Harrison Ford

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Stummfilmschauspieler siehe Harrison Ford (Stummfilmschauspieler).
Harrison Ford (2007)

Harrison Ford (* 13. Juli 1942 in Chicago, Illinois) ist ein US-amerikanischer Schauspieler. Ford, der unter anderem in drei Filmen der Reihe Star Wars als Han Solo zu sehen war, gilt als einer der kommerziell erfolgreichsten Darsteller der Filmgeschichte. Besondere Popularität erlangte Ford in der Rolle des Archäologen und Abenteurers Indiana Jones, den er seit 1981 in vier Filmen darstellte. In Filmen wie Mosquito Coast (1986) und In Sachen Henry (1991) konnte er sich auch als Charakterdarsteller profilieren.

Leben[Bearbeiten]

1942–1976[Bearbeiten]

Harrison Ford wurde in Chicago geboren und wuchs auch dort auf. Sein Vater Christopher Ford, ein Amerikaner irischer und deutscher Abstammung, war selbst ein ehemaliger Schauspieler. Seine Mutter Dorothy, gebürtige Nidelman, war die Tochter jüdischer Emigranten aus Weißrussland. Ford hat noch einen jüngeren Bruder namens Terence.

Ford war Mitglied bei den Boy Scouts of America und erreichte deren zweithöchsten Rang, den Life Scout. Er besuchte das Ripon College in Wisconsin, wo er auch seine erste Frau Mary Louise Marquardt kennenlernte. Nachdem er drei Tage vor dem Abschluss des Colleges verwiesen wurde, ging er Mitte der 1960er-Jahre nach Kalifornien, um Schauspieler zu werden. Dort arbeitete und lernte er zunächst im Laguna Playhouse.

1966 wurde er im Rahmen des New Talent program unter Vertrag genommen, sein Kinodebüt gab er im selben Jahr in einer sekundenkurzen Szene als Page in Immer, wenn er Dollars roch (neben James Coburn).[1] Ford konnte sich zunächst nicht als Schauspieler durchsetzten und erhielt lediglich unbedeutende Rollen in Film- und Fernsehproduktionen. Er war beispielsweise in TV-Serien wie Rauchende Colts zu sehen.

Seit 1964 verheiratet, hatte Ford zunächst nicht die Möglichkeit, seine Familie durch seine Arbeit als Schauspieler zu ernähren. Um sich finanziell abzusichern, begann er deshalb damit, nebenher als Tischler in einer Schreinerei zu arbeiten.[2] Unter anderem arbeitete er in dieser Zeit für Sérgio Mendes[3] sowie für die US-Rockgruppe The Doors, mit der er als Roadie und Kamera-Assistent auf Tournee ging .[4] (Es existieren kurze Filmausschnitte aus dieser Zeit, die den noch völlig unbekannten Ford zum Beispiel im Hintergrund von Jim Morrison zeigen.) Im Juni 1967 arbeitete Ford als Sicherheitskraft beim Montery Pop Festival, dem ersten großen Festival der Rock- und Popgeschichte. [5]

Da er als Tischler gefragt war, konnte Ford es sich leisten, kleinere Rollen abzulehnen. 1973 machte er erstmals in einem erfolgreichen Kinofilm auf sich aufmerksam. In George Lucas' Klassiker American Graffiti war er in der wichtigen Nebenrolle des Rennfahrers Bob Falfa zu sehen. Der nostalgisch gefärbte Film spielte in einer einzigen Nacht des Jahres 1962, zeigte die Erlebnisse einer jugendlichen Freundesclique und wurde mit einem Einspielergebnis von über 100 Millionen Dollar zu einem der großen Filmerfolge des Jahres.

