Hassen Chalghoumi

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Hassen Chalghoumi (* 1972 in Tunis) ist ein französischer Imam tunesischer Herkunft, der die Moschee in Drancy leitet. Er gilt als bekanntester Iman Frankreichs und erlangte als muslimischer Befürworter eines Burka-Verbotes internationale Bekanntheit.[1][2][3]

Chalghoumi studierte in Tunesien an der Ez-Zitouna-Universität, später an Koranschulen in Syrien und Pakistan. Er kam Ende 1996 nach Frankreich, ist mit einer tunesischstämmigen Französin verheiratet und seit dem Jahr 2000 französischer Staatsbürger.[1] Chalghoumi gilt seit langem als Förderer eines interreligiösen Dialoges zwischen Christentum, Judentum und Islam. Zu diesem Zweck gründete er die „Conférence des Imams“[4] und arbeitet eng mit jüdischen Gemeindevorstehern zusammen. Vielfach rief er in seiner Moschee zu friedlichem Zusammenleben anstelle von religiösem Hass auf. Im Jahr 2006 nahm er unter anderem an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocaust im Sammellager Drancy teil und rief Muslime auf, das Andenken der jüdischen Deportierten zu respektieren.[5] Im Zuge der durch den Gaza-Krieg verursachten Spannungen riefen seine Versöhnungsversuche heftige Reaktionen radikaler Muslime hervor, Chalghoumi wurde als "jüdischer Imam" bezeichnet. Er erhielt Morddrohungen und wurde unter Polizeischutz gestellt.[6]

Nach dem Amoklauf in Toulouse, bei dem drei jüdische Schulkinder und ein Rabbiner getötet wurden, führte Chalghoumi einen Solidaritätsmarsch muslimischer Geistlicher gemeinsam mit dem französischen Hauptrabbiner an. In der Folge wurde Chalghoumi nach Israel eingeladen, wo er auch die Gedenkstätte Yad Vashem besuchte. Mit der Israelischen Botschaft in Paris organisiert er seitdem Studienreisen französischer Imame nach Israel und israelischer Imame nach Frankreich, um den kulturellen Austausch zu fördern.[7]

Chalghoumi setzte sich öffentlich für ein totales Verbot der Burka im öffentlichen Raum ein. Die Burka ist aus seiner Sicht ein Symbol der Ungleichheit und des Extremismus ohne Rechtfertigung durch den Islam.[3] An anderer Stelle bezeichnete er sie als „Gefängnis für Frauen, Werkzeug sexistischer Unterdrückung und islamistischer Indoktrinierung“.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b France's Model Muslim: 'Imam for Peace' Sows Discontent. Der Spiegel, 23. April 2010
  2. a b Paris imam backs proposed burqa ban. Reuters, 22. Januar 2010
  3. a b For a French Imam, Islam’s True Enemy Is Radicalism. The New York Times, 12. Februar 2010
  4. Walid Phares: The Coming Revolution: Struggle for Freedom in the Middle East. Simon and Schuster, 2010, S. 337.
  5. Imam Hassen Chalghoumi has spent his life preaching inter-faith harmony from his mosque in Paris’s poor and fractious northeastern suburbs. European Jewish Congress, 9. Februar 2010
  6. Death threats for French imam who preaches peace with Jewish neighbour. The Guardian, 16. Januar 2010
  7. French and Israeli Muslims partner in the name of religious tolerance. Times of Israel, 30. Mai 2013