Hansahochhaus

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Hansahochhaus
Hansahochhaus
Gesamtansicht vom Hansahochhaus aus Südwest
Liste der Hochhäuser in Köln
Basisdaten
Ort: Neustadt-Nord
Bauzeit: 1924–1925
Status: fertiggestellt
Baustil: Klinkerexpressionismus
Architekt: Jacob Koerfer
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Büro- und Geschäftsgebäude
Technische Daten
Höhe: 65 m
Etagen: 17
Aufzüge: 1 + 1 Paternoster
Baustoff: Klinker
Konstruktion: Eisenbetonbau

Das Hansahochhaus in Köln ist eines der ersten Hochhäuser Deutschlands, das erste derartige Gebäude in Köln und steht unter Denkmalschutz. Das Bürogebäude wurde 1924–1925 nach Entwurf des Kölner Architekten Jacob Koerfer errichtet. Seine Erstellungszeit lag mit nur 135 Arbeitstagen noch unter der vergleichbarer amerikanischer Hochhäuser. Bedingt durch Bauunterbrechungen verteilten sie sich über 15 Monate.[1] Es war mit seiner Höhe von 65 Metern bei 17 Etagen zum Zeitpunkt der Fertigstellung für kurze Zeit das höchste Haus Europas.[2]

Entstehungsgeschichte und Lage[Bearbeiten]

Für das Grundstück am Hansaring 97 vereinbarte Koerfer mit der Stadt Köln ein Tauschgeschäft. Er überließ der Stadt einige ihm gehörende Grundstücke, deren Wert mit dem Preis für das Baugrundstück aufgerechnet wurde. Am 11. Januar 1924 unterbreitete Koerfer seine Baupläne für das Hochhaus dem Stadterweiterungsamt. Konrad Adenauer, damaliger Kölner Oberbürgermeister, drückte in einem Brief an Jacob Koerfer sein „besonderes Interesse“ an diesem Bau aus und äußerte die Hoffnung, „dass Ihr Wagemut Erfolg haben wird“.[3] Baulich war eine Verkleidung des Hochhauses mit Klinkermauerwerk, welches das ganze tragende Eisenbetongerüst vollständig verdeckt, geplant. Der „Hansahof“ genannte Baukomplex besitzt eine gesamte überbaute Fläche von 4.200 m², wovon 2.440 m² auf den Hauptbau, 360 m² auf den Turm und 1.400 m² auf den unmittelbar daneben stehenden Saalbau entfallen. Am 25. Oktober 1924 war der Rohbau bereits vollendet. Die Kölner Maschinenfabrik L. Hopmann lieferte einen Paternosteraufzug, der mit 26 Kabinen für je zwei Personen einmal der höchste der Welt war.[4] Trotz einiger Finanzierungsprobleme und Bauarbeiterstreiks wurde der expressionistische Bau nach nur 15 Monaten Bauzeit im Juni 1925 fertiggestellt.

Der Name des Gebäudes bezieht sich auf seine Straßenadresse Hansaring 97, dessen Bezeichnung wiederum an Kölns Mitgliedschaft in der Hanse erinnert. Der Gebäudekomplex des Hansahochhauses, zu dem auch ein angeschlossenes sechsgeschossiges Büro- und Geschäftshaus gehört, befindet sich am Innenstadtring zwischen der Ritterstraße und dem S-Bahnhof Hansaring.

Technische Details[Bearbeiten]

Der in Eisenbeton hergestellte Rohbau wurde vollständig verklinkert, was optisch den Eindruck eines in Ziegelmauerwerk ausgeführten Baukörpers erweckt. Die Gebäude mit dunkelroter Backsteinfassade wurden, ähnlich wie der Kölner Messeturm, im Stil des Klinkerexpressionismus mit angedeuteten Pfeilern, dreieckigen Fensterstürzen und Art-Déco-Schlusssteinen konzipiert. Über jedem der spitz zulaufenden Erdgeschossfenster an den Straßenfronten wurden Skulpturen von Tier- und Menschenköpfen angebracht. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Fassade außerdem mit fünf schlanken Figuren versehen, welche die Kontinente der Erde symbolisierten. Sie waren zwischen den Fensteröffnungen des zweiten Obergeschosses platziert.[5][6] Die durch Joseph Pabst (1879–1950)[7] und Franz Albermann (1877–1959) geschaffenen Skulpturen sind verschollen.[2] Zum Erreichen der Stockwerke im Hochhaus dienen ein Treppenhaus, ein Aufzug und ein Paternosteraufzug.

Nutzung[Bearbeiten]

Nach der Erbauung fand im Geschäftshaus eine Verkaufsausstellung der Automobilmarke Adler Platz. Das in dem Hauptbau integrierte Café-Restaurant wurde in Zusammenarbeit von Koerfer mit dem seinerzeit an den Kölner Werkschulen lehrenden Prof. Richard Seewald im Art-Déco-Stil gestaltet. Der Saalbau an der Ecke der Maybach- zur Ritterstraße (heutiges Parkhaus) wurde zu einem Filmpalast ausgebaut, der 1200 Zuschauern Platz bot. Das zur Phöbus-Emelka-Gruppe gehörende Theater gehörte zu Beginn des Jahres 1930 zu den ersten Kölner Kinos die auch Tonfilme präsentierten. Nach seiner Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs unterblieb sein Wiederaufbau.[2][8]