Star-Regisseur Francis Ford Coppola übertrug Ford Mitte der 1970er Jahre kleinere Rollen in seinen Filmen Der Dialog (1974) und Apocalypse Now (1979 - die Dreharbeiten fanden 1975 und 1976 statt), die Fords Karriere allerdings nicht voranbrachten. Er arbeitete auch weiterhin als Tischler, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

1977–1989[Bearbeiten]

Mitte der 1970er Jahre bereitete George Lucas seinen großangelegten Science Fiction-Film Krieg der Sterne (1977) vor und ließ für die Hauptrollen hunderte von Schauspielern vorsprechen. Schließlich übertrug der Regisseur die wichtige Rolle des draufgängerischen Weltraumpiloten Han Solo an Harrison Ford. Diese Figur war in ihrer Konzeption und Aufmachung an einen typischen Westernhelden angelehnt. Obwohl Mark Hamill als Luke Skywalker die eigentliche Hauptrolle spielte, wurde Ford durch seine Darstellung des Han Solo äußerst populär und hatte über Nacht Millionen von Fans.

Krieg der Sterne brach sämtliche Kassenrekorde, spielte bis heute (Stand 2014) fast 800 Millionen Dollar ein und gilt als einer der ersten Blockbuster überhaupt. Für Harrison Ford markierte der Film den endgültigen Durchbruch im Filmgeschäft, nachdem er ein Jahrzehnt lang lediglich Nebenrollen gespielt hatte. Er verkörperte die Rolle des Han Solo auch in den beiden Fortsetzungsfilmen Das Imperium schlägt zurück (1980) und Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983), die beide ebenfalls zu großen Kinoerfolgen wurden.

1979 wurde Ford nach 15-jähriger Ehe von Mary Marquardt geschieden, mit der er zwei Kinder hat.

Nachdem Harrison Ford in den späten 1970er Jahren in einer Reihe von Filmen mitgewirkt hatte, die an den Kinokassen wenig Resonanz fanden (Der wilde Haufen von Navarone, 1978, Das tödliche Dreieck, 1979), gelang es ihm 1981, sein darstellerisches Renommee weiter auszubauen. Steven Spielberg als Regisseur und George Lucas als Produzent waren die treibenden Kräfte hinter Jäger des verlorenen Schatzes, einer aufwändig produzierten Hommage an die billigen Serial-Abenteuerfilme der 1930er Jahre.

Obwohl sich Produzent Lucas zunächst geweigert hatte, einen Schauspieler aus der Krieg der Sterne-Serie in dem Film einzusetzen, wurde schließlich doch Harrison Ford für die Rolle des wagemutigen Archäologen Indiana Jones verpflichtet, der rund um den Erdball im Kampf gegen die Nazis spektakuläre Abenteuer erlebt und sich dabei als Virtuose im Umgang mit seiner Peitsche erweist. Mit großangelegten Actionszenen und selbstironischen Untertönen inszeniert, wurde Jäger zum mit Abstand größten Filmerfolg des Jahres und spielte weltweit fast 400 Millionen Dollar ein.

Dem 39-jährigen Ford gelang in der Rolle endgültig der Durchbruch an die Spitze von Hollywood. Der Schauspieler drehte von da ab ca. einen Film pro Jahr und wurde zu einem der zuverlässigsten Kassenstars der 1980er und 1990er Jahre. 1982 übernahm er die Hauptrolle in Ridley Scotts düsterer Zukunftsvision Blade Runner, einem ästhetisch wegweisenden Cyberpunk-Film, der an den Kinokassen nur zu einem moderaten Erfolg wurde, aber heute allgemein als Klassiker und Kultfilm gilt. Ford trat hier als Detektiv im Los Angeles des Jahres 2019 in Erscheinung.

1984 nahm er in Steven Spielbergs Der Tempel des Todes die Rolle des Indiana Jones wieder auf. Der Film war deutlich düsterer angelegt als der Vorgängerfilm und zeigte beispielsweise, wie einem Mann bei lebendigem Leib das Herz aus dem Leib gerissen wird. Die Kritik griff den Film deshalb teilweise scharf an und warf Spielberg eine Überbetonung der entsprechenden Szenen vor. Wie schon der erste Indiana Jones-Film wurde aber auch dieser zu einem weltweiten Kinoerfolg.

