Harry Maitey

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Zeichnung von Johann Gottfried Schadow, Kreide und Graphit, 26. Oktober 1824

Der Name Harry Maitey war dem ersten Hawaiier (* 23. April 1807[1][2] im Königreich Hawaiʻi; † 26. Februar 1872 in Klein-Glienicke), der nach Preußen kam, von Deutschen gegeben worden. Er heiratete Dorothea Charlotte Becker aus Stolpe am 28. August 1833. Ihr Sohn Heinrich Wilhelm Otto (* 2. Dezember 1837) und seine jüngere Schwester Friederike Wilhelmine (* 1846) starben als Kleinkinder, während ihr zweiter Sohn Heinrich Wilhelm Eduard (* 8. Dezember 1839, † 1906)[3] seine Eltern überlebte. Seine Tochter Martha (* 1869), das einzige Enkelkind Maiteys, erreichte das Erwachsenenalter und blieb unverheiratet.[4]

Leben[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Über das Leben Maiteys im Königreich Hawaiʻi ist wenig bekannt. Die Informationen über seinen hawaiischen Namen Kaparena werden von anderen Quellen nicht bestätigt.[5] Als die preußische Fregatte Mentor am 28. November 1823 in Honolulu ankam, hatte am Tag zuvor der französische Walfänger L'Aigle den Hafen mit dem hawaiischen König Liholiho und seiner Königin Kamāmalu verlassen. Während der König abwesend war, versammelten sich Häuptlinge von anderen Inseln auf Oʻahu, und auch der Tod von Keoua, dem Gouverneur von Maui, verursachte eine Atmosphäre der politischen Unruhe.[6] Es ist nicht bekannt, ob Maitey durch diese Situation dazu gedrängt wurde, darum zu bitten, an Bord der Mentor genommen zu werden, des ersten preußischen Schiffs, das sowohl die Welt umrundete als auch Hawaii besuchte. Die Erkundigungen, die über den Jugendlichen eingeholt wurden, bestätigten, dass er keine Verwandten hatte,[6] und so durfte er Hawaii verlassen. Der Name Maitey wurde von den Deutschen als Henrys (oder Harrys) Familienname aufgezeichnet, aber es ist offensichtlich, dass es sich dabei um eine Ableitung vom hawaiischen maikaʻi oder maitaʻi und nicht um seinen eigentlichen Namen handelt.[6][7]

Reise nach Preußen[Bearbeiten]

Während der Reise wurde das Schiff von der Preußischen Seehandlung übernommen, die dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. unterstand. Daher wurde nach der Ankunft der Mentor in Swinemünde am 14. September 1824 der König über den Sandwich-Insulaner informiert und dieser entschied am 27. September, dass der Präsident der Seehandlung Christian Rother ihn nach Berlin zu bringen habe.[8] Maitey blieb dort in Rothers Haus, bis der König am 15. Oktober festlegte, dass er die deutsche Sprache lernen und nach den Prinzipien des Christentums erzogen werden solle.[9]

Bildung[Bearbeiten]

Karte mit der Erziehungs-Anstalt vor dem Halleschen Tor (1848)

Maitey lebte bis 1827 bei der Familie von Präsident Rother, als er in das Erziehungshaus vor dem Halleschen Tor umzog,[10] einer Schuleinrichtung,[11] die er seit 1825 besucht hatte.[12] Im Jahre 1827 wurde Maitey eingeladen, mit Wilhelm von Humboldt Gespräche über die hawaiische Sprache zu führen, deren Ergebnisse Humboldt 1828 in der Berliner Akademie der Wissenschaften vorstellte.[13]

Ab Herbst 1829 hatte er im Erziehungshaus für etwa acht Monate einen hawaiischen Gefährten: Jony Kahopimeai, der mit dem preußischen Schiff Prinzessin Louise nach Deutschland gekommen war.[14] Nachdem Maitey seinen Dienst auf der Pfaueninsel begonnen hatte, besuchte ihn Jony gelegentlich,[15] doch im Februar 1831 wurde er krank, starb an einer Lungenentzündung und wurde am 2. März 1831 begraben.[16]

Dienst auf der Pfaueninsel[Bearbeiten]

Am 23. April 1830 wurde Maitey getauft und konfirmiert. Bei der Taufe erhielt er die deutschen Namen Heinrich Wilhelm.[17] Im August übernahm man Maitey in den königlichen Haushalt und wies ihn als Assistent dem Maschinenmeister auf der Pfaueninsel zu. Die Akten führten ihn als Mündel des Königs und Assistenten des Maschinenmeisters.[18] In den Dokumenten findet sich auch ein Vorschlag, dass Maitey Fährmann der Pfaueninsel werden solle, aber offensichtlich bot ihm die schließlich übertragene Aufgabe viel bessere Perspektiven.[19]

Im Sommer 1834 kamen zwei Hawaiigänse (nēnē) auf die Insel, die ebenfalls mit dem Schiff Prinzessin Louise nach Deutschland gebracht worden waren.[20]

Der Maschinenmeister Franciscus Joseph Friedrich bildete Maitey zum Drechsler, Schlosser und Tischler aus.[20]

Nach einigen Schwierigkeiten bekam Maitey mit Hilfe von Christian Rother die königliche Erlaubnis zur Hochzeit und heiratete Dorothea Charlotte Becker am 25. August 1833 in der Kirche von Stolpe.[21] Nach der Hochzeit zog das Paar nach Klein-Glienicke, daher musste Maitey nun eine größere Strecke zur Arbeit auf der Pfaueninsel zurücklegen. Später fehlte er immer öfter, was zu Schwierigkeiten in seiner Beziehung zu Friedrich führte. Schließlich wurde entschieden, Maitey dem königlichen Garteninspektor Fintelmann zuzuordnen.[22]

Während der Arbeit unter Meister Friedrich half Maitey ihm offenbar, Miniaturrepliken berühmter Schlösser und Kathedralen aus Elfenbein und Perlmutt anzufertigen.[23] Der Anteil seiner Schnitzkunst schien unentbehrlich zu sein, denn später wurde festgestellt, dass Friedrich keine Modelle mehr herstellte, nachdem ihn sein Assistent Maitey verlassen hatte.[24] Es wird auch angenommen, dass Maitey der Künstler war, der einige gelbe Raumteiler im Schloss schuf, die ebenfalls Friedrich zugeschrieben werden.[24]

Späte Jahre und Nachkommen[Bearbeiten]

Grab von Harry Maitey: Inschrift für ihn selbst und seine Frau
Grab von Harry Maitey: Inschrift für seine Schwiegereltern

Maitey verbrachte den Rest seines Lebens in Klein-Glienicke (Kurfürstenstraße 10). Er starb im Alter von 64 Jahren durch eine Pockenerkrankung am 26. Februar 1872 in seinem Haus als Rentenempfänger des Königs.[25] Sein Grab befindet sich auf dem kleinen Friedhof nicht weit von der Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe in der Nähe der Pfaueninsel und ist auch die letzte Ruhestätte seiner Frau und seiner Schwiegereltern.[26] Die Inschriften auf dem Grabkreuz lauten:

„Hier ruhet in Gott / Frau Dorothea Maitey geb. Becker 1889. / der Sandwichs-Insulaner Maiteÿ 1872.
Hier ruhen in Gott / die Thierwärter Beckerschen Eheleute, Schwiegereltern des Sandwichs-Insulaner Maiteÿ.“

Maiteys Sohn Eduard glaubte, dass sein Vater ein hawaiischer Prinz gewesen sei. Caesar von der Ahé, der 1930 und 1933 Artikel über Maitey veröffentlicht hatte, bezweifelte dies. Von der Ahé erwähnte als wahrscheinlichen hawaiischen Namen Maiteys Kaparena, aber es gibt keinen Nachweis dafür in den preußischen Dokumenten. Er schrieb auch mit Verweis auf Akten des früheren preußischen Hofes, dass Maiteys Vater ein Soldat war.[3]

Es ist unbekannt, ob Maiteys Witwe oder Eduard die Möglichkeit hatten, König Kalākaua bei seinem Besuch in Berlin und Potsdam im August 1881 zu sehen.[3] Eduard war allerdings für einige Zeit als Aktuar in Angermünde tätig, bevor er für den Rest seines Lebens nach Potsdam zurückkehrte.[27]

Kulturelle Besonderheiten[Bearbeiten]

Maitey dürfte sein Verhältnis zum Präsidenten der Seehandlung Christian Rother als die in seiner Heimat übliche Adoption (hānai)[28] verstanden haben. Dies erklärt auch die Missverständnisse in den Jahren 1829 und 1830, als Maitey vergeblich hoffte, wieder in den Haushalt Rothers zurückkehren zu können.[29]

Aus einem Zeitungsbericht von 1824 geht hervor, dass Maitey das Berliner Publikum mit einem Hula bekanntmachte,[30] der im Sitzen getanzt wurde (hula noho):[31]

„Wenn er zum Singen eingeladen wird, ziert er sich fast eben so sehr, wie unsere jungen Damen, und hat auch die andere böse Gewohnheit, daß man ihn, wenn er erst angefangen hat zu singen, gute Worte geben muß, ehe er aufhört. Beim Singen setzt er sich auf einen Stuhl, u. macht mit seinen Händen lebhafte Bewegungen, wobei es mir bemerkenswerth schien, daß er mit der rechten Hand sich oft an das Herz schlug, während er mit der Linken die rechte Seite nie berührte. Sein Gesang beschränkte sich auf vier bis fünf Töne, und die Worte schienen vornehmlich aus den Lauten ae, i, und o zu bestehen, seine Stimme hat nichts Schnarrendes, man könnte sie eine angenehme Tenorstimme nennen, doch machte der Vortrag des Gesanges mit diesen sonderbaren Bewegungen ganz den Eindruck, als ob man einen Irren sah.“

