Hauspferd

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Hauspferd
Pferdekopf (Zeichnung)

Pferdekopf (Zeichnung)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde (Equidae)
Gattung: Pferde (Equus)
Art: Wildpferd (Equus ferus)
Unterart: Hauspferd
Wissenschaftlicher Name
Equus ferus caballus
Linnaeus, 1758

Das Hauspferd (Equus ferus caballus) ist ein weit verbreitetes Haus- bzw. Nutztier, das in zahlreichen Rassen auf der ganzen Welt existiert. In Deutschland werden ca. eine Million Pferde gehalten (Stand 2006).

Das Hauspferd ist die domestizierte Form des Wildpferdes (Equus ferus), das mit den Eseln und Zebras die Familie der Pferde (Einhufer, Equidae) innerhalb der Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla) bildet.

Merkmale

Äußeres

Unterschiedliche Pferde (Zeichnung)

Das Aussehen des Hauspferdes variiert in seinem Körperbau, der Körpergröße, Fell und Farbe. Je nachdem, zu welchem Zweck Pferde gezüchtet werden, unterteilt man deren Typen in sogenannte Kaltblüter, Warmblüter, Vollblüter, Halbblüter und Ponys. Die Bezeichnungen Kalt-, Warm- und Vollblut richten sich nicht nach der Wärme oder gar Menge des Blutes des Pferdes, sondern benennen das vorwiegende Verhalten des jeweiligen Pferdetyps. So reagieren Kaltblüter im Allgemeinen eher ruhig und bedächtig, während Vollblüter eher als nervös und leicht erregbar gelten.

  • Vollblüter basieren auf der Araberzucht und werden meist als Sportpferde eingesetzt. Man unterscheidet Arabisches Vollblut (ox) und Englisches Vollblut (xx). Beide Rassen sind meist sehr sensibel und bis zu 70 km/h schnell (Maximalgeschwindigkeit; die maximale Durchschnittsgeschwindigkeit auf 160 km beträgt etwa 12–20 km/h[1]).
  • Kaltblüter sind alle natürlichen Pferderassen, außer den Arabern. Häufig stammen diese Rassen aus kälteren Regionen und weisen gegenüber Arabern einen deutlich kräftigeren Körperbau, aber auch ein sehr viel sanfteres Gemüt auf. Diesem verdanken sie dann auch ihren Namen, denn wie alle Pferde sind sie natürlich Säugetiere und daher warmblütig. Aufgrund des ruhigen Temperaments und des kräftigen Körperbaus eignen sich diese Pferderassen besser als andere zum Ziehen schwerer Kutschen, an die Eleganz und Geschwindigkeit von Arabern reichen sie jedoch nicht heran.
  • Warmblüter sind Zuchten, die mit einer Kreuzung von Kalt- und Vollblütern begannen. Bei diesen, teils jahrhundertealten Zuchten, wird versucht die Vorteile beider Rassen herauszuheben, also Eleganz und Geschwindigkeit der Araber, sowie gutmütiges Temperament und Robustheit der Kaltblüter. Da dies im Laufe der Jahrhunderte immer besser gelang, eignen sich Warmblüter für praktisch alle Aspekte des Pferdesports. Diese Zuchten wurden inzwischen zu eigenen Rassen erklärt und ein Kind, dessen Eltern Warmblüter waren, bleibt ein Warmblut.
  • Halbblüter nennt man Pferde, die aus einer Kreuzung von Vollblütern mit einer anderen Pferderasse hervorgegangen sind. D. h. ein Elternteil und damit 50 % des Erbgutes muss ein Vollblut-Araber gewesen sein. Kinder zweier Halbblüter erfüllen dieses Kriterium nicht mehr.
  • Ponys sind Kleinpferde unter 1,48 m Widerristhöhe (auch Stockmaß) mit meist stämmigem Körperbau, starkem Gebiss und langer Lebenserwartung, die robust zu halten sind und zum Reiten und Fahren verwendet werden können.
Falbfarbene Fjordpferde auf der Schwäbischen Alb. Typisches Merkmal: der dunkle Aalstrich

Pferde sind Zehenspitzengänger, die allein auf der dritten, mittleren Zehe laufen. Die restlichen Zehen sind zurückgebildet und am Skelett des Vorderbeins als rudimentäre Griffelbeine erhalten. Weil die Augen seitlich am Kopf liegen, können Pferde fast rundum sehen (350°), haben jedoch ein schlechtes räumliches Sehvermögen. Was sich aber genau vor ihrer Nase oder hinter ihnen befindet, bemerken sie erst, wenn sie den Kopf drehen. Pferde sind zwar nicht farbenblind, können aber nicht alle Farben voneinander unterscheiden. Braun, grün und grau können Pferde nicht auseinanderhalten – Farben wie weiß, rot, gelb und blau sehen sie hingegen besonders gut. Pferde sehen im Dunklen besser als Menschen, brauchen jedoch länger, um sich auf schnelle Hell-Dunkel-Änderungen einzustellen.

Das Gehör des Pferdes ist sehr fein. Jede Ohrmuschel ist um 180° drehbar, dadurch ist das Pferd imstande, seine Ohren so zu stellen, dass es in alle Richtungen gezielt hören kann.

Weiteres zum Körperbau des Pferdes siehe: Exterieur (Pferd).

Um in ihrem ursprünglichen Lebensraum vor Raubtieren sicher zu sein, entwickelten sich mit der Zeit verschiedene Fellfarben des Pferdes, eine der ersten davon war ein heller Braunton, der falb genannt wird. Typische Vertreter sind die norwegischen Fjordpferde, die sich außerdem durch einen deutlichen dunklen Aalstrich in der Mähne auszeichnen.

Pferd mit Kupfermaul und Stern

Um ein Pferd äußerlich von anderen unterscheiden zu können, kann man sich die Abzeichen auf seinem Gesicht, seinem Körper und seinen Beinen zunutze machen. Die häufigsten Abzeichen im Gesicht sind: Stern, Schnippe, Flocke und Laterne, wobei man zwischen regelmäßig und unregelmäßig unterscheidet. Die Abzeichen von Stirn bis Maul werden generell als Blesse bezeichnet. Pferde können auch ein Krötenmaul, Kupfermaul, Milchmaul oder Mehlmaul haben, Letzteres ist besonders häufig beim Mongolischen Wildpferd oder beim Exmoor-Pony zu sehen.

Selten, je nach Rasse und Zuchtgebiet, kommen auch Aalstriche vor, die sich teilweise in Schweif und Mähne fortsetzen. Bei urtümlichen Rassen können auch Kreuze (Aalstrich und ein Querstreifen über beide Schultern) oder Streifen auf den Beinen vorkommen. Kreuze und Streifen an den Beinen sind bei Pferden eher selten, bei Eseln hingegen recht häufig.

An den Beinen unterscheidet man lediglich die Höhe des Abzeichens, wobei ein „hochweißer Fuß“ das größte und die „weiße Krone“ das kleinste ist. Zur Identifizierung von Sportpferden werden auch Fellwirbel und Kastanien (Hornreste auf der Innenseite der Beine, Reste der fünften Zehe) herangezogen (s. a. Abzeichen). Heutzutage können Turnierpferden Transponder eingesetzt werden, auf denen die persönlichen Daten des Besitzers und die Lebensnummer des Pferdes gespeichert sind.

Das bleibende Gebiss der Pferde hat 36 bis 44 Zähne, das Milchgebiss der Fohlen hat 24 bis 28 Zähne (siehe auch Zahnformel und Zahnaltersschätzung).

Größe, Alter, Fortpflanzung

Fohlen können den Erwachsenen schon kurz nach der Geburt folgen (hier säugendes Brumby-Fohlen).

Pferde erreichen je nach Rasse zwischen 40 (Minipony) und 220 (Shire Horse) cm Schulterhöhe (Widerrist). Pferde mit einer Widerristhöhe bis 148 cm bezeichnet man als Ponys. Alle Pferde, die dieses Maß überschreiten, werden als Großpferde bezeichnet. Das Gewicht der Ponys und Großpferde kann zwischen 90 kg (Falabella) und 1200 kg (Shire) liegen. Körperlich ausgewachsen sind Pferde mit sieben Jahren. Großpferde können ein Alter von etwa 20–35 Jahren erreichen, Ponys können dagegen in seltenen Fällen bis zu 50 Jahre alt werden. Das höchste je für ein Großpferd belegte Alter beträgt 62 Jahre. Das zu erreichende Lebensalter ist von Rasse, Haltungsbedingungen und Nutzung abhängig. Stuten werden mit 12 bis 18 Monaten geschlechtsreif, Hengste erreichen die Geschlechtsreife zwischen dem 12. und 20. Lebensmonat. Die Tragezeit beträgt bei allen Pferden rund 330 Tage (11 Monate) mit einer Streuung von 320 bis 355 Tagen. Je früher im Jahr der Geburtstermin liegt, desto länger ist meist die Tragezeit. Der Brunstzyklus (Rosse) beginnt im Frühjahr mit der stärksten Rosse und nimmt dann immer weiter ab. Bedingt durch Wetterverhältnisse und Umgebung kann die Rosse verschieden stark und lang sein. In Stallhaltung und bei intensiver Fütterung können auch im Winter Trächtigkeiten erzeugt werden. Stuten sind nur alle 21 bis 24 Tage rossig. Nach ungefähr 11 Monaten bringt die Stute ihr Fohlen zur Welt, welches direkt danach versucht aufzustehen. Dies ist für ein Fohlen in freier Wildbahn wichtig, da es sonst Fressfeinden zum Opfer fallen würde.

Verhalten

Typisches Verhalten eines Hengstes in Anwesenheit rossiger Stuten; sog. Flehmen
Bockende Stute
Gegenseitiges Knabbern ist ein freundlich gemeintes Sozialverhalten

Das Pferd ist ein typisches Herdentier und hat deshalb eine ausgeprägte Körpersprache zur Verständigung der Tiere untereinander.

Die beweglichen Ohrmuscheln können in alle Richtungen gestellt werden. Stehend abwechselnd nach vorne und hinten gerichtet, zeigt das Pferd Aufmerksamkeit und Neugierde, auch gegenüber dem Reiter und Kutscher. Werden die Ohren jedoch nach hinten an den Kopf angelegt, ist dies eine Warnung an einen vermeintlichen Aggressor und signalisiert meistens die bevorstehende Abwehr einer empfundenen Bedrohung oder eines Unterwerfungsversuchs mit Hufen oder Zähnen. Hängen die Ohren schlapp zur Seite, so ist dies entweder ein Zeichen für Unwohlsein und/oder Müdigkeit oder ein Ausdruck von Unterwerfung, aber auch Entspannung. Letzteres kann, wenn die Augen dabei halb geschlossen sind, auch ein Zeichen für Zufriedenheit sein.

Die kleinste soziale Einheit ist eine Gruppe[2] von 3 bis maximal 35 Tieren.[3] Die absolute Obergrenze ist unklar, da bei größeren Gruppen (20–35 Tiere) oftmals mehrere Hengste vorhanden sind, wobei eine klare Trennung in Untergruppen nicht zu erkennen ist. Innerhalb der Gruppe herrscht eine klar festgelegte Rangordnung. Bei Änderungen innerhalb der Gruppenstruktur, also z. B. Hinzukommen eines neuen Tieres oder Abgang eines Gruppenmitglieds, wird die Rangfolge neuerlich festgelegt. Dies geschieht meist durch Körpersignale wie Drohgebärden, aber auch Bisse und Tritte, wenn erforderlich. Auch das Beobachten von Interaktionen zwischen anderen Gruppenmitgliedern kann zu einer Änderung der Rangordnung des beobachtenden Tieres führen. Dass Pferde die Interaktionen ihrer Gruppenmitglieder beobachten und ihre Rangposition danach anpassen, konnte 2008 nachgewiesen werden.[4][5] Die Rangfolge kann außerdem durch heranwachsende Tiere in Frage gestellt werden, die im Laufe ihrer Entwicklung ihre Position in der Herde verändern. Hierbei ist jedoch oft zu beobachten, dass Jungtiere einer in der Rangfolge eher niedrig angesiedelten Stute ebenfalls eine niedrige Rangfolge einnehmen, wohingegen die Jungtiere einer ranghohen Stute auch bessere Aussichten auf eine höhere Rangposition haben.

Gruppen bestehen aus mehreren Stuten und ihren Fohlen sowie einem Hengst, bei größeren Gruppen manchmal mehreren Hengsten. Dass es in Pferdegruppen Leitstuten gibt, konnte bisher in keiner wissenschaftlichen Veröffentlichung nachgewiesen werden. Berichte, auch von Pferdeflüsterern, entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage. Welche Tiere, außer dem Hengst beim Treiben, Gruppenbewegungen auslösen, ist derzeit ungeklärt. Der Hengst hingegen ist ein imposantes, kräftiges Tier. Er ist für den Schutz seiner Herde vor Fressfeinden und für die Weitergabe seiner eigenen Gene zuständig. Bei einer Flucht laufen unterschiedliche Stuten voran und der Hengst läuft hinter der Herde, um zurückbleibende Tiere vorwärts zu treiben.

In der Regel bleiben Stuten in einer Gruppe zusammen, junge Hengste werden dagegen mit dem Erreichen der Geschlechtsreife vom Alphatier (stärkster Hengst) aus der Herde vertrieben und bilden dann Jungverbände. In diesen messen sie ihre Kräfte gegeneinander, um eines Tages eine eigene Herde zu erobern, indem sie den Leithengst zu einem Kampf herausfordern und besiegen. Vielfach leben ausgewachsene oder ältere Hengste auch als Einzeltiere.

Manchmal lösen sich einzelne oder mehrere Stuten aus einer bestehenden Gruppe heraus und schließen sich anderen Gruppen oder einem jüngeren Hengst an und bilden mit ihm eine neue Gruppe.

Als Steppenbewohner ist das Pferd im Gegensatz zum Esel ein Fluchttier, das Gefahren instinktgesteuert zuallererst durch schnelle Flucht abzuwenden versucht.

In der Haltung als Haus- oder Nutztier sind in Zentraleuropa vor allem Stuten und Wallache verbreitet (auf der Iberischen Halbinsel Hengste anstatt Wallache), die sich in den meisten Fällen problemlos in eine mehr oder weniger große Gruppe einfügen. Hengste gelten wegen ihres starken Geschlechtstriebs und manchmal auch wegen ihrer hormonbedingten Aggressivität als schwer berechenbar. Wittert der Hengst eine rossige Stute, versucht er meist alles, um zu ihr zu gelangen – bei unangepasster Einzäunung der Weide oder des Stalls ziehen sich Hengste dabei oftmals Verletzungen zu. Sie werden deshalb meist auf eigenen Weiden oder in abgetrennten Ställen gehalten.

Cytologie

Das Pferd enthält in den Zellkernen seine genetische Information in Form von 32 Chromosomenpaaren (davon ein Geschlechtschromosomenpaar). Das Genom eines weiblichen englischen Vollblut namens „Twilight“ war 2007 die Grundlage für die erste vollständige Analyse eines Pferdegenoms; es enthält 2.474.929.062 Basenpaare. Eine Schätzung über die Anzahl der Gene ist nicht bekannt.[6][7][8]

Domestizierung und Geschichte

Abstammung

Reitpferde auf einer Weide

Das Wildpferd, die Stammform des Hauspferdes, wurde wahrscheinlich um 3000 v. Chr. erstmals in Zentralasien domestiziert, einige Autoren gehen von einer Domestizierung bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. aus. Es gibt einander widersprechende Befunde, wann und wo genau das Pferd vom Menschen nutzbar gemacht wurde. Eine Auswertung der mitochondrialen DNA von heutigen Hauspferden und von Fossilien ausgestorbener Arten wurde dahingehend interpretiert, dass die Domestikation des Pferdes nicht an einem Ort, sondern unabhängig voneinander an mehreren Orten stattgefunden hat. Wesentliches Indiz hierfür war die Breite der genetischen Variationen, die in beiden Testgruppen gleich groß war. Bei nur einem Domestikationsort wäre bei den Hauspferden eine geringere genetische Variationsbreite zu erwarten gewesen. Zudem wurde bei diesen Tests festgestellt, dass einige der ausgestorbenen Arten näher mit heutigen Arten verwandt waren, als einige heutige Arten untereinander.

