Harzgerode

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Harzgerode
Harzgerode
Deutschlandkarte, Position der Stadt Harzgerode hervorgehoben
51.64055555555611.139166666667395Koordinaten: 51° 38′ N, 11° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Harz
Höhe: 395 m ü. NHN
Fläche: 164,57 km²
Einwohner: 8419 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06493
Vorwahlen: 039484, 039488 (Güntersberge, Siptenfelde), 039489 (Straßberg)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HZ, HBS, QLB, WR
Gemeindeschlüssel: 15 0 85 145
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
06493 Harzgerode
Webpräsenz: www.harzgerode.de
Bürgermeister: Jürgen Bentzius (SPD)
Lage der Stadt Harzgerode im Landkreis Harz
Quedlinburg Ballenstedt Ballenstedt Blankenburg (Harz) Ditfurt Falkenstein/Harz Quedlinburg Groß Quenstedt Halberstadt Harsleben Harzgerode Hedersleben Huy Ilsenburg (Harz) Nordharz Oberharz am Brocken Osterwieck Quedlinburg Schwanebeck Selke-Aue Thale Wegeleben WernigerodeKarte
Über dieses Bild

Harzgerode ist eine Stadt im Landkreis Harz im Land Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Harzgerode[2]

Die durchschnittliche Lufttemperatur in Harzgerode beträgt 6,9 °C.

Der Jahresniederschlag beträgt 553 mm. Der Niederschlag liegt im unteren Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. Nur 22 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Oktober; am meisten regnet es im Juni. Im niederschlagreichsten Monat fällt ca. 1,6-mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im unteren Drittel. In nur 1 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Geschichte[Bearbeiten]

Rathaus
Zerfallene Silberhütte im Ortsteil Silberhütte

Harzgerode[Bearbeiten]

Harzgerode wurde 994 erstmals erwähnt. Harzgerode ist der größte Ortsteil und entstand im Zusammenhang mit dem Benediktinerkloster Hagenrode im Selketal, dem 993 von König Otto III. das Markt-, Münz- und Zollrecht verliehen wurde. Im folgenden Jahr wird der Ort als Hazacanroth erwähnt. Das Münzrecht ging bereits im 11. Jahrhundert verloren. Die Stadtrechte wurden 1338 erneuert.

Durch seine geschützte Lage gab es wenige kriegerische Auseinandersetzungen, dafür wurde die Stadt immer wieder durch Feuer verwüstet. Vor 1503 kam es zu einer großen Feuersbrunst. 1635 (am Johannistag) verbrannten bis auf sieben Häuser alle Gebäude der Stadt. Am 30. Juni 1722 wurden 42 Häuser ein Raub der Flammen. Am 23. Oktober 1817 verbrannten 52 Häuser.

Mit der erneuten Übernahme der Landesherrschaft 1535 durch Anhalt, das Gebiet war an die Stolberger Grafen verpfändet, wurde die Stadt Verwaltungszentrum des Doppelamtes Harzgerode/Güntersberge. Von 1635 bis 1709 war die Stadt Residenz des Fürstentums Anhalt-Bernburg-Harzgerode. Sitz des Fürsten war das Mitte des 16. Jh. erbaute Harzgeröder Schloss. Bergbau auf silberhaltigen Bleiglanz (Galenit) erfolgte in der Grube Albertine.

Im Jahr 2011 begannen Schüler der Sekundarschule von Harzgerode mit der Restaurierung des ehemaligen jüdischen Friedhofes im Ort. Mit einem Gedenkstein sollte der jahrelangen jüdischen Geschichte gedacht werden.[3]

Ortsteile[Bearbeiten]

Siedlungsgeschichtlich reicht das Alter der meisten Ortsteile mehr als 1000 Jahre zurück, so Siptenfelde bereits im Jahre 936. Jüngster Ortsteil ist Alexisbad, vor 200 Jahren von Herzog Alexius als Kurbad gegründet. Architektur und Ortsplanung gehen auf den Architekten Karl Friedrich Schinkel zurück. Bekanntester Kurgast war 1820 Carl Maria von Weber.

