Hans Zimmer

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Hans Zimmer (Juli 2008)

Hans Florian Zimmer (* 12. September 1957 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Filmkomponist und Musikproduzent. Der Oscarpreisträger arbeitet in Hollywood.

Er gilt als einer der einflussreichsten und bekanntesten Filmkomponisten der Gegenwart und wurde bereits neun Mal für den Oscar, zehn Mal für den Golden Globe Award und neun Mal für den Grammy Award nominiert. 1995 wurde er für die Filmmusik zu Der König der Löwen mit einem Oscar ausgezeichnet. 2010 bekam er einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. 2011 folgte ein Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Zimmer erlernte als Kind das Klavierspiel im Elternhaus in Königstein-Falkenstein, wobei er nur kurze Zeit einen Klavierlehrer hatte, da er sich dessen Disziplin hinsichtlich der Grundregeln für einen Pianisten nicht unterwerfen wollte. Er machte im englischen Internat Hurtwood House[1] in Dorking, Surrey das Abitur und spielte in Gruppen wie Krisma und Helden (mit dem Schlagzeuger von Ultravox, Warren Cann) am Synthesizer. Eine akademische musikalische Ausbildung durchlief er nicht. Hans Zimmer ist verheiratet und hat vier Kinder.

Hans Zimmer (Dezember 2010)

Jahre in England[Bearbeiten]

Ende der 1970er Jahre war Zimmer Komponist von Werbemusikjingles und wirkte im Videoclip des Buggles-Hit Video Killed the Radio Star am Modular-Synthesizer mit. Im Londoner Studio Air Edel komponierte er Werbe- und Radio-Jingles. Dort lernte er den bekannten englischen Filmmusik-Komponisten Stanley Myers kennen, dessen Assistent er 1980 wurde. Von ihm lernte Zimmer viel über das Komponieren für ein Orchester. Durch diese Zusammenarbeit bekam er erste kleinere Aufträge für eigene Filmmusikkompositionen, machte aber in den 1980er Jahren schnell durch die Vertonung von Filmen wie Miss Daisy und ihr Chauffeur auf sich aufmerksam.

Hollywood[Bearbeiten]

Zimmer wurde Anfang der 1990er Jahre vor allem wegen seiner innovativen Kombination von Orchester- und Synthesizer-Klängen bekannt. Mit Ridley Scotts Black Rain und Ron Howards Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen schuf er einen neuartigen Stil, Actionfilme zu vertonen. Besonders Backdraft gilt als Meilenstein der Filmmusikgeschichte: Zimmers Entscheidung, den Film mit einem sogenannten „Wall-to-Wall Score“ zu vertonen, also den Großteil des Films mit Musik zu unterlegen, schuf den Prototyp für viele Action-Filmmusiken, die danach in Hollywood produziert wurden. Die Stilistik, die grob auf einem mächtigen Hauptthema, rhythmischen Action-Motiven und behutsameren Passagen für die beiden Hauptfiguren (dargestellt von Kurt Russell und William Baldwin) basiert, findet sich in zahlreichen späteren Filmmusiken wieder.[2]

Hans Zimmer (Dezember 2010)

Gemeinsam mit seinem Partner Jay Rifkin gründete er Mitte der 1980er-Jahre das Filmmusikstudio Media Ventures. Im Jahre 2003 übernahm Zimmer nach einem Rechtsstreit mit Rifkin mit seinem Unternehmen Remote Control Productions das Geschäft. Remote Control ist eine Art Talentschmiede, in der auch einige andere Filmmusik-Komponisten, wie z. B. Steve Jablonsky, James Dooley, Heitor Pereira und Geoff Zanelli arbeiten. Zu den bekanntesten ehemaligen Remote-Control-Komponisten gehören Klaus Badelt, John Powell, Nick Glennie-Smith, Mark Mancina und Harry Gregson-Williams.

Zimmer lebt und arbeitet heute in Los Angeles und zählt zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Filmkomponisten der Hollywood-Geschichte. Nach dem Abschluss der Arbeiten an Illuminati – Angels & Demons plante Zimmer, einige Konzerte zu geben, jedoch konnte dies bislang nur eingeschränkt verwirklicht werden, da er neue Aufträge annahm. Wie er in einem Interview mit der Internetseite Amazona.de sagte, sind die meisten Regisseure, mit denen er zusammenarbeitet, seine Freunde, und es fällt ihm schwer, einen Auftrag von ihnen abzulehnen.[3]

Engagements[Bearbeiten]

Im Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs 2008 engagierte sich Hans Zimmer als Botschafter in Deutschland. Ziel der Kampagne der Europäischen Kommission war es, die Menschen in allen 27 EU-Ländern über die Vorteile von Vielfalt zu informieren und sie für einen interkulturellen Austausch zu begeistern.

Als Reaktion auf den Anschlag von Aurora im Juli 2012 veröffentlichte er die Komposition „Aurora“. Der gesamte Erlös soll den Opfern und ihren Familien gespendet werden.[4]

Stil[Bearbeiten]

Zimmers Stern auf dem Boulevard der Stars (2011)

Die Verwendung von ethnischen Instrumenten, wie z. B. das Duduk in Gladiator (gespielt vom armenischen Dudukspieler Djivan Gasparyan), Flöten in Rangoon – Im Herzen des Sturms oder Taikos in Last Samurai, ist eines seiner Markenzeichen. Dazu gehören auch Kompositionen mit afrikanischen Einflüssen, wie z. B. Zwei Welten, Im Glanz der Sonne, Der König der Löwen und Black Hawk Down, aber auch Musik zu Komödien wie Besser geht’s nicht oder Tricks oder auch zu dem Action-Film The Dark Knight Rises. -Mit den Regisseuren Ridley Scott, James L. Brooks, Gore Verbinski, Penny Marshall und Christopher Nolan arbeitet er regelmäßig zusammen. Seine Musik zu Terrence Malicks Film Der schmale Grat gilt als eines seiner besten Werke. Zimmer selbst bezeichnet Ennio Morricone als sein großes Idol.

Zimmer arbeitet häufig mit denselben Musikern zusammen. So wird in vielen Musiken eine Gitarre von Heitor Pereira oder ein Cello von Martin Tillman gespielt.

Schon lange vor dem Start der Dreharbeiten komponiert Zimmer in der Regel Suiten, die alle wesentlichen Bestandteile der späteren Filmmusik enthalten.[5] Die Suiten dienen gegen Ende der Produktion als Basis für die Musik, die direkt zum Bild geschrieben wird. Aber auch die Suiten selbst werden meistens im Film und auf dem Soundtrack verwendet – so z. B. sind die Titel 9 bis 13 aus dem Soundtrack zu The Da Vinci Code – Sakrileg die von Zimmer geschriebene Suite.[6] Diese Arbeitsweise erklärt Zimmer in einem Interview folgendermaßen:

„Ich habe darüber nachgedacht, wie ich in letzter Zeit arbeite. Die Dinge schon vor den Dreharbeiten zu schreiben, ist der bessere Weg. Die Filmtechnologie hat sich in den letzten Jahren, insbesondere durch Computereffekte, so stark verändert, dass es nun möglich ist, auch noch etwas in letzter Minute am Film zu ändern. Ich glaube, der alte Weg zu warten, bis der Film fertig geschnitten ist, und dann die letzten sechs bis zwölf Wochen, oder wie lange auch immer, die Musik zu schreiben und aufzunehmen, funktioniert heutzutage nicht mehr. Deshalb ist es sinnvoll, einen Teil der Musik vor diesen zwölf Wochen zu schreiben. Damit hat man selbst und die Filmemacher dann etwas, mit dem man arbeiten kann, während man über die Musik zum Bild nachdenkt. So hat man möglicherweise mehr Einfluss auf den Stil des Films. Außerdem kann man so diese ärgerlichen Temp-Track-Probleme lösen.“

Hans Zimmer (übersetzt aus dem Englischen)[7]

Häufig helfen andere Komponisten besonders gegen Ende der Filmproduktion Zimmer bei seinen Musiken, indem sie Teile für ihn auf Basis seiner Suiten und musikalischen Ideen orchestrieren, arrangieren oder komponieren. Diese kollaborative Arbeitsweise ist bei einigen Filmmusik-Fans umstritten, jedoch in Hollywood nicht völlig unüblich[8]. Rupert Gregson-Williams sagt dazu in einem Interview folgendes:

„Hans ist eine Ikone und – meiner Meinung nach – ist die meiste Kritik gegen Media Ventures völlig unbegründet. Das häufigste Missverständnis ist, dass jeder an den Themen arbeitet, während Hans den Ruhm dafür bekommt. Nun, ich habe drei Monate mit Hans in Los Angeles an verschiedenen Szenen für ‚Der Prinz von Ägypten‘ gearbeitet – die Sandsturm-Sequenz, in der Moses von einem Kamel geweckt wird, und die Szene mit dem Tod der Erstgeborenen – und all die Themen wurden von Hans geschrieben. Meine Aufgabe war es, den thematischen Inhalt von Hans zu nehmen und es in meine Stücke für die Szene einzuarbeiten. Es gab eine Menge Diskussionen und Gespräche über die kontextuelle Bedeutung hinter dem Film und wie die Musik sich dazu verhält, aber die treibende Kraft dahinter war Hans. Ihm nur einmal bei der Arbeit zuzusehen, kreativ zu sein und einmal in dieser Atmosphäre zu sein war wunderbar. Außerdem ist Hans ein phänomenaler Orchestrator. Das ist etwas, was die Leute nicht verstehen.“

Rupert Gregson-Williams (übersetzt aus dem Englischen)[9]

Hans Zimmer komponiert nicht nur, sondern übernimmt bei Filmen auch die Ausführung als verantwortlicher Musikproduzent, wie etwa 2006 bei Ab durch die Hecke.

Nominierungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Auszeichnung mit dem Oscar

Mit Zwei Welten und Im Glanz der Sonne hatte Zimmer schon afrikanisch beeinflusste Musik geschrieben. Nicht zuletzt deswegen wurde er engagiert, um die Musik zu dem Disney-Zeichentrickfilm Der König der Löwen zu schreiben. Durch die Zusammenarbeit mit Lebo M entstand so eine viel beachtete Musik, die afrikanische Klänge mit traditionellen Orchesterklängen kombinierte. Der Soundtrack des Films gilt als einer der meistverkauften aller Zeiten. Im Jahre 1995 erhielt Zimmer für Der König der Löwen einen Oscar für die beste Filmmusik.

Nominierungen
Oscar
Golden Globe Award
Grammy Awards
Satellite Awards
BAFTA Awards
Weitere Auszeichnungen
  • Am 8. Dezember 2010 erhielt Zimmer den 2426. Stern am Hollywood Walk of Fame im Herzen Hollywoods. Anwesend war der Starregisseur Christopher Nolan, mit dem er mit Inception einen weltweiten Erfolg feierte. Nolan sagte über Zimmer: „To me, there is no composer working who has done more to define the sound of contemporary films.“ (Für mich gibt es aktuell keinen Komponisten, der mehr dafür getan hat, das Klangbild zeitgenössischer Filme zu prägen.)
  • 2011: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin.
  • 2011: World Soundtrack Award for Best Original Film Score für Inception.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

1987 und früher
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014

Videospiele[Bearbeiten]

TV-Dokumentation[Bearbeiten]

  • 2010: Hans Zimmer – Der Sound für Hollywood. Erstausstrahlung: 14. März 2011 (ARTE), Laufzeit: 52 Minuten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hans Zimmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Zimmer – Hurtwood House Performing Arts. Abgerufen am 3. Februar 2011 (englisch, Flash benötigt).
  2. Jonathan Z. Kaplan: „101 Great Film Scores on CD: Backdraft (1991)“. In: Film Score Monthly. (Vol. 5, Nr. 9/10; November/Dezember 2000).
  3. scorenotes.com
  4. Hans Zimmer’s 'Aurora': ’Dark Knight Rises’ Composer Release Song Dedicated To Shooting Victims. Abgerufen am 30. Juli 2012 (englisch).
  5. hans-zimmer.com
  6. SoundtrackNet: Interview – Hans Zimmer – Part 1
  7. soundtrack.net
  8. Soothing „The Savage Were-Rabbits“
  9. [1]
  10. [2]
  11. http://www.grammy.com/nominees?genre=11 grammy.com
  12. Komponisten-Legende Hans Zimmer schreibt die Musik für Crysis 2. In: EA-News. Electronic Arts, abgerufen am 19. März 2011.