Hardegsen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hardegsen
Hardegsen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hardegsen hervorgehoben
51.6522222222229.8294444444444191Koordinaten: 51° 39′ N, 9° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Northeim
Höhe: 191 m ü. NHN
Fläche: 83,87 km²
Einwohner: 7867 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 94 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37181
Vorwahl: 05505
Kfz-Kennzeichen: NOM, EIN, GAN
Gemeindeschlüssel: 03 1 55 005
Adresse der
Stadtverwaltung:
Vor dem Tore 1
37181 Hardegsen
Webpräsenz: www.hardegsen.de
Bürgermeister: Dieter Sjuts (parteilos)
Lage der Stadt Hardegsen im Landkreis Northeim
Uslar Uslar Bodenfelde Hardegsen Nörten-Hardenberg Katlenburg-Lindau Dassel Moringen Bad Gandersheim Northeim Kalefeld Einbeck Einbeck Landkreis Northeim Niedersachsen Hessen Landkreis Göttingen Landkreis Holzminden Landkreis Hildesheim Landkreis Goslar Landkreis Osterode am Harz Nordrhein-Westfalen Solling (gemeindefreies Gebiet)Karte
Über dieses Bild

Hardegsen ist eine Kleinstadt im Landkreis Northeim im südlichen Niedersachsen, Deutschland. Die Stadt Hardegsen bezeichnet sich als das Tor zum Solling (siehe auch Naturpark Solling-Vogler) und ist von einem umfangreichen Wanderwegenetz umgeben. Die Stadt ist bekannt für ihre Fachwerkhäuser, die Burg Hardeg mit dem Muthaus, hat einen Wild- und Haustierpark sowie einen Campingplatz und war bis Ende 2010 staatlich anerkannter Luftkurort.[2]

Geografie[Bearbeiten]

Hardegsen liegt westlich der Leine und östlich des Sollings, direkt am südwestlichen Rand des Höhenzuges Weper. Durch das Stadtgebiet fließen die Espolde und der Schöttelbach, welcher hier in die Espolde mündet.

Ortsteile[3][Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Obwohl archäologische Funde aus der älteren Eisenzeit (von 800 v. Chr. bis Chr. Geb.) auf eine noch frühere Besiedlung schließen lassen, wurde Hardegsen, mit dem damals üblichen latinisierten Namen, als Hiridechessun erstmals im Jahre 1020 urkundlich erwähnt. Aufgrund des Namens mit der Endung deg bzw. dag (es gibt über zehn bekannte Schreibweisen von Hardegsen) geht man heute davon aus, dass Hardegsen ursprünglich eine Siedlung der Cherusker gewesen sein muss. In der Nähe von Hardegsen auf dem Galgenberg gibt es außerdem ein ungefähr 2000 Jahre altes Hockergrab.

Ein Beweis einer noch früheren Besiedlung ist ein Bronzebeil von 15 cm Länge. Die Art des Beils ist ein Randbeil und weist das Bronzebeil damit der mittleren Bronzezeitperiode von 1550 bis 1300 v. Chr. Geb. aus. In der näheren Umgebung von Hardegsen wurden weiterhin steinzeitliche Äxte gefunden, die der Jungsteinzeit zugeordnet wurden (um 4500 v. Chr. Geb.).

Der Ort zählte wahrscheinlich zu den Eigengütern der Grafen von Northeim und wechselte 1263 in den Besitz der Herren von Rosdorf über.[4] Die Brüder Dethard, Konrad und Ludwig von Rosdorf stellten 1310 eine Urkunde aus, die, neben dem Ortsnamen auch von einer ante castrum Herdegessen spricht, was ein früher, erster Verweis auf die Burg Hardegsen ist. Ob die Rosdorfer damals schon als Burgmannen auf der Burg saßen ist nicht bekannt, doch entwickelten sie zu Beginn des 14. Jahrhunderts eine rege Bautätigkeit, die über die finanziellen Möglichkeiten der Herren weit hinausging. 1383 wurden der Stadt von Herzog Otto „dem Quaden“ die Stadtrechte verliehen. Die Burg Hardeg war 200 Jahre lang Sommerresidenz der Welfen. In den vorangegangenen Jahren traten die Herren von Rosdorf als Eigentümer des Dorfes Hardegsen auf. Ferner zählten zu ihrem Besitz die benachbarten Dörfer Ertinghausen, Schlarpe, Elliedrode, Hettensen, Lichtenborn, Asche, Lutterhausen und Hevensen; über das Dorf Wolbrechtshausen übten sie die Kriminalgerichtsbarkeit aus. Otto der Quade löste die Herren von Rosdorf im Jahre 1380 ab, eroberte die Burg und verlegte seine Residenz für die kommenden 14 Jahre auf die Hardeg. Mit dieser Erhöhung des Dorfes zur Residenz Ottos, befestigte er selbiges mit Mauern, Türmen und Wallgräben und versah ihm eine Landwehr, welche von Hardegsen bis nach Hevensen reichte. Als Residenz Ottos wurde die Stadt oft in Fehden verstrickt, was es mit sich brachte, dass die Bewohner dazu verpflichtet wurden, an der Auseinandersetzung mit der Stadt Göttingen teilzunehmen. Den Abschluss dieser Fehde fand, siegreich für die Göttinger auf den Streitäckern bei Rosdorf, am 22. Juli 1387 statt.

Fehden bestimmten auch das Schicksal Hardegsens im 15. Jahrhundert. So wurde es in dem 1460er Jahren in eine Auseinandersetzung mit den Hansestädten Braunschweig, Magdeburg, Halle (Saale), Goslar, Halberstadt, Göttingen, Northeim, Einbeck, Hildesheim und Hannover verstrickt. Der Anlass bestand darin, dass Friedrich von Braunschweig-Lüneburg bei Nörten-Hardenberg und Holzminden oft Lübecker und Lüneburger Kaufleute überfiel die mit kostbaren Tuch beladenen Wagen, stahl sie und brachte anschließend seine Beute nach Moringen und auf die Burg Everstein. Die Hansestädte gingen daraufhin gemeinsam gegen Herzog Wilhelm I. und dessen Söhne Wilhelm II. und Friedrich vor. Sie belagerten 1466 die Stadt Hardegsen, richteten Schäden auf den Feldern, in Gärten und bei dem Vieh an und verwüsteten Häuser. Auf den Rückweg der Hanseaten nach Hannover, richteten sie weiteren Schaden in neunzehn Dörfern an. Die Fehde hielt bis 1467 an, als die Welfen die Göttinger besiegten und mit einer stattlichen Beute nach Hardegsen zurückkehrten.[5] Niedrige Viehpreise hoben die Schäden, welche die Bevölkerungen Hardegsens im Vorjahr erlitten hatte, teilweise wieder auf. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts finden sich in den Urkunden erste Verweise auf Amtsmänner, die in Hardegsen tätig waren. Die fürstliche Herrschaft Hardegsen wurde somit in dieser Zeit in das Amt Hardegsen umgewandelt, dessen Ausdehnung den Besitz der Herren von Rosdorf umfasste. Es waren die Dörfer Ellingerode, Hettensen, Schlarpe (Schlarbeck), Lichtenborn, Asche, Lutterhausen, Ertinghausen, Wolbrechtshausen und Hevensen.[6] Die Anlehnung an das Adelsgeschlecht von Rosdorf zeigt sich auch im ehemaligen Amtssiegel, welches dem Rosdorfer Wappen entlehnt wurde und einen Schlüssel, sowie den Löwen der Welfenherzöge beinhaltete. 1611 lebten im Amt Hardegsen 790 Personen, diese Zahl stieg bis in das Jahr 1792 auf etwa 2000 Einwohner. Einnahmen bezog das Amt vorwiegend aus den zugehörigen Grundstücken, Erbzinsgefällen, Zolleinnahmen, dem Fruchtzehnten, sowie Hand- und Spanndiensten. Diese Beträge beliefen sich im Jahr 1679 auf etwa 2387 Taler.

