Harmonichord

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Ein Harmonichord ist ein Klavier, dessen Saiten nicht durch Hammer, sondern durch indirekt übertragene Reibung in Vibration versetzt werden. Es hat einen ähnlichen Klang wie eine Glasharmonika, aber einen größeren Tonumfang.[1] Es wurde um 1809 konstruiert. Das Terpodion war ähnlich konstruiert, hatte jedoch keine Saiten.

Das Instrument ist ein Versuch der Dresdner Johann Gottfried und seines Sohnes Johann Friedrich Kaufmann (1785–1865), geboren in Dresden, Klavier und Violine zu vereinigen und das Problem des Streichklaviers mit Hilfe des chladnischen Euphonprinzips zu lösen. Äußerlich hat das Instrument die Form des Giraffenklaviers. Das Harmonichord ist nicht mit dem französischen Harmonicorde und dem Piano harmonicorde zu verwechseln.

Friedrich Theodor Kaufmann (1823–1872) war der Sohn von Johann Friedrich Kaufmann, welcher ebenfalls Musikautomaten (Orchestrien) baute.[2]

Carl Maria von Weber schrieb 1811 für das Harmonichord ein Konzert mit Orchesterbegleitung (Adagio & Rondo in F op. 115).


Aufbau und Funktionsweise[Bearbeiten]

Der Raum unter den Tasten ist geschlossen. Die wesentlichen inneren Teile sind die Saiten, ein langer, wildlederüberzogener Holzzylinder oder -kegel und Holzstäbchen.

Der Holzzylinder lässt sich durch einen Fußtritt in Rotation versetzen. Die Holzstäbchen werden durch Niederdruck der Tasten derart mit dem einen Ende gegen den Kegel gepresst, dass die von dem rotierenden Kegel ausgeübte Reibung auf die Saiten übertragen wird.

Einige Akkorde erforderten so viel Druck, dass die Kraft, die eine Person aufwenden konnte, nicht ausreichte, so dass zwei Pianisten nötig waren, um den Ton zu spielen. Dies war auch bei dem mittelalterlichen Organistrum, der Fall.

Zeitgenössische Berichte[Bearbeiten]

Die Beschreibung eines Konzertes, das die Kaufmann-Familie am Samstag den 21. Juni 1851 in der St Martin’s Hall gab, wurde in der The Illustrated London News veröffentlicht und weitere Berichte folgten.

Übersetzte Zitate:

„Sein Sohn, Friedrich (1785–1866), erwarb sich sehr rasch einen guten Namen. Sie Experimentierten mit mechanischer Musik. Im Jahr 1805 bauten sie ein Instrument das sie Belloneon nannten. Dieses hatte 24 durchschlagende Zungen aus Metall und trompetenähnliche Resonatoren. Eine Begleitung mit zwei Trommeln. Diese durchschlagenden Zungen erlaubten sowohl laute wie auch leise Musikpassagen. Das Instrument war in einen Mahagoni Holzgehäuse eingebaut.“

– The Illustrated London News

„Die Herren Kaufmann, Senior und Junior von Dresden haben vier Instrumente ausgestellt welche zusammen ein Orchester ersetzen, sie nennen diese Instrumente Belloneon, Cordulaudion, Automaten Trumpeter, Harmonichord. Der obere Teil des Belloneons präsentiert eine Kriegsstrophe in der Mitte sind 24 Trompeten platziert; unten sind zwei Topftrommeln und die dazugehörigen Schlagstöcke eingebaut. Es spielt Tanzmusik und Märsche, mit außergewöhnlicher Perfektion. Da es Windinstrumente enthält, kann es mit Mälzl’s Panharmonikon, das vor einiger Zeit in London und Paris vorgeführt wurde verglichen werden. Das Chordulaudion produziert zusammen und getrennt den Ton eines Pianoforte, und vier Flöten, welche mit einer solchen Genauigkeit und Präzision intonieren, dass die Illusion vollkommen ist. Die Automaten können zweistimmige Noten hervorbringen. Das total kuriose Instrument ist Nachfolger des Harmonichord’s. Das Harmonichord sieht aus wie ein Aufrecht stehender Flügel. Ein rotierender Zylinder ist unten sehr nahe an den Federn der Töne so wie die auch bei einem Piano vorhanden sind. Die Tastatur hat vier und eine halbe Oktave. Durch Drücken der Tasten wird die Friktion ausgelöst. Zwei Pedale dienen zum Dämpfen des Tones und zur Tempominderung. Und um die Vibrationen schwächer oder Stärker ausfallen zu lassen. In den Händen von den Herren Kaufmann werden süßere Töne darauf hervorgebracht als auf der Glasharmonika, und noch dazu in vollkommener Harmonie.“

– American monthly magazine von 1817[3]

„Zwischen den Jahren 1842 und 1844 reiste die Kaufmann Familie erneut, diesmal wurde er von seine Sohn Friedrich Theodore Kaufmann (1823–72) begleitet. Sie nahmen fünf Instrumente auf ihre Reise mit. Nach einer sehr erfolgreichen Turne, passiert eine Katastrophe. Das Schiff mit dem Sie von Kopenhagen heim gereist sind geriet in einen Sturm und dabei verloren sie alle Instrumente. Mit Sicherheit gingen Sie daran neu und verbesserte Chordulaudion Symphonium, […] zu bauen“

– Barrel organ: the story of the mechanical organ and its repair, S. 169, 170[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Curt Sachs: Reallexikon der Musikinstrumente. 1913.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: 1911 Encyclopædia Britannica/Harmonichord – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herders Conversations-Lexikon. Band 3. Freiburg im Breisgau 1855, S. 229. (Harmonichord auf: Zeno.org)
  2. "From 1842 to 1844 Frederick Kaufmann, accompanied by his son Frederick Theodore Kaufmann (1823–1872), went on another tour. ... The Jury 5, 1851, issue of "The Illustrated London News" presented this account: "On Saturday the 21st,..."[1]
  3. The American monthly magazine and critical review, Band 1 herausgegeben von H. Biglow, Orville Luther Holley 1817, S. 383, [2]
  4. [Barrel organ: the story of the mechanical organ and its repair, S. 169, 170.]