Harnröhrenstimulation

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Harnröhrenstimulation beim Mann

Die Harnröhrenstimulation bezeichnet eine Sexualpraktik, bei der die männliche oder weibliche Harnröhrenöffnung (lat. Ostium urethrae externum) beziehungsweise die Harnröhre (lat. Urethra) stimuliert wird. Dies kann entweder manuell oder durch das Einführen von Objekten geschehen.

Bezeichnung[Bearbeiten]

Häufig findet die englische Bezeichnung Urethral Stimulation oder Urethral Play Verwendung. Umgangssprachlich und auf Männer bezogen, wird die Harnröhrenstimulation auch Cockstuffing (dt. Penisfüllung; cock = englischer Slang-Ausdruck für Penis) genannt.

Gründe und Motive[Bearbeiten]

Die Harnröhre stellt einen dicht innervierten, empfindlichen Teil des menschlichen Körpers dar. Die männliche Harnröhre ist vom Corpus Cavernosum umgeben, erektilem Schwellkörpergewebe; ähnliches Gewebe umgibt auch die weibliche Harnröhre. Die weibliche Harnröhre ist darüber hinaus von tieferen Strukturen der Klitoris umgeben. In diesem Sinne ist sie eine erogene Zone und die Stimulation kann als sehr lustvoll empfunden werden und auch zum Orgasmus führen. Aufgrund ihres erogenen Potentials wird die Mündung der Harnröhre auch als U(rethral)-Punkt bezeichnet, analog zum G-Punkt.[1][2]

Methoden der Stimulation[Bearbeiten]

Harnröhrenvibrator

Die Harnröhrenstimulation wird entweder im partnerschaftlichen Vorspiel oder zur Masturbation eingesetzt.

Manuelle Stimulation[Bearbeiten]

Üblicherweise wird dabei der vordere Teil der Harnröhre manuell stimuliert. Dazu kann, je nach Größe der Harnröhrenmündung, die Fingerspitze eingeführt werden und durch massierende Bewegungen stimulieren.

Externe Hilfsmittel[Bearbeiten]

Darüber hinaus finden häufig verschiedene Objekte Verwendung. Neben speziell für diesen Zweck geschaffenen, käuflich zu erwerbenden Sexspielzeugen wie Harnröhrenvibratoren und Sonden für die Elektrostimulation werden neben Dilatatoren auch verschiedene, länglich-glatte Alltagsgegenstände, wie zum Beispiel kunststoffummantelte Drähte oder Kerzen verwendet. Ernst Gräfenberg schildert in einem Artikel mehrere Fälle von Frauen, die sich zu Zwecken der Masturbation Haarnadeln oder auch Bleistifte in die Harnröhre einführen.[1] Medizinische Sonden, die speziell zum Einführen in Körperöffnungen gedacht sind, stellen eine sicherere Alternative dar. Verschiedene Piercings im Genitalbereich können während des Geschlechtsverkehrs zu einer Stimulation der Harnröhre führen.

Urethralverkehr[Bearbeiten]

Beim Urethralverkehr kommt es zum Einführen des Penis in die Harnröhre der Frau. Die Harnröhre muss dazu langfristig graduell gedehnt werden, um einen entsprechenden Durchmesser zu erreichen. Diese Sexualpraktik ist sehr selten.

Risiken[Bearbeiten]

Die Harnröhrenstimulation kann bei unsachgemäßer Durchführung auf verschiedenem Weg zu Risiken oder Problemen führen:

  • Das Einführen von spitzen oder scharfkantigen wie auch zu großen Objekten kann zu einer Verletzung der Harnröhre führen. Die Stimulation sollte beim Auftreten von Schmerzen sofort beendet werden.
  • Lose Objekte können, wenn sie zu tief eingeführt werden, nicht wieder eigenmächtig entfernt werden. In solchen Fällen muss der Gegenstand von medizinischem Fachpersonal entfernt werden.
  • Durch das Einschleppen von Keimen kann es zu einer Harnröhrenentzündung kommen.

Bei Frauen ist das Risiko aufsteigender Infektionen und Verletzungen der Blase durch die vergleichsweise kurze Harnröhre und deren gradlinigen Verlauf ungleich höher. Bei Männern wird üblicherweise eine Einführung über die Biegung des Penis (engl. „Cobb’s Curve“) in den Körper hinein als riskant angesehen, da dort sowohl die Schleimhaut weicher und empfindlicher wird, Irritationen häufiger sind und auch Infektionen durch eingeschleppte Bakterien leichter aufsteigen können.

Die Verwendung nicht steriler Gegenstände und der Verzicht auf Verwendung eines (sterilen) Gleitgels können die Risiken einer Verletzung oder Infektion erhöhen. Medizinische Katheter können sich bei unsachgemäßem Gebrauch sowohl in der Harnblase aufrollen als auch die Harnblase durchstoßen. Dadurch kann es zu lebensbedrohlichen Situationen kommen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Häufigkeit dieser Sexualpraktik ist unklar, allerdings werden Empfehlungen zur Entfernung von Fremdkörpern dieser Art sowohl aus der Harnröhre wie der Harnblase in einigen klinischen Urologiehandbüchern und gynäkologischen Fachbüchern aufgeführt.[3][4] Dies legt zumindest nahe, dass Unfälle mit eingeführten Gegenständen vorkommen und diese auch bis in die Blase rutschen können. Die Zahl durch diese Manipulation ausgelöster Infektionen bei Frauen ist unklar, da sich in der Praxis mehrere Ursachen als Erklärung einer Blaseninfektion anbieten. Generell gehören transuretrale Manipulationen zu den häufigsten Ursachen von Infektionen der Harnröhre (vgl. nosokomiale Infektionen), außerhalb des klinischen Umfeldes wird jedoch nicht zwischen medizinisch notwendiger (Katheter, Operationen, Untersuchungen) und sexuell stimulierender Ursache unterschieden.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ernest Gräfenberg: The Role of Urethra in Female Orgasm, International Journal of Sexology in 1950
  2. Desmond Morris: The Clitoris, A-Spot, G-Spot and U-Spot
  3. vgl. Hansjürgen Piechota, Michael Waldner, Stephan Roth: „Tipps und Tricks für den Urologen: Problemlösungen von A bis Z“, Springer, 2003, ISBN 3-540-43634-0
  4. vgl. J. Steffens: „Endourologie“, Springer, 2003, ISBN 3-7985-1432-1
  5. Urologielehrbuch: Verletzungen der vorderen Harnröhre