Der historische Stadtkern wurde viele Male Opfer von Brandkatastrophen, allerdings galt der letzte Großbrand vom 24. Dezember 1678 als das einschneidendste Ereignis in der Geschichte von Hardegsen. Es fiel ein Großteil des Stadtkerns einer Feuersbrunst zum Opfer. Da der Brand zum Zeitpunkt der heiligen Messe begann, kam kein Mensch zu Schaden. Die Brandursache ist bis heute nicht wirklich geklärt. Das Feuer ging am Hinterhaus vom alten Rathaus aus und war vermutlich eine (damals illegale) Trocknung von Flachs oder ein Gänsebraten, der während der Messe allein gelassen wurde. In den Jahren des Siebenjährigen Krieges hatte auch Hardegsen zu leiden, da ab 1758 Soldaten im Ort ihr Quartier bezogen. Erstmals trafen im Januar 8 Kompanien eines französischen Infanterie-Regimentes ein, nach ihrem Abzug einen Monat später setzte sich ein Husaren-Regiment fest. Es folgten weitere Durchzüge von Truppen, die unter anderem die Sommerfrüchte als Pferdefutter verwendeten, die Häuser besetzten und schließlich auch die Pest einschleppten. Am 15. August 1760 nahm das Korps von Nikolaus von Luckner bei Hardegsen Stellung und am 20. November schlug Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel mit seinen Truppen sein Hauptquartier in Hardegsen auf. Nach dem Abzug der Soldaten Ferdinands wurden 800 Mann Braunschweiger und blieben über Winter in den Bürgerhäusern. Die Folge war, dass sich in den beengten Wohnverhältnisse und unter der Einschleppung von Kleiderläusen, wieder Krankheiten ausbreiteten, unter anderem das Fleckfieber, was ab Dezember 1760 nachweislich im Ort grassierte. Die Verluste waren hoch, zahlreiche Männer der Garnison und 500 Einwohner starben bis zum Anfang des Jahres 1761, bis zum Ende des Krieges sollte die Hälfte der Einwohnerschaft der Krankheit erliegen. Auch nachdem die Truppen abgezogen waren ebbte die Krankheit nicht ab. Um der Sache Herr zu werden errichtete man drei Hospitäler, verpflichtete einige Ärzte aus Göttingen und reinigte die Straßen mit stark riechenden Essenzen. Die Sterberate war dermaßen hoch, dass schnell Särge und Bretter knapp wurden, man bediente sich unter anderem an den Latten der Gartenzäune um wenigstens einigen eine würdige Bestattung zukommen zu lassen. Hohe Kontributionszahlungen von insgesamt 40000 Talern, Fronfuhren auch außerhalb Hardegsens, Verwüstungen der Gebäude, Kriegs- und Magazinfuhren führten dazu, dass der Ort am Ende des Siebenjährigen Krieges finanziell völlig erschöpft war.

Als im Jahre 1807 das Königreich Westphalen errichtet wurde, begannen man auch die bisherige Ordnung in Hardegsen zu verändern. Adolph Meier, seit 1801 Bürgermeister des Ortes, legte 1808 sein Amt nieder und wurde kurz darauf Maire des neu errichteten Kantons Adelebsen. Mit der Einteilung in Distrikten, teilte man Hardegsen dem Kanton Hardegsen zu, das Amt selbst wurde jedoch in eine Domäne umgewandelt. Der letzter Amtmann, Friedrich Koch erhielt das Amt des Maire von Hardegsen, welches er von 1808, bis zu seinem Tod 1811, ausübte. Sein Nachfolger wurde Götz von Olenhusen, der die Stelle bis zur Eingliederung Hardegsens 1814 in das Königreich Hannover verwaltete. In dieser Zeit bekannte sich die überwiegende Zahl der Bewohner Hardegsens, insgesamt 1136 Personen, die sich auf 161 Wohnhäuser verteilten, zum lutherischen Glaubensbekenntnis.[7] Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts blieb die Einwohnerzahlen relativ konstant. Der Ort bildete damals im Fürstentum Göttingen, gemeinsam mit Moringen, das königliche Amt Moringen-Hardegsen mit 6641 Einwohnern von denen auf Hardegsen 1202 Personen und 179 Wohnhäuser entfielen.[8]

Die Stadt ist seit 1973 staatlich anerkannter Erholungsort und war von 1975 bis 2010 staatlich anerkannter Luftkurort.

Religionen[Bearbeiten]

Ev.-luth. St. Mauritius-Kirche
Katholische St. Marien-Kirche

Die Bevölkerung von Hardegsen ist vornehmlich evangelisch-lutherisch mit der Evangelisch-lutherischen St. Mauritius Kirchengemeinde Hardegsen. Hinzu kommt noch die Katholische St. Marien Kirchengemeinde Hardegsen. Aus der vorreformatorischen Zeit sind 17 Pastoren (von 1307 bis 1545) verzeichnet. Ab 1540 gab es evangelisch-lutherische Gottesdienste und Pastoren.

Die Christianisierung von Hardegsen erfolgte früher als die des Gebietes um Hannover. Dem Umstand ist es zu verdanken, dass Hardegsen nicht dem benachbarten Bistum Paderborn oder Bistum Hildesheim zugeordnet wurde, sondern schon vorher an das Erzbistum Mainz angegliedert war (um 745).

Erst drei Jahrhunderte später, von 1002 bis 1024 wurde das erste Gotteshaus in Hardegsen erbaut. Seit 1150 gehörte Hardegsen zum Archidiakonat Nörten.

Mit Anfang des 11. Jahrhunderts bis zur Auflösung (aufgrund der Reformation) 1543 gab es in Hardegsen auch eine Bruderschaft der Kalande. Erste verlässliche Hinweise auf die Bruderschaft gab es Anfang des 15. Jahrhunderts.

Trotz der evangelisch-lutherischen Gottesdienste seit 1540 wurde in Hardegsen erst am 31. Januar 1543 offiziell die Reformation eingeführt. An dem Tage wurde durch den Superintendenten Magister Antonius Corvinus die Visitation vorgenommen und das Kirchenwesen neu geordnet. Die neu verfasste Kirchenordnung von Corvin galt bis 1919. Mit der Einführung der Reformation wurde auch die Verehrung der Heiligen und Reliquien beendet. Damit endeten auch die Wallfahrten zur Kirche in Hardegsen, die von sich behauptete die Gebeine des heiligen Vitus zu besitzen.

Von ungefähr 1945 an bildete sich wieder eine katholische Kirchengemeinde. 1955 wurde die St. Marien-Kirche am Marienweg errichtet, entworfen von Josef Fehlig. 1961 kam noch eine Filialkirche in Volpriehausen hinzu. 1972 wurde im Pfarrgarten von St. Marien ein Bildstock als Wallfahrtsstätte errichtet. Seit dem 1. September 2010 gehört die St.-Marien-Kirche zur Pfarrgemeinde St. Martin in Nörten-Hardenberg.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juni 1970 wurden Ellierode und Lutterhausen eingegliedert. Am 1. März 1974 kamen Asche, Ertinghausen, Espol, Gladebeck (bis dahin im Landkreis Göttingen), Hettensen, Hevensen, Lichtenborn, Trögen und Üssinghausen hinzu.[9]

Politik[Bearbeiten]

Stadtverwaltung Hardegsen

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Hardegsen setzt sich aus 22 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

CDU SPD FDP FWG Grüne Hardegsen 21 Gesamt
2006 7 8 4 2 1 22 Sitze
2011 6 8 3 2 2 1 22 Sitze

Stand: Kommunalwahlen am 10. September 2006 und 11. September 2011

Bürgermeister[Bearbeiten]

-2014: Dieter Sjuts (parteilos)

Bei der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 setzte sich Michael Kaiser (Einzelwahlvorschlag) mit 61,05 % gegen den Mitbewerber Dirk Schrader (SPD) mit 38,95 % der Stimmen durch. Die Wahlbeteiligung betrug 65,85 %.[10]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein springendes silbernes Roß.“ Das Pferd entspricht dem, seit der Mitte des 14. Jahrhunderts den Welfen nachweisbaren, niedersächsischem Roß, es erscheint bereits um 1500 in einem Siegel des Ortes. Die Laufrichtung des Pferdes änderte sich in den folgenden Siegeln, um 1567 läuft es von links nach rechts, seit 1633 ist die andere Richtung angegeben. Das heutige Wappen geht auf die Wappentafel am Eingang des Rathauses zurück, welche wiederum vermutlich auf eine frühbiedermeierliche Vorlage basiert.[11] An dem, am Rathaus befestigten, Wappen finden sich zudem Blätter und Bänder mit den Devisen recte faciendo neminem timeas (Tue Recht, scheue niemand) und audiatur et altera pars (Richte nicht sofort, höre erst des anderen Wort).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 16. Juni 1990 besteht mit der historischen Europastadt Stolberg im Harz eine Städtepartnerschaft, die sich aus ersten freundschaftlichen Kontakten unmittelbar nach der Grenzöffnung im November 1989 ergab.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Ellermeiers Burgmannshof
    wurde in den Jahren 1977 bis 1982 komplett restauriert und beherbergt als Baudenkmal ein Geigenmuseum sowie eine Forschungsstätte für Theologie und altorientalische Kultur. Ellermeiers Burgmannshof ist der 2. Burgmannshof in Hardegsen. Der Initiator für die Erhaltung, Sanierung und Weiternutzung des nach ihm benannten Burgmannshofes, der Theologe Friedrich Ellermeier, wurde 1984 mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz und 1986 mit dem Paul-Dierichs-Preis ausgezeichnet.
  • Der Burgstall
    dient als Historisch Ökologisches Regionalmuseum und befindet sich auf dem Gelände der Burg Hardeg. Dort werden handwerkliche Traditionen des ländlichen Raums unter ihren historischen und ökologischen, ihren arbeitstechnischen und sozialen Aspekten vorgeführt. Seit 1999 gibt es in dem Gebäude zusätzlich die Museumsschule mit einem historischen Klassenzimmer. Kinder können dort in historischer Schulkleidung Schulunterricht vergangener Zeiten nachvollziehen und zum Beispiel die Sütterlinschrift kennenlernen.

Bauwerke[Bearbeiten]

1. Burgmannshof Hardegsen, 2005
  • Erster Burgmannshof
    Der erste Burgmannshof wurde 1292 erstmals erwähnt. Er wurde 1591 vom Kanzler Johannes von Jagemann erneut erbaut und erhielt fünf Geschosse. Die Größe des Baus vergegenwärtigt ein Kupferstich aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1678 brannte das das Gebäude mit der Feuersbrunst bis auf die massiven Grundmauern ab und wurde dann von der Familie von Pape erneut in der heutigen dreigeschossigen Form aufgebaut.
  • Zweiter Burgmannshof
    Der zweite Burgmannshof war der zweite Lehnshof in Hardegsen. Er liegt direkt an der Burg Hardeg und nannte sich damals der Hof vor dem Schlosse und gehörte bis 1402 der Familie von Reckhorst.

Rathaus[Bearbeiten]

Als eines der repräsentativsten Gebäude in Hardegsen gilt das Rathaus, welches nach Johannes Letzner 1416 auf dem "Anger" errichtet wurde. Im Jahre 1573 erhielt es einen hölzernen Vorbau mit einem Türmchen, jedoch verhinderte der große Brand 1678, dass das Rathaus bis heute in seiner ursprünglichen Form erhalten blieb. Unmittelbar am Rathaus angelehnt befand sich damals auch das Gildehaus, welches durch sein Niederbrennen dem Nachbargebäude enorme Schäden an der vorderen Mauerseite zufügte. Die obere Hälfte wurde abgebrochen und 1680 erhielt das Rathaus unter den Bürgermeistern Johann Domeier und Paul Sartorius an seiner Nordseite einen Anbau aus Fachwerk. Nach dem Brand verlor das Rathaus seinen imposanten Charakter und besaß einen eher verarmten, nüchternen Stil, was sich dadurch ausdrückte, dass einige Räume nicht mehr nutzbar waren, während in anderen, wie beispielsweise dem Zimmer für die hiesige Legge, 1777 völlige Dunkelheit herrschte. Fenster konnten nicht eingebaut werden, da man sonst das ohnehin schon mitgenommene Mauerwerk hätte durchbrechen müssen, was die Stabilität des Gebäudes weiter vermindert hätte. Unter dem Rathaus befindet sich der Ratskeller, der in seiner heutigen Gestaltung neueren Datums ist, aber bereits im 17. Jahrhundert, sollte man Letzner glaubten, existierte. Damals war Andreas Kulp Inhaber der Ratsschänke, bevor 1678 Henning Tekelenburg als Kellerwirt genannt wird, auf den zwei Jahre später Christoph Preußer folgt. Nach mehreren Anläufen richtete man 1940 einen neuen Ratskeller ein.[12] Das Rathaus entsprach in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr den gestiegenen räumlichen Anforderungen. Das Gebäude wurde 1959 verkauft, wodurch es in den Privatbesitz von Paul Haltenhof überging, der 1932 schon die Schlachterei und den Ratskeller als Pächter übernommen hatte. 1960 fanden Umbauten am Gebäude statt: Das Kellergewölbe wurde abgebrochen, die Treppen zum Eingang entfernt und eine Schlachterei errichtet. Die übrigen Räume wurden dermaßen umgebaut, dass das einstige Rathaus sich heute als Mehrfamilienhaus präsentiert. Die Stadtverwaltung zog vollends in ein anderes repräsentatives Gebäude, das neue "Ohlmersche Haus", in das sie schon im Frühjahr 1952 umzog.[13]

Das Muthaus der Burg mit dem Amtshaus im Vordergrund

Burg Hardeg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Burg Hardeg

Die im 12. Jahrhundert erbaute Burg Hardeg war der ehemalige Regierungssitz des Welfenherzogs Otto. Heute sind noch das Muthaus, das Hagenhaus und Teile der Burgmauer erhalten. Die Räumlichkeiten des Muthauses können besichtigt und für Feierlichkeiten und Veranstaltungen gemietet werden. Mit den Einnahmen wird der Erhalt der Burg finanziert. Der Rittersaal wird im Frühjahr und Sommer als Standesamt genutzt.

Stadtkirche St. Mauritius[Bearbeiten]

Hauptartikel: St. Mauritius (Hardegsen)

Baubeginn dieser Kirche war 1423. Seitdem wurde sie mehrfach überarbeitet.

Wachturm[Bearbeiten]

Nach der Verleihung der Stadtrechte 1383 durch den damaligen Landesherren Herzog von Braunschweig zu Göttingen Otto durfte Hardegsen den Ort mit einer Mauer befestigen. Die Stadtmauer wurde vermutlich um 1400 erbaut. Der renovierte Wachturm und der angrenzende kleine Teil der Stadtmauer vermitteln einen Eindruck über die Stärke der Festigung der Stadt im Mittelalter.

Tourismus und Freizeit[Bearbeiten]

Parks[Bearbeiten]

Kurpark[Bearbeiten]

Der Kurpark ist eine in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts angelegte Anlage, in der sich Kurgäste zur Erholung und zu kommunikativen Zwecken aufhalten sollten. Daher befindet sich dort ein vom Wasser des das Areal durchfließenden Baches Lunau gespeister künstlicher Teich, an dem Parkbänke auf hölzernen Stegen zum Verweilen einladen, sowie ein Musikpavillon. Nach dem Verlust des Titels "Luftkurort" verlor diese in unmittelbarer Nähe der Burganlage befindliche Fläche ihre ursprüngliche Funktion, wird aber weiterhin als Park für die Bürger gepflegt und unterhalten.

Wildpark[Bearbeiten]

Der Wildpark wurde im Juni 1965 eröffnet und wird neben den Einwohnern Hardegsens auch von Bewohnern der umliegenden Bereiche Göttingen, Northeim und Uslar besucht. Ideell und materiell wird der Park vom Förderkreis Wildgehege unterstützt.

Auf einer im Espoldetal gelegenen Fläche von rund 12 ha werden 20 verschiedene Tierarten mit etwa 150 Tieren vorgestellt. Neben heimischen Schalenwildarten sind auch bedrohte Haustierrassen wie z. B. die Thüringer Waldziege oder Angler-Sattelschweine zu betrachten. Als Kinderattraktion gibt es eine Streichelwiese mit Zwergziegen, Hängebauchschweinen, Esel und Pony.

Sport[Bearbeiten]

  • Freibad Hardegsen
  • Hardegsen Baskets 07
  • Hardegser Sportverein v. 1872 e.V. mit den Bogenschützen
  • Schützenverein Hardegsen
  • Sportfischerverein
  • Hardegser Tennisclub e.V.

Wandern und Mountainbiken[Bearbeiten]

In Hardegsen beginnt der Solling-Harz-Querweg.

2005 war Hardegsen an der Gründung der Mountainbikeregion Solling-Vogler beteiligt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Industrie, Landwirtschaft, Handwerk und Handel[Bearbeiten]

Industrie[Bearbeiten]

1897 öffnete das Zementwerk als erster größerer Betrieb in Hardegsen. Das Zementwerk ist heute geschlossen, der Steinbruch dient aber immer noch dem Kalkabbau. Im Dezember 2007 wurde der weithin sichtbare Turm des Zementwerks gesprengt. Seit November 2006 befindet sich auf dem ehemaligen Gelände des Zementwerks die zuvor in Katlenburg-Lindau ansässige Biomasse-Verwertungs-Gesellschaft (bvg).

Eine Knopffabrik hat im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ihre Fertigung eingestellt.

Die nunmehr geringe industrielle Aktivität der Region Hardegsen ist geprägt von einzelnen Betrieben aus der Holz verarbeitenden und Metall verarbeitenden Industrie.

Die jüngste Aktivität in diesem Bereich stellt die Anlage des "Gewerbeparks Hardegsen" an der B 446 dar. Dort befindet sich ein großes Solar-Kraftwerk und eine gewerbliche Biogas-Anlage, die Abfälle oder eigens für den Zweck produzierte Pflanzen aus der Landwirtschaft verwertet.

Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Die Landwirtschaft und Forstwirtschaft stellen die Säulen der lokalen Wirtschaftstätigkeit dar. Umfangreiche forstwirtschaftlich genutzte Wälder und große landwirtschaftliche Flächen (Ackerbau- und Weideflächen) legen hierfür sichtbares Zeugnis ab.

Handwerk[Bearbeiten]

In mehreren Gewerbegebieten haben sich in Hardegsen Dienstleister (u. a. Sicherheitsgewerbe) und Handwerksbetriebe niedergelassen, die den lokalen Markt mit ihren Angeboten bedienen.

Handel[Bearbeiten]

Die überregional agierende Firmengruppe Domäne Einrichtungsmärkte GmbH & Co. KG ist heute mit über 200 Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber im Stadtgebiet. Der übrige Handel hat nach 1990 einen radikalen Wandel erlebt und die einstmalige von lokalen Kaufleuten und Einzelhändlern geprägte Struktur zugunsten einer von überregionalen Handelsketten dominierten verändert. Von diesen haben sich drei im Stadtgebiet niedergelassen und versorgen die Bevölkerung mit einem umfangreichen und aktuellen Standards entsprechendem Angebot an Lebensmitteln.

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Die Stadt Hardegsen ist direkt an das Fernstraßennetz angeschlossen. An der Stadt führt die Bundesstraße 241 vorbei, die einstmals mitten durch den Ort führte, der nunmehr über zwei Anschlüsse zu erreichen ist. Aufgrund der schmalen, nicht ausbaufähigen Fahrbahn und dem dem mittelalterlichen Stadtgrundriss folgenden, kurvigen Straßenverlauf im Bereich der Altstadt, wurde die Bundesstraße 241 aus dem Ortskern auf eine Umgehungsstraße an den Ausläufern des Gladebergs verlegt. Die Ortsumgehung bringt eine erhebliche Entlastung der Stadtmitte vom Durchgangsverkehr, bewirkt jedoch gleichzeitig eine Abnahme der Besucherzahlen. Die Bundesstraße 241 führt in westlicher Richtung von Hardegsen aus durch den Solling und an die Weser, in östlicher Richtung über Moringen in die Kreishauptstadt Northeim und weiter in den Harz.

An einer in den Sechzigerjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts angelegten großen Kreuzungsanlage mit aufwändiger Fahrbahnführung östlich der Stadt beginnt die Bundesstraße 446, eine der kürzesten Bundesstraßen überhaupt. Über diese ist von Hardegsen aus günstig das Autobahnnetz erreichbar. Die Bundesautobahn 7 wird nach 4 km an der Abfahrt Nörten-Hardenberg erreicht. Parallel zu dieser verläuft nur einen halben Kilometer weiter entfernt die überregional bedeutende Bundesstraße 3.

