Harchuf

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Harchuf in Hieroglyphen
H Hr
r
x w f

Harchuf/ Herchuf
(Har-chuf/ Her-chuf)
Ḥr.w-ḫwj=f / ḫwj=f-ḥr.w [1]
Horus ist sein Beschützer [2]
H Hr
r
x w f A21

Variante mit Personen-Determinativ [3]
H Hr
r
x w f A51

Variante mit Personen-Determinativ [4]
Flickr - schmuela - IMG 6385.jpg
Darstellung des Harchuf in seinem Grab in Qubbet el-Hawa

Harchuf (auch Harkhuf, Herchuf, Hirchuf) (um 2300 v. Chr.) war ein ägyptischer Beamter, Expeditionsleiter und Entdecker. Er trug unter anderem die Titel „Vorderster an Aktion“ (ḥ3.tj-ˁ - Hatia), „königlicher Siegler“, „Vorlesepriester“, „Vorsteher der Fremdsprachigen“ und wohl am Ende seiner Karriere „Vorsteher von Oberägypten“. Sein Vater war der „Einzige Freund“ und „Vorlesepriester“ Iri.

Um 2300 v. Chr. unternahm er insgesamt vier Expeditionen zum ersten Nil-Katarakt ins Land Jam (Südliches Nubien). Bei der ersten Expedition erkundete er gemeinsam mit seinem Vater den Reiseweg nach Jam, bei der dritten Expedition bereiste er die westsudanische Wüste. Im zweiten Regierungsjahr des Königs Pepi II., bei seiner vierten Expedition, brachte Harchuf einen Zwerg der Gottestänzer aus dem Lande der „Horizontbewohner“ mit.[5]

Eine Inschrift auf seinem Grabmal auf der Qubbet el-Hawa bei Elephantine (Assuan) berichtet ausführlich von seinen Expeditionen und seinem Leben.

Familie[Bearbeiten]

In Harchufs Grab werden insgesamt drei Familienangehörige genannt. Dies ist zum einen sein Vater Iri, der die Titel eines „Einzigen Freundes“ und eines „Vorlesepriesters“ trug.[6] Harchufs Ehefrau war Tepemnefret, mit schönem Namen Tepi. Sie trug die Titel einer „Bekannten des Königs“ (d. h. Hofdame) und einer „Gottesdienerin der Hathor“.[7] Das einzige Kind des Paares war der Sohn Djemi, mit schönem Namen Mesteni oder Mesni. Dieser trug die Titel eines „Einzigen Freundes“, „Vorlesepriesters“ und „Vorstehers der Fremdsprachigen“, die auch schon sein Vater besaß.[8]

Titel[Bearbeiten]

Hieroglyphen Transkription Übersetzung [9] Anmerkungen
F4
a
ḥ3tj-ˁ Graf/Gaufürst
m
rA
M26
jmj-r3 Šmˁw Vorsteher von Oberägypten
L2 t S19
ḫtmw-bjtj Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten Dritthöchster Hofrangtitel
s U23 Aa17
t Z1
smr wˁtj Einziger Freund bereits von seinem Vater getragen
T28 H b
ẖrj-ḥbt Vorlesepriester bereits von seinem Vater getragen
Y1V m
jmj-js Der im Palast Befindliche
A48 O47
jrj-nḫn Hüter von Hierakonpolis
M22 b Hr
tp
ḥrj-tp nḫb Oberhaupt von el-Kab
m
rA
S25
jmj-r3 ˁ3w Vorsteher der Fremdsprachigen/Söldner
Hr
r
s S
t
U30 A Y2 U28 d
t
Y2 nb n
t
tp M25
ḥrj-sšt3 n wḏt-mdw nbt nt tp-rsj Geheimrat aller Befehle des Südens
Z11 ib
n
nb G7 f
jmj-jb nb=f Vertrauter seines Herrn
ir
r
H W14 z
z
t n
nb
G7 f
jrj ḥsst n nb=f Der tut, was von seinem Herrn gelobt wird
d
d
n
r
G14 E23 w H Hr
r
G7 m N25
N25
N25
t Z1
rḏj nrw Ḥrw m ḫ3swt Der den Schrecken des Horus in den Fremdländern verbreitet
W25 n
n
x&r&t N25
N25
N25
t Z1
nb n nb G7 f
jnj ḫrt ḫ3swt nb(wt) n nb=f Der seinem Herrn alle Erzeugnisse der Fremdländer bringt
W25 n
n
W25 nw
Y2
n sw t
Aa31
(
m N25
N25
N25
t Z1
nb
)
jnj jnw ẖkrt-nsw (m ḫ3swt nb(wt))' Der die Tribute des Königsschmucks (aus allen Fremdländern) bringt
m
rA
M26 N25
N25
N25
t Z1
nb n
t
tp M25
jmj-r3 ḫ3swt nbwt nt rst Gouverneur aller Südländer

Harchufs Reisen[Bearbeiten]

Erste Reise[Bearbeiten]

Der Bericht über die erste Reise ist äußerst knapp gehalten. Harchuf und sein Vater Iri wurden von König Merenre damit beauftragt, den Weg in das Land Jam zu erkunden. Die Reise dauerte insgesamt sieben Monate. Harchuf brachte viele Güter aus Jam nach Ägypten und wurde dafür sehr gelobt.

Zweite Reise[Bearbeiten]

Bei der zweiten Reise führte Harchuf das alleinige Kommando. In seinem Bericht nennt er zahlreiche Ortsnamen: Er reiste auf dem Elephantine-Weg und kam auf seinem Weg nach Jam durch die Länder Irtjet, Mecher und Tereres, die wohl Teil einer politischen Einheit namens Irtjet waren. Auf dem Rückweg kam er an den Hof des Herrschers von Setju und Irtjet. Die Reise dauerte insgesamt acht Monate und zahlreiche Güter wurden nach Ägypten gebracht. In seinem Bericht nimmt Harchuf den Ruhm in Anspruch, dass kein Expeditionsleiter vor ihm ähnliche Leistungen vollbracht hätte.

Dritte Reise[Bearbeiten]

Am ausführlichsten wird die dritte Reise beschrieben: Ausgangspunkt ist der 8. oberägyptische Gau. Von dort aus zog Harchuf über den Oasenweg nach Südwesten, wo er auf den Herrscher von Jam traf, der gerade einen Kriegszug gegen Libyer führte. Dieses Ereignis verzögerte den Zeitplan der Expedition offenbar deutlich, denn Harchuf sandte einen seiner Leute gemeinsam mit einem Untergebenen des Herrschers von Jam an den ägyptischen Königshof, um über die Verzögerung zu berichten. Es folgte ein Tauschhandel zwischen Harchuf und dem Herrscher von Jam und Harchuf gelangte auf dem Heimweg in die Gegend des südlichen Irtjet und des nördlichen Setju. Er durchquerte die Gegend mit einer Karawane bestehend aus 300 Eseln, die beladen waren mit Weihrauch, Ebenholz, hknw-Öl und anderen Dingen. Er traf wieder auf den Herrscher von Irtjet und Setju, der in der Zwischenzeit auch das Land Wawat unter seine Kontrolle gebracht hatte. Da Harchuf ein starkes Heer mit sich führte, dem auch Truppen aus Jam angehörten, kam es nicht zu feindseligen Auseinandersetzungen. Stattdessen gab der Herrscher Harchuf Rinder und sicheres Geleit durch sein Reich. Auf dem Weg zur Residenz kam Harchuf der Beamte Chuni mit mehreren Schiffen entgegen.

Vierte Reise[Bearbeiten]

Die vierte Reise fand nach dem Tod Merenres, in der frühen Regierungszeit seines Nachfolgers Pepi II. statt. Hierüber existiert kein direkter Bericht. Harchuf ließ stattdessen eines Brief des jungen Königs an seiner Grabfassade kopieren. Dieser Brief ist datiert auf das 2. Regierungsjahr, 3. Monat der Achet-Jahreszeit, Tag 15. Es handelt sich um eine Antwort auf einen Bericht, den Harchuf dem König gesandt hatte. Pepi drückt darin seine große Freude darüber aus, das Harchuf einen „Zwerg der Gottestänze“ an den Hof bringt, wie es bereits der Expeditionsleiter Bawerdjed während der Regierungszeit von Djedkare bei einer Reise nach Punt getan hatte. Er mahnt Harchuf zur Eile und weist ihn an, ständig Wachen für den Zwerg aufzustellen, damit er während der Fahrt auf dem Nil auf keinen Fall ins Wasser fällt.

Das Grab des Harchuf[Bearbeiten]

Harchuf ist Besitzer des Grabes Q34n auf der Qubbet el-Hawa.

Literatur[Bearbeiten]

Zum Grab

  • Elmar Edel: Die Felsgräbernekropole der Qubbet el Hawa bei Assuan/1. Architektur, Darstellungen, Texte, archäologischer Befund und Funde der Gräber. Aus dem Nachlaß verfaßt und hrsg. von Karl-J. Seyfried und Gerd Vieler. Schönringh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76343-3.
  • Jacques de Morgan: Catalogue des monuments et inscriptions de l'Égypte antique. Band 1, Wien 1894, S. 163–173.
  • Berta Porter, Rosalind L. B. Moss: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings. V. Upper Egypt. Sites (Deir Rîfa to Aswân, excluding Thebes and the Temples of Abydos, Dendera, Esna, Edfu, Kôm Ombo and Philae)e. Clarendon, Oxford 1937, S. 236 (PDF; 15,5 MB).
  • Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia: con inscrizioni storiche e geografiche. Reale Accademia Dei Lincei, Rom 1892 (Onlineversion).

Zu den Inschriften

  • James Henry Breasted: Ancient records of Egypt. Historical documents from the earliest times to the Persian conquest. Volume I: The first to seventeenth dynasties. University of Chicago Press, Chicago 1906, §§ 325–336, 350–354, (PDF; 12,0 MB).
  • Elmar Edel: Inschriften des Alten Reiches VI. Die Reiseberichte des Hrw-hwjf (Herchuf). In: Otto Firchow (Hrsg.): Ägyptologische Studien. Festschrift für H. Grapow zum 70. Geburtstag (= Veröffentlichungen des Instituts für Orientforschung. Band 29). Berlin 1955, S. 51–75.
  • Adolf Erman: Zur Inschrift des Ḥr-ḫwf In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde. Band 30, 1892, S. 78–83 (PDF; 11,4 MB).
  • Jacques Guiter: Lettre de Pépy II à Herkhouf. In: Egypte. Afrique et Orient. Band 7, 1997 S. 16–21.
  • Nicole Kloth: Die (auto-)biographischen Inschriften des ägyptischen Alten Reiches (= Studien zur Altägyptischen Kultur Beiheft 8). Buske, Hamburg 2002, ISBN 3-87548 310-3, S. 24-25.
  • Miriam Lichtheim: Ancient Egyptian Literature. Volume I: The Old and Middle Kingdoms. University of California Press, Berkeley/Los Angeles/London 1973 (Neuaufl. 2006), S. 23–27, (eingeschränkte Onlineversion).
  • Kurt Sethe (Hrsg.): Urkunden des ägyptischen Altertums. Band 1. Urkunden des alten Reiches. Hinrichs, Leipzig 1933, S. 120–131 (PDF; 10,6 MB).

Zur Geografie

  • Galina Belova: Egyptian and Nubian Lands in the Old Kingdom. In: Eleonora Y. Kormyschewa (Hrsg.): Ancient Egypt and Kush. In memoriam Mikhail A. Korostovtsev. Nauka, Moskau 1993, 35–65.
  • David M. Dixon: The Land of Yam. In: Journal of Egyptian Archaeology. Band 44, 1958, S. 40–55 (PDF; 18,5 MB).
  • Elmar Edel: Die Ländernamen Unternubiens und die Ausbreitung der C-Gruppe nach den Reiseberichten des ḥrw-=ḫwjf. In: Orientalia. Band 36, 1967, S. 153–158.
  • Gerhard Fecht: Die Berichte des ḥrw-ḫwj.f über seine Reise nach J3m. In: M. Görg, Edgar Pusch (Hrsg.): Festschrift Elmar Edel (= Ägypten und Altes Testament. Band 1). Bamberg 1979, S. 105–134.
  • Hans Goedicke: Harkhuf's Travels. In: Journal of Near Eastern Studies. Band 40 (1), S. 1–20.
  • Gerald E. Kadish: Old Kingdom Egyptian Activity in Nubia: Some Reconsiderations. In: Journal of Egyptian Archaeology. Band 52, 1966, S. 23–33.
  • David B. O'Connor: The Locations of Yam and Kush and Their Historical Implications. In: Journal of the American Research Center in Egypt. Band 23, 1986, S. 27–50.
  • Babacar Sall: Herkouf et le pays de Yam. In: ANKH. Revue d'égyptologie et des civilisations africaines. Band 4/5, 1996, S. 56–71.
  • Torgny Säve-Söderbergh: Ägypten und Nubien: Ein Beitrag zur Geschichte altägyptischer Aussenpolitik. Upsala 1941. 17–30.
  • Eberhard Stechow: Reichte die Erdkenntnis der alten Ägypter bis zu den Kongo-Urwäldern? In: Petermanns Geographische Mitteilungen. Band 92, 1948, S. 181–183.
  • Jean Vercoutter: La navigation au sud de la première cataracte. In: Egypte. Afrique et Orient. Band 1, 1996 S. 13–17.
  • Jean Yoyotte: Pour une localisation du pays de Iam. In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale. Band 52, 1953, S. 173–178 (Onlineversion).

Sonstiges

  • Elke Blumenthal: Die Textgattung Expeditionsbericht in Ägypten. In: Jan Assmann, Erika Feucht, Reinhard Grieshammer (Hrsg.): Fragen an die altägyptische Literatur. Gedenkschrift E. Otto. Harrassowitz, Wiesbaden 1977, S. 85–118.
  • Joseph Clayton: A Misidentified Animal from the Autobiography of Harkhuf. In: Göttinger Miszellen. Band 237, 2013, S. 9–14.
  • Veronique Dasen: Dwarfs in Ancient Egypt and Greece. Clarendon, Oxford 1993, ISBN 0-19-814699-X, S. 25–30.
  • Eckhard Eichler: Untersuchungen zu den Königsbriefen des Alten Reiches. In: Studien zu Altägyptischen Kultur. Band 18, 1991, S. 141–171.
  • Gabriele Pieke: Der Zwerg im Flachbild des Alten Reiches. Magisterarbeit, München 1994.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inschriften des ḫwj=f-ḥr.w an seinem Grabe gegenüber von Elephantine. In: Kurt Sethe (Hrsg.): Urkunden des alten Reiches. (Urkunden des ägyptischen Altertums, Band 1) Hinrichs, Leipzig 1933, S. 120–131.
  2. Hermann Ranke: Die Ägyptischen Personennamen. Band I: Verzeichnis der Namen. Augustin, Glückstadt 1935, S. 250.
  3. Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 10.
  4. Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 9.
  5. vermutlich einen kleingewachsenen Nubier oder einen Mann vom Volk der Akka aus dem Sudan. ein Pygmäe kann ausgeschlossen werden, da die Expeditionen nie so weit ins Innere Afrikas gingen, um solche Stämme zu erreichen. Gabriele Höber-Kamel: Abydos - Religiöses Zentrum der Auferstehung. In: Kemet. Heft 2, Berlin 2000, S. 4–9.
  6. Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 17, 18; dort als „Ara“ transliteriert.
  7. Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 11–12, 17; Dort als „Tepemnofrit“ bzw „Tepa“ transliteriert.
  8. Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 10, 17; dort als „Tjama“, bzw. „Mesitna“/„Mesina“ transliteriert.
  9. nach Rainer Hannig: Die Sprache der Pharaonen. Band 1. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.). 3. Auflage, von Zabern, Main 2001, ISBN 3-8053-1771-9.