Hatz (Jagd)

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Die, eine Sauhatz um 1500 darstellende, Skulptur im Berliner Tiergarten von Carl Begas, 1904. Der Jäger scheint allerdings zu wenig Hunde zu haben. Während der eine den Eber am Ohr gepackt hat, droht der zweite von letzterem mit dessen Hauern getötet zu werden.

Die Hatz war eine Form der Hetzjagd, bei der das Wild von Hatzhunden nicht nur gehetzt (verfolgt), sondern auch eingeholt und gepackt wurde.[1]

Abgrenzungen[Bearbeiten]

Das Substantiv Hetze dürfte sich in der Jägersprache auf den Vorgang des Hetzens bei den Formen der Hetzjagd beziehen. Nach Adelung ist Hetze die im Hochdeutschen üblichste Form des Wortes Hatz bzw. dessen Entsprechung.[2] Sofern Hetze und Hatz nicht synonym verstanden wurden[3], changierte Hetze vom Bedeutungsgehalt wohl nur geringfügig zwischen Hatz, Hetzen und Hetzjagd.[4] Gelegentlich wurde Hetze auch als Hetzjagd auf kleineres Wild, wie Hasen, verstanden, während Hatz für die Jagd auf großes Wild, wie Wildschweine, stünde.[5]

Die Hatz war im Gegensatz zur Parforcejagd keine Form der Ausdauer- oder Erschöpfungsjagd. Bei der Parforcejagd war es nicht erwünscht, dass sich das gehetzte Wild den Hunden bereits früh stellte. Die Parforcehunde (siehe Laufhund) jagten auf der Spur. Der Hauptaspekt lag im Grunde auf dem Ritt der Jagdgesellschaft. Zum Ende dieser Jagd blieb das gejagte Stück Wild, etwa ein Hirsch, regelmäßig aus Entkräftung stehen und wurde dann von dem Jagdherren oder einem anderen hochgestellten Mitglied der Jagdgesellschaft getötet.

Bei einer Hatz hetzten die Hunde das Wild auf Sicht. Das Ziel war in der Regel, das Wild durch die Hunde zu Fall bringen zu lassen, die es auch festhalten (decken) mussten, damit ein Jäger selbiges mit einer Stichwaffe töten konnte. Bei der Sauhatz hielt man es für ein besonderes Bravourstück, wenn man ein Wildschwein dazu brachte, einen Jäger direkt anzunehmen – also anzugreifen − und das in vollem Lauf heranstürmende Tier mit einem Saufänger oder einer Saufeder von vorne aufzuspießen.

Art und Weise[Bearbeiten]

Zur Hatz auf Bären wurden „staerckste hunde vor ihne zum anfallen, packen und halten“ gebraucht, von denen die „große Englische Docken, die Baehrenbeisser und starcke Pommerische Rüden“ sich am besten eigneten, meint Ridinger, um 1750.[6]

Zur Jagd auf Niederwild wurden leichte Hatzhunde verwendet; zur Jagd auf größeres Wild, traditionell besonders Schwarzwild und Bären, wurden schwere und leichte Hatzhunde gemischt verwendet. Die Verfolgung wurde dann von den leichten Hunden angeführt; das Decken im Wesentlichen von den schweren besorgt. Die Art des Wildes bestimmte Zahl und Verhältnis der verwendeten Hunde. Zu den schweren Hatzhunden zählen unter anderem Doggen, zu den leichten insbesondere Windhunde.

Zum Beginn der Jagd wurden zunächst Finder eingesetzt – weitere spezialisierte Hunde, die das Wild mit der Nase suchten und im Erfolgsfall durch Bellen die anderen Hunde heranholten. Finder waren auf eine Beute spezialisiert und hießen demgemäß Saufinder usw. Die Hatzhunde wurden bei der Hatz auf Schwarzwild teilweise mit dem Hatzband – einem besonders hohen, festen Halsband zum Schutz der Kehle – und mit Panzerjacken – aus Leinen und an der Unterseite mit Fischbein verstärkt – geschützt. Zum sogenannten Abfangen (Töten) setzte der Jäger schließlich Saufeder bzw. Bärenspieß ein, um die Hunde nicht zu gefährden. Wegen der Verletzungsgefahr für Mensch und Tier war an der fürstlichen Sau- und Bärenhatz meist auch ein Arzt beteiligt.

