Obodriten (Adel)

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Ursprüngliches Stammwappen
Späteres Stammwappen der Herzöge zu Mecklenburg, der «Mecklenburger Stierkopf»
Denkmal auf dem Burgwall der Mecklenburg
Mecklenburg 1815–1934

Die Obodriten (auch Haus Mecklenburg) sind die aus dem gleichnamigen Stammesverband hervorgegangene Dynastie, die insgesamt 787 Jahre – von 1131 bis 1918 – beinahe ununterbrochen über Mecklenburg herrschten. Sie gehörten mit dem Greifen-Geschlecht (der Dynastie der Herzöge von Pommern) und den Schlesischen Piasten zu den wenigen Fürsten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, die von slawischen Fürsten abstammten.

Stammvater des Geschlechts ist Niklot (um 1100–1160), Fürst der Abodriten, Kessiner und Zirzipanen, der 1160 im Kampf gegen Herzog Heinrich den Löwen fiel. Abstammung und Herkunft Niklots sind unbekannt. Sein Sohn Pribislaw musste sich nach der verlorenen Schlacht bei Verchen im Jahr 1164 Heinrich unterwerfen, wurde Christ und erhielt 1167 große Teile seines väterlichen Erbes von Heinrich als sächsisches Lehen zurück. Die Mecklenburg bei Wismar (auch Mikelburg, Mikelenburg oder Wiligrad genannt) wurde 1256 als Fürstensitz von Wismar abgelöst. Inzwischen waren jedoch weitere Fürstensitze im obodritischen Herrschaftsgebiet entstanden. Pribislaws Nachfahren wurden 1348 zu Herzögen ernannt, seither führen alle Mitglieder des Hauses den Titel Herzog zu Mecklenburg. Seit 1806 souverän, wurden sie 1815 in zwei Linien (Schwerin und Strelitz) zu Großherzögen erhoben und als solche 1871 zu regierenden Bundesfürsten des Deutschen Reichs, bis zur Novemberrevolution von 1918.

Teilherrschaften[Bearbeiten]

Die mecklenburgische Landesgeschichte ist gekennzeichnet durch wiederholte dynastische Landesteilungen, wobei die einzelnen Teillande bis 1918 stets nur beschränkt autonome Glieder des mecklenburgischen Gesamtstaates blieben:

1229 Erste Hauptlandesteilung in vier Teilherrschaften:

  • Mecklenburg
  • Parchim (bis 1316)
  • Werle (bis 1436)
    • ab 1282 Werle-Güstrow und Werle-Parchim
    • ab 1292–1316 Werle
    • ab 1316 Werle-Güstrow (bis 1436) und Werle-Goldberg (bis 1374)
      • ab 1337 Werle-Waren (bis 1425) als Abspaltung von Werle-Goldberg
  • Rostock (bis 1314)

1352 Landesteilung in zwei Teilherrschaften:

1621 Zweite Hauptlandesteilung in zwei Teilherrschaften (1628–1631 unter Wallenstein zeitweilig vereinigt):

1701 Dritte Hauptlandesteilung in zwei Teilherrschaften:

1815 empfingen beide mecklenburgischen Regenten auf dem Wiener Kongress gemeinsam eine Titelaufbesserung als Großherzöge von Mecklenburg. Beide Landesteile wurden fortan als (Teil-) Großherzogtümer bezeichnet. Lediglich der Landesteil Mecklenburg-Schwerin vollzog im Zuge der 1848er Reformen den Schritt zu einem modernen Verfassungsstaat mit konstitutioneller Monarchie, der jedoch 1850 beendet und auf den alten Rechtszustand zurückgeführt wurde.

Als Adolf Friedrich VI., der letzte Großherzog von Mecklenburg [-Strelitz], 1918 kurz vor dem Ende der Monarchie Selbstmord beging, übernahm der Schweriner Großherzog Friedrich Franz IV. auch in Strelitz die Regierung und dankte schließlich am 14. November 1918 für beide Mecklenburg ab. Die vormaligen Landesteile erlangten 1918/19 als Freistaaten erstmals je für sich politische Selbständigkeit und blieben Länder des Deutschen Reiches.

Die Linie Mecklenburg-Schwerin ist 2001 mit Friedrich Franz Herzog zu Mecklenburg, dem letzten Erbgroßherzog von Mecklenburg-Schwerin, (auch adelsrechtlich im thronfolgeberechtigten Mannesstamm) erloschen. Die Linie Mecklenburg-Strelitz blüht bis heute im Mannesstamm; letzte männliche Obodriten sind der Chef des Hauses Mecklenburg-Strelitz, Borwin (* 1956) und seine beiden Söhne Georg Alexander (* 1991) und Carl Michael (* 1994) sowie sein kinderloser Onkel Carl Gregor (* 1933).

Siehe auch[Bearbeiten]

Abbildungen von Residenzen des Hauses Mecklenburg-Schwerin[Bearbeiten]

Abbildungen von Residenzen des Hauses Mecklenburg-Strelitz[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilka Minneker: Vom Kloster zur Residenz. Dynastische Memoria und Repräsentation im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mecklenburg. Rhema-Verlag, Münster 2007, ISBN 978-3-930454-78-5, (Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme 18), (Zugleich: Münster, Univ., Diss., 2001).
  • Almanach de Gotha. Gotha 1936.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: House of Mecklenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien