Hansmartin Decker-Hauff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hansmartin Decker-Hauff, ursprüngliche Namensform "Decker" (* 29. Mai 1917 in Oberjettingen; † 31. März 1992 in Stuttgart) war ein deutscher Historiker und Genealoge.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn des Oberjettinger Pfarrers Eberhard Decker und Urenkel von Franziska Katharina Decker, geb. Hauff (daher der Namenszusatz Hauff, aus der Löwen-Hauff-Linie) machte das Abitur am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart und studierte in Tübingen, München und Wien die Fächer Geschichte, Klassische Philologie, Kunstgeschichte und Germanistik. 1939 erfolgte in Wien das Staatsexamen für das Lehramt. Eine bei Hans Hirsch begonnene Dissertation über die Immunität englischer Klöster musste wegen des Kriegsausbruches aufgegeben werden. Nach Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft wurde er 1946 bei Otto Brunner promoviert mit der Arbeit Entstehung und Entwicklung der altwürttembergischen Ehrbarkeit.

Decker-Hauff arbeitete zunächst von 1945 bis 1947 als wissenschaftliche Hilfskraft am Kunsthistorischen Museum in Wien und ab 1948 am Hauptstaatsarchiv Stuttgart. In seiner achtjährigen Archivszeit beschäftigte er sich besonders mit der Geschichte Altwürttembergs. 1956 folgte er dann Otto Herding auf den Lehrstuhl für geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Tübingen.

Bis zu seiner Emeritierung 1984 leitete er das Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen. Er betreute über 70 Dissertationen. Hansmartin Decker-Hauff wurde Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Jettingen, wo eine Grundschule nach ihm benannt wurde. Ferner gibt es in Göppingen eine Decker-Hauff-Straße. Sein wissenschaftlicher Nachlass befindet sich zusammen mit dem Familienarchiv Decker-Hauff im Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

Kritik[Bearbeiten]

Erst nach seinem Tod wurde in Historikerkreisen bekannt, in welchem Umfang seine bereits zu seinen Lebenszeiten umstrittenen genealogischen Studien auf eigenen Quellenfälschungen beruhten.[1]

In der neueren Forschung abgelehnt werden die von Decker-Hauff im Katalog zur Stuttgarter Stauferausstellung 1977 aufgestellten genealogischen Hypothesen, die mit den gefälschten Quellenstellen belegt werden sollten. Der Bonner Historiker Tobias Weller kommt in seiner Arbeit Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert [2] zu dem überzeugenden Schluss, dass es die angeblichen Heiratsverbindungen nie gegeben hat.

Klaus Graf und Gerhard Lubich [3] konnten unabhängig voneinander durch Auswertung der erhaltenen Reste des 1944 im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Roten Buchs des Klosters Lorch zeigen, dass die von Decker-Hauff aus dieser Quelle mitgeteilten Exzerpte dort nicht gestanden haben können. Dieses Ergebnis, das auf den Vorwurf einer Quellenfälschung an die Adresse Decker-Hauffs hinausläuft, wurde in der Forschung akzeptiert.[4]

Auch das von Decker-Hauff wiederholt angeführte Hauff'sche Epitaphienbüchlein ist allem Anschein nach eine Erfindung Decker-Hauffs[5]. Eine fachwissenschaftliche Verteidigung, die Decker-Hauff gegen diese Vorwürfe in Schutz nimmt, existiert nicht.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. den Abschnitt Die Quellenfälschung im Stauferkatalog bei Klaus Graf: Der Mythos der Staufer - Eine schwäbische Königsdynastie wird erinnert und instrumentalisiert. In: Schwäbische Heimat 61 (2010), S. 296–306. (Erweiterte Online-Fassung).
  2. Köln/Weimar/Wien 2004, S. 29-34, 211-220 ISBN 341211104X.
  3. Auf dem Weg zur „Güldenen Freiheit“. Herrschaft und Raum in der Francia orientalis von der Karolinger- zur Stauferzeit. Husum 1996.
  4. Siehe etwa in den Regesta Imperii (Druckfassung: 2008): http://www.regesta-imperii.de/id/1105-10-00_1_0_4_1_2_4_4.
  5. http://archiv.twoday.net/stories/38735149/

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]