Harry Piel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Harry Piel um 1928 auf einer Fotografie von Alexander Binder

Harry Piel (* 12. Juli 1892 in Benrath; † 27. März 1963 in München; eigentlich Heinrich Piel) war ein deutscher Regisseur und Schauspieler.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule in Benrath und des Gymnasiums in Derendorf wurde Piel 1909 zunächst Kadett auf einem Segelschulschiff, der Grossherzogin Elisabeth, der heutigen Duchesse Anne (ein gleichnamiges Segelschulschiff ist heute in der Unterweserstadt Elsfleth beheimatet). Darauf folgte eine kaufmännische Lehre, die er 1911 abbrach, um in Paris Kunstflieger zu werden. Aber schon ein Jahr später begann er wieder etwas Neues. In Berlin gründete er die „Kunst-Film-Verlags-Gesellschaft“ und drehte, als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in einer Person, seinen ersten Spielfilm Schwarzes Blut (1912) mit Curt Goetz in der Hauptrolle. Piel kann somit als einer der frühesten Autorenfilmer angesehen werden.

Weitere Filme sollten im Abenteuer- und Sensationsgenre folgen, in denen immer mehr „Action“ eingebaut wurde. Bald erhielt Piel den Beinamen „Dynamit-Regisseur“, da er einen Sprengmeister kannte, der ihn mit Informationen über bevorstehende Objektsprengungen versorgte, die Piel geschickt in seine Filme einzubauen wusste. 1915 wurde Piel das „hinter der Kamera stehen“ zu langweilig und er begann, auch vor der Kamera zu agieren. Sein Versuch mit einer eigenen Produktionsfirma Harry Piel & Co. Berlin Fuß zu fassen begann und endete aber im Jahr 1915 mit dem Film Das verschwundene Los (1915), zudem er auch das Drehbuch beisteuerte.[1] Der erste Film mit ihm als Hauptdarsteller, Die große Wette, kann dem Science-Fiction-Sujet zugerechnet werden, musste er sich doch mit so genannten „Maschinenmenschen“ auseinandersetzen.

In Unter heißer Zone (1916) wurden erstmals waghalsige Raubtierszenen eingebaut, was Piel in weiteren Filmen, teilweise nach eigenen Dressuren, immer wieder aufgreifen sollte.[Anm. 1] Es folgten eine Reihe von Filmen (1918–1919) um den von Heinrich Schroth dargestellten Detektiv „Joe Deebs“. Mit dem Film Der große Unbekannte (1919) begann er unter dem Namen „Harry Peel“ auch international bekannt zu werden. 1927 spielte er sogar in einer Doppelrolle mit Marlene Dietrich zusammen in dem Film Sein größter Bluff. Ebenfalls 1927 heiratete Piel die Schauspielerin Dary Holm (1897–1960), die auch in einigen seiner Filme die weibliche Hauptrolle spielte. 1928 gründete Piel mit der Ariel-Film bereits seine fünfte Firma, die bis zur Verstaatlichung 1939 Bestand hatte.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren gab es einen volkstümlichen Reim: Harry Piel / sitzt am Nil / wäscht die Beene (Beine) mit Persil.

Der Übergang zum Tonfilm machte Piel mit der Doppelgänger-Komödie Er oder ich (1930) keine Probleme und bis 1939 sollten noch viele erfolgreiche Abenteuerfilme folgen, so Schatten der Unterwelt (1931), Jonny stiehlt Europa (1932), Das Schiff ohne Hafen (1932, zum Teil gedreht in Bremerhaven), Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt (1933), Der Dschungel ruft (1935) und Sein bester Freund (1937). Dann begannen jedoch Schwierigkeiten, als der Film Panik (1940–43) wegen allzu realistischer Darstellung von Luftangriffen verboten wurde. 72 Negative von seinen Filmen, darunter fast alle Stummfilme, wurden bei einem Fliegerangriff vernichtet. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Joseph Goebbels in die Gottbegnadeten-Liste der Schauspieler auf, die er für seine Propagandafilme benötigte.[2] Dadurch wurde Piel vor einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront bewahrt.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurde Harry Piel, der nicht nur seit 1933 Mitglied der NSDAP, sondern auch förderndes Mitglied der SS gewesen war,[2] und dies zunächst verschwiegen hatte, mit sechs Monaten Haft und fünf Jahren Berufsverbot belegt. Nach seiner Entnazifizierung gründete Harry Piel dann 1950 in Hamburg erneut die „Ariel-Film“, mit der er jedoch nur noch mäßigen Erfolg hatte. Nach einem seiner letzten Filme, Gesprengte Gitter (1953), der nach einem umgearbeiteten Skript von Panik gedreht wurde, zog sich Piel aus dem Filmgeschäft zurück. Er ist beerdigt im alten Teil des Waldfriedhofs in München.

Der Schauspieler Ralph Morgenstern (* 1955) ist ein Großneffe von Harry Piel.

Filmografie[Bearbeiten]

Werbeeinschaltung für den Kinostart in Wien, 1927
  • 1912: Dämone der Tiefe
  • 1912: Der Börsenkönig
  • 1913: Nachtschatten
  • 1913: Der schwarze Pierrot
  • 1913: Der grüne Teufel
  • 1913: Im Leben verspielt
  • 1913: Menschen und Masken
  • 1913: Seelenadel
  • 1913: Erblich belastet?
  • 1913: Harakiri
  • 1913: Menschen und Masken
  • 1913: Die Millionenmine
  • 1914: Die braune Bestie
  • 1914: Der geheimnisvolle Nachtschatten
  • 1914: Das Teufelsauge
  • 1914: Das geheimnisvolle Zeichen
  • 1914: Das Abenteuer eines Journalisten
  • 1915: Der schwarze Husar
  • 1915: Der Bär von Baskerville
  • 1915: Manya, die Türkin
  • 1915: Im Banne der Vergangenheit
  • 1915: Das Geheimnis von D. 14
  • 1915: Police Nr. 1111
  • 1915: Das verschwundene Los
  • 1916: Das lebende Rätsel
  • 1916: Unter heißer Zone
  • 1916: Das geheimnisvolle Telefon
  • 1917: Zur Strecke gebracht
  • 1917: Der Sultan von Johore
  • 1917: Der weiße Schrecken
  • 1917: Um eine Million
  • 1917: Der stumme Zeuge
  • 1917: Sein Todfeind
  • 1918: Das amerikanische Duell
  • 1918: Die Ratte
  • 1918: Das rollende Hotel
  • 1918: Diplomaten Film:
  • 1918: Die närrische Fabrik
  • 1919: Das Auge des Götzen
  • 1919: Der Muff
  • 1919: Der blaue Drachen
  • 1919: Der rätselhafte Klub
  • 1919: Der grosse Coup
  • 1919: Über den Wolken Film
  • 1920: Die Geheimnisse des Zirkus Barré
  • 1920: Die Luftpiraten
  • 1920: Das fliegende Auto
  • 1920: Der Verächter des Todes
  • 1920: Das Gefängnis auf dem Meeresgrund

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Gerhard Lamprecht: Deutsche Stummfilme 1915–1916. Deutsche Kinemathek e.V., Berlin 1969, S. 41.
  2. a b Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 457.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Während der Studioaufnahmen zu Panik, 1927, wurde Piel von einem Tiger angefallen und stürzte aus einer Höhe von über fünf Metern in die Tiefe. – Siehe: Der Filmschauspieler Harry Piel von einem Tiger angefallen.. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 22708/1927, 5. Dezember 1927, S. 5 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp