Hausmannit

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Hausmannit
Hausmannite-120647.jpg
Hausmannit-Stufe aus der Wessels Mine, Hotazel, Kalahari Manganfeld, Nordkap, Südafrika (Größe: 3,1 x 2,7 x 2,0 cm)
Andere Namen
  • Blättricher Schwarz-Braunstein
  • Schwarz-Braunsteinerz
  • Schwarzmanganerz
  • Glanzbraunstein
Chemische Formel Mn2+Mn3+2O4[1]
Mineralklasse Oxide und Hydroxide
4.BB.10 (8. Auflage: IV/B.05) nach Strunz
07.02.07.01 nach Dana
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin ditetragonal-dipyramidal; 4/m 2/m 2/m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) I41/amd (Raumgruppen-Nr. 141)
Farbe dunkelbraun, schwarz, grau, dunkelrote bis rötlichbraune interne Reflexionen
Strichfarbe braun
Mohshärte 5,5
Dichte (g/cm3) 4,7 bis 4,84
Glanz Metallglanz
Transparenz undursichtig, durchscheinend in dünnen Schichten
Bruch uneben
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, undeutlich nach {112} und {011}[3]
Habitus pseudooktaedrische Kristalle, körnige bis massige Aggregate
Zwillingsbildung häufig nach (112)
Kristalloptik
Brechungsindex ω=2,46 ; ε=2,15[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
Δ=0,310 [2]; einachsig negativ

Hausmannit, veraltet auch als Blättricher Schwarz-Braunstein, Schwarz-Braunsteinerz, Schwarzmanganerz und Glanzbraunstein bekannt, ist ein Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“, das an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein kann, insgesamt aber wenig verbreitet ist. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Mn2+Mn3+2O4[1], ist also chemisch gesehen ein Mangan(II,III)-oxid.

Hausmannit entwickelt überwiegend pseudooktaedrische Kristalle, aber auch körnige bis massige Aggregate von dunkelbrauner, schwarzer oder grauer Farbe mit dunkelroten bis rötlichbraunen internen Reflexionen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals beschrieben wurde das Mineral 1813 durch Friedrich Hausmann (1782–1859), der es in seinem „Handbuch der Mineralogie“ als Blättricher Schwarz-Braunstein bezeichnete und als Fundort Ehrenstock bei Ilmenau in Thüringen angab (heute Oehrenstock).[4]

Eine frühere Erwähnung von 1789 findet sich zwar im Mineralsystem von Abraham Gottlob Werner (1749–1817), allerdings werden außer der Auflistung des Namens Schwarz-Braunsteinerz keine weiteren Angaben gemacht und der Name lässt sich nur deshalb dem Hausmannit zuordnen, weil spätere Mineralogen sich bei dessen Beschreibung auf das Wernersche Schwarz-Braunsteinerz beziehen.[5]

Der bis heute gültige Name Hausmannit geht auf Wilhelm Ritter von Haidinger zurück, der das Mineral 1828 zu Ehren seines Erstbeschreibers Hausmann benannte.[5]

Weitere synonyme Bezeichnungen für den Hausmannit sind unter anderem Schwarzmanganerz in den Aufzeichnungen Karstens von 1808 und der ebenfalls von Hausmann 1847 geprägte Begriff Glanzbraunstein.[6]

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hausmannit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 3 : 4“, wo er zusammen mit Filipstadit, Hetaerolith, Hydrohetaerolith, Iwakiit, Marokit und Tegengrenit die nach ihm benannte „Hausmannit-Gruppe“ mit der System-Nr. IV/B.05 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hausmannit ebenfalls in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 3 : 4 und vergleichbare“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es ebenfalls als Namensgeber die „Hausmannit-Gruppe“ mit der System-Nr. 4.BB.10 und den weiteren Mitgliedern Hetaerolith, Hydrohetaerolith und Iwakiit bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Hausmannit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Oxidminerale“ ein. Hier ist er als zusammen mit Hetaerolith und Hydrohetaerolith in der unbenannten Gruppe 07.02.07 innerhalb der Unterabteilung der „Mehrfachen Oxide (A+B2+)2X4, Spinellgruppe“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Der bis November 2006 noch als eigenständiges Mineral behandelte Arseniodialytit wurde als Varietät von Hausmannit erkannt.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Hausmannit und Andradit (rot) aus der Wessels Mine, Hotazel, Kalahari Manganfeld, Nordkap, Südafrika (Größe: 6,6 x 4,1 x 3,7 cm)

Hausmannit bildet sich meist durch hydrothermale Vorgänge in manganhaltigen Eisenerzgängen[7], kann aber auch durch Kontaktmetamorphose entstehen. Als Begleitminerale treten unter anderem Andradit, Baryt, Braunit, Jacobsit, Pyrolusit und Rhodochrosit auf.

Außer an seiner Typlokalität Oehrenstock wurde das Mineral noch in vielen weiteren Regionen von Deutschland gefunden, so unter anderem in Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Spessart), Hessen (Limburg), Niedersachsen (Peine), Nordrhein-Westfalen (Siegerland), Rheinland-Pfalz (Hunsrück), Sachsen-Anhalt (Harz) und Sachsen (Erzgebirge).

Weltweit gelten bisher (Stand: 2012) rund 280 Fundorte für Hausmannit als bekannt[8], so unter anderem in New South Wales, Queensland und South Australia in Australien; Provinz Iténez und Provinz Chiquitos in Bolivien; Minas Gerais in Brasilien; mehrere Regionen in der Volksrepublik China; Franche-Comté und Midi-Pyrénées in Frankreich; die Kykladen in Griechenland; England und Wales in Großbritannien; Orissa in Indien; mehrere Regionen in Italien; Honshū, Kyūshū und Shikoku in Japan; Souss-Massa-Daraâ in Marokko; Durango in Mexiko; Otjozondjupa in Namibia; Nord-Trøndelag und Telemark in Norwegen; al-Batina im Oman; Kärnten und Salzburg in Österreich; der Ural in Russland; mehrere Regionen in Schweden; die Kantone Graubünden, St. Gallen und Wallis in der Schweiz; Banská Bystrica und Nitra in der Slowakei; die Provinzen Nordkap und Nordwest in Südafrika; Denizli in der Türkei; viele Regionen in den USA; sowie Chaur Fakkan und Fudschaira in den Vereinigten arabischen Emiraten.[9]

Morphologie[Bearbeiten]

Die Kristalle des Hausmannits sind ähnlich dem Spinell von pyramidalem bis oktaedrischem Charakter, allerdings mit horizontaler Streifung versehen. Die Streifung verrät die Zwillingsnatur der Kristalle, die oft aus fünf zyklisch miteinander verwachsenen Individuen bestehen. [10]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Kristallstruktur von Hausmannit (Mn2+ blau, Mn3+ grau)

Hausmannit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe I41/amd (Raumgruppen-Nr. 141) mit den Gitterparametern a1 = a2 = 5,76 Å und c = 9,44 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

Hausmannit ist ein wichtiges Erz zur Gewinnung von Mangan.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 190.
  2. a b Webmineral - Hausmannite (englisch)
  3. a b John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Hausmannite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 68,6 kB)
  4. J. F. L. HAUSMANN (1813): Handbuch der Mineralogie, Göttingen, Band 1, S. 285-286 (PDF 234,7 kB)
  5. a b tw.strahlen.org - Thomas Witzke (Stollentroll): Die Entdeckung von Hausmannit
  6.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 270.
  7.  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 266.
  8. Mindat - Hausmannite (englisch)
  9. MinDat - Localities for Hausmannite
  10.  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 78.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hausmannite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien