Harold John Ockenga

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Harold John Ockenga (* 6. Juni 1905 in Chicago; † 8. Februar 1985) war ein US-amerikanischer evangelikaler Geistlicher und Mitbegründer des Fuller Theological Seminary.

Leben[Bearbeiten]

Ockenga wuchs in Chicago in einer vom Methodismus geprägten Familie auf. Sein Studium an der Taylor University schloss er im Jahr 1927 erfolgreich ab. Danach ging er an das Predigerseminar am Princeton Theological Seminary, brach jedoch seine Ausbildung dort ab, um an das Westminster Theological Seminary in Philadelphia zu gehen, wo er 1931 seinen Abschluss machte. Danach war er der Pastor von zwei presbyterianischen Kirchengemeinden in Pittsburgh, wo er neben dem Beruf sein Studium an der University of Pittsburgh fortsetzte und schließlich 1939 zum Ph.D. promoviert wurde.[1] Ockenga ging nach Boston, um fortan an der Park Street Congregational Church als Pastor zu arbeiten. Durch eine von ihm gegründete Radiosendung und seine Publikationen erlangte Ockenga nationale Bekanntheit.[1]

Bei der Gründung der National Association of Evangelicals (NAE), einer Reaktion auf die Gründung von Carl McIntires fundamentalistisch geprägtem American Council of Christian Churches (seinerseits als Gegenorganisation zum liberaleren National Council of Churches gegründet[2]),[3][4] war er maßgeblich beteiligt. Von 1942 bis 1944 war er der erste Präsident der NAE, deren Ziel es war, die Evangelisation zu fördern, Trennungen innerhalb der evangelikalen Bewegung zu überwinden,[5] und sich in sozialen und kulturellen Belangen zu engagieren.[1]

Er war eine der führenden Persönlichkeiten der Neuausrichtung des US-amerikanischen Evangelikalismus nach dem Zweiten Weltkrieg, die man gemäß einem von Ockenga geprägten Begriff als Neo-Evangelicals bezeichnete.[6] Zu dieser Gruppe US-amerikanischer christlicher Leiter gehörte neben Carl Henry, Harold Lindsell, Wilbur Smith und Edward John Carnell auch der durch christliche Radiosendungen bekannte Charles E. Fuller. Fuller wurde der Namensgeber des nach ihm benannten Fuller Theological Seminary in Pasadena.[7] Ockenga gehörte 1947 zu dessen Gründern und war sowohl von 1947 bis 1954 als auch von 1960 bis 1963 dessen Präsident, blieb jedoch während seiner Amtszeiten stets in Boston wohnhaft. 1956 war er bei der Gründung von Christianity Today beteiligt und führte danach rund 25 Jahre den Vorsitz über den Verwaltungsrat der evangelikalen Zeitschrift.

1969 zog sich Ockenga aus der Gemeindearbeit der Park Street Church in den Ruhestand zurück, übernahm jedoch die Präsidentschaft der Gordon College and Divinity School. Aus dem Zusammenschluss des Gordon Seminary und der Conwell School of Theology entstand schließlich in den darauffolgenden Jahren das Gordon-Conwell Theological Seminary,[8] dessen Präsident er danach weiterhin bis 1979 blieb.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Randall Herbert Balmer: Ockenga, Harold John (1905-1985). In: Encyclopedia of Evangelicalism. Baylor University Press, Waco 2004, ISBN 193279204X, S. 504.
  2.  Stephan Holthaus: Fundamentalismus in Deutschland. Der Kampf um die Bibel im Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts. 2 Auflage. Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 2003, ISBN 3-932829-85-9, S. 111.
  3.  J. Gordon Melton: Fundamentalism. In: Encyclopedia of World Religions. Encyclopedia of Protestantism, Nr. 6, Facts of File, New York 2005, ISBN 978-0816054565, S. 240 ff..
  4. Institute for the Study of American Evangelicals: Carl McIntire. Wheaton College, 2008, archiviert vom Original am 26. Juni 2012, abgerufen am 26. Juni 2012 (html, englisch).
  5.  Derek J. Tidball, Dieter Sackmann (Hrsg.): Reizwort Evangelikal. Edition Anker im Christlichen Verlagshaus, Stuttgart 1999 (Originaltitel: Who are the Evangelicals? - Tracing the roots of today's movements, übersetzt von Dieter Sackmann), ISBN 3-7675-7058-0, S. 129.
  6.  Randall Herbert Balmer: Neoevangelicalism. In: Encyclopedia of Evangelicalism. Baylor University Press, Waco 2004, ISBN 193279204X, S. 486.
  7.  Randall Herbert Balmer: Fuller Theological Seminary (Pasadena, California). In: Encyclopedia of Evangelicalism. Baylor University Press, Waco 2004, ISBN 193279204X, S. 276.
  8.  Randall Herbert Balmer: Gordon College (Wenham, Massachusetts). In: Encyclopedia of Evangelicalism. Baylor University Press, Waco 2004, ISBN 193279204X, S. 292.