Haraldskvæði

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Die Haraldskvæði (Gedicht auf Harald) oder auch Hrafnsmál (Spruch des Raben) ist ein skaldisches Preislied auf den norwegischen König Harald Schönhaar (Haraldr hárfagri). Das Lied wird in zeitlicher Nähe nach der Schlacht am Hafrsfjord im Jahr 872 datiert und als Autor Þorbjörn hornklofi angesehen. Der Name des Gedichtes ist neuzeitlicher Herkunft und stammt von Editoren des 19. Jahrhunderts.

Das Lied gilt in seiner Art ausserhalb der üblichen skaldischen Dichtung stehend. Es ist geprägt durch die metrischen Einflüße typischer eddischer Versmaße und der Einbindung des mythologischen Aparats und aufwendige Kenningar. Daraus folgerte Felix Genzmer, dass die Haraldskvæði zusammen mit der Eiriksmál und Hákonarmál eine Gruppe bildet die als Exponenten des frühen eddischen Preislieds gelten und eine Zwischenposition bildet zwischen der eddischen anonymen Dichtung und der skaldischen Dichtung mit identifizierbaren Autoren.

Die Haraldskvæði umfasst fragmentarisch 23 Strophen in dem das Versmaß des Málaháttr vorwiegt, jedoch zuzüglich Verse im Ljóðaháttr und Fornyrðislag enthalten sind (Strophen 15–23). Hans Kuhn vertrat die Ansicht, dass auf Grund der metrischen Verhältnisse des Lieds und dessen zeitlich frühen Entstehung westgermanischer Einfluß vorliegen würde. Snorri Sturluson weist Þorbjörn hornklofi als Autor aus. Obgleich er in der Skáldskaparmál im zwei Strophen umfassenden Zitat als Autor Þjóðólfr ór Hivni angibt. Durch die Autorität Snorris wird Þorbjörn in der Forschung allgemein als Autor gesehen. Die Hauptüberlieferungsquellen für das Lied sind neben der Heimskringla (Haralds saga hárfagra Kap. 15, 18, 21), die Fagrskinna und die Haralds þáttr aus dem Flateyjarbók. Die Strophen mit der Autorenzuweisung teilt sich folgend auf:

Strophen Heimskringla Fagrskinna Haralds þáttr
1 - 6 6 Þórb. Þórb.
7 -12 Þórb. Þjóð. Þjóð.
13 - 14 14 Þórb. Þjóð.
15 - 23 Þórb.

Inhalt[Bearbeiten]

In den ersten beiden Strophen erhebt der Dichter in direkter Hinwendung zum Rezipienten um Gehör und Aufmerksamkeit. Er stellt den Kern seiner Dichtung dar; die Darstellung Haralds als Kriegerkönig. Er teilt mit was er bei einem Gespräch zwischen einem Raben und einer Walkühre gehört hat über die Hafrsfjordschlacht. Der Rabe teilt der Walkühre (Strophen 3–12) zufrieden mit, wie er den jungen Harald schon des längeren begleitet hat und wie es zum Schlachtgeschehen gekommen ist; der Angriff durch Kjǫtvi, die Wendung zu Haralds Gunsten, Kjǫtvis Flucht und das schaurige Werk der Raben als Schlachtfeld-, beziehungsweise als Totenvogel. In den Strophen 13 und 14 folgt ein Einschub der Jahre nach der Schlacht handelt und die Vermählung Haralds mit der dänischen Königstochter Ragnhild schildert. In den Strophen 15–23 wird die Hofhaltung Haralds dargestellt mit Gestus und Attributen der zeitgenössischen hochmittelalterlichen Adelskultur.

Literatur[Bearbeiten]

Ausgaben und Übersetzungen
  • Felix Genzmer: Die Edda. II Götterdichtung und Spruchdichtung. Eugen Diedrichs Verlag, Jena 1912. (Sammlung Thule, 2)
  • Finnur Jónsson (Hrsg.): Den Norsk-Islandske Skjaldedigting B: Rettet Tekst I. 1912 (Nachdruck Rosenkilde og Bagger, Kopenhagen 1973).
Forschungsliteratur

Weblinks[Bearbeiten]