Hasankeyf
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Hasankeyf | ||||
|
||||
| Basisdaten | ||||
|---|---|---|---|---|
| Provinz (il): | Batman | |||
| Koordinaten: | 37° 43′ N, 41° 25′ O37.71410833333341.413166666667Koordinaten: 37° 42′ 51″ N, 41° 24′ 47″ O | |||
| Telefonvorwahl: | (+90) 488 | |||
| Postleitzahl: | 72 xxx | |||
| Kfz-Kennzeichen: | 72 | |||
| Struktur und Verwaltung (Stand: 2009) | ||||
| Bürgermeister: | Abdülvahap Kusen (AKP) | |||
| Kaymakam: | Osman Varol | |||
| Webpräsenz (Kaymakam): | ||||
Hasankeyf (kurdisch: Heskîf, aramäisch: Hesna/Hesno Hsenkep Hesno d-kepo: Festung des Steines) ist eine antike Stadtfestung am Tigris und ein heutiger Landkreis in der türkischen Provinz Batman.
Der türkische Name Hasankeyf bedeutet wörtlich Hasans Freude, was eine Verballhornung des arabischen Namen Hisn Keyfa ist. Hisn Keyfa bedeutet Felsenfestung oder Felsenburg. Die Römer nannten die Stadt Kipas, Cepha oder Ciphas. Das könnte von dem aramäischen Wort Kifa für Fels abzuleiten sein.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Gründung bis zum 12. Jahrhundert
Die Geschichte von Hasankeyf wird erst in den ersten Jahrhunderten nach christlicher Zeitrechnung greifbar. Dieser Ort lag in der Region, die sowohl Byzanz als auch die Sassaniden beanspruchten. Daher wechselten die Machthaber oft. Mitte des 4. Jahrhunderts baute Byzanz hier eine Festung und konnte die Sassaniden fern halten. 638, im Laufe der islamischen Expansion, eroberten die Araber diesen Ort. Seit diesem Zeitpunkt lebten die Christen dieser Gegend unter islamischer Oberhoheit, zuerst unter den Umayyaden, dann unter den Abbasiden. Die Hamdaniden herrschten hier von 906–990 und nach ihnen die kurdischen Marwaniden von 990–1096. Hasankeyf besaß bis dahin keine besondere strategische Bedeutung für die Moslems.
Ab 1101 wurde Hasankeyf unter den Artukiden zum Zentrum ausgebaut. Die Artukiden stammen von Artuk, einem General des Seldschukenherrschers Malik Schah I., ab. Sie herrschten bis 1232 und waren aktive politische Akteure und bauten die Stadt aus. Sie bauten eine Medrese, Wasserkanäle, die zur Burg hin hochreichten, und eine Brücke über den Tigris.
[Bearbeiten] Historie ab dem 13. Jahrhundert
1232 fiel die Stadt an die Ayyubiden. 1260 wurde die Stadt von den Mongolen überrannt. Allerdings verschonte Chülegü Hasankeyf, als er hörte, dass dessen Herrscher ein Ayyubide sei. 1301 überfiel Chülegüs Sohn Ghazan die Stadt. Nach der Zerstörung bauten die Ayyubiden die Stadt wieder auf. Viele der Bauwerke stammen aus dieser Zeit. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts stagnierte die Entwicklung. Von 1461 bis 1482 regierten die Akkoyunlar. Die Ayyubiden gewannen Hasankeyf zwar wieder, gerieten dann aber unter den Druck der Safawiden. 1515 gewannen die Osmanen dieses Gebiet und überließen den Ayyubiden die Verwaltung der Stadt. Dies war eine Strategie des Sultans, um die kurdischen lokalen Herrscher gegen die Safawiden zu gewinnen. Allerdings endete die Herrschaft der Ayyubiden 1524. Die Osmanen schlugen Hasankeyf der Provinz Diyarbakir zu.
Im 16. Jahrhundert soll die Stadt an die 10.000 Einwohner gehabt haben, davon 60% Christen. Damals war das zu Hasankeyf gehörende Gebiet allerdings größer und umfasste ganz Batman, Siirt und Teile von Mardin. Mit der Zeit verlor Hasankeyf immer mehr an Größe und Bedeutung, behielt bei den Kurden jedoch den Status einer Kultstätte bzw. eines nationalen Erbes. Während des Genozids an den Armeniern 1915–1917 war Hasankeyf ein wichtiger Vernichtungsort, da sich Deportationsrouten dort kreuzten.
Die Bevölkerungszahl sank in den letzten 20 bis 30 Jahren dramatisch.
[Bearbeiten] Das umstrittene Staudamm-Projekt
Im Zuge des Südostanatolien-Projekts, das die Schaffung vieler Staudämme – wie auch des Ilısu-Staudamms – im Süd-Osten der Türkei zum Ziel hat, plant der türkische Staat, Hasankeyf unter Wasser zu setzen. Dagegen regt sich bis heute nationaler, meist kurdischer, und internationaler Protest. Ungeachtet dessen hat die Türkei Anfang August 2006 mit dem Bau des Staudamms begonnen. Am 15. Dezember 2006 gewährte der Schweizer Bundesrat den Firmen Alstom, Colenco, Maggia und Stucky Exportrisikogarantien in Höhe von 225 Millionen Franken für das Ilisu-Staudammprojekt. Von den etwa hundert angeführten Auflagen sollten mindestens 25 „zufriedenstellend“ erfüllt werden.
Am 26. März 2007 genehmigten auch das deutsche[1][2] und das österreichische[3] Regierungskabinett Kreditgarantien für am Bauprojekt beteiligte einheimische Unternehmen, da die vorgegebenen Kriterien erfüllt seien. Teile der antiken Stadt sollen versetzt und in einem Kulturpark wieder aufgebaut werden. Kritiker vermelden aber, dass nur ein kleiner Teil der antiken Schätze bewahrt werden wird.
Die Schweiz stoppt die Exportrisikogarantie, genau wie Deutschland und Österreich, nachdem trotz erheblicher Verbesserungen des Projekts Auflagen für den Umwelt- und Kulturgüterschutz nicht zufriedenstellend erfüllt worden waren[4].
[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten
- Die 1116 vom Artukiden Fahrettin Karaaslan erbaute Brücke, heute eine Ruine. Teile der alten Brücke bestanden aus Holz, das man entfernte, wenn Feinde die Stadt bedrohten.
- Der artukidische Palast
- Die ayyubidische Ulu Camii
- Der kleine Palast der Ayyubiden
- Felsenwohnungen
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ „Land unter für deutschen Export“, die tageszeitung, 28. März 2007
- ↑ "Exportkreditgarantie für Ilisu-Staudamm", Bundeswirtschaftsministerium
- ↑ „Ilisu-Projekt. Republik Österreich erteilt Exportgarantie“, wienweb.at, 26. März 2007
- ↑ „Keine Garantien für umstrittenen Ilisu-Damm “, NZZ online, 7. Juli 2009
[Bearbeiten] Weblinks
- Staudamm bedroht Kulturschätze von Hasankeyf ARTE-TV-Beitrag (22-minütiges Video) von Michael Enger, Deutschland 2007
- „Lokaler Widerstand gegen den geplanten Ilisu-Staudamm“, NZZ, 17. Oktober 2006
- „Ilisu-Staudamm: Bundesrat bewilligt Exportrisikogarantie“, Basler Zeitung, 15. Dezember 2006
- „Grünes Licht für türkischen Staudamm - Proteste“, ORF, 27. März 2007, mit Audio-Datei, 1:27 Min.
- Beitrag des NDR zu ttt vom 5. Juli 2009: Rettet Hasankeyf – Künstler protestieren gegen Mega-Staudamm (mit Video)
- Fotos von Hasankeyf
- Fotos
- WEED: Der Ilisu-Staudamm im Südosten der Türkei

