Haubenlanguren

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Haubenlanguren
Tonkin-Schwarzlangur (Trachypithecus francoisi)

Tonkin-Schwarzlangur (Trachypithecus francoisi)

Systematik
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
Tribus: Schlankaffen (Presbytini)
Gattung: Haubenlanguren
Wissenschaftlicher Name
Trachypithecus
Reichenbach, 1862

Die Haubenlanguren oder Lutungs (Trachypithecus) sind eine Primatengattung aus der Gruppe der Schlankaffen innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten. Die Gattung umfasst rund 17 Arten.

Verbreitung[Bearbeiten]

Haubenlanguren leben in ganz Südostasien (von Nordostindien und Südchina bis Borneo und Bali).

Beschreibung[Bearbeiten]

Haubenlanguren sind eher schlank gebaute Affen mit langem Schwanz. Die Fellfärbung variiert je nach Art von schwarz über grau bis orangegelb. Viele Arten haben Fellzeichnungen und eine hellere Unterseite, die Haare auf dem Kopf sind oft zu einer Art Haube aufgerichtet. Ihre Arme sind im Vergleich zu den Füßen sehr kurz und der Daumen ist verkleinert. Die Innenflächen der Hände und Füße sind unbehaart und ermöglichen so einen sicheren Griff im Geäst. Diese Tiere erreichen eine Kopfrumpflänge von 40 bis 80 cm und ein Gewicht von 5 bis 15 kg, wobei Männchen um einiges größer werden als Weibchen. Ein Überaugenwulst und andere Details im Bau des Schädels unterscheiden sie von den Mützenlanguren.

Lebensweise[Bearbeiten]

Haubenlanguren sind Waldbewohner, die sich vorwiegend in Regenwäldern, gelegentlich auch in tiefergelegenen Gebirgswäldern finden. Den größten Teil des Tages verbringen sie auf den Bäumen, wo sie sich vorwiegend auf allen vieren vorwärtsbewegen, darüber hinaus können sie gut springen. Sie sind tagaktiv mit den Schwerpunkten früher Morgen und Nachmittag.

Sie leben in Gruppen von 5 bis 20 Tieren, meistens in Haremsgruppen, das heißt dass sie sich aus einem Männchen und mehreren Weibchen zusammensetzen. Junge Männchen müssen bei Erreichen der Geschlechtsreife ihre Geburtsgruppe verlassen und schließen sich manchmal mit anderen zu reinen Männergruppen zusammen. Übernimmt ein neues Männchen einen Harem, nachdem es das alte besiegt und verscheucht hat, tötet es oft die Kinder der Gruppe. Diese Tiere sind territorial, mit lautem Geschrei und nötigenfalls auch mit Gewalt verteidigen sie ihr Territorium gegenüber anderen Gruppen. Sie kennen eine Reihe von Lauten, mit denen sie Gruppenmitglieder vor Fressfeinden warnen oder fremde Gruppen auf das eigene Territorium hinweisen. Auch die gegenseitige Fellpflege spielt eine wichtige Rolle.

Nahrung[Bearbeiten]

Haubenlanguren sind Pflanzenfresser, in erster Linie ernähren sie sich von Blättern, Früchte und Knospen komplettieren ihre Nahrung. Um die harten Blätter zu verdauen, haben sie einen mehrkammerigen Magen entwickelt.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Nach rund sechs- bis siebenmonatiger Tragzeit kommt ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge sind selten. Neugeborene haben meist ein goldgelbes Fell. Nicht nur die Mutter kümmert sich um den Nachwuchs, sondern auch die anderen Weibchen. Sie reichen das Junge herum, spielen mit ihm, tragen es und kuscheln mit ihm, während die Mutter auf Nahrungssuche ist. Stirbt die Mutter, adoptiert ein anderes Weibchen das Jungtier. Haubenlanguren werden im zweiten Lebenshalbjahr entwöhnt und erreichen die Geschlechtsreife mit 4 bis 5 Jahren. Die Lebenserwartung kann mit 20 Jahren nur geschätzt werden.

