Haupthalle (Buddhistischer Tempel Japan)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
„Daibutsuden“ des Tōdai-ji

Als Haupthalle (jap. 本堂, Hondō, oft auch: 金堂, Kondō, wörtlich: Goldene Halle) oder Buddhahalle, wird in buddhistischen Tempelanlagen Japans, das Gebäude bezeichnet, das die wichtigsten religiösen Objekte der Verehrung beherbergt. In den verschiedenen buddhistischen Schulen Japans wird diese Haupthalle unterschiedlich bezeichnet. Zum einen verweist der verwendete Name darauf, wann eine buddhistische Schule auftrat, zum anderen ist es auch ein Hinweis auf bauliche und nutzungsbedingte Eigenheiten des jeweiligen Gebäudestils. Häufig verwendete Bezeichnungen sind Kondō, Hondō, Butsuden, Butsudō oder auch Kompon Chūdō. War im japanischen Altertum die Ausrichtung der Haupthalle innerhalb der Tempelanlage noch einer strengen Symmetrie, wie man sie vom asiatischen Festland übernahm, unterworfen, so passte man sich spätestens mit dem Aufkommen des esoterischen Buddhismus auch topografischen Gegebenheiten an und löste sich von dieser strengen Regel.

Eine der eindrucksvollsten Haupthallen ist der Daibutsuden der Kegon-Schule am Tōdai-ji. Obwohl die Haupthalle mehrmals zerstört wurde, und der gegenwärtige kleinere Bau aus dem Jahr 1709 stammt, ist sie noch immer das größte Holzgebäude der Welt.

In der Haupthalle befindet sich das Honzon als Hauptgegenstand der Verehrung.

Der Kondō der Asuka-und Nara-Zeit[Bearbeiten]

Der Kondō des Hōryū-ji

Die Bezeichnung der Haupthalle als Kondō (金堂), übersetzt etwa „Goldene Halle“, ist bis in die Edo-Zeit zu finden. Im Kern jedoch ist der Name typisch für Tempelanlagen der Asuka- und Nara-Zeit. Der Name ist vermutlich in der vergoldeten Ausschmückung des Inneren begründet, sowie der Gestaltung der religiösen Objekte der Verehrung.

In der Frühzeit des Buddhismus in Japan orientierte sich die Haupthalle, wie alle anderen Gebäude einer Tempelanlage, noch streng an einer Nord-Süd-Achse. Während es bei den meisten Tempelanlagen nur eine Haupthalle gibt, haben die ältesten (noch existierenden) buddhistischen Tempel wie der Hōryū-ji und Asuka-dera mehrere. Im Falle des Asuka-dera waren es drei, was die Vermutung nahelegt, dass er am Anfang seiner Geschichte mehr als nur einer buddhistischen Schule als Tempel und Zentrum des Lernens diente. Nach seiner Verlegung bzw. Neugründung, in die neue Hauptstadt Nara, und Umbenennung als Gangō-ji besaß er zeitweise sogar sieben Haupthallen und mehrere Pagoden ().

Typischerweise besteht der Kondō aus einem zentralen Kern (母屋, Moya), der auch die wichtigsten Heiligtümer beherbergte, sowie einem inneren Wandelgang, Hisashi () und einem äußeren namens Mokoshi. Teils wegen seiner begrenzten Ausmaße, teils aus dogmatischen Gründen der jeweiligen buddhistischen Schule, war für Laien, zumindest während religiöser Zeremonien, so gut wie kein Platz im Inneren des Kondō vorgesehen. Zu einer Zeit, in der die Ausübung und Kenntnis des Buddhismus nur einer gelehrten und privilegierten Bevölkerungsschicht vorbehalten war, mag dies noch keine größeren Auswirkungen gehabt haben.

Der Hondō der Heian-Zeit[Bearbeiten]

Haupthalle des Chion-in

Der Hondō (本堂), übersetzt „Haupthalle“, ist eine Weiterentwicklung des Kondō, die im neunten Jahrhundert ihren Anfang nahm. Der Terminus ist eng mit dem Auftauchen des Tendai und Shingon verbunden und stellt somit auch eine Abgrenzung zu den „Sechs Nara-Schulen“, den Nanto roku-shū (南都六宗), dar. Diese sechs Schulen (Risshū, Jōjitsu-shū, Kusha-shū, Sanron-shū, Hossō-shū, Kegon-shū) stehen somit auch für die Assimilation und Etablierung des Buddhismus in Japan.

War der Buddhismus in der Nara-Zeit noch weitestgehend eine Angelegenheit des Adels, so wuchs in der Heian-Zeit seine Anhängerschaft in weiten Teilen Gesellschaft. Die Einführung neuer Lehrrichtungen, sowie die wachsende Zahl an Gläubigen, machten einen neuen, größeren Typus der Haupthalle, den Hondō, nötig. Nahmen die (Laien-) Gläubigen der Nara-Zeit noch meist außerhalb des Kondō an religiösen Zeremonien teil, so war ihnen mit dem Aufkommen des Hondō ein Teil des Gebäudeinneren, der Gejin, gewidmet.

Andere Tempel wir der Yama-dera benutzen auch den Namen Kompon-chūdō für diesen Gebäudetypus. Hierbei sei angemerkt, dass abweichende Namen für die Haupthalle durchaus nicht selten sind, da sie dann weniger den Gebäudetypus sondern eher die Signifikanz des Gebäudes für den Tempel oder jeweilige buddhistische Schule unterstreichen.

Butsuden der Kamakura-Zeit[Bearbeiten]

Der Butsuden des Myōshin-ji

Der Butsuden (仏殿) oder Butsudō (仏堂) bezeichnet meist die Haupthalle in den Schulen des Zen, der im Laufe der Kamakura-Zeit sein Weg nach Japan fand, und kann mit „Buddhahalle“ übersetzt werden. Schulen des Zen sind hierbei vor allem Sōtō oder Rinzai.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert E. Fisher: Buddhist Art and Architecture. Thames and Hudson, 1993, ISBN 0-500-20265-6
  • Kazuo Nishi, Kazuo Hozumi: What is Japanese Architecture. Kodansha International 1985, ISBN 0-87011-711-4
  • Alexander Soper and Alexander Coburn, The Evolution of Buddhist Architecture in Japan. Hacker 1979, ISBN 0-87817-196-7

Siehe auch[Bearbeiten]

Japanische Tempelarchitektur