Hausierer

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Moderner Hausierer (Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam)

Als Hausierer werden von Haus zu Haus gehende Händler bezeichnet. Sie bieten im Gegensatz zum Handelsvertreter oder Handelsreisenden, die im Auftrag eines Unternehmens unterwegs sind, ein eigenes Warensortiment auf eigene Rechnung an. In der heutigen Zeit gelten für Hausierer in Deutschland die Bestimmungen für ein Haustürgeschäft und sie benötigen eine Reisegewerbekarte.

Geschichte[Bearbeiten]

Früher galt die Bezeichnung Hausierer auch für Anbieter von Dienstleistungen, z. B. Kesselflicker und Scherenschleifer. Für spezialisierte Hausierer existierten eigene Bezeichnungen und einzelne Volksgruppen spezialisierten sich auf bestimmte Warensortimente:

  • Bot ein Hausierer Schriften unterhaltsamen oder sensationellen Inhalts an, war er ein Kolporteur.
  • Kurzwaren waren der bevorzugt angebotene Artikel insbesondere jüdischer Hausierer.
  • Insbesondere in Nordwestdeutschland waren die sogenannten Kiepenkerle bekannt.

Während der Ausübung seiner Tätigkeit transportierte der Hausierer oder der Kolporteur seine Ware aus eigener Kraft mit dem Schubkarren oder Handwagen, in einem Rückentragekorb oder einem übergeworfenen Quersack oder er bot sie in einem Bauchladen an. Als sozialer Aufstieg galt ein Hundegespann, Fahrrad, Pferdefuhrwerk und in der Zeit zunehmender Technisierung ein Automobil.[1][2]

Hausierer gehörten oft ethnischen Minderheiten an und waren Zigeuner, Juden oder Jenische. Sie waren fester Bestandteil insbesondere der ländlichen Sozialstruktur, man richtete sich auf ihr durchaus erwünschtes, oft herbeigesehntes Kommen ein. Eine ihrer wichtigsten Nebenfunktionen war, dass sie Nachrichten und Informationen aus dem weiteren Umfeld überbrachten. Der Hausierer ist deshalb eine wichtige Figur in der Dramaturgie z. B. Jacquier (Michel Simon) in Es geschah am hellichten Tag oder Jéricho (Pierre Renoir) in Die Kinder des Olymp.

Ähnliche Gewerbe[Bearbeiten]

Die heute auftretende und meist eher aufdringliche Form des Hausierens wird in Deutschland Drücker genannt. Hierbei werden von reisenden Kolonnen oft Zeitschriftenabonnements, Mitgliedschaften in einem Verein oder angebliche Behindertenware im Auftrag eines Unternehmens verkauft.

Eine Bezeichnung für ambulante Kleinhändler mit Marktständen ist Fliegender Händler.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Jung: Hausierer. Gesellschaftskritischer Roman, Einband und Typographie von Jan Tschichold, Der Bücherkreis, Berlin 1931
  • Kurt Kuntze: Der Hausierhandel der Satzunger (Sächsisches Erzgebirge) - eine volkswirtschaftlich-statistische Studie. Duncker & Humblot, Leipzig 1898 (Digitalisat)
  • Albert Vogt (Hg.): Unstet. Lebenslauf des Ärbeeribuebs, Chirsi- und Geschirrhausierers Peter Binz, von ihm selbst erzählt, Chronos Verlag, Zürich 1995, ISBN 978-3-905311-76-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hausierer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Staatsarchiv Marburg, Aktenzeichen 180 HEF 1365 und 1369.
  2. B. Miehe, Gershausen, Heimatkalender des Kreises Hersfeld-Rotenburg (1986, S.69)