Güntersberge und Harzgerode besaßen Stadtrecht. Die meisten der Ortsteile gehörten während der überwiegenden Zeit zum Herzogtum Anhalt, Straßberg jedoch zur Grafschaft Stolberg-Stolberg. In Harzgerode, Silberhütte, Mägdesprung, Straßberg und Neudorf wurde über Jahrhunderte Bergbau betrieben, waren Hüttenwerke ansässig. Heute noch liegen im Gebiet der Stadt viele Schächte. Erlebt werden kann die Bergbaugeschichte heute noch in der Grube Glasebach im Ortsteil Straßberg. Das bergbauliche Wasserwirtschaftssystem des mittleren Unterharzes, das Unterharzer Teich- und Grabensystem, liegt vollständig im heutigen Stadtgebiet von Harzgerode auf den Gemarkungen Straßberg und Neudorf. Die Spuren der Bergbaugeschichte sind über drei Bergbaulehrpfade zu erkunden. Sowohl Teile des Teich- und Grabensystems als auch die Standorte der meisten Gruben und der bergbaulichen Folgeindustrie sind heute durch Bergbautannen gekennzeichnet.

Aber auch das Schloss in Harzgerode sowie die Burgruinen der Burg Anhalt (zwischen Harzgerode und Mägdesprung) und der Güntersburg (beim Ortsteil Güntersberge) zeugen vom Ursprung der Region mit einer wechselvollen Geschichte.

Am 1. August 2009 schlossen sich die Städte Güntersberge (mit den damaligen Ortsteilen Friedrichshöhe und Bärenrode), Harzgerode (mit den damaligen Ortsteilen Alexisbad, Mägdesprung und Silberhütte) sowie die Gemeinden Dankerode, Königerode, Schielo, Siptenfelde und Straßberg zur neuen Stadt Harzgerode zusammen.[4] Am 1. September 2010 wurde Neudorf eingemeindet.[5]

Politik[Bearbeiten]

Stadtratswahl 2009
Wahlbeteiligung: 57,2 %
 %
50
40
30
20
10
0
47,5 %
28,4 %
12,4 %
9,0 %

Stadtrat[Bearbeiten]

Dem Stadtrat gehören 21 Mitglieder und zusätzlich der Bürgermeister Jürgen Bentzius (SPD) an.

Zusammensetzung:[6]

  • Wählergruppen: 10 Sitze *
  • CDU: 6 Sitze
  • SPD: 2 Sitze **
  • Die Linke: 2 Sitze **
  • fraktionslos (Ergänzungswahl für den Ortsteil Neudorf, aufgrund der gesetzlichen Zuordnung): 1 Sitz

(laut amtlichem Endergebnis der Wahl zum Stadtrat Harzgerode am 8. Nov. 2009)

* Die Wählergruppen bilden zwei Fraktionen: BVU, FWG Dankerode, EB (6 Sitze) und UWG Schielo, Siptenfelde, Straßberg (4 Sitze).

** SPD und Linke bilden eine gemeinsame Fraktion.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 19. November 2010 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Silber ein grüner Berg belegt mit silbernem Schlägel und Eisen, darauf wachsend vorn eine grüne Tanne und hinten eine grüne Linde, mittig ein offenes schwarz gefugtes rotes Stadttor mit links und rechts angesetzter Stadtmauer und Zinnenturm mit Fensteröffnung und golden beknauftem blauem Spitzdach.“

Die Farben der Stadt Harzgerode sind Weiß-Rot.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge ist weiß-rot (1:1) gestreift (Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Stadtwappen belegt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • Ortsteil Harzgerode mit Leval, (Frankreich) seit 1999
  • Ortsteil Güntersberge mit Bockenem (Niedersachsen)
  • Ortsteil Straßberg mit Straßberg (Vogtl.)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schlosshof
Rathaus und ev. St.-Marien-Kirche
Katholische Kirche St. Johannes Baptist

Museen[Bearbeiten]

  • Schloß-Museum, Schloßberg
  • Technisches Museum Carlswerk / Maschinenfabrik Mägedesprung[7]
  • Bergwerksmuseum „Grube Glasebach“ im Ortsteil Straßberg

Kirchen[Bearbeiten]

  • Evangelische St.-Marien-Kirche (OT Harzgerode, Am Marktplatz)
  • Evangelische Kirche St. Petrus und Paulus (OT Neudorf, Hauptstraße)
  • Evangelische Petruskapelle Alexisbad (1815 nach Plänen von K. F. Schinkel als Teehäuschen erbaut).
  • Katholische Kirche St. Johannes Baptist (OT Harzgerode, Alexisbader Straße 6) von 1953 (gehört zur Pfarrei St. Elisabeth Ballenstedt)

Profanbauten[Bearbeiten]

  • historischer Stadtkern im Ortsteil Harzgerode
  • Fachwerk-Rathaus[8]
  • Waldhof, Rest einer früheren Metallhütte[9]
  • in der Nähe des Stadtteils Mägdesprung befinden sich die Burg Heinrichsberg sowie die Ruine der Burg Anhalt, die dem ganzen Land den Namen verlieh

