Hasan al-ʿAskarī

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Hasan ibn ʿAlī al-ʿAskarī (arabisch ‏ حسن بن علي العسكري‎, DMG Ḥasan ibn ʿAlī al-ʿAskarī; * 6. Dezember 846 in Medina; † 27. Januar 874) in Samarra, war ein Nachfahre des Propheten Mohammed, der von den Zwölferschiiten und den Alawiten als der elfte Imam verehrt wird. Er war der Sohn von ʿAlī al-Hādī an-Naqī und seiner Sklavin ʿAsafān, die Hasan später in Hudaith umbenannte.[1]

Leben[Bearbeiten]

Nachdem der Abbasidenkalif Al-Mutawakkil 'alā 'llāh den ʿAlī al-Hādī an-Naqī um 848 nach Samarra beordert und ihn dort unter Hausarrest hatte stellen lassen, verbrachte auch sein Sohn Hasan al-Askari fast sein gesamtes Leben unter Arrest in seinem Haus in Samarra. Während seiner Gefangenschaft wurden ihm nur einige wenige Besuche in Bagdad gewährt, die allerdings immer unter Bewachung stattfanden. Er heiratete eine byzantinische Sklavin namens Nargis Chatun.

Trotz seiner Gefangenschaft war er sehr belesen und war imstande, andere über den Islam zu belehren. Er verfasste zudem auch einige Kommentare, die von späteren Gelehrten genutzt wurden. Einige von Hasans Anhängern schrieben ihm prophetische oder sogar göttliche Qualitäten zu. Hierzu gehörten insbesondere die Anhänger von Muhammad ibn Nusair an-Namīrī, die zu jener Zeit als Namīrīya bekannt waren, später aber als Nusairīya bezeichnet wurden.[2]

Tod und Nachfolgestreit[Bearbeiten]

Hasan al-ʿAskarī starb am 27. Januar 874, im jungen Alter von 28 Jahren.[3] Seinem Begräbnis wohnten eine große Zahl von Menschen bei, darunter auch der Kalif al-Mutamid. Das Totengebet sprach nach an-Naubachtī Abū ʿĪsā, der Sohn des Kalifen al-Mutawakkil.[4] Da Hasan keinen "offenkundigen Sohn" (walad ẓāhir) hinterließ, wurde sein Erbe zwischen seinem Bruder Dschaʿfar und seiner Mutter aufgeteilt.[5]

Die Anhängerschaft Hasans spaltete sich nach seinem Tod in zahlreiche Gruppen auf, die von den imamitischen Gelehrten al-Qummī und an-Naubachtī, die Anfang des 10. Jahrhunderts doxographische Werke verfassten, genauer beschrieben werden. Während al-Qummī in seinem "Buch der Lehren und Sekten" (Kitāb al-Maqālāt wa-l-firaq) insgesamt 15 Gruppen nennt,[6] zählt an-Naubachtī 13 Gruppen.[7] Die von an-Naubachtī genannten Gruppen sind die folgenden:

