Harzer Schmalspurbahnen

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Harzer Schmalspurbahnen GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1. Februar 1993[1]
Sitz Wernigerode, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 230 (2008)[1]
Umsatz ca. 12 Mio. €[2]
Branche Transport/Logistik/ Touristik
Website hsb-wr.de
Das heutige Streckennetz der HSB

Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) in Wernigerode ist eine Eisenbahngesellschaft, die ein zirka 140 km langes Netz von zumeist dampfbetriebenen Schmalspurstrecken im Harz betreibt. Es handelt sich heute um das längste zusammenhängende dampfbetriebene Streckennetz in Europa. Dieses Netz mit der Spurweite von 1000 mm (Meterspur) besteht aus den Strecken Harzquerbahn, Selketalbahn und Brockenbahn. Auch die Anfangsbuchstaben der Strecken ergeben das Kürzel der Bahngesellschaft. Die Strecken sind ganzjährig in Betrieb.

Drei der sechs Endbahnhöfe (Nordhausen Nord, Quedlinburg und Wernigerode) verfügen über einen Anschluss an das normalspurige Netz der Deutschen Bahn AG. Neben der Brohltalbahn und der Wangerooger Inselbahn sind die Harzer Schmalspurbahnen heute eine der drei letzten Schmalspurbahnen mit Güterverkehr in Deutschland.

Im Personenverkehr wird die HSB heute überwiegend von Touristen und Ausflüglern (z. B. Wanderern) genutzt, der eigentliche Regionalverkehr im Sinne von Berufs- und Schülerverkehr spielt nur noch im Raum Nordhausen/Ilfeld und auf dem Streckenabschnitt Quedlinburg–Gernrode (Harz) eine bedeutendere Rolle.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Tunnel am Thumkuhlenkopf

Das heutige Schmalspurbahnnetz ist durch die Verbindung von ursprünglich getrennten Bahnlinien entstanden, welche zwei verschiedenen Bahngesellschaften gehörten:

1887 wurde mit der Strecke GernrodeMägdesprung die erste Schmalspurstrecke im Harz eröffnet. Sie gehörte zur Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft (GHE). In den Folgejahren wurde die Strecke verlängert und das Streckennetz vergrößert. Zum Netz der GHE gehörten die Bahnlinien von Gernrode bis Harzgerode, Hasselfelde und Eisfelder Talmühle. Da die Bahnlinie auf einem langen Abschnitt dem Tal des Flüsschens Selke folgt, entstand neben dem Beinamen „Anhaltische Harzbahn“ später der Beiname „Selketalbahn“.

Im Jahr 1896 wurde die zweite Eisenbahngesellschaft im Handelsregister eingetragen, welche eine Schmalspurbahn durch den Harz errichten wollte. Am 22. Dezember 1898 eröffnete die Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft (NWE) den Sonderzugverkehr auf dem Streckenabschnitt Wernigerode–Brocken (Brockenbahn), die so genannte Harzquerbahn (Wernigerode–Drei-Annen-Hohne–Nordhausen) nahm am 27. März 1899 den Gesamtverkehr auf.

Die GHE und die NWE wurden am 1. April 1949 der Deutschen Reichsbahn unterstellt.

Die Zeit der HSB[Bearbeiten]

Zugkreuzung im Bahnhof Mägdesprung

Am 1. Februar 1993 übernahm das nicht bundeseigene Eisenbahnunternehmen „Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB)“ von der Deutschen Reichsbahn (DR) Fahrzeuge, Strecken, Personal usw. und fungiert seitdem als Eisenbahnverkehrs- (EVU) und Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU). Gesellschafter der HSB sind die Landkreise Harz und Nordhausen, die an der Strecke liegenden Kommunen, die Stadt Quedlinburg sowie die Kurbetriebsgesellschaft Braunlage. Sitz ist Wernigerode, wo sich auch die Werkstätten befinden. Die HSB unterhält heute ein Schmalspur-Streckennetz von 140,4 km Länge mit 44 Bahnhöfen und Haltepunkten.

Die Züge verkehren täglich nach Fahrplan. Es kommen dabei mehr als zehn Dampflokomotiven, sieben Dieseltriebwagen und drei Straßenbahnen (von der Straßenbahn Nordhausen) zum Einsatz. Alle Strecken werden mit Dampfzügen befahren. Seit April 2010 fahren auch auf dem Abschnitt Stiege – Eisfelder Talmühle der Selketalbahn wieder Dampfzüge im Regelbetrieb. Dort fuhren seit 1996 lediglich Triebwagen.

Die bekannteste Strecke ist die Brockenbahn. Auf ihr fahren im täglichen Regelverkehr ausschließlich mit Dampflokomotiven bespannte Züge der Relation (Wernigerode –) Drei Annen Hohne - Brocken und zurück. Der Regionalverkehr zwischen Nordhausen und Ilfeld wurde hingegen bis auf ein Dampfzugpaar komplett auf Dieseltriebwagen und (seit 1. Mai 2004) auch Straßenbahnen umgestellt. Außerdem betreibt die HSB noch regulären Güterverkehr vom Hartsteinwerk Unterberg (Selketalbahn) nach Nordhausen Übergabebahnhof (Harzquerbahn) mit Dieselloks der Baureihe 199.8 und aufgebockten Normalspurgüterwagen.

Hybrid-Straßenbahn in Nordhausen

Am 1. Mai 2004 wurde in Nordhausen ein Verbindungsgleis zwischen der Straßenbahn Nordhausen und der Harzquerbahn in Betrieb genommen. Seitdem fahren die obig genannten Straßenbahnen zwischen Nordhausen Krankenhaus und dem HSB-Haltepunkt Ilfeld-Neanderklinik (Linie 10) mit Elektro- und Hybridantrieb vom Typ Combino duo. Im Bereich der Harzquerbahn (ohne Fahrleitung) erfolgt der Antrieb diesel-elektrisch. Durch das Verbindungsgleis zur Straßenbahn Nordhausen verlor vor allem der Bahnhof Nordhausen Nord an Bedeutung. Bis auf das eine Dampfzugpaar ab Nordhausen und einige HSB-Dieseltriebwagen verkehren seitdem alle Züge ab der Straßenbahnhaltestelle Nordhausen Bahnhofsvorplatz.

Am 18. April 2005 wurde mit den Arbeiten zur Verlängerung der Selketalbahn von Gernrode nach Quedlinburg begonnen (Länge 8,5 km), nachdem die DB AG diesen normalspurigen Streckenabschnitt stillgelegt und der HSB verkauft hatte. Zunächst wurde der Endbahnhof Gernrode zu einem Durchgangsbahnhof umgebaut. Am 4. März 2006 fuhr der erste Schmalspurzug der HSB in den Bahnhof Quedlinburg ein, und seit dem 26. Juni 2006 gibt es planmäßigen Verkehr der Harzer Schmalspurbahnen bis Quedlinburg mit mindestens zwei Dampfzugpaaren am Tag. In Quedlinburg hält die HSB auf einem Bahnsteig mit den Zügen des HEX in Richtung Halberstadt.

Im Jahre 2009 wurde mit Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt im Dampflokwerk Meiningen die normalspurige Dampflok 95 1027 aufgearbeitet. Diese wurde bei der HSB eingestellt und wird seitdem im Museumsbahnverkehr auf der Rübelandbahn eingesetzt. Im gleichen Jahr versuchte das Land Niedersachsen mit Aufstockmitteln des Konjunkturpaketes II einen Anschluss der Stadt Braunlage an das Netz der HSB mit zu finanzieren (siehe auch Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne). Dieses Vorhaben wurde jedoch am 29. April 2010 aufgrund der erwarteten, zu hohen Kosten zu den Akten gelegt.[3] Mit dem Bau des neuen Haltepunktes Schurzfell wurde am 30. November 2009 in Nordhausen begonnen, um die Zustiegsmöglichkeiten für die Nordhäuser noch weiter zu verbessern. Die Bauarbeiten dauerten bis kurz vor Weihnachten 2009. Sie wurden hauptsächlich in den nächtlichen Betriebspausen durchgeführt, um den Verkehr nicht zu behindern. Der neue Haltepunkt selbst wurde mit Anfang des Sommerfahrplans 2010 in Betrieb genommen.

Im Jahre 2012 nutzten fast 1,2 Millionen Fahrgäste die Züge der HSB. Mit 725.000 Fahrgästen war die Brockenbahn mit Abstand die am meisten genutzte Verbindung. Auf der Harzquerbahn im Bereich des Vorortverkehrs in Nordhausen waren 219.000 Fahrgäste unterwegs. Die Selketalbahn nutzten 107.000 Fahrgäste. Der Umsatz konnte auf rund zwölf Millionen Euro gesteigert werden.[2]

Zahlen & Fakten:
Fahrgäste ca. 1,2 Millionen jährlich
Streckenlänge gesamt 140,4 km
Harzquerbahn 61 km
Selketalbahn 60 km
Brockenbahn 19 km
Brücken und Durchlässe 400
Tunnel 1
Bahnhöfe 25
Haltepunkte 22
tiefstgel. Bahnhof Quedlinburg, 121 m ü. NN
höchstgel. Bahnhof Brocken, 1125 m ü. NN

Betriebsanlagen[Bearbeiten]

Die drei Lokeinsatzstellen der HSB mit Lokschuppen – in Wernigerode und Nordhausen Nord auch mit DrehscheibeBekohlungsanlagen und der Lokleitung befinden sich an den Bahnhöfen Nordhausen Nord (zuständig für Harzquerbahn), Wernigerode (für Harzquer- und Brockenbahn) und Gernrode (für die Selketalbahn). Dort werden die Dampfloks und Dieseltriebwagen nicht repariert, sondern nur gewartet, die Dampfloks angeheizt sowie entschlackt und von ebenda eingesetzt.

Die kompletten Untersuchungen und alle Instandsetzungsarbeiten (außer Hauptuntersuchungen) werden im HSB-Bahnbetriebswerk Wernigerode Westerntor durchgeführt. Für die Hauptuntersuchungen werden die Loks und Triebwagen hingegen in spezielle Ausbesserungswerke (z. B. Dampflokwerk Meiningen) überführt. Zudem bietet die HSB auch Führungen durch das Bw Wernigerode Westerntor an, welches trotz einiger moderner Technik nach wie vor eine typische Dampflokwerkstätte ist.

Wasserkräne zum Wasserfassen während der Fahrt befinden sich in allen wichtigen Bahnhöfen.

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten]

Lokomotiven und Triebwagen DR-Baureihe alte Bezeichnung ursprüngliche Anzahl heutige Anzahl betriebsfähig Einsatz- bzw. Abstellort Anmerkung Bild
Dampflokomotiven:
99 5901 bis 5903 99590 NWE 11 bis 22 12 3 2 Reserve für Sonderzüge
(Wernigerode)
Mallet-Lokomotiven Mallet Locomotive nr 11, Brocken summit October 1995.jpg
99 5906 99590 NWE 41II 7 davon eine nach 1.WK an die NWE 1 Ja Selketalbahn
(Gernrode)
Mallet-Lokomotive Brocken-Lok.jpg
99 6001 99600 NWE 21II 1 Prototyp 1 Ja Wernigerode Westerntor Einheitslok (Prototyp) DR Class 99 6001.jpg
99 6101 und 6102 99610 NWE 6 und 7 2 Versuchsloks, Nassdampf, Heißdampf 2 1 Reserve für Sonderzüge
(Nordhausen Nord)
99 6101 Bw Wernigerode 09.06.12 w.JPG
99 7222 9922 99 222 3 1 Ja Harzquer- und Brockenbahn
(Wernigerode)
Einheitslok,
Spitzname „Harzbulle“,
meist mit alter Nummer im Einsatz
Lok 99 222 im Bahnhof Wernigerode.jpg
99 7231 bis 7247 9923–24 99 231 bis 247 17 17 10 Harzquer- und Brockenbahn
(8 Wernigerode, 1 Nordhausen Nord)
Neubaudampfloks Deutsche Reichsbahn 99 7237.jpg
Dieseltriebwagen:
187 001 VT 133 522 GHE T 1 1 1 Ja Reserve für Sonderfahrten
(Wernigerode Westerntor)
187 001 Eisfelder Talmühle 21.04.12 (52).JPG
187 011 und 013 KAE VT 1 und 2 2 2 Ja Wernigerode Westerntor Spitzname „Fischstäbchen“ 187 013 Wernigerode Westerntor 08.06.12 (1).JPG
187 012 MEG T 15 1 1 Ja Harzquer- und Selketalbahn 187 012 Wernigerode Hochschule Harz 08.06.12.JPG
187 015 1 Prototyp 1 Ja Harzquer- und Selketalbahn Neubautriebwagen-Prototyp 187 015 Alexisbad 02.02.08 w2.JPG
187 016 bis 019 4 4 Ja Harzquer- und Selketalbahn Neubautriebwagen Dieseltriebwagen BR 187 016 im Bahnhof Quedlinburg.jpg
187 025 VT 137 566 NWE T 3 3 1 Nein Reserve für Sonderzüge
(Wernigerode Westerntor)
Schlepptriebwagen 187 025.JPG
187 201 bis 203 3 3 Ja Straßenbahn-Linie 10 im Raum Nordhausen Zweisystem-Stadtbahntriebwagen
Typ Combino duo der SWN
Swn203niedersachswerfen.jpg
Diesellokomotiven:
199 005 und 006 V 10 C 2 2 Nein (Nordhausen Nord) Dauerleihgabe an IG Harzer Schmalspurbahnen e. V.,
006 wartet auf Ausbesserung
199 006.jpg
199 010 bis 012 Kö II 3 3 1 Rangierdienst Bw Wernigerode Westerntor Umbau von Normalspur 199 011 Wernigerode Westerntor 09.06.12.JPG
199 301 V 30 C 1 Prototyp
(20 exportiert)
1 Nein (Lokschuppen Ilfeld) Meterspur-Prototyp für Indonesische Staatsbahn 199 301 - Bahnhof Nordhausen Nord.jpg
199 861 ... 892 V 100 10 6 3 auf allen Strecken vor Güterzügen, Arbeitszügen, dem Hilfszug und im Rangier- und Schneeräumdienst
(1 Wernigerode, 2 Nordhausen Nord)
Umbau von Normalspur,
Spitzname „Harzkamel“ oder auch "Kanne"
199 877 Nordhausen-Nord 28.04.12.JPG
Normalspur-Dampflokomotiven:
95 1027 950 95 027 45 Ja Rübelandbahn (Blankenburg (Harz)) bei der HSB eingestellt, Einsatz auf der normalspurigen Rübelandbahn 95 027 Bw Berlin-Schöneweide 12.09.10.JPG
Gasttriebwagen T 42 des DEV und T 102 der IHS zum Jubiläum 2012 in Wernigerode