Ab Mitte der 1980er Jahre erweiterte Harrison Ford, der bis dahin vor allem in Abenteuerrollen erfolgreich gewesen war, sein darstellerisches Spektrum. 1985 spielte er in Peter Weirs Kriminaldrama Der einzige Zeuge, das bei Kritik und Publikum gut ankam, einen hartgesottenen Großstadtpolizisten, der gezwungen ist, sich eine zeitlang bei den strenggläubigen Amish-People zu verstecken. Zunächst widerwillig entwickelt er Respekt vor deren traditioneller Lebensweise und verliebt sich in eine junge Amish-Frau. Für seine Darstellung des Detektivs John Book erhielt Ford seine bis heute (2014) einzige Oscar-Nominierung.

Weniger erfolgreich war 1986 der Film Mosquito Coast, in dem Ford, ebenfalls unter Weirs Regie, einen zivilisationsmüden Erfinder spielt, der im südamerikanischen Dschungel zum Tyrannen wird. Mosquito Coast wurde zu einem der größten kommerziellen Fehlschläge für den Schauspieler (Ford selbst hält ihn für seinen besten Film).

1988 spielte Ford unter der Regie von Roman Polanski in dem Thriller Frantic einen amerikanischen Arzt, dessen Frau in Paris entführt wird. Während auch dieser Film sich an Kinokassen kaum durchsetzen konnte, wurde Mike Nichols Komödie Die Waffen der Frauen zu einem Kassenhit. Der Film war allerdings auf die beiden Hauptdarstellerinnen Melanie Griffith und Sigourney Weaver zugeschnitten und zeigte Ford als Geschäftsmann Jack Trainer eher in einer profilierten Nebenrolle.

Wie erwartet wurde Der letzte Kreuzzug 1989 zu einem weltweiten Kassenhit. Ford trat erneut in seiner populärsten Rolle als Indiana Jones in Erscheinung und war an der Seite des weltweit respektierten Charakterdarstellers Sean Connery zu sehen, der seinen Vater darstellte. Diese Besetzung sicherte dem Film - der von Steven Spielberg nach der Erfolgsformel des ersten Teils inszeniert wurde - große Aufmerksamkeit. Mit einem globalen Einspielergebnis von 474 Millionen Dollar wurde der Film zum größten Kinohit des Jahres und sicherte Fords Position als weltweit erfolgreichster Schauspieler. Er hatte in den zwei kommerziell einträglichsten Film-Trilogien, der Krieg der Sterne- und der Indiana Jones-Serie, Hauptrollen gespielt. Bis 1990 stieg seine Gage auf 12,5 Millionen Dollar.

ab 1990[Bearbeiten]

Der Film In Sachen Henry, in dem Ford einen Mann spielt, der sein Gedächtnis verliert, brachte ihm viel Kritikerlob ein. 1992 und 1994 übernahm er in Die Stunde der Patrioten und Das Kartell die Rolle des CIA-Agenten Jack Ryan, der zuvor bereits von Alec Baldwin (Jagd auf Roter Oktober) verkörpert worden war. Weitere große Erfolge Fords waren die Verfilmung der Fernsehserie Auf der Flucht und Wolfgang Petersens Air Force One, für den er erstmals über 20 Millionen US-Dollar Gage bekam. 2001 stand er als reichster Schauspieler im Guinness-Buch der Rekorde.

Ab den 2000er Jahren konnte Ford nur noch selten an seine früheren Erfolge anknüpfen und drehte mehrere Filme, die an der Kinokasse wenig Resonanz fanden. 2008 kehrte er in der Rolle des Dr. Jones in Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels auf die Kinoleinwand zurück und konnte damit einen weltweiten Erfolg verbuchen. In einem Interview mit MTV deutete Ford an, dass ein fünfter Teil von Indiana Jones kommen könnte. Bislang stünde aber noch keine klare Richtung fest.[6] Wenig erfolgreich an der Kinokasse zeigte sich der Science-Fiction-Film Cowboys & Aliens (2011),[7] während das Sportlerdrama 42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende (2013) sowohl finanziell als auch bei der Kritik punkten konnte.[8]

Ford mit seiner Ehefrau Calista Flockhart (2009)

Seit 2002 lebt er mit der Schauspielerin Calista Flockhart zusammen. Am 15. Juni 2010 heirateten sie in Santa Fe (New Mexico).[9] Ford war zuvor bereits zweimal verheiratet, zuletzt mit Melissa Mathison. Er hat fünf Kinder.

Neben seiner Karriere als Schauspieler ist Ford ein begeisterter Flieger und Umweltschützer.[10] 2014 tritt der in der Dokumentationsreihe Years of Living Dangerously als Korrespondent auf und berichtet aus den Torfwäldern Indonesiens von den Folgen des Ölpalmanbaus für das Klima.

Trivia[Bearbeiten]

  • Bis 1970 war Ford unter dem Namen Harrison J. Ford bekannt, um nicht mit dem Stummfilmschauspieler Harrison Ford verwechselt zu werden. Tatsächlich hat er gar keinen zweiten Vornamen.
  • Der Stummfilmschauspieler Ford hatte bereits einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, von dem viele Leute dachten, er gehöre diesem hier. Seinen Stern erhielt er jedoch erst 2003.
  • Als Anerkennung für Fords Einsatz für die Umwelt wurden die Ameisenart Pheidole harrisonfordi und die 1993 durch Norman I. Platnick entdeckte Webspinnenart Calponia harrisonfordi nach ihm benannt. Eine neue Schmetterlingsart taufte er auf den Namen seiner Tochter Georgia.
  • Die Narbe am Kinn, die im dritten Indiana-Jones-Teil Indiana Jones und der letzte Kreuzzug damit erklärt wird, dass der noch junge Indiana Jones (gespielt von River Phoenix) ungeschickt mit der Peitsche umgeht, stammt von einem Autounfall im Alter von 18 Jahren.
  • Zwei seiner Filmrollen haben Einzug in die Lego-Welt gefunden: Han Solo und Indiana Jones.[11]
  • 2009 stand Ford in der Rangliste der am besten verdienenden männlichen Schauspieler des Forbes-Magazins mit einem Verdienst von 65 Millionen US-Dollar (umgerechnet 46 Millionen Euro) auf Platz 1.
  • Wolfgang Pampel wurde für Krieg der Sterne erstmals als Fords Synchronstimme eingesetzt. Seit 1980 ist er der alleinige Synchronsprecher des Schauspielers.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Harrison Fords Stern auf dem Hollywood Walk of Fame

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Harrison Ford – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harrison Ford Biography, thebiographychannel.co.uk (Abgerufen am 20. Januar 2013)
  2. Brad Duke: Harrison Ford – The Films McFarland & Company Inc., Jefferson, North Carolina 2005. S. 24.
  3. Kultur-Spiegel Mai 2008 (Heft 5)
  4. Stephen Davis: Jim Morrison – Life, Death, Legend. Gotham, New York 2004. S. 265.
  5. https://rockhall.com/exhibits/monterey-pop--rocks-legendary-/
  6. Harrison Ford Says Fifth 'Indiana Jones' Is In 'Primary Stages,' Though 'Crystal Skull' Wore Him Out (abgerufen am 24. November 2008)
  7. http://boxofficemojo.com/movies/?id=cowboysandaliens.htm
  8. http://www.rottentomatoes.com/m/42_2013/
  9. Harrison Ford heiratet Calista Flockhart auf T-Online (abgerufen am 17. Juni 2010)
  10. welt.d: Harrison Ford — einfach cooler als Luke Skywalker abgerufen am 1. März 2013
  11. lego.com: 30 Jahre LEGO® Minifigur. Zugriff am 13. September 2012.