Hanseatisches Oberlandesgericht

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Dieser Artikel erläutert das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg; zum Bremer Gericht siehe Hanseatisches Oberlandesgericht Bremen.
Hanseatisches Oberlandesgericht
Luftbild 2013

Das Hanseatische Oberlandesgericht (abgekürzt HansOLG; amtlich ohne Namenszusatz „Hamburg“) ist das Oberlandesgericht des Landes Freie und Hansestadt Hamburg und somit Teil der hamburgischen ordentlichen Gerichtsbarkeit. Es hat seinen Sitz am Sievekingplatz, der nach dem ersten Präsidenten des OLG, Ernst Friedrich Sieveking, benannt ist.

Geschichte und Gerichtsbezirk[Bearbeiten]

Ursprünglich wurde das Gericht am 1. Oktober 1879 als gemeinschaftliches Oberappellationsgericht für die Freien Reichsstädte Bremen, Hamburg und Lübeck errichtet. Vorgänger war das 1820 entstandene gemeinschaftliche Ober-Appellationsgericht der vier Freien Städte Deutschlands, Lübeck, Frankfurt, Bremen und Hamburg mit Sitz in Lübeck.

Lübeck verlor mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 seine Eigenständigkeit, wurde ein Teil von Schleswig-Holstein und fiel damit nun in die Zuständigkeit des damaligen OLG Kiel. 1947 erhielt Bremen ein eigenes Oberlandesgericht, das im Unterschied zu dem in Hamburg ansässigen Hanseatisches Oberlandesgericht Bremen genannt wird.

Der Bezirk des Hanseatischen Oberlandesgerichts umfasst das Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg mit Ausnahme des Gebiets, das durch den Staatsvertrag über die Regelung der Gerichtszugehörigkeit des Küstengewässers und der Elbmündung in die Amtsgerichtsbezirke Cuxhaven und Wilhelmshaven eingegliedert ist, § 15 des Hamburgischen Gesetzes zur Ausführung des Gerichtsverfassungsgesetzes (HmbAGGVG) vom 31. Mai 1965.

Dem Hanseatischen Oberlandesgericht wurde zum 17. Dezember 1970 die Zuständigkeit als Gericht des ersten Rechtszuges in Staatsschutz-Strafsachen auch für das Gebiet der Freien Hansestadt Bremen gemäß § 120 Abs. 5 S. 2 GVG übertragen.[1]

In Binnenschifffahrtssachen ist das Hanseatische Oberlandesgericht seit dem 31. März 1984 als Schifffahrtsobergericht auch zuständig für die Berufungen und Beschwerden gegen die Entscheidungen der für die Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein und die Freie Hansestadt Bremen zuständigen Schiffahrtsgerichte.[2] Das Land Mecklenburg-Vorpommern übertrug diese Zuständigkeit dem Hanseatischen Oberlandesgericht zum 17. Juni 1994.[3]

Seit dem 8. Juni 2012 ist das Hanseatische Oberlandesgericht auch für das Gebiet des Landes Schleswig-Holstein Gericht des ersten Rechtszugs in Staatsschutz-Strafsachen.[4] Gleiches gilt seit dem 30. Juni 2012 für das Gebiet des Landes Mecklenburg-Vorpommern.[5]

Im Bezirk des Hanseatischen Oberlandesgerichts sind 10.072 Rechtsanwälte (Stand: 1. Januar 2014[6]) zugelassen.

Architektur des Gerichtsgebäudes[Bearbeiten]

Das 1912 fertiggestellte Gerichtsgebäude Sievekingplatz 2 der Architekten Lundt & Kallmorgen[7] bildet mit dem Ziviljustizgebäude und dem Strafjustizgebäude das Justizforum am Sievekingplatz und ist Sitz des Hamburgischen Verfassungsgerichts. Die drei Gebäude stehen unter Denkmalschutz.[8]

Organisation[Bearbeiten]

Über- und nachgeordnete Gerichte[Bearbeiten]

Das dem Hanseatischen Oberlandesgericht übergeordnete Gericht ist der Bundesgerichtshof. Nachgeordnet sind dem Gericht zunächst das Landgericht Hamburg und in zweiter Linie die diesem nachgeordneten Amtsgerichte Hamburg, Altona, Barmbek, Bergedorf, Blankenese, Harburg, St. Georg und Wandsbek.

Gerichtspräsidenten[Bearbeiten]

Zu den Vizepräsidenten gehörten unter anderem Carl Ritter (ab 1930), Walter Reimers, Hans-Joachim Kurland, Horst-Diether Hensen, Monika Nöhre (2000–2002) und Gerold Möller. Aktueller Vizepräsident ist Guido Christensen.

Senate[Bearbeiten]

  • 17 Zivilsenate,
darunter 5 Senate für Familiensachen
1 auch als Schifffahrtsobergericht tätiger Zivilsenat
1 auch als Kartellsenat tätiger Zivilsenat
  • 7 Strafsenate,
darunter 3 Senate für Bußgeldsachen
2 auch als Schifffahrtsobergericht tätige Senate
  • 1 weiterer Kartellsenat
  • 2 Senate für Steuerberater- und Steuerbevollmächtigtensachen
  • 1 Vergabesenat
  • 1 Senat für Baulandsachen
  • 1 Senat für Notarsachen

Am 1. Januar 2003 waren am Hanseatischen Oberlandesgericht 65 Richter tätig, siehe Kategorie:Richter (Hanseatisches Oberlandesgericht)

Prüfungsämter[Bearbeiten]

Beim Hanseatischen OLG bestehen außerdem das

  • Justizprüfungamt und das
  • Gemeinsame Prüfungsamt der Länder Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein

für die Durchführung der beiden juristischen Staatsexamen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jg. XXXIII, Nr. 71 (6. September 1913), urn:nbn:de:kobv:109-opus-47266, S. 465–468. (Mit sechs Abbildungen)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hanseatisches Oberlandesgericht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. § 1 des Abkommens zwischen den Ländern Freie Hansestadt Bremen und Freie und Hansestadt Hamburg über die Zuständigkeit des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg in Staatsschutz-Strafsachen, HmbGVBl. 1970, S. 271.
  2. Art. 2 des Staatsvertrages zwischen der Freien Hansestadt Bremen, der Freien und Hansestadt Hamburg sowie den Ländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein über die gerichtliche Zuständigkeit in Binnenschifffahrtssachen, HmbGVBl. 1984, S. 15.
  3. § 1 des Abkommens zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Land Mecklenburg-Vorpommern über die Zuständigkeit des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Binnenschiffahrtssachen, GVOBl. M-V 1993, S. 594.
  4. Art. 1 des Staatsvertrages zwischen dem Land Schleswig-Holstein und der Freien und Hansestadt Hamburg über die Zuständigkeit des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg in Staatsschutz-Strafsachen, HmbGVBl. 2012, S. 196.
  5. Art. 1 des Staatsvertrages zwischen dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Freien und Hansestadt Hamburg über die Zuständigkeit des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg in Staatsschutz-Strafsachen, GVOBl. M-V 2012, S. 250.
  6. Bundesrechtsanwaltskammer, www.brak.de: Große Mitgliederstatistik zum 01.01.2014. 20. März 2014, abgerufen am 22. August 2014.
  7. Karin Wiedemann, Gerichtsgebäude in Hamburg, 1991
  8. Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg (PDF; 9,3 MB), unter den Identitätsnummern 12620–12622.

53.5568888888899.9764444444444Koordinaten: 53° 33′ 24,8″ N, 9° 58′ 35,2″ O