Hansjochem Autrum

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Hansjochem Autrum

Hansjochem Otto Autrum (* 6. Februar 1907 in Bromberg; † 23. August 2003 in München) war ein deutscher Zoologe mit dem Spezialgebiet Sinnes- und Nervenphysiologie.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er war der Sohn des Postpräsidenten Otto Autrum der Postdirektion in Königsberg.

Autrum trat 1934 der NSDAP bei und begann nach Abschluss seines Studiums seine Karriere 1935 als Assistent am Zoologischen Institut der Universität Berlin. 1939 wurde er Dozent und wechselte in die Chefabteilung des Luftfahrtmedizinischen Forschungsinstituts des Reichsluftfahrtministers Göring. Autrum übernahm dort die Leitung des Sanitätswesens der Luftwaffe.[1]

1948 wurde er außerplanmäßiger Professor an der Universität Göttingen, 1952 Ordinarius an der Universität Würzburg, ehe er 1958 den Lehrstuhl von Karl von Frisch übernahm und das Zoologische Institut der Universität München bis zu seiner Emeritierung führte. Ab ca. 1965 war Autrum Vorsitzender der der Hochschul-Planungskommission in Bayern und initiierte in dieser Funktion u. a. die Gründung der Universitäten in Regensburg und Bayreuth.

Zu seinen vielfältigen Forschungsgebieten gehörten Arbeiten über die Physiologie des Farbensehens bei Insekten und Wirbeltieren sowie Arbeiten über sozial bedingten Stress bei Säugetieren.

Aus der großen Schar seiner Schüler besetzten viele die seit Ende der 1960er Jahre frei werdenden bzw. neu geschaffenen Lehrstühle für Zoologie an diversen deutschen Universitäten. Hierzu gehören Helmut Altner in Regensburg und Dietrich von Holst in Bayreuth.

Autrum liebte Musik und spielte selbst Klarinette.

Anmerkungen[Bearbeiten]

Die außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen von Hansjochem Autrum sind unbestritten und spiegeln sich auch in den vielen Ehrungen nach dem Zweiten Weltkrieg wider.

Autrums Eintritt in die NSDAP 1934, seine wahrscheinliche Mitgliedschaft in der SA und seine erfolgreiche Karriere 1939 bis 1945 im Luftfahrtmedizinischen Forschungsinstituts des Reichsluftfahrtministerium als Mitarbeiter des Leiters des Sanitätswesens der Luftwaffe Hubertus Strughold waren insbesondere nach seinem Tode Anlass zu kritischen Anmerkungen, die wiederum von seinen Anhängern heftig zurückgewiesen wurden.[2] Es gibt Dokumente mit Hinweisen, dass Autrum sich von Luftwaffenseite aus dafür ausgesprochen hat, die von Sigmund Rascher unter der Verantwortung von Heinrich Himmler mit KZ-Häftlingen durchgeführten scheinwissenschaftlichen Menschenversuche zur Überlebensfähigkeit von im Eismeer notgelandeten bzw. starken Druckverlusten ausgesetzten Kampfpiloten einzustellen, da er wie Hubertus Strughold Tierversuche für ausreichend und besser geeignet hielt.[3]

Hansjochem Autrum erhielt von der amerikanischen Besatzungsmacht kurzfristig wieder die Gelegenheit, seine Forschungstätigkeit fortzusetzen, wobei ihr nach entsprechenden Quellen auch ein hohes Eigeninteresses an den Ergebnissen unterstellt werden darf. [4]

Bezüglich der persönlichen Einstellung Autrums zu Fragen mit nationalen/internationalen Bezug gibt der Mediziner und Biologe Svante Pääbo unter dem Stichwort internationaler Schrott einen Einblick. [5]

Ämter, Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hansjochem Autrum: Mein Leben. Wie sich Glück und Verdienst verketten, 1995, ISBN 3-540-59236-9
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt 2003, ISBN 3-10-039309-0, S. 21.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe Weblink Aeromedical history
  2. Gerhard Neuweiler: Nachruf Hansjochem Autrum In: Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 2003, S. 316.
  3. Viktor Harsch: Hubertus Strughold
  4. Hans Jochen Autrum: Electrophysiology of the Eye. In: The Surgeon General, US Air Force (Hrsg.): German Aviation Medicine: World War II, Bd. 2, Washington DC: US Government Printing Office, 1950, S. 966—971.
  5. Svante Pääbo: Die Neandertaler und wir. Meine Suche nach den Urzeit-Genen (Kapitel 4 Dinosaurier im Labor)