Hapoel Katamon Jerusalem

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Hapoel Katamon Jerusalem
Vereinswappen
Voller Name Hapoel Katamon Jerusalem
Ort Jerusalem
Gegründet 1926; August 2007
Vereinsfarben rot-schwarz
Stadion Teddy-Kollek-Stadion
Plätze 20.000
Trainer Lior Zada
Homepage www.katamon.co.il
Liga Liga Leumit
2012/13 1. Platz (Liga Alef Darom)
Heim
Auswärts

Der FC Hapoel Katamon Jerusalem (hebräisch: הפועל קטמון ירושלים), oft nur Katamon, ist eine israelische Fußballmannschaft aus Jerusalem, die in der Liga Leumit, der zweiten israelischen Liga, spielt. Hapoel Katamon wurde von Hapoel Jerusalem-Fans gegründet, die mit dem Vorstand des Vereins unzufrieden waren. Der Verein ist somit die erste Mannschaft in Israel, die von ihren Fans gegründet und geführt wird. Hapoel Katamon Jerusalem wurde nach dem Katamon-Viertel in Jerusalem benannt, in dem das ursprüngliche Stadion von Hapoel Jerusalem stand.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Mannschaft: 2007/2008

Der Fußballverein Hapoel Jerusalem wurde 1926 gegründet. Der Verein gehörte der “Histadrut”, Israels Gewerkschaftsdachverband, und vertrat sozialistische Werte. 1957 stieg der Verein zum ersten Mal in die erste israelische Liga auf. In den 1960er und 70er Jahren, „die goldene Phase“ des Vereins, überflügelte Hapoel den städtischen Rivalen Beitar Jerusalem – ein Verein der rechtsgerichteten „revisionistischen“ Bewegung – sowohl auf dem Feld als auch auf den Rängen. 1973 gelang der Mannschaft ihr größter Erfolg der Vereinsgeschichte – der Gewinn des israelischen Pokals.[1]

Seit Anfang der 1980er Jahre hat Hapoel Jerusalem den Vorreiterstellung in der Stadt gegenüber Beitar Jerusalem verloren. 1993 wurde der Klub von Josi Sasi gekauft, der seinen Freund, Viktor Jona, als Vorsitzenden einsetzte. Ende der 1990er Jahre entbrannte ein heftiger Streit zwischen den beiden um den Besitz von Hapoel Jerusalem. Der Streit, der sich fortwährend in gerichtlichen Verfahren niederschlug, verursachte den sportlichen und wirtschaftlichen Niedergang der Mannschaft, die ständig zwischen der zweiten und der dritten Liga auf- und abstieg.[1]

Nachdem Hapoel Jerusalem Fans jahrelang erfolglos versucht hatten, einen Unternehmer zu finden, der den Verein von Sasi und Jona kaufen wollen würde, initiierten 2007 einige Fans, unter Leitung von dem Journalisten Uri Sheratzky und mit Unterstützung von Nir Barkat, den Kauf des Vereins. Nachdem dieser Versuch ebenfalls fehlgeschlagen war, entschied man sich für eine Neugründung unter einem anderen Namen. Viele Fans wechselten zu Hapoel Mevaseret Zion, ein Verein der in der vierten Liga spielte. Da bauten sie „Hapoel Katamon“ auf.[2]

Verantwortliche und Fans des ursprünglichen Vereins Hapoel Jerusalem kritisierten dieses Vorgehen; die zurückgebliebenen Fans argumentierten „echte Fans" verließen nie ihre Mannschaft, ungeachtet dessen, wie schlecht es um den Verein bestellt sei. Dennoch wechselte der überwiegende Teil der Fans zu "Katamon". [3]

Zum Anfang ihrer ersten Saison (2007/08) wurden etwa 1.000 Saisonkarten gekauft. Trainer der Mannschaft war Miro Ben Schimon. Zum Auftaktspiel, im Stadion der Hebräischen Universität in Givat Ram, kamen etwa 3.000 Fans, eine beeindruckende Anzahl in Israel, wo sogar in der ersten Liga wenige Vereine über solchen Rückhalt verfügen. In diesem Spiel gewann "Katamon" Hapoel Nahalat-Jehuda 2:1.[4]

Die Mannschaft erreichte die siebte Runde des israelischen Pokals, in der sie erst Maccabi Ironi Kirjat Ata (3. Liga) unterlag.[5] Am Ende der ersten Saison nach der Neugründung stand die Mannschaft auf dem zweiten Platz. Nur um einen Punkt wurde der erste Platz und damit der Aufstieg in die dritte Liga verpasst.[6]

Auch in der Saison 2008/09 ist es "Katamon" trotz Verstärkung des Kaders nicht gelungen aufzusteigen. Am Ende der Saison stand der Verein auf dem siebten Platz und schied wiederum erst in der siebten Pokalrunde aus. Nach der Saison fand eine weitere Verhandlung zwischen den Fanmannschaft und Hapoel Jerusalem von Josi Sasi statt, um eine Vereinigung der beiden Teams zu erreichen. Diese scheiterte an der geforderten Geldsumme, die von Sasi als überzogen zurückgewiesen wurde. Außerdem weigerte er sich, Dokumente über eine angeblich hohe Verschuldung offenzulegen.[7] Für viele Fans diente dieser gescheiterte Versuch als Beweis, es könne keine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Als Konsequenz entschied sich die Fanmannschaft dazu, die "wahre" Nachfolge von Hapoel Jerusalem alleine anzutreten. Die Fans stimmten über eine Abspaltung von Hapoel Mevaseret ab, und für die Gründung einer neuen Mannschaft in Liga Gimel (der 5. und letzten israelischen Liga). Diese Mannschaft sollte von nun an den Namen "Hapoel Katamon Jerusalem" tragen.

Im Vorlauf der Saison 2009/10 hat die Jerusalemer Stadtverwaltung der neu gegründeten Mannschaft ihr Einverständnis gegeben, ihre Heimspiele im Universitätsstadion in Givat Ram austragen zu können. Lior Zada wurde als Trainer eingestellt. Die ehemalige Hapoel Jerusalem Legende Amir Gola konnte zu einem Rücktritt vom Rücktritt überzeugt werden und übernahm als Kapitän von Katamon die Führung der Mannschaft. Als am Ende dieser Saison die Mannschaft in die vierte Liga aufstieg, bewies sich, wie wichtig diese Entscheidung gewesen war. Im entscheidenden Spiel besiegte Katamon Beitar Ashkelon vor 4.000 Fans im Teddy-Kollek-Stadion in Jerusalem mit 2:1.[8]

Vor der Saison 2010/11 wechselte ebenfalls der Publikumsliebling Shai Aharon zu Hapoel Katamon. In der Vorsaison hatte Aharon als Kapitän von Hapoel Jerusalem gespielt. Dieser Wechsel wurde von den Verantwortlichen des ursprünglichen Vereins heftig kritisiert.[9] Hapoel Jerusalem stieg zwischenzeitig in die dritte israelische Liga ab und konnte lediglich eine geringe Anzahl von etwa 100-150 Fans pro Spiel mobilisieren.

Wie in der vorherigen Saison, gelang es Hapoel Katamon Jerusalem 2010/11 auf dem ersten Platz zu landen und in die Liga Alef Darom, die dritte Liga Süd, aufzusteigen. Im entscheidenden Spiel besiegte Katamor Makkabi Shaaraym vor 4000 Fans im Teddy-Kollek-Stadion 3:1.[10]

In der Saison 2012/13 gelang Hapoel Katamon Jerusalem der Aufstieg in die Liga Leumit[11].

Koexistenz[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu Beitar Jerusalem, das in seiner gesamten Vereinsgeschichte nicht einen arabischen Spieler verpflichtete[12], hat Hapoel Jerusalem eine lange Tradition von arabischen Spielern, wie Ali Othman und Amar Salman, die hauptsächlich aus dem Dorf Bet Tsafafa in Süd Jerusalem stammen. Heute arbeitet Amar Salman als Co-Trainer bei Hapoel Jerusalem. Für Hapoel Katamon spielt diese Saison Maher El-Hamda aus dem Dorf Segev Shalom im Süden Israels. Die Mannschaft hat ebenfalls arabische Fans, wie den Schriftsteller Sayed Kashua.[13]

