Harry Gold

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Harry Gold nach seiner Verhaftung durch das FBI

Harry Gold (* 12. Dezember 1911 in Philadelphia, Pennsylvania; † 28. August 1972 ebenda) war ein US-amerikanischer Chemielaborant, der wegen seiner Kuriertätigkeit für die Sowjetunion, bei der er unter anderem Informationen über das amerikanisch-britisch-kanadische Atomprogramm (Manhattan-Projekt) weitergab, zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde. Da sich Golds Aktivitäten im auf Geheimhaltung fixierten Spionagebereich abspielten, sind alle Informationen zu diesen Aktivitäten mit Vorsicht zu betrachten und trotz zahlreicher Enthüllungen weiterhin teilweise kontrovers.

Leben[Bearbeiten]

Harry Gold wurde als Sohn armer russisch-jüdischer Immigranten in Philadelphia geboren. Als junger Mann begeisterte er sich für den Sozialismus, der ihn mit dem Kommunismus in Berührung brachte. Allerdings war er nach eigener Aussage zeit seines Lebens Wähler der Demokraten, und von der Kommunistischen Partei eher abgestoßen.

Nach dem Schulabschluss arbeitete er als Laborassistent für die Pennsylvania Zucker Gesellschaft. Im Gefolge der großen Weltwirtschaftskrise verlor er im Jahre 1932 zunächst seine Arbeitsstelle, trat diese später allerdings wieder an. Nach verschiedenen untergeordneten Tätigkeiten studierte er von 1934 bis 1936 Chemieingenieurwesen an der Drexel University in Philadelphia. Hier wurde er 1935 von dem amerikanischen Industriespion Thomas Lessing Black, der im VENONA-Projekt enttarnt wurde, für sowjetische Spionagetätigkeit angeworben. Nach dem Studium fand er eine Stelle bei Brothman Associates. 1940 wurde er durch Jacob Golos für die Sowjetspionage aktiviert, aber zunächst nicht als Agent der „rezidentura“, der Filiale für die sowjetischen Geheimdienste NKVD und den militärischen Geheimdienst (GRU). Später im Jahre 1940 wurde er von dem Kontrolloffizier und Sowjetspion Semjon Semenow übernommen und formal als Sowjetagent mit dem Deckname GUS oder GOOSE bis März 1944 geführt.

Während seiner Spionagetätigkeit und teilweise bereits zuvor kreierte Gold mehrere imaginäre Identitäten für sich selbst. Seinem Arbeitgeber Albert Brothman gegenüber behauptete er beispielsweise jahrelang zweifacher Familienvater zu sein, obwohl Gold zeit seines Lebens Junggeselle blieb. Während seiner Zeugenaussagen im Brothman-Moskowitz-Gold-Fall fasste er seine Verstrickung in diverse Lügengeschichten selbst folgendermaßen zusammen: "It is a wonder steam didn't come out of my ears at times."

Am 5. September 1945 kontaktierte der in der sowjetischen Botschaft in Ottawa beschäftigte Igor Gusenko die kanadischen Behörden und übergab diesen Dokumente, die belegten, dass mehrere Kanadier und Ausländer in Spionageaktivitäten für die Sowjetunion verwickelt waren. Allerdings tauchten diese Personen in den Unterlagen nur unter Decknamen auf, und Gusenko konnte diese nur teilweise Personen zuordnen. Aufgrund seiner Informationen wurden 26 Personen durch eine kanadische Sonderkommission der Spionage bezichtigt. Von diesen 26 Beschuldigten sind in den ordentlichen Prozessen allerdings nur wenige tatsächlich verurteilt worden, darunter Dr. Allen Nunn May. Obwohl die Enttarnung der Atomspione Klaus Fuchs, Harry Gold und David Greenglass zum Teil auf die Enthüllungen Gusenkos zurückgeführt wurde, beruht sie vor allem auf der Arbeit des VENONA-Projekts, mit dem die Amerikaner ab 1946 chiffrierte sowjetische Nachrichten entschlüsseln konnten. Aufgrund der Geheimhaltungspolitik der amerikanischen Regierung standen die tatsächlichen Verurteilungen, die sich aus diesem Erfolg ergaben, auf sehr wackligen Füßen. Zudem erzwangen die Staatsanwaltschaften, die Gerichte und das FBI die Verurteilungen mit sehr fragwürdigen Methoden, ohne das VENONA-Projekt zu gefährden. Die Verurteilungen der geständigen Fuchs, Gold und Greenglass erfolgten auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, inmitten der McCarthy-Ära, und sind noch immer kontrovers.

Als Klaus Fuchs 1950 in England wegen Atomspionage verhaftete wurde, gestand er, während des Zweiten Weltkrieges in seiner Zeit in den USA Informationen über den Bau der Atombombe an die Sowjetunion weitergegeben zu haben, verneinte zugleich aber jede Berührung mit Sowjetspionen mit Ausnahme eines Kuriers, für den er Informationen sammelte. Fuchs leugnete zunächst bei der Vorlage von Fotos, Harry Gold zu erkennen, korrigierte sich aber bei weiteren Verhören, ohne jedoch Gold eindeutig zu identifizieren. Im Verhör gestand Harry Gold, seit 1934 Spionagetätigkeit betrieben und Fuchs geholfen zu haben, Informationen über das Manhattan-Projekt an die Sowjetunion über den Sowjetischen Generalkonsul Anatoli Yakovlev (Anatoli Jazkow) weitergegeben zu haben.

Golds Geständnis führte zur Verhaftung von David Greenglass. Greenglass Zeugenaussagen führten zur Verhaftung und in einem folgenden umstrittenen Prozess zur Verurteilung und Hinrichtung von dessen Schwager und Schwester Ethel und Julius Rosenberg und der Verurteilung von Morton Sobell zu 30 Jahren Haft. Harry Gold selbst hat nie behauptet, Kontakt zu Julius und Ethel Rosenberg gehabt zu haben, und wurde deshalb während der Verhandlung auch nicht von ihren Anwälten ins Kreuzverhör genommen. Anders als Gold und Greenglass haben Ethel und Julius Rosenberg sowie Morton Sobell nie Spionageaktivitäten eingestanden. Namhafte US-Juristen äußerten schwerwiegende Zweifel an der Fairness des Rosenberg-Prozesses, der in der so genannten McCarthy-Ära stattfand. Neben der Härte der Strafe und den fragwürdigen Methoden der Staatsanwaltschaft, ist vor allem auch immer noch die Verurteilung von Ethel Rosenberg umstritten, da auch die inzwischen veröffentlichten VENONA-Dokumente nichts zu ihrer Person sagen, wohingegen Julius von den VENONA-Dokumenten als Spion bezeichnet wird. Ohnehin wurde Ethel während des Prozesses lediglich vorgeworfen, die Notizen ihres Mannes abgetippt zu haben.

Harry Gold wurde 1951 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, nach Verbüßung der Hälfte seiner Haftstrafe wurde er 1966 auf freien Fuß gesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sam Roberts: The Brother ,The untold story of atomic spy David Greenglass and how he sent his sister, Ethel Rosenberg, to the electric chair, ISBN 0375500138
  • Alexander Feklisov and Sergei Kostin: The Man Behind the Rosenbergs 2001 ,ISBN 1-929631-08-1
  • John Earl Haynes and Harvey Klehr: Venona. Docoding Soviet Espionage in America 1999, ISBN 0-300-07771-8
  • Willam A. Reuben: The Atom Spy Hoax 1955
  • Ronald Radosh and Joyce Milton: The Rosenberg File 1997, ISBN 0-300-07205-8
  • Walter and Miriam Schneir: Invitation to an Inquest 1973, ISBN 978-0394714967

Weblinks[Bearbeiten]