Harzer Granit

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Harzer-Granit vom Typ Birkenkopf-Granit, Mattschliff (Muster ca. 10 cm lang)

Die Harzer Granite lassen sich in fünf Typen unterscheiden, welche alle als Naturwerksteine größere Verwendung fanden: Knaupsholz-Granit, Birkenkopf-Granit, Wurmberg-Granit, Königskopf-Granit und Ilsestein-Granit. Die drei erstgenannten Granite haben eine große Verbreitung im norddeutschen Raum, in Belgien und in den Niederlanden, später dann auch in der DDR. Der Knaupsholz-Granit gehörte „lange Zeit zu den wichtigsten Werksteinen der ehemaligen DDR“.[1]

Derzeit wird nur noch der Knaupsholz-Granit abgebaut.

Geologie[Bearbeiten]

Die Granitplutone des Harzes, der Brocken-, der Ramberg- und der Oker-Pluton[2] bildeten sich gegen Ende der Harz-Gebirgsbildung (variszische Orogenese) im Oberkarbon vor rund 300 Millionen Jahren. Entstanden sind diese Natursteine als im Brockengranitmassiv große Magmenblasen durch unterschiedliche Abkühlungs- und Kristallisationsraten bedingt zu mehreren verschieden gefärbten Granittypen erstarrten. Die Harzer-Granite sind Teil des Brockengranit-Komplexes, der der größte Granitkomplex im Harz mit einer Ausdehnung von 165 km² ist.[3] Das Harzer Gabbro-Vorkommen ist Bestandteil dieses Komplexes, es entstand durch einen Mangel an SiO2.

Steinbrüche[Bearbeiten]

Zu den Großbetrieben vor dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1938 zählten die Firma Zureck in Wernigerode (100 bis 110 Beschäftigte) und die Firma Hannoversche Basaltwerke m.b.H. mit ihrer Abteilung Granitsteinbrüche Wernigerode (60 bis 70 Beschäftigte), ferner die Braunlager Granit- und Schotterwerke G.m.b.H. (45 Beschäftigte). Des Weiteren gab es 5 bis 7 Mittel- und 15 bis 17 Kleinbetriebe mit insgesamt etwa 600 Beschäftigten. Die Absatzgebiete waren damals das gesamte Reichsgebiet, Belgien und die Niederlande.[4]

Nach dem Krieg waren 1948 in den Braunlager Granit- und Schotterwerken 30 bis 40 und in einem weiteren Betrieb in Niedersachsen eine unbekannt gebliebene Anzahl Steinbrucharbeiter beschäftigt. Über die in der DDR befindlichen Betriebe liegen keine exakten Zahlen vor. Die in der DDR liegenden Steinbrüche Knaupsholz und Birkenkopf sowie die Betriebsteile der Firma Zureck in Wernigerode wurden am 5. November 1945 enteignet.[5]

Zu Beginn der 1950er Jahre wurden von Sickenberg folgende Steinbrüche im Brockengranitbereich genannt: Eckerloch, Schneeloch, Gebbertsberg, Wurmberg, Haserode, Wolfklippen, Großer und Kleiner Birkenkopf, Knaupsholz, Ottofels, Neustätter Hau, Forsthaus Plessenburg und „Gelochter Stein“.[6] Im Jahre 1958 wurden auf dem Gebiet der DDR noch acht Steinbrüche betrieben, 1969 jedoch nur noch zwei (Knaupsholz und Birkenkopf).[7]

Knaupsholz-Granit[Bearbeiten]

Hauptartikel: Knaupsholz-Granit
Vorkommen
Der Knaupsholz-Granit wird im Forstort Knaupsholz des Nationalparks Harz zwischen den Wernigeröder Ortsteilen Drei Annen Hohne und Schierke, einen Kilometer östlich des Bahnhofs Schierke in Sachsen-Anhalt, abgebaut. Der Knaupsholz-Granit gehörte zu den wichtigsten Werksteinen der DDR.
Mineralbestand
Der Knaupsholz-Granit ist graurötlich gefärbt und grobkörnig. Er enthält 33,5 Prozent Quarz, 45,9 Prozent Alkalifeldspat, 15,1 Prozent Plagioklas, 4,8 Prozent Biotit und Chlorit sowie 0,7 Prozent Erzminerale wie Magnetit, Pyrit, Hämatit und 0,7 Akzessorien. Die Alkalifeldspatkristalle können bis zu 18 mm groß sein.[8]

Birkenkopf-Granit[Bearbeiten]

Vorkommen
Der Birkenkopf-Granit wurde am Großen Birkenkopf südlich von Hasselfelde abgebaut. Er ist ein mittelkörniger Granit mit einer bläulich-grauen Farbe. Im Steinbruch konnten 30 bis 40 Prozent Rohblöcke für Sägearbeiten und 50 Prozent verwertbarer Gesteinsschutt gewonnen werden.[8] Der Steinbruch ist nicht mehr im Abbau.
Mineralbestand
Der Birkenkopf-Granit enthält 31,3 Prozent Quarz, 42,6 Prozent Alkalifeldspat, 20,4 Prozent Plagioklas, 5,4 Prozent Biotit und Chlorit sowie 0,3 Prozent Erzminerale wie Magnetit, Pyrit, Hämatit.[8]

Wurmberg-Granit[Bearbeiten]

Wurmberg-Granit, Muster ca. 10 x 8 cm
Hauptartikel: Wurmberg-Granit
Vorkommen
Der Steinbruch des Wurmberg-Granits lag etwa 2,5 Kilometer nördlich von Braunlage und 250 Meter hoch auf dem Wurmberg. Es handelt sich um einen blaßroten, fein- bis grobkörnigen Granit. Der Steinbruch ist seit dem Frühjahr 1974 nicht mehr ihm Betrieb.[9]
Mineralbestand
Dieser Granit enthält 31 Prozent Quarz, 42 Prozent Alkalifeldspat, 20 Prozent Plagioklas, 7 Prozent Biotit, sowie weniger als 1 Prozent Akzessorien wie Zirkon, Apatit, Rutil, Muskovit und opakte Minerale.[10]

Königskopf-Granit[Bearbeiten]

Vorkommen
Der Königskopf-Granit wurde in einem Steinbruch bei Königskrug gewonnen, welcher dann in den 1960er Jahren aufgelassen wurde. Wegen der heutigen Lage im Nationalpark Harz dürfte es unwahrscheinlich sein, dass er wiedereröffnet wird. Es handelt sich um einen hellroten bis kräftig roten (fleischroten) Granit.
Mineralbestand
Der Königskopf-Granit enthält 33 Prozent Quarz, 42 Prozent Orthoklas in einer Mineralkorngöße von 2 bis 5 mm bis max. 15 mm, 22 Prozent Plagioklas, 5 Prozent Biotit und 0,7 Prozent Akzessorien.[8][11]

Ilsestein-Granit[Bearbeiten]

Der Ilsestein-Granit wurde an der nördlichen Begrenzung des Harzes am Kleinen Birkenkopf bei Thale abgebaut. Er hatte lediglich lokale Bedeutung, da er geringe Festigkeitswerte besitzt.

Geologie und Vorkommen[Bearbeiten]

Der Ilsestein-Granit liegt am Nordrand des Harzes und ist ein Bestandteil des Brocken-Massivs. Er bildet ein gangförmiges Vorkommen mit 11 Kilometer Länge und 2 Kilometer Breite. Das Magma des Ilsestein-Granits soll als letzter Magmenpuls des Brockenkomplexes aufgestiegen sein.[12] Er ist der quarzhaltigste Granit des Brockenkomplexes. Quarz und Orthoklas sind miteinander verwachsen. Seine Verwendung und Festigkeit als Werkstein ist durch zahlreiche bis zu 5 cm große Drusen eingeschränkt.[13]

Verwendung[Bearbeiten]

Schierker Bergkirche
Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Tiergarten aus Harzer Granit mit Bronzefigur eines Soldaten

Die Harzer Granite sind verwitterungsbeständig, polierbar und gegenüber aggressiven chemischen Verbindungen resistent. Aufgrund ihrer technischen Eigenschaften werden sie im Außenbereich und wegen Ihres Dekors zum Innenausbau verwendet.

Verwendet wurden diese Granite als massive Werksteine für Brückenbau, Mauerwerke, Tür- und Fenstersimse, Treppenstufen und Bodenplatten, Fassadenverkleidung, Grabsteine, als Pflaster und Packlagen; der Knaupsholz-Granit wird als Granitgrus für den Wegebau im Nationalpark Harz eingesetzt. Zur Zeit (Stand 2009) sind lediglich noch die Steinbrüche Knaupsholz und Birkenkopf in Betrieb, mit folgender Verwendung:

Technische Bauwerke[Bearbeiten]

Straßenbeläge, Pflaster, Mauerwerke und Brückenbauwerke in Niedersachsen und Norddeutschland, Magdeburg, Hamburg und Berlin; Schleusenbauwerke und Uferbefestigungen am Mittelland- und Nord-Ostseekanal.[8]

Mahnmale und Bauwerke[Bearbeiten]

Mahn- und Gedenkstätten im KZ Buchenwald, KZ Ravensbrück und KZ Sachsenhausen; Sowjetische Ehrenmale in Berlin-Tiergarten und Berlin-Treptow; Innenausbau des Schillermuseums in Weimar; Kirche in Schierke; Kulturpaläste der DDR; Deutsche Bank und Rathaustreppe in Wernigerode.[8]

Literatur[Bearbeiten]

Kurt Mohr: Geologie und Mineralstätten des Harzes. S. 223ff., 2. Auflage, Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1933, ISBN 3-510-65154-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Müller: Der Knaupsholz-Granit aus dem Harz. in: Naturstein. 1991 Online Verfügbar, abgerufen am 26. Juli 2009.
  2. weitere Informationen (Version vom 19. Juli 2011 im Internet Archive) auf regionalgeologie-ost.de
  3. TU Clausthal-Zellerfeld: Die geologisch/strukturellen Einheiten des Harzes (Version vom 5. März 2005 im Internet Archive), abgerufen am 26. Juli 2009.
  4. Sickenberg: Lagerstätten Niedersachsens. S. 22.
  5. Steinbruch Knaupsholz, hrsg. von der Interessensgemeinschaft Harzer Schmalspurbahnen, abgerufen am 26. Juli 2009.
  6. Otto Sickenberg: Steine und Erden. Die Lagerstätten und ihre Bewirtschaftung. Geologie und Lagerstätten Niedersachsens. 5. Band. Dorn-Verlag, Bremen, Horn 1951.
  7. Mohr: Geologie des Harzes. S. 413.
  8. a b c d e f Werner Schwate: Harzer Granit – Abbau und Verwendung: in Stein 1993. W. Online auf baufachinformation.de, abgerufen am 26. Juli 2009.
  9. Mohr: Geologie des Harzes. S. 414.
  10. Wolf-Dieter Grimm: Bildatlas wichtiger Denkmalgesteine der Bundesrepublik Deutschland. hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Gesteins Nr. 014, Lipp-Verlag, München 1990, ISBN 3-87490-535-7.
  11. Granitsteinbruch Königskopf auf mineralienatlas.de
  12. Mohr: Geologie des Harzes. S. 226f u. 236.
  13. Informationen aus regionalgeologie-ost.de (Version vom 19. Juli 2011 im Internet Archive), abgerufen am 27. Juli 2009.