– In: Königlich priviligierte Berlinische Zeitung von Staats und gelehrten Sachen, Im Verlage Vossischer Erben. 245stes Stück. Montag, den 18ten Oktober 1824.[32]

Der stark an Physiognomik interessierte Johann Gottfried Schadow zeichnete Maitey um 1825 und stellte zu seinem Aussehen fest:

„Da derselbe unter uns geblieben, so zeigt der Augenschein einem Jeden, daß in dessen Gesichtszügen nichts Abweichendes von den unsrigen wahrzunehmen ist. Die breiten Wangenbeine finden sich auch bei uns, und, obgleich sein Schädel schmäler, wird dieser doch durch die starken und dicken Haare versteckt; was ihn einigermaßen unterscheidet ist die dunklere Hautfarbe. Zu einer feineren Geistesbildung fand er sich nicht geeignet.“

Johann Gottfried Schadow: Gottfried Schadow: Polyklet oder von den Maasen des Menschen nach dem Geschlechte und Alter mit Angabe der wirklichen Naturgröße nach dem rheinländischen Zollstocke und Abhandlung von dem Unterschiede der Gesichtszüge und Kopfbildung der Völker des Erdboden, als Fortsetzung des hierüber von Peter Camper ausgegangenen von Gottfried Schadow. Berlin 1834, S. 26/27.[33]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Harry Maitey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein „gegebenes“ Datum nach dem Taufschein von April 1830
  2. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 150
  3. a b c Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 155
  4. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 151; Fußnote 117, S. 160
  5. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 127; Fußnote 12, S. 156
  6. a b c Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 127
  7. gut, in Ordnung, gut aussehend, schön, gerecht, gesund; vgl. maika‘i in Hawaiian Dictionaries
  8. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 128–130
  9. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, 130
  10. Wilfried M. Heidemann: Der Sandwich-Insulaner Maitey von der Pfaueninsel: Die Lebensgeschichte eines hawaiischen Einwanderers in Berlin und bei Potsdam von 1824 bis 1872. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 80. Jahrgang, Nr. Heft 2 (April 1984), S. 153–172, S. 159–160.
  11. vgl. Today in Kreuzberg: May 4th – The Boys´ Borstal School before the gate to Halle
  12. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 136–137
  13. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 138–139
  14. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 145
  15. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 149
  16. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 146
  17. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 143–144
  18. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 146–147
  19. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 148
  20. a b Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 147
  21. Wilfried M. Heidemann: Der Sandwich-Insulaner Maitey von der Pfaueninsel: Die Lebensgeschichte eines hawaiischen Einwanderers in Berlin und bei Potsdam von 1824 bis 1872. Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 80. Jahrgang, Nr. Heft 2 (April 1984): S. 153–172, vgl. S. 163 und Fußnote 65 auf S. 171: Kirchenbuch Stolpe 1833, Nr. 2; nach Anneliese Moore am 28. August, vgl. Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 149–150 und Fußnote 112 auf S. 159: Archiv der Kirchengemeinde Wannsee [formerly called Stolpe] per Pfarrer Hauschild, 1 Berlin 39, Schuchardtweg 5
  22. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 150–151
  23. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 152
  24. a b Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 152–153; Caesar von der Ahé: Heinrich Wilhelm Maitey, der Südsee-Insulaner auf der Pfaueninsel. In: Heimat und Ferne, Nr. 36/37 (9. und 16. September 1930), keine Seitenzählung
  25. Kirchenbuch Klein-Glienicke, nach einem Brief von Pfarrer Strauss vom 29. August 1973, nach Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 154, Fußnote 128, S. 160
  26. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 154
  27. Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History 11 (1977): 125–161, S. 161
  28. hānai in Hawaiian Dictionaries
  29. Wilfried M. Heidemann: Der Sandwich-Insulaner Maitey von der Pfaueninsel: Die Lebensgeschichte eines hawaiischen Einwanderers in Berlin und bei Potsdam von 1824 bis 1872. Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 80. Jahrgang, Nr. Heft 2 (April 1984): S. 153–172, S. 159–161.
  30. David A. Chappell: Double Ghosts: Oceanian Voyagers on Euroamerican Ships. M.E. Sharpe, 1997, ISBN 9781563249990, S. 130
  31. hula noho in Hawaiian Dictionaries
  32. Zitiert nach Wilfried M. Heidemann: Der Sandwich-Insulaner Maitey von der Pfaueninsel: Die Lebensgeschichte eines hawaiischen Einwanderers in Berlin und bei Potsdam von 1824 bis 1872. Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 80. Jahrgang, Nr. Heft 2 (April 1984): 153–172, S. 156.
  33. Zitiert nach Wilfried M. Heidemann: Der Sandwich-Insulaner Maitey von der Pfaueninsel: Die Lebensgeschichte eines hawaiischen Einwanderers in Berlin und bei Potsdam von 1824 bis 1872. Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 80. Jahrgang, Nr. Heft 2 (April 1984): 153–172, S. 162.