Bedrohung[Bearbeiten]

Die Rodung der Regenwälder stellt das Hauptproblem der Haubenlanguren. Da sie, anders als etwa der Hanuman-Langur, menschenscheu sind, vermeiden sie Dörfer und ziehen sich in ruhige Gebiete zurück, sofern vorhanden. Etliche Arten werden von der IUCN als gefährdet oder bedroht gelistet.

Systematik und Arten[Bearbeiten]

Goldlangur (T. geei)
Nilgiri-Langur (T. johnii)

Die Systematik der Haubenlanguren ist umstritten, und die Abgrenzung von Arten und Unterarten vielfach ungeklärt. Auch die Zugehörigkeit der Violettgesichtigen Languren (Untergattung Kasi) zu dieser Gattung ist nicht zweifelsfrei. Die folgende Liste mit 5 Gattungsgruppen folgt Wilson & Reeder (2005):

  • cristatus-Gruppe
    • Der Schwarze Haubenlangur (Trachypithecus auratus) ist durch ein dunkelbraunes Fell gekennzeichnet, es gibt auch eine orangegelbe Farbvariante. lebt auf Java und Bali.
    • Der Silberne Haubenlangur (T. cristatus) hat ein silbergraues Fell. Er ist im Süden der Malaiischen Halbinsel, Sumatra und Borneo verbreitet.
    • Der Indochinesische Langur (T. germaini) ist von Myanmar bis Vietnam verbreitet.
    • Der Tenasserim-Langur (T. barbei) lebt in der Region Tenasserim im südlichen Myanmar sowie im angrenzenden Thailand. Diese Art gehört möglicherweise zur obscurus-Gruppe.
  • obscurus-Gruppe
    • Der Südliche Brillenlangur (T. obscurus) besitzt ein schwarzes Fell mit weißen Streifen an Rücken und Gliedmaßen. Seinen Namen hat er von seinen weißen Flecken rund um die Augen. Er ist in Myanmar, Thailand und Westmalaysia beheimatet.
    • Der Phayre-Brillenlangur (T. phayrei) ähnelt dem Südlichen Brillenlangur, hat aber ein graubraunes Fell. Seine Heimat liegt in Nordostindien und Bangladesch.
  • pileatus-Gruppe
    • Der Kappenlangur (T. pileatus) zählt zu den größten Arten. Seine Oberseite ist dunkel, fast schwarz, während seine Unterseite rötlich-orange gefärbt ist. Er lebt in Nordostindien, Bangladesch und Nordwestmyanmar.
    • Der Shortridge-Langur (T. shortridgei) lebt in Nordmyanmar und Südwestchina.
    • Der Goldlangur (T. geei) lebt im westlichen Assam und in Bhutan. Er ist durch sein goldgelbes Fell charakterisiert.
  • francoisi-Gruppe
    • Der Tonkin-Schwarzlangur (T. francoisi) lebt in Südwestchina, Vietnam und Laos. Sein Fell ist hauptsächlich schwarz gefärbt, im Gesicht hat er einen weißen Backenbart.
    • Der Hatinh-Langur (T. hatinhensis) bewohnt ein kleines Gebiet in Vietnam und Laos.
    • Der Delacour-Schwarzlangur oder Panda-Langur (T. delacouri) lebt in Vietnam und gilt als vom Aussterben bedroht.
    • Der Indochinesische Schwarzlangur (T. ebenus) wurde erst in den 1990er-Jahren beschrieben.
    • Der Südliche Schwarzlangur (T. laotum) ist in Laos endemisch.
    • Der Hellköpfige Schwarzlangur (T. poliocephalus) kommt mit einer winzigen Populationsgröße in zwei Unterarten in getrennten Gebieten vor, dem Goldkopflangur auf der Insel Cat Ba, und dem Weißkopflangur im südlichen China.
  • vetulus-Gruppe (Violettgesichtige Languren – Untergattung Kasi)

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-540-43645-6.
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. 6th edition. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 1999, ISBN 0-8018-5789-9.
  • Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.

Weblinks[Bearbeiten]