Harry Haft

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Harry Haft (* 28. Juli 1925 in Bełchatów, Polen[1] als Moses Friedler[2]; † 3. November 2007; ursprünglich Hertzko oder Hertzka Haft, später auch Herschel Haft) war ein Profiboxer und Überlebender des KZ Auschwitz.

Leben[Bearbeiten]

Als 14-Jähriger erlebte er im September 1939 den Einmarsch der Wehrmacht in Polen. Zwei Jahre später wurde er, weil er Jude war, nach Auschwitz deportiert. Wegen seiner kräftigen Statur bildete ihn dort ein SS-Aufseher zum Boxer aus, und er musste vor den Wachmannschaften an Schaukämpfen – buchstäblich – auf Leben und Tod teilnehmen: Der Verlierer wurde unmittelbar von den Nationalsozialisten ermordet. Die Kämpfe fanden im Konzentrationslager Jaworzno statt, das in einer Kohlengrube nördlich von Auschwitz lag. Nach 76 Kämpfen in diesem Konzentrationslager wurde das Lager in Jaworzno wegen der heranrückenden Roten Armee aufgelöst und die Häftlinge auf Todesmärsche geschickt. Erst im April 1945 gelang es ihm zu fliehen. Dabei tötete er einen SS-Offizier und eignete sich dessen Uniform und Papiere an. Aus Furcht, verraten zu werden, erschoss er auch die beiden alten Menschen, die ihm danach Unterkunft gewährten.[1]

1948 wanderte er mit Hilfe eines Onkels in die USA aus. Hier verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Preisboxer, diesmal in von der Mafia kontrollierten Schaukämpfen, auch gegen Rocky Marciano.[3] Als Profiboxer bestritt er 22 Kämpfe, von denen er 14 gewann.[4]

Sein ältester Sohn Alan Scott wurde 1950 geboren. Ihm vertraute Harry Haft erst kurz vor seinem Tod seine Lebensgeschichte an, die 2006 mit Hilfe der Fachhistoriker John Radzilowski und Mike Silver in den USA veröffentlicht wurde. In Deutschland erschien 2009 im Verlag Die Werkstatt, Göttingen: „Eines Tages werde ich alles erzählen“. Auf Basis dieser Lebensgeschichte gestaltete Reinhard Kleist einen Fortsetzungscomic[5], der von April bis September 2011 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurde und als Album-Ausgabe[6] im Mai 2012 beim Hamburger Carlsen Verlag erschienen ist.

Im April 2007 wurde er in die National Jewish Sports Hall of Fame aufgenommen.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alan S. Haft: Eines Tages werde ich alles erzählen. Die Überlebensgeschichte des jüdischen Boxers Hertzko Haft. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2009. ISBN 3895336386.
  • Reinhard Kleist: Der Boxer. Die wahre Geschichte des Hertzko Haft. Carlsen, Hamburg 2012. ISBN 978-3-551-78697-5.

Weblink[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Benjamin Knaack: Boxen auf Leben und Tod. einestages vom 9. Juni 2009, abgerufen am 27. November 2009.
  2. Harry Haft. Boxrec Encyclopaedia, abgerufen am 27. November 2009 (englisch)
  3. Johanna Herzing: K.o. im KZ. Deutschlandfunk vom 10. Mai 2009, abgerufen am 27. November 2009.
  4. Harry Haft in der BoxRec-Datenbank, abgerufen am 27. November 2009 (englisch)
  5. Fortsetzungscomic Der Boxer
  6. Rezension Carlsen Album auf ComicRadioShow.com Der Boxer
  7. Inductee Details, Harry Haft, abgerufen am 27. November 2009 (englisch)