Der dritte und vierte Stock des Hochhauses dienten zwischen Mai 1944 und Februar 1945 als Behelfslager für Zwangsarbeiter, die vor allem bei der Deutschen Reichsbahn eingesetzt wurden.[9]

Im Jahre 1961 eröffneten die Eheleute Anni und Fritz Waffenschmidt am Hansaring 79-81[10] auf zunächst 120 Quadratmetern die Saturn Elektro-Handelsgesellschaft m.b.H. & Co KG, die Unterhaltungselektronik ausschließlich an Diplomaten verkaufte. Hieraus entwickelte sich unter dem Namen Saturn die nach eigenen Angaben „größte Schallplattenschau der Welt“ – mit Abteilungen für Fotografie (Hansafoto), Unterhaltungselektronik und Haushaltstechnik. Im November 1977 zog Saturn mit den meisten Abteilungen in den Komplex des Hansahochhauses, wo noch heute die CD- und DVD-Abteilung der größten Kölner Saturn-Filiale untergebracht ist. Mit der Media-Saturn-Holding ist Saturn inzwischen bundesweit und in mehreren europäischen Ländern vertreten. Das Hansahochhaus trägt seit 1993 ein leuchtendes Saturn-Logo am Dach; jahrzehntelang war es allerdings mit dem weithin sichtbaren Warenzeichen von Klosterfrau versehen.

Bis 2002 befand sich außerdem eine Sendeanlage des WDR auf dem Dach des Hansahochhauses. Es wurden zuletzt die UKW-Frequenzen 98,6 MHz (Radio Köln; 0,4 kW, später WDR 2 Regionalfenster Köln) und 91,8 MHz (WDR 3 Messeradio Köln; 1,0 kW, später mit 10,0 kW zur Hohen Warte bei Engelskirchen verlagert) ausgestrahlt, später auch Deutschlandradio Kultur mit 0,03 kW, gerichtet nach Nordwest auf 89,9 MHz. Nach Fertigstellung des Kölnturms im benachbarten MediaPark wurden die Frequenzen 98,6 MHz (WDR 2) und die 89,9 MHz (D-Kultur) auf einen neuen Antennenmast auf dem höheren Kölnturm verlagert, wo kurze Zeit später zusätzlich noch die 87,6 MHz mit 0,3 kW für WDR Eins Live aufgeschaltet wurde. Trotz der im Vergleich zum Colonius deutlich geringeren Antennenhöhe und der geringen Sendeleistungen waren die vom Hansahochaus ausgestrahlten Frequenzen im nördlichen Stadtgebiet in ausreichender Qualität zu empfangen, während die südlichen Stadtteile meist besser vom 50,0 kW starken WDR-Grundnetzsender Bonn-Venusberg versorgt werden.

Im Sommer 2003 zog der private Radio-Sender RPR1 (Rheinland-Pfälzische Rundfunk GmbH & Co. KG) mit seinem Studio Köln vom Olivandenhof am Neumarkt in das Hansahochhaus ein (8. Etage). Im Juli 2007 ist RPR1 allerdings in das Gebäude des "Alten Capitol Kino" am Hohenzollernring umgezogen. In den Etagen 1–6 befindet sich seit dem Jahr 2008 ein 4-Sterne-Hotel mit 190 Zimmern; für dieses wurden zwei zusätzliche separate Aufzüge eingebaut.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruno Fischli: Vom Sehen im Dunkeln. Kinogeschichten einer Stadt. Köln 1990. ISBN 3-922009-62-X
  • Hiltrud Kier und Werner Schäfke: Die Kölner Ringe: Geschichte und Glanz einer Straße, Vista-Point-Verlag, Köln 1987. ISBN 3-88973-066-3.
  • Klemens Klemmer: Jakob Koerfer (1875–1930). Ein Architekt zwischen Tradition und Moderne. scaneg-Verlag, München 1987, S. 119-135, ISBN 3-89235013-2.
  • Der Hansahof in Köln, in: Zentralblatt der Bauverwaltung. 46. Jhg. Nr. 30 v. 28. Juli 1926 S. 357-359.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hansahochhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Hansahof in Köln S. 357ff
  2. a b c Werner Jung: Das moderne Köln. 6. Auflage, J. P. Bachem, Köln 2005, ISBN 3-7616-1861-1, S. 66.
  3. Koerfer-Gruppe über das Hansa-Hochhaus
  4. Original des Zentralblatts der Bauverwaltung Köln vom 28. Juli 1926, Der Hansahof in Köln (PDF-Datei; 1,72 MB)
  5. Seitenansicht der fünf Figuren für die Kontinente, abgerufen am 6. Oktober 2012
  6. Details in der Vorderansicht von drei der fünf Figuren für die Kontinente, abgerufen am 6. Oktober 2012
  7. Biografische Angaben, abgerufen am 4. Oktober 2012
  8. Fischli S. 43f, 47 u. 49; Klemmer S. 133-135
  9. sechster Artikel: Die Reichsbahn – einer der Hauptprofiteure von Zwangsarbeit (PDF-Datei; 4,40 MB), abgerufen am 6. Oktober 2012
  10. Grevens Adreßbuch 1967 S. 999
  11. Kölner Stadt-Anzeiger vom 17. Oktober 2008, S. 31.

50.9488888888896.9513888888889Koordinaten: 50° 56′ 56″ N, 6° 57′ 5″ O