Harald Weinrich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Harald Weinrich (* 24. September 1927 in Wismar) ist ein deutscher Schriftsteller, Essayist, Lyriker, Romanist, Linguist und Literaturwissenschaftler. Seine erstmals 1993 erschienene „Textgrammatik der deutschen Sprache“ gilt als ein Standardwerk.

Lebenslauf[Bearbeiten]

Weinrich erhielt seine erste Professur als Romanist mit 32 in Kiel und wurde später nach Köln, nach Bielefeld und nach München berufen. 1992 wurde er zum Professor am Pariser Collège de France ernannt, wo er bis 1998 lehrte. Er war Gastprofessor an den Universitäten von Michigan und Princeton sowie Fellow des Wissenschaftskolleg zu Berlin. An der Scuola Normale in Pisa hatte er den Galilei-Lehrstuhl inne.

Zusammen mit Irmgard Ackermann hat er in seiner Zeit als Ordinarius für „Deutsch als Fremdsprache“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München (ab Wintersemester 1978/79) die literaturwissenschaftliche Rezeption der deutschsprachigen Migrantenliteratur eingeleitet, was unter anderem ab 1985 zur Einrichtung des jährlich verliehenen Adelbert-von-Chamisso-Preises für deutschschreibende Autorinnen und Autoren nichtdeutscher Herkunft führte.

Weinrich ist Mitglied mehrerer in- und ausländischer Akademien, darunter der Accademia della Crusca in Florenz seit 1977,[1] sowie des PEN-Zentrums Deutschland. Als Mitglied des Vereins Deutsche Sprache unterstützt er die Aktion Lebendiges Deutsch. Der Romanist überließ im Mai 2013 sein Archiv im Wege des Vorlass dem Deutschen Literaturarchiv Marbach.[2]

Portrait[Bearbeiten]

„Da ist der berühmte Weinrich-Sound, sein Stil, der ihn hervorhebt unter so vielen anderen deutschschreibenden Gelehrten. Er schreibt klar, anmutig, sogar heiter gelöst, aber diese Gelöstheit ist immer durch Ernst, die römische Mannestugend der gravitas, gezügelt. [...] Mit 32 Jahren bereits war Weinrich Professor – in Kiel. Dann ging es nach Köln, nach Bielefeld, wo er eine Universität neuen Typs mitbegründete (das Zauberwort war damals „Interdisziplinarität“), nach München. Ja, und dann kam die Berufung auf einen ordentlichen Lehrstuhl für Romanistik am legendären „Collège de France“ in Paris. Ein deutscher Professor in diesem 1529 von Franz I. gegründeten Institut ist sensationell: „ein bedeutendes Ereignis der europäischen Wissenschaftspolitik“, schrieb Wolf Lepenies. Der nunmehr doppelt Emeritierte hat alle Preise erhalten, die in seinem Bereich infrage kommen. Und einen wichtigen hat er selbst geschaffen: den „Adelbert-von-Chamisso-Preis“ der Robert-Bosch-Stiftung für Deutsch schreibende Ausländer.'“

Hans-Martin Gauger: "Unsere Zeit ist knapp. Zum 80. Geburtstag des großen Sprach- und Literaturwissenschaftlers Harald Weinrich" in: Tagesspiegel, 24. September 2007

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weinrich ist Ehrendoktor der Universitäten Bielefeld, Heidelberg und Augsburg. Er wurde 1977 mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet. 1990 erhielt er den Friedrich-Märker-Preis, 1992 den Karl-Vossler-Preis, 1993 den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau, 1996 den Ernst-Hellmut-Vits-Preis der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Westfalen), 2002 den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung,[3] 2003 den Joseph-Breitbach-Preis.[4]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitgliederliste der Crusca
  2. Marbach als Ziel in FAZ vom 31. Mai 2013
  3. Robert Bosch Stiftung: Weinrich, Harald.
  4. Joseph-Breitbach-Preis: Preisträger von 2003: Harald Weinrich, Herta Müller, Christoph Meckel
  5. Fondation Charles Veillon: "Harald Weinrich: Prix Européen de l’Essai Charles Veillon 2013, pour l’ensemble de son œuvre", 23. März 2014.

Weblinks[Bearbeiten]