Hausbriefkasten

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Eingangstür mit Briefschlitz
freistehende Briefkastenanlage

Ein Hausbriefkasten oder Privatbriefkasten ist ein Briefkasten, in den Zusteller Postsendungen einwerfen, um sie damit beim Empfänger abzuliefern. Sie dienen dazu, die Postsendungen in Abwesenheit des Empfängers geschützt deponieren zu können und die Zustellung schnell durchführen zu können. Private Briefkästen können beispielsweise im Hausflur von Mietshäusern angebracht, in die Hausfassade oder in die Haustür eingelassen, an der Hausfassade oder vor dem Haus an einem Gestell montiert oder an der Grundstücksgrenze an einem Pfahl befestigt sein.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach einigen Informationen wurden im 16. Jahrhundert in den Kirchen von Florenz hölzerne Kästen, tamburi genannt, aufgestellt, in denen die Bevölkerung anonyme Anzeigen für die Regierung einlegen konnte um diese vor Anschlägen und Verbrechen zu warnen. Später sollen diese Kästen von den Briefboten dazu benutzt worden sein, auch die Post, welche an die Geistlichen gerichtet waren, dort eingeworfen zu haben. Diese Briefkästen sind also eher die Vorfahren der heutigen Hausbriefkästen.[1]

Für deutsche Mehrfamilienhäuser wurde in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren ein Zuschuss von der Deutschen Bundespost an den Hauseigentümer in Höhe von 10 DM je Briefkasten gezahlt, wenn statt der Türbriefkästen Hausbriefkästen im Erdgeschoss angebracht wurden.[2][3]

Hausbriefkasten am Rathaus von Brügge von 1376 im Mauerwerk integriert

Bei Einfamilienhäusern ist zuweilen eine Einwurfklappe direkt in die Haustür eingelassen. Manchmal kann die Post innen einfach zu Boden fallen, ohne von einem Behälter aufgefangen zu werden. Mietshäuser wurden früher häufig mit mehreren einzelnen Briefkästen im Hausflur ausgestattet. Heute kommen stattdessen sogenannte Briefkastenanlagen zum Einsatz, die mehrere Briefkästen in einem Gehäuse zusammenfassen. Neben der Haustür eingelassene Durchwurfanlagen ermöglichen den Einwurf von außen und die Entnahme von innen.

Abmessungen[Bearbeiten]

In der Europäischen Union sind Mindestabmessungen und andere Anforderungen an Briefkästen in der EN 13724 geregelt. Die Mindestgröße orientiert sich unter anderem an einem Prüfumschlag im Papierformat C4. Dieser muss ohne falten problemlos und unbeschädigt eingeworfen werden können. Die Einwurföffnung muss mindestens 30 mm hoch und 230 mm breit sein.[4] Es gibt bereits eine Reihe von Verfahren, in denen eine Mietminderung wegen Nichteinhaltung der Norm (Mindestgröße) vor Gericht bestätigt wurde.[5][6] Vermieter versuchen zwar, Ansprüche auf einen Briefkasten nach aktueller Norm zu verweigern, wenn der alte Briefkasten bei Einzug akzeptiert wurde,[7] Gerichte sprachen Mietern aber trotzdem eine Mietminderung zu, weil man beim Anmieten einer Wohnung nicht zuerst danach schaut, wie groß der Briefkasten ist.[8][9] Ein Mieter akzeptiere einen mangelhaften Briefkasten als solchen nicht allein durch Anmietung der Wohnung, es bestehe gemäß § 535, 536 BGB Anspruch auf Einbau eines Briefkastens nach aktueller Norm.[10]

Zustellung und Abholung in einem Briefkasten[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Drei mausgraue „Hausbriefkästen auf dem Lande“

Im Gegensatz zu normalen Haus-Briefkästen werden die „Hausbriefkästen auf dem Lande“ (Typ EB100K), heute von der Deutschen Post AG „Landbriefkasten“ genannt, dem Postkunden unentgeltlich zur Verfügung gestellt, wenn diese mehr als 100 Meter vom öffentlichen Straßennetz entfernt wohnen.[11] Sie werden in verkrafteten Landzustellbereichen eingesetzt, wenn die Empfänger von Postsendungen abseits der befestigten Straße in Häusern oder Höfen wohnen, die mit dem Kraftfahrzeug nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen erreicht werden können. Die Briefkästen werden an der Landstraße hauptsächlich an Haltesäulen, weniger an Gebäuden usw. angebracht. Sie dienen

  • dem Zusteller zum Einlegen der für den Inhaber des jeweiligen Briefkastens bestimmten Briefsendungen und Päckchen und
  • dem Kasteninhaber zum Einlegen seiner abgehenden Sendungen.