Untersuchungen an mitochondrialer DNA haben 2002 gezeigt, dass es zumindest 77 Stammtypen an Stuten gab, was dahingehend gedeutet wurde, dass verschiedene Wildpferdepopulationen in unterschiedlichen Regionen der Erde unabhängig voneinander domestiziert worden sind, erheblich mehr als bei anderen Haustierarten.[9]

2012 wurde jedoch auf Basis einer weiteren genetischen Analyse argumentiert, dass die Domestikation möglicherweise doch nur in einer einzigen Region – in der eurasischen Steppe – stattgefunden hat und erst im Verlauf der räumlichen Ausbreitung dieser Pferde lokale Bestände anderer Gebiete eingekreuzt wurden.[10]

Nach einer Hypothese zur Abstammung des Hauspferdes, die u. a. von den Hippologen Ewart, d’Andrade, Speed, Etherington, Skorkowski, Ebhardt und Schäfer vertreten wird, entstand das Hauspferd aus vier verschiedenen Wildformen in Eurasien, die sich angeblich aus getrennten amerikanischen Einwanderungsgruppen gebildet hatten. Diese zumeist mit Typ 1–4 bezeichneten Wildformen des Equus ferus wurden durch Genanalysen jedoch bislang nicht bestätigt. Diese Hypothese findet kaum Akzeptanz unter Paläontologen und Zoologen, sondern kursiert eher im Kreis der Hippologen.

  • Typ 1 - Urpony/Nordpony
  • Typ 2 - Tundrenpferd
  • Typ 3 - Urwarmblüter/Steppenpferd
  • Typ 4 - Uraraber

Geschichte des Hauspferds

Rückepferde bei der Waldarbeit im Siebengebirge

Die Domestizierung des Pferdes brachte den Völkern einen außerordentlichen Vorteil. Weite Strecken waren in viel kürzerer Zeit zu überwinden, was das Aufrechterhalten großer Reiche einfacher machte. Des Weiteren wurden sie, wie vielfach auch heute noch, als Fleischlieferant genutzt und leisteten als wertvoller Helfer in kriegerischen Auseinandersetzungen gute Dienste. Neue Angriffs- und Kriegstechniken waren erst durch das Pferd möglich.

Alter Orient

Die frühen Großreiche der Assyrer und Hethiter, sowie die Hurriter im Mitanni-Staat profitierten von der Nutzbarmachung des Pferdes im Krieg. Pferde kamen hierbei sowohl als Reit- als auch als Zugtiere (z. B. von Streitwagen) zum Einsatz. Um das Jahr 1700 v. Chr. fielen die Hyksos in Ägypten ein, ein nomadisches Volk unbekannter Herkunft. Den Ägyptern waren Pferde bis dahin unbekannt, und sie waren den Hyksos im Kampf so weit unterlegen, dass diese Ägypten erobern konnten.

Steppenzone

Oft wird Dereivka in der Ukraine als ältester Beleg für die Pferdedomestikation genannt. David Anthony hatte dort an Funden von Pferdezähnen der Sredny-Stog-Kultur um 4000 v. Chr. Abnutzungsspuren gefunden, die auf den Gebrauch von Zaumzeug zum Reiten hinwiesen (Lit.: Anthony, 1986, 1991). Neuere AMS-Daten zeigen jedoch, dass das betreffende Tier wahrscheinlich aus der Eisenzeit stammt.

Die frühen nomadischen Völker Zentralasiens, aus denen später viele Reitervölker hervorgingen, erfanden bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend den Sattel und das Zaumzeug. Später berichtete der griechische Historiker Strabon über die außerordentlichen Reitkünste der Skythen.

Mitteleuropa

Aus Europa sind Pferdereste seit der Altsteinzeit belegt und brechen auch nach der Wiederbewaldung nach der letzten Eiszeit nicht ab. Ab wann das Pferd in Europa domestiziert wurde, ist wegen der schwierigen Unterscheidung zwischen Haus- und Wildtierknochen umstritten.

Bei Ergolding, Landkreis Landshut, wurde zusammen mit Keramikresten eine knöcherne Trense gefunden, die auf 1400 v. Chr. datiert werden konnte, ein ähnliches Objekt stammt aus Füzesabony in Ungarn (1500 v. Chr.). Dieser Fund ist der erste Hinweis für die nun kommende Zeit des Pferdes und der Reiter. In der Urnenfelderzeit (ca. 1300/1200–800/750 v. Chr.) finden sich sodann die berühmten Wagengräber, bisher z. B. St. Winghardt, ein Wagengrab der späten Bronzezeit von Poing. Eine Pfeilspitze in einem Pferdewirbel, gefunden in einer Höhle des Blauen Bruches in Kaisersteinbruch im Burgenland, Österreich – ist Beweis für älteste schwere Hauspferde – erzählt von ersten Besiedlungsspuren um 800–700 v. Chr. Somit lässt sich die Verwendung des Hauspferdes in Süddeutschland in die Urnenfelder- oder Jüngere Bronzezeit datieren.

Aus keltischen Heiligtümern sind Belege für Pferdeopfer bekannt (z. B. Gournay-sur-Aronde, Frankreich).

Bei den Germanen dienten Pferde als Orakel, ein Brauch, der auch von den frühmittelalterlichen Slawen belegt ist (Jaromarsburg). In Tacitus' Germania (ca. 98 n. Chr.) ist Folgendes über Pferde bei den Germanen vermerkt:

„Und der verbreitete Brauch, Stimme und Flug von Vögeln zu befragen, ist auch hier bekannt; hingegen ist es eine germanische Besonderheit, auch auf Vorzeichen und Hinweise von Pferden zu achten. Auf Kosten der Allgemeinheit hält man in den erwähnten Hainen und Lichtungen Schimmel, die durch keinerlei Dienst für Sterbliche entweiht sind. Man spannt sie vor den heiligen Wagen; der Priester und der König oder das Oberhaupt des Stammes gehen neben ihnen und beobachten ihr Wiehern und Schnauben. Und keinem Zeichen schenkt man mehr Glauben, nicht etwa nur beim Volke: auch bei den Vornehmen, bei den Priestern; sich selbst halten sie nämlich nur für Diener der Götter, die Pferde hingegen für deren Vertraute.“

Antike

Skelett eines Pferdes in einem römischen Wassergraben, freigelegt bei einer archäologischen Grabung in London

In den Homerischen Epen der Antike ziehen Pferde vor allem Streitwagen, wie dies auch im ägyptischen Neuen Reich und bei den Assyrern und Hethitern üblich gewesen war. Bei der Bestattung des Patroklos (Ilias 23, 163) wurden auch Pferde geopfert: „...vier halskräftige Rosse warf er stracks auf das Scheitergerüst mit heftigem Stöhnen...“ Das Pferd galt in der griechischen Antike darüber hinaus als symbolisch mit dem Tod verbunden. Auf Heldenabbildungen durchs Fenster schauend dargestellte Pferde deuten den Tod des Helden voraus.

Seit der geometrischen Zeit kommen Streitwagen außer Gebrauch. Kavalleristen auf immer größer gezüchteten Pferden erwiesen sich mit zunehmender Reitkunst als schneller, wendiger und damit effektiver als Kämpfer auf Streitwagen. Bereits in der griechischen Antike hatte die Pferdezucht ein hohes Niveau erreicht, obwohl keine Hinweise auf die Zucht verschiedener Schläge vorliegen. Griechische Reitpferde erreichten eine Schulterhöhe von bis zu 140 cm, in Ausnahmefällen auch bis zu 147 cm. Ähnlich groß waren römische Pferde, sowie germanische Pferde der römischen Kaiserzeit.[11]

Bei den Olympischen Spielen der Antike waren traditionell am zweiten Tag die Disziplinen Wettreiten und Wagenrennen vorgesehen.

Der griechische Historiker Xenophon schrieb im 4. Jahrhundert v. Chr. das Werk Peri hippikes („Über die Reitkunst“), in der er das Wissen über Pferde und Reiten zusammentrug. Die meisten Ratschläge aus diesem Werk haben auch heute noch Gültigkeit.

Das Hufeisen war bereits den Römern bekannt und wurde im 5. Jahrhundert während der Völkerwanderung nach Europa gebracht. Der genaue Ursprung dieser Erfindung ist unbekannt. Dagegen gelang es den Römern nicht, ein für Pferde geeignetes Lastgeschirr zu entwickeln. Geeignete Methoden für den Lasttransport mit Pferdekarren kamen erst sehr viel später auf.