Der Wagenpark der HSB besteht aus rekonstruierten Wagen, Neubauwagen und historisch aufgearbeiteten Wagen. Zudem besitzt die HSB zwei Speisewagen, welche manchen Zügen der Relation (Wernigerode –) Drei Annen Hohne – Brocken und dem Zugpaar Nordhausen Nord – Drei Annen Hohne – Brocken eingestellt werden. In den Speisewagen werden harztypische Speisen und Getränke serviert.

Es existieren Rollwagen für den Arbeitszugdienst und neu beschaffte Rollböcke für die Güterzüge zum Hartsteinwerk Unterberg.

Die HSB sind derzeit die einzige nicht-bundeseigene sowie die einzige schmalspurige Bahn, die einen eigenen Hilfszug besitzt.

Philatelistische Würdigung[Bearbeiten]

Anlässlich des 125. Jahrestages der Eröffnung der ersten Schmalspurbahn im Harz – der Selketalbahn im Jahr 1887 – gab die Deutsche Post AG eine Sondermarke im Wert von 45 Eurocent heraus. Ausgabetag war der 9. Februar 2012. Der Entwurf der Marke stammt vom Kommunikationsdesigner Horst F. Neumann und der Industriedesignerin Gerda M. Neumann aus Wuppertal.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Matthias Bethke, Wolfgang Finke, Hans Schweers: Die Fahrzeuge der Harzer Schmalspurbahnen. Schweers und Wall, Aachen 2003, ISBN 3-89494-120-0.
  •  Dirk Endisch: Von der GHE zur HSB – Tradition und Innovation auf Meterspurgleisen im Harz. Band 2: Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH. Dirk Endisch, Stendal 2011, ISBN 978-3-936893-70-0.
  •  Klaus-Jürgen Kühne: Alles über Schmalspurbahnen im Harz. Transpress, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-71344-4.
  •  Gerhard Zieglgänsberger, Hans Röper: Die Harzer Schmalspurbahnen. Transpress, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-71103-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Harzer Schmalspurbahnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Unternehmensportrait der Harzer Schmalspurbahnen
  2. a b Pressemeldung der HSB vom 15. März 2013, Abruf am 26. März 2013
  3. Meldung der Goslarschen Zeitung vom 29. April 2009

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