Hausgeld (Wohnungseigentum)

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Als Hausgeld werden umgangssprachlich die Vorauszahlungen der Mitglieder einer Wohnungseigentümergemeinschaft auf die Betriebskosten des Gemeinschaftseigentums bezeichnet. Diese werden aufgrund eines Wirtschaftsplanes als in der Regel monatliche Vorschüsse individuell für die einzelnen Wohnungseigentümer festgesetzt. Sie decken z. B. die laufenden Kosten für Hausmeister, Treppenhaus- und Gartenpflege, Hausstrom, Telekommunikationseinrichtungen (z. B. Kabelanschluss), Heizung, Abfallentsorgung, Verwaltung des Gemeinschaftseigentums, Wohngebäudeversicherung, Bankkontoführung und Instandhaltung des Gemeinschaftseigentums.

Da der Begriff weder gesetzlich geregelt noch anderweitig definiert ist, gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob er auch die ebenfalls aufgrund des Wirtschaftsplans regelmäßig zu leistenden Beiträge zur Bildung der Instandhaltungsrücklage umfasst. Früher wäre dies selbstverständlich bejaht worden, doch seit der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden hat, dass diese Eigentümerzahlungen nicht als Kostenposition anzusehen und in der Abrechnung aufzuführen sind, sondern allen Eigentümern neben der eigentlichen Abrechnung auch eine Rücklagenentwicklung mit einer Aufstellung geleisteter und vor allem evtl. nicht geleisteter Rücklagenbeiträge vorzulegen ist, unterscheiden die Verwalter und die von ihnen genutzten Hausverwaltungsprogramme die beiden Bestandteile der regelmäßigen Eigentümerzahlungen gerne mit den Begriffen "Hausgeld" und "Rücklage".

Das Hausgeld ist von Alter, Größe, Zustand, Ausstattung (Schwimmbäder etc.) und Region der Immobilie abhängig. Es lag in Deutschland im März 2012 im Mittel bei € 2,70 pro m² pro Monat.[1]

In einigen Gegenden wird an Stelle von "Hausgeld" auch der Begriff "Wohngeld" benutzt, der allerdings abzulehnen ist, da er offiziell eine staatliche Zuschussleistung zu den Wohnungskosten bezeichnet.

Rechtsgrundlagen[Bearbeiten]

Rechtsgrundlage ist das Wohnungseigentumsgesetz (WEG). Nach § 16 Absätze 2 und 3 WEG ist jeder Wohnungseigentümer verpflichtet, die Lasten des gemeinschaftlichen Eigentums und die Kosten der Instandhaltung, der Verwaltung und des Gebrauchs der gemeinschaftlichen Anlagen nach einem festgelegten Verteilungsschlüssel zu tragen. Nach § 28 WEG hat der Verwalter einen Wirtschaftsplan aufzustellen, der durch die Wohnungseigentümerversammlung mit Stimmenmehrheit zu beschließen ist. Dieser Wirtschaftsplan hat sowohl die einzelnen Kosten, die Einzelwirtschaftspläne für die einzelnen Wohnungen, den Verteilungsschlüssel und die Höhe der monatlichen Vorschüsse (Hausgeld) zu enthalten. Aufgrund des Wirtschaftsplans sind die Wohnungseigentümer verpflichtet, das Hausgeld an den Verwalter zu zahlen. Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Wohnung bewohnt wird oder leer steht.

Verteilungsschlüssel[Bearbeiten]

Nach § 16 Wohnungseigentumsgesetz ist der Verteilungsschlüssel grundsätzlich der Miteigentumsanteil. Ausgenommen hiervon sind jedoch die Heiz- und Warmwasserkosten, diese müssen nach der Heizkostenverordnung abgerechnet werden. Die Verwendung des Miteigentumsanteils kann allerdings zu einer ungerechten Verteilung der Lasten und auch zu Konflikten mit anderen Gesetzen führen. Zum Beispiel, wenn der Miteigentumsanteil nicht nach der Wohnfläche festgelegt wurde oder, wenn auf Grundlage der Einzelabrechnung eine Betriebskostenabrechnung für den Mieter erstellt wird. Deswegen sind in der Regel in der Teilungserklärung mehrere Verteilungsschlüssel festgelegt.

Häufige verwendete Verteilungsschlüssel sind:

  • der Verbrauch (wenn eine Verbrauchserfassung stattfindet; z. B. bei Wasser und Abwasser)
  • die Anzahl der Wohnungen (z. B. bei Verwaltungskosten hierzu gehören auch die Kosten des Geldverkehrs oder Kabelanschluss)
  • Flächenverhältnisse, z. B. Wohn-, Nutz-, Gewerbe- oder Gesamtfläche
  • der Miteigentumsanteil meist gleichbedeutend mit der Wohn- bzw. Nutzfläche (für alle anderen Kostenarten, auch die Zuführung zur Instandhaltungsrücklage)

Die Gestaltungsmöglichkeiten werden sinnvollerweise mit Rücksicht auf die individuelle Situation der Wohnungseigentümergemeinschaft genutzt. Eine absolute Verteilungsgerechtigkeit wird es aber selten geben. Der Verteilungsschlüssel musste bis 2007 durch Vereinbarung festgesetzt werden. Seit dem 1. Juli 2007 kann die Umstellung auf Verbrauchsabrechnung von der Wohnungseigentümergemeinschaft mit einfacher Mehrheit beschlossen werden.

Jahresabrechnung[Bearbeiten]

Die Überprüfung des Wirtschaftsplans und damit des gezahlten Hausgeldes erfolgt durch die Jahresabrechnung. Zu viel gezahltes Hausgeld wird zurückgezahlt, etwaige Fehlbeträge müssen nachgezahlt werden. Eine Verzinsung dieser Beträge erfolgt grundsätzlich nicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marc Lehmann: Eigentümer unterschätzen Kosten für Hausgeld. Auf: www.diewelt.de vom 30. März 2012, Zugriff am 7. Juli 2014.


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