke Heidenreich und illustriert von Rudi Hurzlmeier, Bertelsmann, München, ISBN 978-3-570-58036-3 (= Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann).

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1983: Heinrich Penthesilea von Kleist
  • 1983: Die Familie oder Schroffenstein
  • 1984: Die Schwärmer
  • 1985: Das Gehirn zu Pferde
  • 1988: Europa und der zweite Apfel. Der tollwütige Mund (TV)
  • 1990: Das Blinde Ohr der Oper
  • 1999: Die Entführung aus dem Serail (TV)
  • 2001: Die Fledermaus (La chauve-souris) (TV)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. „Vom Experiment zur Form. Dritter Abend: ‚bühne für sinnliche wahrnehmung’“; in: Bonner Rundschau, 6. Februar 1962; darin heißt es, dass Neuenfels, als Autor zugleich „ein vortrefflicher Interpret seiner Verse“, „eine bewegte Gedankenfülle aus der Empfindungswelt von heute in eine bilderreiche Sprache kleidet“.
  2. "Neuenfels' tierischer "Lohengrin" begeistert Bayreuth", Manuel Brug, Die Welt, 26. Juli 2010.
  3. Poesie und Gewalt. Simon Mayrs „Medea“ gehört ins Repertoire – in München zeigt Hans Neuenfels, warum, Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau, 9. Juni 2010, S. 30.

Weblinks[Bearbeiten]