Fans[Bearbeiten]

Die Fanszene des Hapoel Katamon Jerusalem rekrutiert sich hauptsächlich aus jungen politisch eher linksliberalen Jerusalemern, für die der Verein eine der letzten Optionen darstellt.[14]

Soziale Aktivität der Fans[Bearbeiten]

Die Hapoel Katamon Fans legen nicht nur Wert auf sportliche Leistungen, sondern auch auf Fairness, Koexistenz und die Ablehnung von Gewalt.[15]

Dementsprechend haben sich die Fans auch sozialem Engagement verschrieben. So brachten sie beispielsweise Immigranten aus Äthiopien Hebräisch bei, oder betreuten Kinder aus der zweisprachigen Yad be Yad Schule. Heutzutage konzentriert sich diese soziale Initiative auf die "Liga der Viertel", in der Kinder von sechs Schulen aus ganz Jerusalem (Ost-Jerusalem eingeschlossen) spielen. Zusätzlich bekommen die teilnehmende Kinder schulische Unterstützung von Hapoel-Fans.[16]

Während der Pessach Feiertage hält die Mannschaft ein Fanturnier unter dem Namen “Kovshei Katamon” ab. An dem Turnier nehmen Fans, Kinder und Erwachsene teil.

Die Kneipen Stardust[17], Sira und Hataklit, in der Innenstadt von Jerusalem, sind als Treffpunkte der Fans bekannt.

Die Fans nehmen auch an Austauschprojekten mit anderen Vereinen teil. Ende 2008 nahmen Fans von Hapoel Katamon Fans von Werder Bremen in Jerusalem auf.[18] Ein zusätzlicher Austausch mit Fans von Werder Bremen fand Oktober 2010 in Deutschland statt. März 2011 sind die Bremer nach Israel für einen Gegenbesuch gekommen, in dessen Rahmen sie ein Wochenende bei den Fans von Hapoel Katamon Jerusalem verbrachten. An diesem Austausch, der mit einer Initiative gegen Rassismus zusammenhängt, nehmen ebenfalls Fans von den israelischen Vereinen Maccabi Netanya und Bnei Sachnin teil.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Soccer / Small-time losers are back in town, Haaretz, 20. Mai 2002
  2. Hapoel Jerusalem fans plan alternative team, The Jerusalem Post, 07/12/2007
  3. The Last Word: The fall and rise of Hapoel Jerusalem, The Jerusalem Post, 02/15/2008
  4. The Last Word: Hapoel Katamon brings fan power back to the beautiful game, The Jerusalem Post, 10/24/2007
  5. גביע המדינה, Israel Football Association, 2007/2008 (Hebräisch)
  6. ליגה א' דרום, Israel Football Association, 2007/2008 (Hebräisch)
  7. Katamon negotiations break down, The Jerusalem Post, 06/11/2009
  8. הפועל קטמון/ירושלים עלתה לליגה ב', Maariw, 9/4/2010 (Hebräisch)
  9. חצה את הכביש: שי אהרון חתם בקטמון, Maariw, 21/6/2010 (Hebräisch)
  10. הפועל קטמון ירושלים עולה לליגה א', Youtube, 14/4/2011 (Hebräisch)
  11. Mark Weiss: Anti-racist Jerusalem soccer team wins place in pro leagues In: The Times of Israel. http://www.timesofisrael.com/anti-racist-jerusalem-soccer-team-wins-place-in-pro-leagues/.
  12. An Arab player at Betar Jerusalem? Forget it!, Haaretz, 13/01/03
  13. הפועל הציוני, Haaretz, 27/03/09 (Hebräisch)
  14. Christoph Gunkel: Die andere Kurve, taz. 26. September 2008.  Abgerufen am 11. September 2010
  15. 'THE LAND WHERE TWO NATIONS LIVE TOGETHER', BBC News, 19/05/2008
  16. Hapoel Katamon: The Red Side of Soccer, Willy Brandt Center, abgerufen am 09/09/2010
  17. Stardust, die offizielle Homepage der Stardust, abgerufen am 09/09/2010
  18. Fanprojekt-Gruppe von Israel-Reise zurückgekehrt, die offizielle Homepage des Werder Bremen, 24. November 2008