Mit den ursprünglich speziell zur Hatz verwendeten Hunden wurden vor allem in England – wo das Wildschwein bereits am Anfang des 17. Jahrhunderts ausgerottet worden war – auch Unterhaltungs- und Sportveranstaltungen durchgeführt. Bei diesem „Bären- und Bullenbeißen“ wurden Teile der Hatz imitiert und die dafür verwendeten Hunde wurden demgemäß als „Bulldogs“ bezeichnet; aus ihnen entstand später die Hunderasse Englische Bulldogge.

Aus der Hasenhetze mit Windhunden gingen das Coursing (engl. für Hatz) und das Windhundrennen auf einer Rennbahn hervor; dabei wird noch heute eine künstliche Beuteattrappe verwendet.

Rechtssituation in Deutschland[Bearbeiten]

Gemäß § 19Vorlage:§/Wartung/buzer Abs. 1 Nr. 13 Bundesjagdgesetz ist die Hetzjagd auf Wild verboten. Hackbarth/Lückert geben als (rechtliche) Definition für Hetzjagd an: jede Form der Jagd, bei der das gejagte Tier vom hetzenden Tier festgehalten wird, bevor es vom Jäger getötet wird.[7] Mithin wäre die Hatz eine gemäß § 19 Abs. 1 Nr. 13 BJagdG verbotene Hetzjagd.

Nach § 3Vorlage:§/Wartung/buzer S. 1 Nr. 8 Tierschutzgesetz ist das Hetzen eines Tieres auf ein anderes verboten. Ausgenommen von diesem Verbot sind Erfordernisse waidgerechter Jagdausübung, wie bei der Hetze.[8] Bei letzterer sind die Jagdzeiten der einzelnen Tierarten zu beachten und es dürfen nur Tiere gejagt werden, die in § 2 BJagdG aufgeführt sind. Außerdem dürfen nur solche Hunde eingesetzt werden, die entsprechend ausgebildet und geprüft wurden.[7]

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Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner, Knaurs Großes Jagdlexikon, Augsburg 2000, Stichwort: Hatz, S. 324, ISBN 3-8289-1579-5
  • Hansjoachim Hackbarth, Annekatrin Lückert: Tierschutzrecht: praxisorientierter Leitfaden. Hüthig Jehle Rehm, München 2002, ISBN 3-7825-0436-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hatz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Hatz ist eine Jagd, wobei das Wild durch Hunde eingeholt und gepackt wird.“ Stephan Behlen in: Real- und Verbal-Lexicon der Forst- und Jagdkunde mit ihren Hülfswissenschaften: T - Z, Band 6, Sauerländer, 1843, S. 208 (Digitalisat bei Google Books)
  2. Johann Christoph Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 999. Eintrag: Hatz bei Zeno.org
  3. wie etwa in Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 300, Eintrag: Hetze bei Zeno.org
  4. vgl. die Verwendung im Eintrag: Hetzen in: Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 347 bei Zeno.org - dort allerdings ohne 'Hatz'
  5. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 870, Eintrag: Hatz bei Zeno.org
  6. Aus dem Bilduntertext obiger Zeichnung Johann Elias Ridingers, veröffentlicht bei Museen in Thüringen
  7. a b  Hansjoachim Hackbarth, Annekatrin Lückert: Tierschutzrecht: praxisorientierter Leitfaden. Hüthig Jehle Rehm, München 2002, ISBN 3-7825-0436-4, S. 62 (online).
  8. Haseder, Stinglwagner S. 332