Hans Schemm

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Hans Schemm

Hans Heinrich Georg Schemm[1] (meist lediglich Hans Schemm; * 6. Oktober 1891 in Bayreuth; † 5. März 1935 ebenda) war NSDAP-Gauleiter der Bayerischen Ostmark, Reichswalter des Nationalsozialistischen Lehrerbunds (NSLB) und Bayerischer Kultusminister.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft, Ausbildung und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Hans Schemm wurde als zweiter von drei Söhnen des Konrad Schemm und der Babette Meyer[1] geboren. Seine Eltern betrieben eine Schusterei. Aufgrund der Beanspruchung der Eltern als Lieferant des örtlichen Militärs wuchs er überwiegend bei seiner Großmutter auf. Sie weckte bei ihm das Interesse für Geschichte und Mythen. Er besuchte zunächst die Volksschule und von 1905 bis 1910 (drei Jahre Präparandenschule und zwei Jahre Seminarkurse) das Lehrerseminar an der Königlich–Bayerischen Lehrerbildungsanstalt Bayreuth.[2] 1915 heiratete er die vier Jahre ältere – aus vermögenden Hause stammende – Baumeisterstochter Babetta Lorenzia Zeitler.[1] 1917 wurde der Sohn Rudolf geboren. Ab 1910 unterrichtete er als Lehrer zunächst in Wülfersreuth, ab 1911 dann in Neufang und ab 1920 an der Altstadtschule, der späteren Hans-Schemm-Schule in Bayreuth. Während seiner Zeit als Lehrer experimentierte er mit Chemikalien und arbeitete mit seinem Mikroskop. Er wurde 1911 vom Wehrdienst zurückgestellt und der Ersatzreserve zugeteilt. Am sechsten Mobilmachungstag (6. August 1914) wurde er „auf dringende Vorstellungen zuständiger Militärärzte“ als Krankenwärter beim Reservelazarett in Bayreuth eingesetzt. Im Winter 1915/16 infizierte er sich mit Tuberkulose, was wieder zeitweise zur Freistellung vom Wehrdienst führte.

Vom 18. April bis 6. Mai 1919 gehörte er dem Freikorps Bayreuth an. An der gewaltsamen Niederschlagung der Münchner Räterepublik am 2. Mai 1919 nahm er nicht mehr aktiv teil, weil er erst danach in München eintraf.

Berufliche Tätigkeit[Bearbeiten]

Schemm wurde im September 1920 Laborant eines bakteriologisch-chemischen Labors der Chemischen Werke Werchow in Thale (ehemals Sanatorium Hubertusbad), das jedoch bereits 1921 aus finanziellen Gründen schloss. Schemm, der sich zuvor wissenschaftlich mit chemisch-biologischen Fragen befasst hatte, kehrte wieder in den Schuldienst zurück. Nebenberuflich lehrte er zwischen 1921 und 1928 an der Volkshochschule.

Mitglied der NSDAP[Bearbeiten]

Ab 1923 hatte Schemm Kontakt mit nationalsozialistischen Gruppierungen, trat der NSDAP bei[3] und lernte am 30. September 1923 Adolf Hitler kennen. 1924 wurde er Beisitzer im Völkischen Bund Bayreuth. Am 27. Februar 1925 gründete Schemm die NSDAP-Ortsgruppe Bayreuth und im gleichen Jahr den Gau Oberfranken der NSDAP.

Schemm baute die Organisation zielstrebig auf. Seine politischen Positionen waren klar antidemokratisch, antisemitisch und antikommunistisch, was u. a. folgende Zitate belegen:

  • „Wir sind revolutionär, wir wollen den gegenwärtigen Staat stürzen … An unseren Feinden werden wir Rache nehmen und zwar blutige Rache.“
  • „Wir sind nicht objektiv – wir sind deutsch!“
  • „… dass an jedem Laternenpfahl ein Jude baumeln solle.“

Parlamentsmitglied[Bearbeiten]

1928 wurde Schemm Mitglied des Bayerischen Landtags und daneben Leiter des Bezirks Franken der nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur.[3] 1929 gründete Schemm den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB), dem er als Reichswalter vorstand.[4] 1932 schied er aus dem Landtag aus.

Systematisch bereitete Schemm die örtliche NSDAP auf die Wahlkämpfe vor, zunächst für die Stadtratswahlen 1929. Die NSDAP erreichte neun Mandate, Schemm wurde Fraktionsvorsitzender. Der Einzug der NSDAP-Fraktion führte zu häufigen Tumulten und einer Prügelei, die durch das aggressive Verhalten der NSDAP-Mitglieder und insbesondere Schemms veranlasst waren.

1930 wurde Schemm Mitglied des Reichstags und blieb es bis zu seinem Tod.

Zeitungsinhaber[Bearbeiten]

1928 und 1929 hatte Schemm die Leitung mehrerer nationalsozialistischer Zeitungen (Streiter, Weckruf und Nationale Zeitung) aufgrund seiner parlamentarischen Immunität übernommen, die er jedoch kurze Zeit später bereits wieder abgab, da es zu viele aufreibende Prozesse gab und sich die Redaktionen nicht immer an seine Anweisungen hielten. Im April 1929 gründete Schemm eine eigene Zeitung, ab August des gleichen Jahres erschien dann die Nationalsozialistische Lehrerzeitung, das Verbandsorgan des NS-Lehrerbundes. Am 1. Oktober 1930 erschien die von Schemm herausgegebene Wochenzeitung Kampf für deutsche Freiheit und Kultur, welche die Auflage von zunächst 3.000 Stück auf 20.000 Stück (1932) steigerte.

1931 gründete Schemm den Nationalsozialistischen Kulturverlag Bayreuth, der ab dem 1. Oktober 1932 die Tageszeitung Das Fränkische Volk (Auflage 10.000 Stück) herausgab.

Gauleiter und Kultusminister[Bearbeiten]

Ab 1928 war Hans Schemm Gauleiter der NSDAP von Oberfranken. 1933 wurde der von Schemm geführte Gau Oberfranken mit dem Gau Oberpfalz-Niederbayern zum Gau Bayerische Ostmark vereinigt. Schemm blieb Gauleiter und etablierte in den folgenden Jahren in diesem Gau eine Nebenausgabe des „Fränkischen Volkes“, die „Bayerische Ostwacht“, welche später in „Bayerische Ostmark“ umbenannt wurde. Schemm wurde außerdem SA-Gruppenführer. Am 16. März 1933 ernannte Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp Schemm zum kommissarischen Kultusminister Bayerns (Kabinett von Epp). Hitler berief ihn dann am 13. April 1933 zum „Leiter der kulturellen und erzieherischen Angelegenheiten Bayerns“. Aufgrund dessen hatte auch der NSLB und der Reichstenographenbund seinen Sitz in Bayreuth. Auch unter der Regierung von Ludwig Siebert (Kabinett Siebert) blieb Schemm bis zu seinem Tode bayerischer Kultusminister. 1933 publizierte er das Buch Gott, Rasse und Kultur.[3]

Auf der Tagung Die Erziehung im nationalsozialistischen Staat, die vom 1. bis 5. August 1933 in München stattfand, rechtfertigte er in einem Referat die nationalsozialistische Gleichschaltung:

  • „Der Nationalsozialismus kam zum Siege durch sein begeistertes Bekenntnis zur Totalität. Und wir werden deswegen nicht nachgeben, bis auch die Letzten … gleichgeschaltet und die, welche nicht wollen, aus irgendwelchen Gründen weggestorben sind“.[3]

Schemm wurde 1933 Ehrenbürger von Bayreuth und später in Eggenfelden und Hof.

1934 wirkte Schemm mit Hans Frank bei der Organisation der Schachweltmeisterschaft 1934 mit und sorgte dafür, dass Schach an Schulen in Bayern gelehrt wurde.[5]

Tod[Bearbeiten]

Am 5. März 1935 starb Schemm aufgrund von Verletzungen, die er sich bei einem Flugzeugabsturz zugezogen hatte; das Flugzeug war während des Starts am Flugplatz von Bayreuth aufgrund eines Pilotenfehlers abgestürzt. Hitler persönlich beorderte den Berliner Professor Ferdinand Sauerbruch per Flugzeug nach Bayreuth. Schemm erlag jedoch vor dessen Eintreffen seinen Verletzungen. Sein (weniger beliebter) Nachfolger als Gauleiter und Reichswalter des NSLB wurde Fritz Wächtler.

Rezeption[Bearbeiten]

Ehemalige Hans-Schemm-Kaserne in Bayreuth

Schemms Leben wurde von den Nationalsozialisten, zum Teil aber auch noch in der nachfolgenden demokratischen Zeit, verklärt. Wegen seines frühen Todes wurde er als „guter“ Nazi bezeichnet. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden diverse Schulen, Straßen und Hallen[6] nach ihm benannt. Auch das Theodolinden-Gymnasium in München hieß früher Hans-Schemm-Schule.[7] Eine dieser Benennungen überdauerte bis April 1986: Die „Hans-Schemm-Kaserne“ der US-Streitkräfte in Bayreuth (deren Hauptgebäude heute u. a. das Sozialgericht Bayreuth beherbergt).[8][9]

Werke[Bearbeiten]

  • Der rote Krieg. Mutter oder Genossin, Bayreuth 1931
  • Unsere Religion heißt Christus, unsere Politik heißt Deutschland!, Sulzbach 1933
  • Hans Schemm spricht. Seine Reden und sein Werk (bearb. von Dr. G. Kahl-Furthmann), Bayreuth 1935

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Rudolf EndresSchemm, Hans Heinrich Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 662 f. (Digitalisat).
  2. Heinrich Friedmann: Das Haus der deutschen Erziehung (= Der junge Staat #5), NS-Kulturverlag, Bayreuth 1933, S. 67
  3. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Fischer Taschenbuch Verlag, zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 530
  4. Nationalsozialistischer Lehrerbund (NSLB), 1929-1943
  5. Efim Bogoljubow: Schachkampf um die Weltmeisterschaft, Karlsruhe 1935, S. 5, sowie Deutsche Schachblätter vom 15. März 1935, S. 1; beide zitiert auf Hans Schemm, abgerufen am 6. November 2011
  6. z. B. Hans-Schemm-Schule in Innsbruck, später Rennerschule, siehe dazu THS Pembaurstraße, (Chronik online), abgerufen am 6. November 2011
  7. Karl Fiehler: München baut auf. Ein Tatsachen- und Bildbericht über den nationalsozialistischen Aufbau in der Hauptstadt der Bewegung, München 1935
  8. Bayerische Ostmark, 1933-1945, abgerufen am 20. November 2012
  9. Bernd Mayer: Bayreuth Chronik, Bayreuth 1989, S. 63