  • 1. Gruppe: sie nahm an, dass Hasan nur entrückt sei und als Mahdi zurückkehren werde.
  • 2. Gruppe: sie lehrte, dass er gestorben sei, aber wieder zum Leben erweckt werde.
  • 3. Gruppe: sie meinte, dass Hasan vor seinem Tod seinen Bruder Dschaʿfar als Nachfolger designiert habe.
  • 4. Gruppe: sie behauptete, dass Hasan nie Imam gewesen sei, sondern sein Vater ʿAlī das Imamat von Anfang an auf seinen Bruder Dschaʿfar übertragen habe.
  • 5. Gruppe: sie schloss sich denjenigen an, die meinten, dass nach dem Tod von Hasans Vater ʿAlī das Imamat auf dessen Sohn Muhammad, einen Bruder Hasans, übergegangen sei.
  • 6. Gruppe: sie lehrte, dass Hasan doch einen Sohn hinterlassen habe, den er Muhammad genannt und zum Nachfolger bestimmt, allerdings aus Furcht vor seinem Bruder Dschaʿfar verborgen hatte.
  • 7. Gruppe und 8. Gruppe: sie lehrten, dass erst nach Hasans Tod ein Sohn von ihm geboren wurde und er verfügt hatte, dass er Muhammad heißen solle. Dieser Sohn sei aber entrückt und unsichtbar.
  • 9. Gruppe: sie meinte, dass Hasan kinderlos gestorben sei und das Imamat mit ihm geendet habe, Gott aber irgendwann einen Qā'im aus der Nachkommenschaft Muhammads senden werde.
  • 10. Gruppe: sie meinte wie die 4. Gruppe, dass Hasans Bruder Dschaʿfar der Imam sei, vertrat jedoch die Auffassung, dass er dieses nicht von seinem Vater erhalten habe, sondern dieser zunächst seinen Sohn Muhammad designiert habe, nach dessen Tod das Imamat aber über einen Mittelsmann, den Sklaven an-Nafīs, an Dschaʿfar übergegangen sei. Die Gruppe wurde Nafīsīya genannt.
  • 11. Gruppe: sie nahm Hasans Tod an, war davon überzeugt, dass es einen Imam geben müsse, enthielt sich jedoch aufgrund der allgemeinen Unsicherheit jeglicher Meinung.
  • 12. Gruppe: sie lehrte, dass es einen Imam aus der Nachkommenschaft Hasan al-ʿAskarīs gebe, hielt es jedoch für unzulässig, Aussagen über dessen Namen und Identität zu machen, nach seinem Aufenthaltsort zu fragen oder Nachforschungen über ihn anzustellen. Diese Gruppe bezeichnet an-Naubachtī als Imāmīya.
  • 13. Gruppe: sie nahm wie die 3. Gruppe an, dass das Imamat nach Hasans Tod auf seinen Bruder Dschaʿfar übergegangen sei, lehrte jedoch nicht, dass es eine Designation gegeben habe.

Es war eine Lehre ähnlich derjenigen der sechsten Gruppe, die sich schließlich in der Zwölfer-Schia durchsetzte. Nach der Überzeugung der Zwölfer-Schiiten hinterließ Hasan einen Sohn, der zum Zeitpunkt seines Todes gerade erst fünf Jahre alt war. Der zwölfer-schiitische Glaube sieht Muhammad al-Mahdi als den Mahdi, der am Ende der Zeit wieder erscheinen soll, um die Welt mit Frieden und Gerechtigkeit zu erfüllen.[8] Zwölferschiitische Quellen erzählen, dass, als sich Hasans Bruder Dschafar auf das Begräbnisgebet vorbereitete, Hasans Sohn an ihn herantrat und seinem Onkel bat, beiseite zu treten, da nur ein Imam das Begräbnisgebet eines Imams führen könne. Dschafar trat beiseite, und das Gebet wurde vom fünfjährigen Sohn des Verstorbenen geführt.

Sein Grab[Bearbeiten]

Al-Askari-Schrein (vor 2006)

Hasan al-ʿAskarī wurde in seinem Haus in dem Raum begraben, in dem auch sein Vater begraben worden war. Über seinem Grab wurde später ein Mausoleum errichtet. Dieser Al-Askari-Schrein Schrein wird von den Zwölfer-Schiiten als heilig betrachtet. Durch einen terroristischen Anschlag am 22. Februar 2006 wurde der Schrein der beiden Imame stark beschädigt, woraufhin es im gesamten Irak zu schiitisch-sunnitischen Auseinandersetzungen kam.

Literatur[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Vgl. an-Naubachtī S. 79, Z. 15.
  2. Vgl. Naubachtī 78 und Halm.
  3. Vgl. an-Naubachtī 79.
  4. Vgl. Naubachtī 79.
  5. Vgl. an-Naubachtī 79.
  6. Saʿd ibn ʿAbdallāh al-Ašʿarī al-Qummī: Kitāb al-Maqālāt wa-l-firaq. Ed. Muḥammad Ǧawād Maškūr. Maṭbaʿat-i Ḥaidarī, Teheran, 1963. S. 102-116.
  7. Vgl. an-Naubachtī 79-94.
  8. Vgl. Heinz Halm: Die Schia. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1988. S. 41.