Öffentliche Verkehrsmittel[Bearbeiten]

Hardegsen befindet sich im Bereich des Verkehrsverbundes Süd-Niedersachsen. Durch die starke Abnahme der Bedeutung des Eisenbahnverkehrs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, befindet sich in Hardegsen nur noch eine Haltestelle am Gleis der nördlich und hoch über der Stadt passierenden Sollingbahn. Einstmals verfügte Hardegsen über einen eigenständigen Bahnhof an einer überregional bedeutenden, zweigleisig geführten Eisenbahnlinie, die die Industriegebiete im Westen (Ruhrgebiet) mit denen im Osten (Halle-Leipzig) verband. Durch die Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg verlor diese Strecke erheblich an Bedeutung, was ihr nach der Wiedervereinigung abermals widerfuhr. Heute handelt es sich bei der Strecke Northeim-Ottbergen um eine Eisenbahnverbindung mit regionaler Bedeutung.

Der öffentliche Personennahverkehr wird in erster Linie durch Omnibusse bedient. Hardegsen ist mit dem Bus mit Northeim (Linie) und Göttingen (Linie 220 RegioLiner) verbunden, die unter der Woche und tagsüber zwischen 6 und 20 Uhr regelmäßig, als sogenannte RegioLiner zeitweilig sogar im Halbstundentakt, verkehren. Busse fahren auch nach Uslar (Linie 212) und Nörten-Hardenberg (Linie 182).

Am Wochenende ist der Fahrplan aller öffentlichen Verkehrsmittel stark ausgedünnt. Bei Bedarf können die Dienste eines örtlichen Busunternehmens in Anspruch genommen werden, der auch Taxi-Dienste anbietet.

Bildung[Bearbeiten]

  • Grundschule Hardegsen
  • Institut für allgemeine und angewandte Ökologie e. V.
  • Weperschule, Schule für Geistigbehinderte
  • Kreisvolkshochschule, Außenstelle Hardegsen

Telekommunikation[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Lechte: Die Geschichte der Stadt Hardegsen. Hardegsen 1968, DNB 457378999.
  • Stadtverwaltung Hardegsen (Hrsg.): Burg Hardegsen und das Muthaus. 2003, ISBN 3-89570-867-4.
  • Johann Gabriel Domeier: Die Geschichte der Churfürstl. Braunschweig-Lüneburgischen Stadt Hardegsen, und des umliegenden Amts dieses Namens. Aus archivischen Urkunden und andern Nachrichten verfasset. Schulze, Celle 1771.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hardegsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Hardegsen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Niedersächsischer Landtag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/3359: Kleine Anfrage "Welchen Stellenwert haben Prädikate wie „staatlich anerkannter Luftkurort“ speziell für den Heidetourismus und die Tourismuswirtschaft in Niedersachsen?" (PDF; 102 kB). Abgerufen am 23. März 2011.
  3. Hauptsatzung der Stadt Hardegsen (PDF; 19 kB). Abgerufen am 23. März 2011.
  4.  Johann Wolf: Das Geschlecht der edlen Herren von Roßdorf : durch Urkunden erläutert. J. C. Baier, Göttingen 1812, S. 44.
  5.  Theodor Eckart: Hardegsen, Geschichte der Stadt und Burg. In: Geschichte Südhannoverscher Burgen und Klöster. 2 Auflage. III, Verlag von Bernhard Franke, Leipzig 1894.
  6.  Johann Gabriel Domeier: Die Geschichte der Churfürstl. Braunschweig-Lüneburgischen Stadt Hardegsen, und des umliegenden Amts dieses Namens. Schulze, Celle 1771, S. 87.
  7.  Johann Georg Heinrich Hassel: Statistisches Repertorium über das Königreich Westphalen. Vieweg, Braunschweig 1813, S. 45.
  8.  Friedrich Wilhelm Harseim, C. Schlüter, Friedrich Wilhelm Harseim, C. Schlüter (Hrsg.): Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover. Schlütersche Hofbuchdruckerei, Hannover 1848, S. 79.
  9.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 213 und 214.
  10. http://wahlen.kds.de/2014bmw/Daten/155005_000081/index.html
  11.  Klemens Stadler: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeindewappen der Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. 5, Angelsachsen-Verlag, Bremen 1970, S. 46.
  12.  Karl Lechte: Geschichte der Stadt Hardegsen. Hardegsen 1968, S. 86.
  13.  Karl Lechte: Geschichte der Stadt Hardegsen. Hardegsen 1968, S. 90.