Mittelalter

Anatomie eines Pferdes nach einer ägyptischen Darstellung aus dem 15. Jahrhundert

Am Übergang der Antike ins Mittelalter, also in der Völkerwanderungszeit nahm die Größe der Pferde geringfügig zu. Aus den zahlreichen Pferdegräbern dieser Zeit ergibt sich eine Widerristhöhe von etwa 120 bis 150 cm. Spätestens seit dem 8. Jahrhundert lässt sich eine gezielte Zucht von Streitrossen beziehungsweise Gebrauchspferden, etwa Zeltern nachweisen.[11] Im frühen Mittelalter breitete sich der Steigbügel allmählich in Mitteleuropa aus, der vermutlich von den Awaren eingeführt wurde, aber sich offenbar nur allmählich verbreitete.[12]

Der Einsatz des Pferdes als Arbeitstier wurde erst im 9. Jahrhundert durch die Einführung des Kummets möglich. Das Kummet ist ein gepolsterter Halskragen und wurde in China erfunden. Die bis dahin üblichen Geschirre schnürten den Pferden bei großer Zugkraft die Luft ab und waren nur für leichtlaufende Wagen, nicht aber für schwere Arbeit geeignet. Vorher wurden in der Landwirtschaft vor allem Ochsen eingesetzt, denen das Zuggeschirr am Schädel befestigt wurde. Durch das Kummet konnten Pferde zum Beispiel zum Ziehen eines Pfluges eingesetzt werden. Da ihre Arbeitsleistung bedeutend größer als die von Ochsen war, bedeutete dies zusammen mit anderen Neuerungen wie der Dreifelderwirtschaft eine landwirtschaftliche Revolution. Ochsen blieben jedoch vielerorts die vorwiegenden Zugtiere von schwerem Ackergerät. Das zur gleichen Zeit eingeführte Brustblattgeschirrs verbesserte die Zugleistung des Pferdes vor einem Wagen.[11]

Gab es im Frühen Mittelalter nur relativ geringe preisliche Unterschiede, waren Reittiere im Hochmittelalter wesentlich teurer als Zugpferde[11] und nahezu ausschließlich dem Adel vorbehalten. Durch den Einsatz von berittenen Kämpfern in Schlachten bildete sich die Schicht der Ritter heraus. Aus dieser zunächst rein militärisch begründeten Tradition des Reitens entstand später die klassische höfische Reitkunst.

Als älteste Pferderasse kann der Araber gelten, der auf der Arabischen Halbinsel gezüchtet wurde. Bereits im 9. Jahrhundert kamen einige dieser wertvollen Tiere nach Europa. In Mitteleuropa begann sich die Pferdezucht verschiedener Rassen erst im späten Mittelalter stärker zu entwickeln. So wurden für die durch ihre Panzerung immer schwerer werdenden Ritter größere, kräftigere und damit auch eher grobknochige Pferde benötigt. Das klassische Ritterpferd des 14. Jahrhunderts ist das Resultat dieser Bestrebungen. Vereinzelte Funde von sehr großen Pferden mit einer Schulterhöhe von 160 cm belegen diese Versuche sehr große Pferde zu züchten. Die spätmittelalterlichen Ritterpferde waren allerdings keine Kaltblutpferde. Diese riesigen Tiere sind eine Züchtung der Neuzeit und erst seit dem 19. Jahrhundert weiter verbreitet.[11]

Neue Welt

Auf dem amerikanischen Doppelkontinent gab es keine domestizierten Pferde. Zwar hatte es ursprünglich auch in Amerika Wildpferde gegeben, diese aber waren vor einer möglichen Domestikation ausgestorben. Erst die Europäer brachten das Hauspferd nach Amerika. In Nordamerika entliefen einige der Pferde und bildeten Herden frei laufender Mustangs. Hierdurch begegneten die Indianer erstmals Pferden. Der Kontakt veränderte die Lebensweise mancher Völker radikal. Vor allem die Völker der Prärie konnten durch die Schnelligkeit des Pferdes die Bisons leichter erbeuten und durch ihre höhere Mobilität weitere Jagdzüge unternehmen und so mehr Büffel erlegen als zuvor.

Neuzeit

Aus dem großen, schweren Pferdetypus der mittelalterlichen Ritter gingen nach dem Niedergang der Ritterzeit die heutigen Barockpferde hervor. Seit der Barockzeit waren spanische Pferderassen wie die Andalusier sehr beliebt geworden. Sie waren aus der Veredelung von einheimischen spanischen Pferderassen mit Araberpferden entstanden. Im Jahr 1562 importierte Kaiser Maximilian II solche Pferde nach Österreich. Aus diesen Tieren entstanden später die bekannten Lipizzaner. Nur wenige Jahre später, im Jahr 1572, begann auch die Tradition der Spanischen Hofreitschule in Wien.

Eine ganz andere Art von Pferd ist das englische Vollblut, dessen Zucht in England im 17. Jahrhundert begann, indem importierte orientalische Hengste mit englischen Rennpferden gekreuzt wurden. Ihr Temperament, ihre Ausdauer und Schnelligkeit lässt sie bis heute den prestigeträchtigen Galopprennsport dominieren.

Die Erfindung von Automobil und Traktor machte im Verlauf des 20. Jahrhunderts das Pferd als Transportmittel und als Arbeitstier in den Industrieländern überflüssig.

Verwendung im Dienst des Menschen

Bauer mit Zweigespann und Einscharpflug
Doppeldeckwagen von Dresdens erster Pferdestraßenbahn Böhmischer Bahnhof-Tannenstraße, eröffnet 1872

Während Vollblüter und die etwas ruhigeren Warmblüter Reittiere sind und auch als Zugtiere vor leichten Kutschen verwendet werden, sind die eher massigen Kaltblüter von langsamerer Gangart und fast ausschließlich Zug- und Arbeitstiere. Letztere wurden in der Vergangenheit zum Ziehen von schweren Fuhrwerken, zum Bestellen von Äckern (Ackergaul), zum Schleppen von gefällten Bäumen (Rückepferd), zum Treideln von Schiffen (Kanalpferd) und ähnlichen Kraftarbeiten eingesetzt. Da moderne Forst- und Ackermaschinen die Pferde aus diesen Bereichen verdrängt haben, sind Kaltblüter heutzutage selten geworden. Mittlerweile werden Pferde zunehmend wieder bei Garten- und Forstarbeiten eingesetzt, da sie den Boden kaum verdichten und im Wald flexibler und bestandsschonender als Maschinen arbeiten.

In den Anfangszeiten des Schienenverkehrs wurden im 19. Jahrhundert häufig Arbeitspferde im öffentlichen Personennahverkehr als Zugtiere für Pferdebahnen als Eisen- oder Straßenbahn eingesetzt, bis sie noch vor dem 20. Jahrhundert durch die Dampflokomotive oder den elektrischen Straßenbahn-Triebwagen verdrängt wurden. In vielen Städten existierende Pferdeomnibus-Linien wurden durch motorbetriebene Omnibusse ersetzt.

Noch in den 1950er und 1960er Jahren wurden zähe Ponys als Grubenpferde eingesetzt, die unter härtesten Arbeitsbedingungen unter Tage die Förderwagen zwischen Stollen und Förderkörben transportierten.

Die meisten Pferde werden heute als Sport- und Freizeitpferde gehalten. Als Freizeitpferde werden häufig auch größere Ponys wie Haflinger, Norweger oder Tinker gehalten, die sich vor allem durch Leichtfuttrigkeit und Anspruchslosigkeit auszeichnen. Als Gebrauchspferd dient heute noch das Polizeipferd, das meistens aus der Sparte der größeren Rassen, wie beispielsweise der Hannoveraner oder der Westfalen kommt.

Bei der deutschen Bundeswehr (Kompanie in Einsatz- und Ausbildungszentrum für Gebirgstragtierwesen 230 der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall) und im Österreichischen Bundesheer (Tragtierkompanie der 6. Jägerbrigade in Hochfilzen) werden noch Haflinger und Maultiere als Tragtiere gehalten und ausgebildet. Die Schweizer Armee verwendet auch in der reformierten „Armee XXI“ in ihren Train-Kolonnen noch Freiberger Pferde, Schweizer Warmblutpferde (als Offizierspferde) und Maultiere. Die Ausbildung erfolgt im „Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere“ in Urtenen-Schönbühl.

Einige Länder mit schwer zu überwachenden Grenzen setzen vereinzelt berittene Patrouillen ein (z. B. Schweiz). Eher selten sind Sanitätspferde in Sanitätsreiterstaffeln.

Fütterung der Pferde

Anatomie eines Hengstes
Skelett eines Pferdes mit Umriss. a: Schulterblatt b: Becken c: Oberschenkel d: Unterschenkel e: Knie f: Ferse g: Mittelfuß h: Zehe i: Oberarm k: Unterarm l: Handgelenk m: Mittelhand o: Zehe p: Rippen r: Wirbelsäule
Schädel eines Pferdes
Kaufläche des Backenzahns eines Hauspferdes
Vorderzahn eines Pferdes. a: Knochensubstanz, b: Zahnbein, c: Schmelz d: Kunde
Vorderzähne eines Pferdes. Oben die Zeit des Hervorbrechens: 4-5 Monate, 4-6 Wochen und 8–14 Tage. Unten die Zeit des Zahnwechsels: 2 ½ Jahre, 3 ½ Jahre und 4 ½ Jahre

Traditionelle Futtermittel sind neben dem Weidegang Heu, Stroh sowie Hafer und Fertigfuttermittel mit einem Eiweiß-Stärkewertverhältnis von 1:8–10 in der täglichen Futterration. Der Grundfutterbedarf wird bei einem Warmblutpferd mittlerer Größe mit 6 kg Heu pro Tag gedeckt. Pro Stunde Arbeit wird ein Zusatz von ca. 1 kg Kraftfutter bis maximal 5 kg pro Tag (meist in Form von Hafer) empfohlen. Darüber hinaus sind bei der Pferdefütterung die individuellen Bedürfnisse eines jeden Tieres zu berücksichtigen. So haben Fohlen und Jungpferde sowie tragende und säugende Stuten einen deutlich erhöhten Eiweißbedarf, bei Sportpferden sollte hingegen auf den Einsatz von besonders energiereichen Futtermitteln geachtet werden und bei älteren Pferden muss auf die geringere Futterverwertbarkeit Rücksicht genommen werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Mineralstoffversorgung, da es hier oft zu Mangelerscheinungen kommt. Um dem Pferd die Möglichkeit zu bieten, seinen Mineralhaushalt selber zu regulieren, kann man Lecksteine vorzugsweise in den Futtertrog legen. Ein Salzleckstein (Kochsalz, chemisch Natriumchlorid) ist unverzichtbar. Minerallecksteine, die zusätzlich Spurenelemente enthalten, werden nicht von allen Pferden akzeptiert.

Bei der Fütterung sollte stets beachtet werden, dass dem Tier genügend Raufutter (Heu und Stroh) zur Verfügung steht. Das Raufutter spielt bei der Intakthaltung der Bakterienkulturen im Darmtrakt des Pferdes eine wichtige Rolle. Zudem dient es – durch seine spezielle Struktur – der Zahnpflege und beugt der Zahnhakenbildung vor. Die Deckung des Kalorienbedarfes durch hauptsächliche Haferfütterung ist abzulehnen. Viele Fertigfuttermittel bestehen zum größten Teil aus gepresstem Heu. In diesem Fall ist erwiesen, dass die Tiere pro Zeiteinheit das Mehrfache an Heu zu sich nehmen wie bei Heufütterung und infolgedessen entweder eine Überfütterung erleiden oder (bei korrekter Menge) die meiste Zeit unbeschäftigt und gelangweilt herumstehen müssen.

Pferde benötigen täglich frisches Wasser. Die Menge hängt in hohem Maß von Witterung, Fütterung und Gewicht ab und kann bis zu 60 Liter am Tag betragen, bei reiner Grünfütterung aber auch erstaunlich gering ausfallen (ein bis zwei Liter am Tag bei ca. 500 kg Körpergewicht). Mangelnde Wasserversorgung kann zu schweren Verdauungsstörungen bis zu lebensgefährlichen Koliken führen. Optimal zur Wasserversorgung ist die Installation einer Selbsttränke, bei der das Pferd durch Druck auf eine Metallzunge das Tränkebecken selbst befüllen kann. Die Zuleitungen müssen allerdings im Winter frei von Frost gehalten werden, da durch Einfrieren des Wassers die Tränkevorrichtungen außer Funktion geraten oder die Zuleitungen beschädigt werden können. Im Allgemeinen ist bei der Lagerung vom Futter darauf zu achten, dass das Futter weitestgehend für Mäuse unzugänglich aufbewahrt wird, da diese durch Kot/Urin auch Krankheitserreger an das Futter abgeben. Heu muss unbedingt trocken eingebracht und vollkommen regensicher gelagert werden. Sonst besteht die Gefahr der Selbstentzündung durch bakteriell verursachte Erhitzung im Heu. Wer Heu lagert, ist gesetzlich verpflichtet, die Temperatur im Innern des Heuhaufens zu überwachen und darüber Buch zu führen.

Für Pferde giftige oder ungenießbare Pflanzen, unter anderem Efeu und Greiskräuter, werden meist nur gefressen, wenn sonst keine ausreichende Versorgung mit Grünfutter vorliegt, z. B. auf fast kahlgefressenen Weiden. Eine besondere Gefahr besteht für Pferde durch giftpflanzenhaltiges Heu, das aber nicht von allen Pferden angenommen wird. Gemähtes Grünfutter wird oft wesentlich kritikloser gefressen als Gras, Kräuter oder Sträucher auf der Weide, wo die Tiere sehr sorgfältig wählen, was genießbar ist. Hier zeigen Pferde ein bemerkenswertes Geschick, versehentlich abgerupfte, ungenießbare Pflanzen ohne Unterbrechung des Grasens und Kauens nebenher auszusortieren und wieder fallen zu lassen.

Am Anfang und Ende der Weidesaison ist zur Vorbeugung gegen Verdauungsstörungen und Koliken auf eine allmähliche Futter-Umstellung zu achten, d. h. anfangs nur kurzer, im Verlauf von zwei bis drei Wochen erweiterter Weideaufenthalt (sonst droht Durchfall) und im Herbst langsam erhöhte Zufütterung von Heu (Verstopfungsgefahr). Auch Fallobst kann problematisch sein, wenn z. B. witterungsbedingt der Weidegang unterbrochen wurde und sich dadurch ungewohnt große Mengen an herumliegendem Obst angesammelt haben. Ebenso ist Vorsicht angezeigt beim Wechsel von Weiden mit sehr unterschiedlicher Vegetation.

Leistungsvermögen des Hauspferdes

Die Pferdestärke (PS) als Maß für die Leistung geht auf James Watt (1736–1819) zurück, der mit dieser Leistungsangabe seiner Dampfmaschinen deren Überlegenheit gegenüber dem Antrieb durch Pferde vermitteln wollte.[13]

1 PS ist nach DIN 66036 als die Leistung definiert, die erbracht werden muss, um einen Körper der Masse m = 75 kg entgegen dem Schwerkraftfeld der Erde (bei Erdbeschleunigung 9,80665 m/s²) mit einer Geschwindigkeit von 1 m/s zu bewegen.[14]

Die Leistung eines Pferdes kann je nach Rasse, Trainingszustand oder augenblicklicher Anstrengung erheblich von diesem Maß abweichen.

Die normale Dauernutzleistung im Schritt soll entsprechend einer Untersuchung von Johannes Flade bei einem Kaltblüter von 750 kg Lebendgewicht 1,2 PS, einem 600 kg schweren Warmblut 1,1 PS und einem 200 kg wiegenden Shetlandpony 0,4 PS betragen.[15]

Nach Gustav Fischer (Landmaschinenkunde 1928) können schwere Pferde wie Belgier / Rheinländer mit 700–800 kg Lebendgewicht bei langsamer Schrittgeschwindigkeit von 1 m/s eine Dauerzugkraft von 100 kg, leichtere Lastpferde aus Holstein oder Oldenburg mit Lebendgewichten von 600–650 kg mit Geschwindigkeiten von 1–1,2 m/s eine Dauerzugkraft von 75–80 kg erbringen.

Dass Kaltblutpferde kurzfristig nahezu 30 PS und Warmblutpferde beim Galopp oder beim Springreiten kurzfristig über 20 PS leisten können, wurde in zahlreichen Leistungsprüfungen durch die Zuchtverbände der Pferderassen festgestellt.

Das Pferd als Fleisch-, Milch- und Lederlieferant

Vor der Domestikation des Pferdes wurden die Tiere als Fleischlieferanten gejagt. In Krisenzeiten galt Pferdefleisch oft als notwendige Hungerration. So erhielten z. B. Soldaten in Stalingrad als Tagesration: 200 g Brot, 120 g Frischfleisch oder 200 g Pferdefleisch, 50 g Käse oder 75 g Frischwurst, 30 g Butter, Margarine oder Schmalz bzw. 120 g Marmelade, 3 Portionen Getränke und 3 Zigaretten, 1 Zigarre oder 25 g Tabak. Im Jahr 2001 wurden weltweit schätzungsweise 153.000 Tonnen Pferdefleisch gegessen.

Eine regionale Spezialität, die in ihrer ursprünglichen Form aus Pferdefleisch (heute oft ersatzweise Rindfleisch) hergestellt wird, ist der Rheinische Sauerbraten. Durch Einlegen des Fleisches für mehrere Tage in eine Beize verliert es seinen strengen Geschmack.

Die Bedeutung des Pferdes als Fleischproduzent innerhalb der EU ist noch immer hoch. Die Medikation eines Pferdes ist nur dann uneingeschränkt möglich, wenn der Besitzer einen Pferdepass hat, in welchem er erklärt, dass das Tier nicht zur Fleischverwertung kommen wird. Zusätzlich muss jede medikamentöse Behandlung eingetragen werden. Falls das Pferd doch geschlachtet werden soll, ist ein Mindestzeitabstand einzuhalten. Im Rheinland und in Ostdeutschland gibt es heute noch etwa 100 Pferdemetzger.

Die jüdische Religion verbietet den Konsum von Pferdefleisch. Ein solches ausdrückliches Verbot existiert zwar im Islam und im Christentum nicht, in beiden Kulturkreisen wurde das Essen von Pferdefleisch aber missbilligt. Von Papst Gregor III. ist überliefert, dass er 732 das Essen von Pferden als heidnische Abscheulichkeit verurteilte, die es auszumerzen gelte.

Stutenmilch dient vornehmlich den Fohlen in den ersten Lebensmonaten als natürliche Nahrung. Sie ist in der Zusammensetzung der menschlichen Milch sehr ähnlich und findet deshalb als Muttermilchersatz bei neugeborenen Säuglingen Verwendung.[16] Darüber hinaus wird sie bei Heilbehandlungen und als Inhaltsstoff in Kosmetika verwendet. Stutenmilch ist auch die Grundlage zur Herstellung von Kumys.

Die sogenannten Rosshäute werden großenteils der Lederverarbeitung zugeführt, so etwa der Schuhindustrie (siehe Cordovan). Fohlenfelle wurden, insbesondere im 20. Jahrhundert, zu Pelzbekleidung verarbeitet.

Bezeichnungen, Rassen, Fellfarben, Abzeichen

Das männliche Pferd heißt entweder Hengst oder, falls es kastriert (gelegt) ist, Wallach. Das weibliche Pferd nennt man Stute. Jungtiere werden Füllen oder Fohlen genannt; Einjährige Pferde werden Jährling genannt. Ein Pferd ist mit vier Jahren erwachsen, kann aber bis zum Alter von sechs Jahren auswachsen.

Pferderassen

Die Pferderassen lassen sich nach der Größe in

einteilen.

Wenn es um eine Zulassung zu einem Wettbewerb geht, ist jedes Pferd, das am Widerrist weniger als 147,3 cm misst, ein Kleinpferd, darüber ein Großpferd. Damit sind Großpferde das, was im allgemeinen Sprachgebrauch als ein normales Pferd bezeichnet wird, nicht etwa besonders große Pferde.

Fellfarben

Es gibt eine große Zahl verschiedener Pferdefarben und deren Bezeichnungen, die teilweise von Gegend zu Gegend variieren. Die wichtigsten Grundfärbungen sind Rappe, Brauner, Fuchs, Schimmel, Schecke, Falbe und Isabelle (siehe auch Fellfarben der Pferde und Genetik der Pferdefarben).

Abzeichen

Die individuellen farbigen (meist weißen) Fellzeichnungen und Fellwirbel werden Abzeichen genannt und neben Brandzeichen und Farbe zur Identifizierung herangezogen. Typische Stellen für Abzeichen sind an den Beinen oder am Kopf. Man unterscheidet echte und unechte Abzeichen. Echte Abzeichen sind schon das ganze Leben vorhanden (z. B. Blesse). Unechte Abzeichen kommen erst im Laufe des Lebens dazu, z. B. weiß nachgewachsenes Haar an Stellen, an denen das Haar abgescheuert wurde.

Veraltete, umgangssprachliche und mundartliche Bezeichnungen

  • Beschäler ist der Zuchthengst.
  • Dobbin (Kurzform für Robert) als Name eines Arbeitspferdes ist aus dem Englischen über die Wielandsche Übersetzung des Kaufmanns von Venedig auch in das Deutsche eingegangen.
  • Enter ist im norddeutschen Raum ein einjähriges Jungtier (Jährling)
  • Füllen ist eine veraltete Bezeichnung des Fohlens, früher bis zum Vierjährigen verwendet.
  • Ganzer (veraltet) ist ein unverschnittener Hengst.
  • Gaul ist im südfränkischen Dialektgebiet die gebräuchliche Bezeichnung für Pferd. Der Ackergaul ist ein mittleres bis schweres Pferd im landwirtschaftlichen Einsatz.[17]
  • Gurre oder Gorre ist eine alte Stute oder ein schlechtes Pferd. Die Redewendung Gaul um Gurre bedeutet Gleiches mit Gleichem, eine Bissgurke oder Pissgurke (volksetymologisch verschliffen) eine zänkische Frau (vgl. stutenbissig).
  • Heiler oder Heilpferd (veraltet) ist ein junger Wallach.
  • Hutsch ist ein fränkisch-alemannischer Dialektausdruck für Fohlen
  • Klepper bezeichnet umgangssprachlich ein unterernährtes oder altersschwaches Hauspferd.
  • Kracke ist norddeutsch ein altes schlechtes Pferd.
  • Mähre ist in oberdeutschen Dialekten ein Synonym für Stute und Pferd. Eine Schindmähre ist so mager, dass sie eigentlich auf den Schindanger gehört. Von dem Wort Mähre leitet sich der Marschall und möglicherweise der Meerrettich (vgl. englisch horse-radish) ab.
  • Mönch ist eine Bezeichnung für den Wallach.
  • Pag(h)e ist ein niederdeutsches Wort für das Pferd, lokal auch für Hengst und/oder für Wallach. Dazu gehört der Familienname Pagenstecher, dessen etymologische Bedeutung allerdings unklar ist.
  • Reisiges Pferd ist ein Reitpferd.
  • Renner ist ein schnelles, gutes Reitpferd.
  • Rosinante, das alte Pferd von Don Quichotte, ist zum Pferde-Spitznamen geworden.
  • Ross ist ein sehr edles Pferd, das als Schlachtross seinen Reiter in den Kampf trug.
    • Der Topinambur (Helianthus tuberosus) in Süddeutschland Ross-Erdapfel genannt; früher ein beliebtes Futter für Arbeitspferde.
    • Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), heißt so, weil mit ihren Extrakten Pferde gegen Husten und Würmer behandelt wurden.
  • Rune, Ruun oder Raune ist ein plattdeutscher Ausdruck für Wallach
  • Strenze (veraltet) ist eine schlechte Stute.
  • Strute ist noch bis zur Mitte des 17. Jh. für Pferdeherde verwendet worden und wird noch in einigen westmitteldeutschen Dialekten für Stute gebraucht.
  • Stute in der alten Bedeutung Pferdeherde hat sich zum Beispiel im Ortsnamen Stuttgart und im Begriff Gestüt erhalten.
  • Tööt ist eine nordniedersächsische Bezeichnung für Stute.
  • Wutsch ist ein elsässisch-pfälzischer Dialektausdruck für Fohlen.
  • Zelter war im Mittelalter ein edles leichtes Reitpferd oder Maultier, das wegen seines besonders ruhigen Zeltgangs (Tölt) besonders für Frauen geeignet war.
  • Das Wort „Zosse“ oder „Zossen“ bezeichnet umgangssprachlich ein Hauspferd. Das Wort kommt wohl aus dem Jiddischen (hebräisch סוס sus bedeutet Pferd) und wird besonders im Plattdeutschen verwendet (auch Zurre oder Zöre).

Siehe auch: Liste fiktionaler Tiere

Zitat

„Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde (originaler Text: Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, in der Gesundheit des Leibes und am Herzen des Weibes)“

Friedrich von Bodenstedt, Die Lieder des Mirza-Schaffy: Vermischte Gedichte und Sprüche 34. Arabisches Sprichwort, 1851

Pferde in Mythologie und Geschichte

Zentaur. Dekorative Kupferplatte vergoldet und emailliert. Frankreich 1160–1170

Die ältesten erhaltenen Abbildungen von Bisons, Hirschen und Pferden sind die rund 15.000 Jahre alten Malereien in der Höhle von Altamira in Nordspanien. Kikkuli war im 15. Jahrhundert v. Chr. der Verfasser des ersten hippologischen Handbuchs, dessen detailliertes Trainingsprogramm ermöglichte, statt bisher einem, nun zwei Pferde vor die leichten Streitwagen zu spannen. Dieses verschaffte den Hethitern erhebliche Vorteile in den Kämpfen gegen ihre Nachbarn. In der Schlacht bei Qadeš 1274 v. Chr. gelang den Hethitern der Sieg über den ägyptischen Pharao Ramses II., der sich nur knapp mit seinem goldbeschlagenen Streitwagen in Sicherheit bringen konnte. Die Pferde der Hethiter waren klein. Dagegen muss es im nachfolgenden urartäischen Reich größere Pferde gegeben haben. König Menua (reg. um 810–785 v. Chr.) besaß ein Pferd namens Arsibini, das einer Keilschrift auf einem Stein zufolge einen Sieg im Weitsprung errungen haben soll. Die enge Beziehung des Menschen zum Pferd hat dazu geführt, dass es in der Mythologie vieler Völker zahlreiche Pferdegestalten gibt, denen eine religiöse Bedeutung zukommt. Die griechische Mythologie ist reich an Pferden und pferdeähnlichen Wesen:

  • Der Sonnengott Helios lenkte anfangs ein Stiergespann, später einen von feuersprühenden Rossen gezogenen Wagen über die Himmelsbahn. Auf Abbildungen erscheint er mit Strahlenkranz, seine Zugpferde besitzen Flügel und vor dem Wagen rennen Jungen, die sich aufmachen, in die Tiefe zu springen. So verteilen sich die Sterne. Eos, die Göttin der Morgenröte, und die Mondgöttin Selene sind zwei Schwestern des Helios, die seinem Wagen vorausgehen.[18]
  • Der Meeresgott Poseidon trägt des Beinamen Hippios als Gott der Pferde. Als er sich in seine Schwester Demeter verliebte, verwandelte sich diese in eine Stute, um ihm zu entfliehen. Poseidon verfolgte sie in Gestalt eines Hengstes und überwältigte sie. Aus dieser Vereinigung ging das Wunderpferd Areion hervor.
  • Der starke Held Herakles musste im Auftrag von König Eurystheus zwölf Aufgaben erledigen. Eine davon war, die vier menschenfressenden Rosse des Diomedes zu rauben. Heimlich drang Herakles in den Stall ein, in dem die Bestien an Eisenketten festgebunden waren, tötete den durch das Wiehern der Tiere herbeigeeilten Diomedes, den er ihnen zum Fraß vorwarf. Anschließend konnte er die beruhigten Pferde mit sich treiben.
  • Der Zentaur ist ein Mischwesen aus Mensch und Pferd, anstelle eines Pferdekopfs ist der Oberkörper eines Menschen zu sehen. Es gab zahlreiche Zentauren, die meisten davon unfreundliche Wesen. Die zwei berühmtesten Zentauren, Pholos und Cheiron, waren allerdings freundliche und kluge Vertreter ihrer Rasse.
  • Ein Mischwesen aus der vorderen Hälfte eines Pferdes mit dem hinteren Teil bestehend aus Flügeln, Schwanz und Beinen eines Huhns ist der Hippalectryon.
  • Der vordere Körper des Hippokamp bestand aus einem Pferdeleib, hinten wuchs ihm ein langer Fischschwanz. Von ihm ist der lateinische Namen der Seepferdchen, Hippocampina abgeleitet.
  • Pegasus war ein geflügeltes, halbgöttliches Pferd, das Bellerophon bei zahlreichen Heldentaten half, unter anderem beim Töten der Chimäre.
  • Das Trojanische Pferd war ein hölzernes Pferd, in dessen Innerem sich die Griechen versteckten, um in die Stadt Troja hinein zu gelangen und die Stadt zu erobern.
  • Bukephalos war das legendäre Pferd Alexanders des Großen. Ihm wurden zahlreiche mythische Eigenschaften angedichtet, angeblich konnte es sprechen; es geht aber sehr wahrscheinlich auf ein wirklich existentes Pferd zurück.

Der römische Kaiser Caligula (reg. 37–41) wollte sein Lieblingspferd Incitatus angeblich zum Konsul ernennen. Die Geschichte dient als Beleg für den Größenwahnsinn des Herrschers.

Aus der persischen Mythologie ist der Hengst Rakhsh bekannt. Der Mythos vom legendären Einhorn, einem Pferd mit Ziegenhufen, dem Schwanz eines Löwen und mit einem Horn auf der Stirn, stammt wahrscheinlich aus Indien. Einhörner kamen nicht in der griechischen Mythologie vor, wohl aber in naturwissenschaftlichen Beschreibungen des Aristoteles und des Plinius.

Odin auf seinem achtbeinigen Pferd Sleipnir. Illustration in einem isländischen Manuskript von 1765/66

In der nordischen Mythologie gibt es Sleipnir, das achtbeinige Pferd des Gottes Odin, sowie die Pferde Arvak und Alsvid, die den Wagen der Sonne über den Himmel zogen. Von den beiden Merseburger Zaubersprüchen ist der Zweite ein Zauberspruch um den gebrochenen Fuß des Pferdes zu heilen. Andere althochdeutsche Autoren verfassten auch Zaubersprüche, um das Pferd von seinem Lahmen zu heilen. Verwendung fand das Pferd auch als Wappentier.

Gemäß der islamischen Überlieferung reist der Prophet auf dem geflügelten weißen Pferd Buraq in einer Nacht zum Himmel und kehrt anschließend nach Mekka zurück. Im islamischen Volksglauben der Gnawas in Marokko trägt – angelehnt an Mohammeds Reittier – ein Buchari genanntes Pferd die in Trance gefallenen Teilnehmer der Besessenheitszeremonie Derdeba. In der persischen Miniaturmalerei sind häufig komposite (aus mehreren Figuren zusammengesetzte) Kamele, Elefanten oder Pferde zu sehen, die ein himmlisches Wesen oder einen Herrscher tragen.

Das in den Veden beschriebene Pferdeopfer Ashvamedha war das aufwendigste Ritual der altindischen Religion. In der im Hinduismus überlieferten indischen Mythologie besitzt das Pferd als Reittier (Vahana) zahlreicher Gottheiten Bedeutung. Am bekanntesten ist der in Gestalt eines Jünglings auf einem Pferd stehend oder sitzend dargestellte Sonnengott Surya. Seine menschengestaltige Darstellung auf einem Wagen (Ratha) kam wahrscheinlich über Persien nach Indien. Sein Wagenlenker ist Aruna, die Morgenröte. Die sieben Pferde des Sonnenwagens symbolisieren die sieben Wochentage.

Die zehnte irdische Herabkunft (Avatara) des Himmelsgottes Vishnu heißt Kalki. Er wird selbst als weißes Pferd vorgestellt oder als Reiter auf dem weißen Pferd Devadatta. Ebenfalls auf weißen Pferden reiten die südindischen Schutzgottheiten Aiyanar in Tamil Nadu und der im Ritual Ayyappan tiyatta in Kerala verehrte Ayyappan. Beide haben sich aus Geistwesen (Bhutas) der Volksreligion zu hinduistischen Göttern entwickelt. In lokalen Glaubensvorstellungen kommen weitere beschützende Bhutas in Pferdegestalt vor. Der an seinem dicken Bauch erkennbare Gott des Reichtums, Kubera, besitzt je nach mythischer Erzählung unterschiedliche Reittiere, darunter ein Pferd. Hayagriva kann ein Dämon mit Pferdekopf oder Vishnu in Menschengestalt mit Pferdekopf sein, wenn er den Gott des Lernens verkörpert. Einen Pferdekopf trägt auch Tumburu, der Leiter der im Himmel musizierenden Gandharvas.

Krishna tötet den Pferdedämon Keshi. Guptazeitliches Relief aus Terrakotta. 5. Jahrhundert, Uttar Pradesh, Indien

Keshi ist nach dem Bhagavatapurana ein Dämon (Asura) in Pferdegestalt, der von Krishna, einer weiteren Herabkunft Vishnus, zur Strecke gebracht wird. Im religiösen Tanzdrama Ras lila wird Krishnas vergnügliches Spiel mit den schönen Kuhhirtinnen (Gopis) und besonders mit seiner Geliebten Radha dargestellt. Als Krishna in seinem Pferdewagen abreisen will, ziehen die Damen ein Rad von der Achse, sodass der Wagen zusammenbricht und Krishna aussteigen muss. Im Spiel formen mehrere Gopis mit ihren Körpern ein Pferd, auf das Krishna aufsitzen kann.[19] Komposite Pferde aus Frauenleibern werden in zahlreichen Variationen in der indischen Lyrik beschrieben und in der Miniaturmalerei abgebildet.[20]

Im Epos Mahabharata taucht ein gewisser Galava auf, ein Schüler des mythischen Weisen (Rishi) Vishvamitra. Nach Beendigung von Galavas langjährigen Studien fordert ihn sein Lehrer auf, zum Abschied 800 weiße Pferde, ein jedes mit einem schwarzen Ohr, beizubringen. Nur mit Hilfe des Göttervogels Garuda und mehrerer Könige gelingt es in einer detailreich überlieferten Geschichte, die Tiere aufzutreiben und dem Weisen zu übergeben.[21]

Kanthaka hieß das Lieblingspferd Siddhartha Gautamas in der buddhistischen Überlieferung. Bevor Prinz Siddharta das irdische Leben aufgab und zum Buddha wurde, diente ihm der gelehrige weiße Hengst wann immer er Abenteuer zu bestehen hatte. Auch als Siddharta heimlich aus dem königlichen Palast floh, um der Welt zu entsagen, ritt er auf Kanthaka. Ein gesatteltes reiterloses Pferd kann demzufolge nach buddhistischer Vorstellung ein Symbol des Todes sein. Felszeichnungen am oberen Indus in Nordpakistan vor der Zeitenwende sind ebenfalls mit dieser Bedeutung interpretierbar.[22]

Standbild des weißen Pferdes im Bach Ma-Tempel[23] („Tempel des weißen Pferdes“) in Hanoi

Vom Tengrismus, einer alten zentralasiatischen Glaubensvorstellung, hat sich in der schamanistischen Tradition die Vorstellung des Windpferdes als Sinnbild der geistigen Kraft und Seele des Menschen erhalten. In der chinesischen Mythologie steht in der Nähe des einhornartigen Fabelwesens Qilin das Longma genannte Drachenpferd (aus long, „Drachen“ und ma,„Pferd“). Das Pferd gehört zu den Tieren im 60-Jahre-Zyklus des chinesischen Kalenders und zu einem der Tiere, mit denen die zwölf Erdzweige charakterisiert werden.

Einige daoistische Tempel in Hongkong, Taiwan und Vietnam sind Quan Cong gewidmet, einem chinesischen General, der zur Zeit der Drei Reiche von 198 bis 249 lebte. Sein Altarbildnis wird meist zusammen mit einem überlebensgroßen weißen Holzpferd im Vorraum des Tempels als Zeichen der Macht dargestellt. Bei der Freilegung des chinesischen Mausoleum Qin Shihuangdis aus dem Jahr 210. v. Chr. kamen eine in Terrakotta nachgebildete Armee von Tausenden lebensgroßen Soldaten mit ihren Pferden und Streitwagen zum Vorschein. Die Grabbeigaben waren ein Sinnbild für die Macht des ersten chinesischen Kaisers.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Commons: Equus caballus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. C. A. Bingold: Eckdaten Pferd. Großostheim 2007. Abgerufen am 17. Dezember 2007.
  2. J.D. Feist, D.R. McCullough: Behavior patterns and communication in feral horses. In: Animal Cognition Nr. 14, 1976, S. 245–257
  3. M.A. Pacheco, E.A. Herrera: Social Structure of Feral Horses in the Llanos of Venezuela. In: Journal of Mammalogy, Nr. 78, 1977, S. 15–22
  4. K. Krueger, J. Heinze: Horse sense: social status of horses (Equus caballus) affects their likelihood of copying other horses’ behavior. In: Animal Cognition Nr. 11, 2008, S. 431–439
  5. Volltext: Horse sense: social status of horses (Equus caballus) affects their likelihood of copying other horses’ behavior. (PDF; 489 kB)
  6. MapView Eintrag
  7. NIH News: Horse Genome Assembled
  8. C.M. Wade et al.: Genome Sequence, Comparative Analysis, and Population Genetics of the Domestic Horse. Science, doi:10.1126/science.1178158.
  9. Thomas Jansen et al.: Mitochondrial DNA and the origins of the domestic horse. In: PNAS, Band 99, Nr. 16, 2002, S. 10905–10910, doi:10.1073/pnas.152330099, Volltext (PDF)
  10. Vera Warmuth et al.: Reconstructing the origin and spread of horse domestication in the Eurasian steppe. In: PNAS, Online-Vorabveröfentlichung vom 7. Mai 2012, doi:10.1073/pnas.1111122109
  11. a b c d e Hirschberg: Pferd, Esel und Maultier im Mittelalter Streitross, Lasttier, Opfergabe – die Rolle des Pferdes im Mittelalter. Erweiterte und 2013 ergänzte Online Version von: Hirschberg, R. M. (2010): Haustiere im Mittelalter: Das Pferd - Streitross, Lasttier, Opfergabe. Karfunkel - Zeitschrift für erlebbare Geschichte 90:100–106 (ISSN 0944-2677)
  12. Matthew Bennett (Hrsg.): Kriege im Mittelalter Schlachten – Taktik – Waffen. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8062-2223-4
  13. Wie viel PS hat ein Pferd?
  14.  Faltblatt: Die gesetzlichen Einheiten in Deutschland. 2012 (Online Version (PDF-Datei, 84 kB)).
  15. Flade: Shetlandponys. 8. Auflage. Westarp Wiss., Hohenwarsleben 2001, ISBN 3-89432-168-7, S. 111 ff
  16. Zusammensetzung der Stutenmilch im Vergleich zur Kuhmilch und menschlicher Muttermilch
  17. Manfred G. Raupp: Was der Großvater schon wusste – Gedanken zur Entwicklung der Landwirtschaft in Staffort. Bürgerbüro Stutensee-Staffort, 2005
  18. Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen. Band 1: Die Götter und Menschheitsgeschichten. DTV, München 1977, S. 151f
  19. Pashu Kunjar (Composite Horse) Made of Gopis with Krishna Atop. exoticindiaart.com (Kompositpferd mit Gopis und Krishna im Stil indischer Miniaturmalerei)
  20. Jutta Jain-Neubauer: Kṛṣṇa auf kompositen Reittieren. Einflüsse und regionale Entwicklung von der Zeit Alexanders des Großen bis in die der Bhakti-Bewegung. In: Jakob Ozols, Volker Thewalt (Hrsg.): Aus dem Osten des Alexanderreiches. Völker und Kulturen zwischen Orient und Okzident: Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien. Festschrift zum 65. Geburtstag von Klaus Fischer. Du-Mont Dokumente, Köln 1984, S. 230f
  21. John Dowson: A classical dictionary of Hindu mythology and religion, geography, history, and literature. (Originalausgabe 1870) Rupa, Kalkutta u. a. 1987, S. 103f
  22. Volker Thewalt: Pferdedarstellungen in Felszeichnungen am oberen Indus. In: Jakob Ozols, Volker Thewalt (Hrsg.): Aus dem Osten des Alexanderreiches. Völker und Kulturen zwischen Orient und Okzident: Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien. Festschrift zum 65. Geburtstag von Klaus Fischer. Du-Mont Dokumente, Köln 1984, S. 204–218
  23. Bach Ma Temple, Hanoi, Vietnam. Asian Historical Architecture