Hans Zender

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Hans Zender (* 22. November 1936 in Wiesbaden) ist ein deutscher Dirigent und Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Zender begann sein Musikstudium 1956 zunächst an der Frankfurter Musikhochschule bei August Leopolder (Klavier) und bei Kurt Hessenberg (Komposition). 1957 wechselte er an die Musikhochschule in Freiburg und studierte dort bei Edith Picht-Axenfeld (Klavier), Carl Ueter (Dirigieren) und Wolfgang Fortner (Komposition).

Von 1959 bis 1963 wirkte er als Kapellmeister an den Städtischen Bühnen in Freiburg im Breisgau, danach als Chefdirigent der Oper der Stadt Bonn. 1969 wurde er nach Kiel berufen, wo er bis 1972 als Generalmusikdirektor tätig war. Bereits 1971 begann er seine Tätigkeit als Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken, das er, so eine Kritik, zu einem „Präzisionsinstrument der modernen Musik“ formte. 1984 wurde er GMD der Hamburgischen Staatsoper und des dortigen Staatsorchesters. 1987 wechselte er in die Position des Chefdirigenten des Kammerorchesters von Radio Hilversum sowie des Principal Guest Conductor der Opéra Nationale in Brüssel, Aufgaben, die er bis 1990 erfüllte.

Von 1988 bis 2000 lehrte Zender als Professor Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Er ist Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg (seit 1985) und der Akademie der Künste Berlin (1989) sowie der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1995). Im Jahre 1964 erhielt er ein Stipendium der Villa Massimo Rom und 1967 wurde er mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Musik ausgezeichnet.

Seit 1999 ist er ständiger Gastdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. Im akademischen Jahr 2005/2006 war Zender Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.[1]

2011 war Zender auf Einladung von Walter Fink der 21. Komponist, der im jährlichen Komponistenporträt des Rheingau Musik Festivals vorgestellt wurde.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Canto I–VI für verschiedene Besetzungen
    • I: für Chor, Flöte, Klavier, Streicher und Schlagzeug (1965)
    • II: für Sopran, Chor und Orchester nach einem Text von Ezra Pound (1967)
    • III: für Sopran, Tenor, Bariton, 10 Instrumente und Live-Elektronik nach Texten von Cervantes (1968)
    • IV: für 16 Stimmen und 16 Instrumente (1969/1972)
    • V: für Stimmen mit Schlaginstrumenten ad lib. (1972/1974)
    • VI: für Bassbariton, gemischten Chor a cappella und Tonband ad lib. (1988)
  • Schachspiel für zwei Orchestergruppen (1969)
  • Modelle für variable Besetzung (1971–1973)
  • Zeitströme für Orchester (1974)
  • Elemente, Tonbandmontage für zwei Lautsprechergruppen (1976)
  • Hölderlin lesen I für Streichquartett mit Sprechstimme (1979)
  • Hölderlin lesen II für Sprechstimme, Bratsche und Live-Elektronik (1987)
  • „denn wiederkommen“ (Hölderlin lesen III) für Streichquartett und Sprechstimme (1991)
  • Mnemosyne (Hölderlin lesen IV) für Frauenstimme, zwei Violinen, Bratsche, Cello und Tonband (2000)
  • Fünf Haiku (LO-SHU IV) für Flöte und Streicher (1982)
  • Dialog mit Haydn für zwei Klaviere und drei Orchestergruppen (1982)
  • Stephen Climax, Oper (1979–1984, Uraufführung 1986)
  • Don Quijote de la Mancha, Oper (1989–1991, Uraufführung 1993; Neufassung 1994, Uraufführung 1999)
  • Schubert's Winterreise – Eine komponierte Interpretation für Tenor und kleines Orchester (1993)
  • Shir Hashirim – Lied der Lieder (Canto VIII), Oratorium für Soli, Chor, Orchester und Live-Elektronik (1992/1996, Gesamt-Uraufführung 1998)
  • Schumann-Fantasie für großes Orchester (1997)
  • Kalligraphie I für Orchester (1998)
  • BARDO für Cello mit Rundbogen und Orchester (2000)
  • Chief Joseph. Musikalisches Theater in drei Akten (Uraufführung 2005)
  • Logos-Fragmente für 32 Sänger und drei Orchestergruppen (2007)
  • Adonde? Wohin? für Violine, Sopran und Ensemble, basierend auf Texten von Juan de la Cruz (UA: 12. September 2009)[2]
  • Issei no kyo – Gesang von einem Ton, mit Piccoloflöte (2011)
  • 33 Veränderungen über 33 Veränderungen, über Beethovens Diabelli-Variationen (2011), gewidmet Alfred Brendel und dem Ensemble Modern[3]

Schriften[Bearbeiten]

  • Hans Zender. Die Sinne denken. Texte zur Musik 1975–2003. Hrsg. von Jörn Peter Hiekel. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2004, ISBN 3-7651-0364-0. (Nahezu eine Gesamtausgabe der Texte Zenders)
  • Happy New Ears. Das Abenteuer, Musik zu hören. Herder, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-451-04049-2. (Vergriffen)
  • Wir steigen niemals in denselben Fluß. Wie Musikhören sich wandelt. Herder, Freiburg im Breisgau ²1998, ISBN 3-451-04511-7.

Interviews[Bearbeiten]

  • Musik ist für mich sehr stark musikalisiertes Wort – Hans Zender zu seinen Kompositionsweisen, den "Cantos" und den "Logos Fragmenten". Ein Interview von Dietrich Heißenbüttel. In: Neue Zeitschrift für Musik, Nr. 5, 2013, S. 8–11.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Gruhn: Auf der Suche nach der verlorenen Wärme? Zu Hans Zenders komponierter Interpretation von Schuberts „Winterreise“. In: Musica, Jg. 48, 1994, S. 148–154.
  • derselbe: Hans Zender. In: Komponisten der Gegenwart. Loseblattlexikon, hg. von Hanns-Werner Heister und Walter-Wolfgang Sparrer. München 1992, 32. Nachlieferung November 2006.
  • derselbe: Musik über Musik. Vermittlungsaspekte des Streichquartetts „Hölderlin lesen“ von Hans Zender. In: Musik und Bildung, Jg. 17, 1985, S. 598–605.
  • Volker Wacker: Hans Zenders Oper „Stephen Climax“. Betrachtungen und Aspekte. In: Constantin Floros, Hans Joachim Marx und Peter Petersen (Hrsg.): Musiktheater im 20. Jahrhundert. Laaber 1998, S. 239–258. (=Hamburger Jahrbuch für Musikwissenschaft 10.)
  • Werner Grünzweig, Jörn Peter Hiekel und Anouk Jeschke (Hrsg.): Hans Zender. Vielstimmig in sich. Wolke, Hofheim 2008, ISBN 978-3-936000-25-2. (= Archive zur Musik des 20. und 21. Jahrhunderts Bd. 12)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe umfangreiche Seite über Zender am Wissenschaftskolleg unter http://www.wiko-berlin.de/index.php?id=155&no_cache=1 weiter unter "Details" (nicht zu verlinken), abgerufen 9. Dezember 2012
  2. Breitkopf & Härtel
  3. Wie man Beethoven überbietet in: FAZ vom 14. November 2011, Seite 27

Weblinks[Bearbeiten]