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

  • Burgruine Anhalt (Stammburg des Hauses Anhalt, im Selketal)
  • Burgruine Güntersburg
  • Gedenkstein von 1964 auf dem ehemaligen Jüdischen Friedhof zur Erinnerung an die jüdischen Opfer der Shoa
  • Grabstätte auf dem Ortsfriedhof für den sozialdemokratischen Widerstandskämpfer August Wolf, der im örtlichen Gefängnis 1945 ermordet wurde. Sowohl eine für ihn errichtete Gedenkstätte als auch sein Gedenkstein wurden nach 1990 beseitigt.
  • Gräberfelder für die im April 1945 gefallenen deutschen Soldaten auf dem Friedhof Harzgerode

Kultur und Vereine[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Schanzenanlage Harzgerode

Der Wintersportverein (WSV Harzgerode) ist der größte Verein der Stadt und unterteilt sich in mehrere Abteilungen. Er unterhält auch eine Schanzenanlage. Der traditionsreiche Sprungschanzenkomplex wird derzeit modernisiert. Es können bereits wieder zwei Mattenschanzen (K 5 und K 16) sowie eine Winterschanze (K 12) genutzt werden. Die K-16-Schanze wurde am 26. April 2008 im Rahmen eines Weihesprunglaufes eingeweiht und nach dem Harzgeröder Sportlehrer und Skisprung-Trainer Ernst Bremmel benannt.

Klippenlauf[Bearbeiten]

In jedem Jahr findet am ersten Sonntag im Juni der traditionsreiche Harzgeröder Klippenlauf statt. Neben dem 15-km-Hauptlauf stehen noch eine 5-km-Strecke und eine 2,5-km-Strecke zur Wahl. Auch ein Schnupperlauf (1 km) für junge LäuferInnen sowie eine Wander-/Nordic-Walking-Route werden angeboten. Anspruchsvolle Strecken, eine gute Organisation und ein buntes Rahmenprogramm lassen die Teilnehmerzahlen stetig wachsen und locken Läufer/-innen aus ganz Deutschland in die Kleinstadt im Unterharz.

Kultur- und Heimatbund (OT Harzgerode)[Bearbeiten]

Dieser 1990 gegründete Verein organisiert in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturausschuss der Stadt jährlich mehrere Ausstellungen im Schloss mit Podiumsdiskussionen.[10]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bahnhof Herzgerode an der Selketalbahn

Die Stadt hat sich zu einem wichtigen Industrie- und Gewerbestandort entwickelt. Neben Unternehmen mit internationaler Bedeutung wie der Trimet Aluminium AG (Zulieferer der Autoindustrie, Herstellung von Druckgußteilen), der Pyrotechnik Silberhütte, einem Betrieb der Rheinmetall AG, und der Swisspor haben sich viele kleinere Unternehmen und Gewerbebetriebe hauptsächlich im Industriegebiet Harzgerode Ost und im Gewerbegebiet Augustenhöhe, aber auch in den Ortsteilen Dankerode, Neudorf, Königerode, Straßberg und Güntersberge angesiedelt.

In den Industrie- und Gewerbegebieten in Harzgerode dominieren Betriebe des traditionellen Metallsektors mit dem Gießereiwesen. Ein überregionales Netzwerk wird dabei durch das Creativitäts-und-Competenz-Centrum Harzgerode (CCC), ein Technologie- und Gründerzentrum des Landes Sachsen-Anhalt, verwirklicht. Betreiber des CCC ist die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Innovation mbH. Herzstück ist eine automatisierte Druckgusszelle sowie hochwertige Laboreinrichtungen für die Analyse und Bewertung von Bauteilen, Formen und Werkstoffen.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt ist über die Bundesstraßen 242 und 185, per Eisenbahn mit der Selketalbahn sowie mit mehreren Buslinien der Harzer Verkehrsbetriebe zu erreichen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gedenkstein des jüdischen Friedhofes in Harzgerode

Weitere Personen, die mit Harzgerode in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Harzgerode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961–1990
  3. Schulklasse pflegt jüdischen Friedhof, Mitteldeutsche Zeitung vom 7. Juli 2011
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 2. Liste
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  6. http://www.harzgerode.de/politik/mitglieder.php?gremium=4931
  7. Kurzinfo zur eh. Fabrik Carlswerk
  8. Ausführliche Darstellung zur Geschichte des Harzgeröder Rathauses
  9. Kurzinforamtion zum Waldhof
  10. MZ-Web.de: Findet die 200-Jahr-Feier zwischen Ruinen statt?; abgerufen am 18. Mai 2010