Die Leerung der Briefkästen und Weiterbeförderung der abgehenden Sendungen erfolgt durch den Zusteller anlässlich der nächsten Zustellfahrt. Aus diesem Grunde sind die Schlösser dieses Typs mit Hauptschließungen ausgestattet. Sie wurden ursprünglich aus mausgrau eingefärbtem Polyesterharz gepresst und sind für die Leerung mit einem Deckel (Briefkastendach) versehen sowie mit einem Namenschild und einem Einlageanzeiger ausgestattet. Der Einlageanzeiger kann gegebenenfalls von dem Kasteninhaber betätigt werden und zeigt dem Zusteller an, dass sich abgehende Sendungen im Kasten befinden. Der Briefeinwurfschlitz befindet sich an der Vorderfront.[12]

Die Deutsche Post AG bietet drei verschiedene Modelle an: „Ludwig rot“, sowie „Knut“ in grün[13] und „Sam“ welcher im Stil amerikanischer Blechbriefkästen gehalten ist.[11][14]

Im Oktober 2008 testete die Deutsche Post AG die Abholung aus dem Privatbriefkasten für alle Kunden. Der „Postbotenservice“ war jedoch im Gegensatz zum „Hausbriefkasten auf dem Lande“ kostenpflichtig. Es wurde eine monatliche Pauschale von 4,99 € erhoben.[15]

Seit Herbst 2013 erprobt DHL Paketkästen, die wie Briefkästen beim Kunden am Haus montiert sind. Erstes Testgebiet ist in Ingolstadt. Diese Paketbriefkästen können sowohl für den Versand als auch Empfang, durch die Deutsche Post DHL, benutzt werden.[16] Da die Tests sehr gut angenommen wurden, ist der Paketkasten seit Mai 2014 bundesweit erhältlich. Der Kasten kann entweder für mindestens 1,99 Euro pro Monat gemietet, oder wahlweise käuflich erworben, werden.[17][18][19][20][21] Andern Postdienstleistern bleibt die Nutzung der DHL-Paketkästen verwehrt.[22]

USA[Bearbeiten]

Typischer Hausbriefkasten in den USA. Mit der roten Fahne signalisiert der Besitzer, dass er ausgehende Sendungen eingelegt hat.
Privater Briefkasten einer Farm in Wyoming

In den Vereinigten Staaten ist es üblich, seine ausgehende Post nicht in einen öffentlichen Briefkasten, sondern in den eigenen privaten Hausbriefkasten zu legen. Dazu bewegt der Besitzer an dem Briefkasten eine Art Fahne nach oben, damit der Zusteller weiß, dass er dort mitzunehmende Sendungen vorfindet, wenn er die tägliche Post ausliefert. Dieses System ist mit dem deutschen Hausbriefkästen auf dem Lande identisch.

Zusätzlich gibt es auch normale Postbriefkästen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Dopf, S. 63
  2. Der Spiegel Briefe im Parterre, 16. Oktober 1957
  3. Die Zeit Jeder sein eigener Briefträger – 4500 Stufen täglich nicht zumutbar — Herzenswunsch der Post: Hausbriefkästen, 9. Mai 1957.
  4. Zusammenfassung der DIN EN 13724 bei einem Hersteller. Abgerufen am 2. Dezember 2014.
  5. Landgericht Berlin, Urteil vom 11. Mai 1990, Az. 29 S 20/90
  6. AG Charlottenburg, Urteil vom 16. Mai 2001, Az. 27 C 262/00
  7. Kein Anspruch des Mieters auf bestimmte Briefkastengröße
  8. Neues aus Elbenberg: Was ein kleiner „Schlitz“ bewirken kann
  9. Wohnungsmängel und Mietminderung, Hrsg. BMV 1996
  10. AG Charlottenburg, Az. 27 C 262/00
  11. a b Das Modell „Ludwig rot“ steht auf der Beliebtheitsskala ganz oben in Neue Osnabrücker Zeitung, veröffentlicht am 30. Januar 2001
  12. Handwörterbuch des Postwesens; 3. Auflage; S. 408
  13. Abbildung „Knut“ auf der Herstellerseite Süd Böhl aus Böhl-Iggelheim
  14. Landbriefkästen Pressemitteilung der Deutschen Post AG
  15. Postbote nimmt Ihre Briefe mit. Zeitungsverlag tz München. 15. Januar 2009. Abgerufen am 9. Februar 2010.
  16. http://www.paket.de/paketkasten
  17. DHL Paketkasten bundesweit verfügbar – Der Briefkasten für Pakete ab sofort für alle Regionen Deutschlands erhältlich – Ab 1,99 EUR monatlich mieten oder Basisversion ab 99 EUR kaufen Pressemitteilung der dpdhl.com vom 12. Mai 2014
  18. http://www.paketkasten.de/
  19. Zum Briefkasten gesellt sich der Paketkasten – Wer den Paketboten verpasst und die Lieferung nicht mehr beim Nachbarn oder gar in der Filiale will, hat nun eine Alternative: Die Deutsche Post DHL bietet ab sofort den eigenen Paketkasten für die Haustür an. faz.net mit Material von AFP vom 12. Mai 2014
  20. Paketkasten der Deutschen Post Nie mehr Schlangestehen fürs Päckchen von Berrit Gräber auf sueddeutsche.de vom 14. Mai 2014
  21. Jetzt kann jeder den Paketkasten bestellen – Die Deutsche Post hält es für "die größte Erfindung seit dem Briefkasten": Der "Paketkasten" kann ab sofort bundesweit bestellt werden – und soll viele Wege in die Filiale überflüssig machen. AFP/lw welt.de vom 12. Mai 2014
  22. "Wird sich nicht durchsetzen"Post-Konkurrenten lästern gegen DHL-Paketkasten focus.de vom 15. Mai 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hausbriefkasten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Briefkasten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen