Havana Club
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| Havana Club International Havana Club Holding |
|
|---|---|
| Unternehmensform | Société Anonyme |
| Gründung | November 1993[1] |
| Unternehmenssitz | Kuba, Luxemburg[2] |
| Unternehmensleitung |
Marc Beuve Mery (2009)[3] |
| Mitarbeiter |
~ 1000 (2007)[4] |
| Umsatz |
200 Mio. US-Dollar (2006)[5] |
| Branche | Spirituosenhersteller |
| Website | |
Havana Club wurde 1935 geschaffen und gilt mittlerweile als der mit Abstand bekannteste kubanische Rum. Er belegte 2007 auf der Impact's Top 100 Spirits Brands Worldwide Platz 79 unter den weltweit 100 meistverkauften Rums.[5] Die Marke gehört Havana Club Holding, und der zugehörige Rum wird von Havana Club International in Lizenz produziert. Beide Unternehmen sind ein Joint-Venture zwischen dem Staatsunternehmen Cuba Ron und dem französischen Unternehmen Pernod Ricard.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Der Ursprung von Havana Club liegt im Jahr 1878, als der Baske José Arechabala, welcher 1862 nach Kuba emigriert war, die Destillerie La Vizcaya (span. für Die Biskaya) in Cárdenas gründete.[6] In den Folgejahren wuchs der Absatz der Destillerie stetig an. 1921 schloss sie sich schließlich mit anderen Destillerien aus dem Ort zu einer Gesellschaft namens José Arechabala S.A. zusammen, welche ins Handelsregister eingetragen wurde. Der erste Präsident wurde der damals 77-jährige José Arechabala, welcher aber schon zwei Jahre später starb. Es folgte eine kurze, durch diverse Familientragödien und damit wechselnden Firmenchefs gekennzeichnete Periode, welche 1926 mit der Ernennung von Arechabalas Großneffen José Fermín Iturrioz y Llaguno zum neuen Firmenpatriarchen endete.[7]
Das Geburtsjahr von Havana Club war 1935. Der Rum wurde als neues Produkt kreiert und erstmals abgefüllt und verkauft. Gleichzeitig wurden die Markenrechte in den USA eingetragen und mit dem Export dorthin begonnen.[8] Im Herzen Havannas, am Plaza de la Catedral, wurde die Havana Club Bar eröffnet und zog ein internationales Publikum an, darunter Gäste wie Marlene Dietrich und Ernest Hemingway.[9]
Im Jahr 1960 kam es dann aufgrund der kubanischen Revolution zur Verstaatlichung des Unternehmens José Arechabala S.A. und damit der Marke Havana Club. Beides wurde dem Staatsunternehmen Cubaexport[10] einverleibt. Die bisherige Eigentümerfamilie Arechabala emigrierte daraufhin via Spanien in die USA. Das Ende für die Havana Club-Destillation in Cárdenas kam 1970, als die Produktion in die dafür neu errichtete Destillerie in Santa Cruz del Norte verlagert und erheblich ausgeweitet wurde. 1973 lief der Markenschutz von Havana Club aus, welcher sich noch im Besitz der Familie Arechabala befand. Da diese die Markenrechte nicht verlängerten, meldete Cubaexport die Marke in rund 70 Ländern neu an, darunter auch die USA. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Rum dann hauptsächlich in die Warschauer Pakt-Staaten exportiert, ein Verkauf in den USA ist seit der Revolution aufgrund des Embargos ausgeschlossen.[11]
Im November 1993 gründeten Cubaexport und Pernod Ricard ein Joint-Venture. Unter Mitwirkung von Pernod Ricard stiegen Absatz und Bekanntheitsgrad in den Folgejahren kontinuierlich an. Auch die Sortenvielfalt wurde gesteigert. Mittlerweile wird Havana Club in 125 Ländern vertrieben und steigerte seinen Absatz im Jahr 2008 um 13 % gegenüber dem Vorjahr auf 30,6 Mio. Liter. Deutschland hat sich dabei zum Hauptabsatzmarkt entwickelt, in dem der Absatz im gleichen Zeitraum um 26 % gesteigert werden konnte.[3][12] In San José wurde 2007 eine weitere Destillerie eröffnet, die laut Firmenangaben 66 Mio. US-Dollar gekostet haben soll. Sie ist die modernste Destillerie Kubas und mit einer Kapazität von 12.000 Flaschen pro Stunde außerdem eine der größten Destillerien der Welt. In ihr wird ausschließlich brauner Rum gebrannt.[13][5] Der Verkauf in den USA ist auch weiterhin ausgeschlossen. Die kubanische Regierung beziffert die hierdurch entgangenen Einnahmen aus ihrem Anteil am Joint-Venture auf bisher (2005) insgesamt 28,4 Mio. Dollar.[14]
Das Verkaufsziel von Pernod Ricard ist es, den Absatz bis zum Jahr 2013 auf 5 Millionen Kisten (à 9 Liter) zu steigern und die Marke zum Weltmarktführer im Segment der älteren braunen Rums auszubauen.[15]
[Bearbeiten] Logo
Dieses zeigt La Giradilla, eine berühmte Statue auf dem Glockenturm des Castillo de la Real Fuerza im Hafen Havannas. Sie ist das offizielle Wahrzeichen der Stadt.
Einer Sage nach symbolisiert sie Inés de Bobadilla, die einzige Gouverneurin Havannas. Sie hatte ihr Amt durch den Tod ihres Mannes geerbt, dem vorherigen Gouverneur, der von einer Expedition nach Florida nicht zurückkehrte. Die Statue ist mit ihrem Blick auf das Meer zum Symbol für Treue, Leidenschaft und Hoffnung geworden.
[Bearbeiten] Markenstreit mit Bacardi
Ungeachtet der Enteignung durch die kubanische Regierung 1960 verkaufte die Familie Arechabala die Marke Havana Club 1994 an Bacardi. Diese brachten daraufhin zwei Jahre später einen in Puerto Rico destillierten Rum gleichen Namens in den USA heraus. Pernod Ricard verklagte Bacardi deswegen vor dem U.S. Patent and Trademark Office, und die Produktion des puerto-ricanischen Rums musste per einstweiliger Verfügung eingestellt werden. Im anschließenden Prozess kam es zu einer erheblichen Lobbyarbeit Jeb Bushs, des Gouverneurs Floridas, zugunsten Bacardis. Schließlich erklärte das US-Gericht am 3. August 2006 den 1974 von einer kubanischen Regierungsstelle in den USA eingetragenen Markenschutz für ausgelaufen. Fünf Tage später begann Bacardi mit dem Verkauf seiner eigenen Version von Havana Club, allerdings beschränkt auf das Gebiet der USA.
In Spanien kam es 1999 ebenfalls zu einem Prozess zwischen Bacardi und Pernod Ricard. Hier unterlag Bacardi nach mehreren Instanzen 2007.[15]
[Bearbeiten] Eigentümerstruktur
Havana Club International (HCI) wurde als Joint-Venture von Cubaexport und Pernod Ricard gegründet, die beide je zur Hälfte beteiligt sind. Cubaexport übertrug mit der Gründung von HCI seine Destillerien in Santa Cruz del Norte auf HCI. Pernod Ricard brachte seine weltweiten Vertriebswege und sein Know-how im Marketing ein. Seitdem ist HCI für Produktion und Vertrieb des Rums verantwortlich.
Eigentümer der Marke ist Havana Club Holding (HCH), welche die Markenrechte von Havana Rum & Liquors übertragen bekam. Diese wiederum bekamen die Rechte kurz vor Gründung des Joint-Ventures von Cubaexport. HCH gehörte zum Zeitpunkt der Gründung je zur Hälfte Cubaexport und Pernod Ricard. Seit Erhalt der Markenrechte vergibt HCH diese in Exklusivlizenz an HCI.[16]
Gegenwärtig tritt das Unternehmen Cuba Ron S.A. als Partner von Pernod Ricard bei HCI und HCH auf. Wie die Unternehmensanteile von Cubaexport nach Cuba Ron wechselten ist unklar. Beide Unternehmen gehören dem kubanischen Staat.[17]
[Bearbeiten] Produkte
Gemäß eines 2007 in Kuba erlassenen Beschlusses (Resolución 135) darf kubanischer Rum nur noch aus Melasse destilliert werden. Das Destillat muss anschließend in gebrauchten Whiskyfässern aus Weißeiche gelagert werden, wodurch der Rum seine bräunliche Farbe erhält.[12] Dementsprechend werden seitdem alle auf dem Markt befindlichen Produkte von Havana Club auf diese Weise hergestellt. Eine Besonderheit des Rums ist, dass als Whiskyfässer traditionell gebrauchte Jack-Daniel’s-Fässer genutzt werden. Es ist allerdings unklar, inwieweit dies seit Bestehen des US-amerikanischen Embargos gegen Kuba gehandhabt wird.
Alle Rumsorten sind Blends aus verschiedenen Jahrgängen. Grund für diese Jahrgangsmischung ist es, den Geschmack über mehrere Jahrgänge hinweg relativ konstant zu halten. Für die Altersbezeichnung ist generell der jüngste verwendete Rum maßgeblich.
Der Geschmack der Rums ist sowohl von einfachen Faktoren wie zum Beispiel der Dauer ihrer Lagerung abhängig, als auch von sehr komplexen Faktoren wie die Art der verwendeten Fässer, ihrem Vorleben, der Belüftung und ihrem Alter. Auch der Blend erfolgt mit Rums, die sich nicht nur durch ihr Alter unterscheiden. Daher lässt sich von den Altersangaben nur bedingt auf die Qualität des finalen Rums schließen. Dies betrifft auch den Geschmack. So unterscheiden sich die beiden Rums Cuban Barrel Proof und San Cristobal geschmacklich sehr, obwohl sie eine ähnliche Alterungsdauer haben.
[Bearbeiten] Weiße Rums
In Deutschland ist der mindestens drei Jahre in Eichenholzfässern gelagerte Añejo 3 Años sehr verbreitet. Obwohl er durch die Reifung in Whiskyfässern eine goldgelbe Farbe hat, wird er als weißer Rum eingeordnet.
Der zweite Weiße von Havana Club ist der mindestens zweijährige Añejo Blanco. Beide werden hauptsächlich zum Mixen von Cocktails eingesetzt.
[Bearbeiten] Braune Rums
Als braunen Rum gibt es zunächst den Añejo 7 Años, der mindestens sieben Jahre in Eichenfässern gereift ist. Dieser bildet zusammen mit den obigen beiden Rums die Hauptabsatzlinie von Havana-Club in Deutschland. Wegen seines markanten Geschmacks ist er für Cocktails nur mäßig geeignet und wird daher hauptsächlich pur oder auf Eis getrunken.
Der zweite braune Rum ist der wenig verbreitete vier- bis fünfjährige Añejo Especial, der hauptsächlich zum Mischen für den bekannten Longdrink Cuba Libre verwendet wird.
Seltener ist in Deutschland – im Gegensatz etwa zu Italien – der fünf- bis sechsjährige Añejo Reserva.
[Bearbeiten] Hochpreissegment
In diesem Segment ist der 15-jährige braune Añejo Gran Reserva der bisher am längsten angebotene Vertreter.
Anlässlich der 480-Jahrfeier Havannas wurde 1999 ein 12-jähriger Rum namens Añejo Solera San Cristóbal herausgegeben. Dieser ist nicht in den Export gegangen, daher sind nur selten Flaschen über Drittanbieter erhältlich.
Im Jahr 2004 wurde der zehnjährige Cuban Barrel Proof als völlige Neukreation herausgebracht. Dieser wird besonders aufwendig produziert. So wird nach Fertigstellung des Blends der entstandene Rum noch einmal in Jungeichenfässern nachgereift, um anschließend von dort in die Flasche abgefüllt zu werden. Der Rum gewann die Goldmedaille im Jahr 2004 auf dem Wettbewerb International Review of Spirits 2004, B.T.I in Chicago und im Jahr 2006 auf der 24th International Wine and Spirit Competition (IWSC). Bei letzterem wurde ihm zusätzlich noch das Prädikat Best in Class verliehen.[18]
Ebenfalls neu kreiert wurde der Máximo Extra Añejo, der als Spitzenprodukt der Marke konzipiert ist. Es handelt sich hierbei um einen Blend aus den laut Eigenangaben besten Jahrgängen seit Bestehen der Destillerie. Die Flaschen sind limitiert, mundgeblasen, verkorkt und werden mit einem vom Chefabfüller handunterschriebenen Echtheitszertifikat verkauft.
[Bearbeiten] Weitere Produkte
Für die jüngere Zielgruppe wird ein Alkopop namens Loco produziert. Es werden Fruchtsäfte in den Geschmacksrichtungen Lime, Mango, Pink Grapefruit und Passion mit Añejo Blanco vermischt. Im Hauptabsatzmarkt Italien wurden im Einführungsjahr 2003 in den ersten 8 Monaten über 10 Millionen Flaschen verkauft.[19] Seit Einführung der Alkopopsteuer wird Loco in Deutschland nicht mehr vertrieben.
Mit Exquisito wurde ein eher untypischer Rum produziert, welcher im Gegensatz zu allen anderen kubanischen Rums keine Melasse zur Herstellung verwendet, sondern ausschließlich Zuckerrohrsaft. Daher ähnelt er eher dem französischen Rhum agricole denn dem kubanischen Rum. Exquisito wurde niemals direkt in Europa verkauft und wird mittlerweile auch nicht mehr hergestellt. Er ist daher sehr begehrt und erzielt hohe Sammlerpreise.[20]
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ „Cuba: Havana Club extends global ad campaign“, just-drinks.com, 11. Juli 2008
- ↑ Vorschau Firmenprofil Havana Club Holding SA, Creditreform Firmenwissen
- ↑ a b Pernod Ricard • Business and Financial Press Kit, Februar 2009, Firmenpräsentation, PDF, 22 S.
- ↑ Larry Luxner: „Havana Club rum moves up the rum ranks“, Havana Journal, 30. März 2004
- ↑ a b c Larry Luxner: High-flying Havana Club opens rum distillery, CubaNews, Februar 2007
- ↑ Guia de Cuba, spanischsprachiger Reiseführer
- ↑ Geschichte von José Arechabala S.A.
- ↑ Businesswire.com:"U.S. Government Resolves Havana Club Dispute in Bacardi's Favor; Cuba's Trademark Registration Cancelled/Expired" 8. August 2006
- ↑ Kuba lädt zu dem jährlichen Wettbewerb Grand Prix von Havana Club ein Cubatravel.cu
- ↑ Der eigentliche Name von Cubaexport ist Empresa Cubana Exportadora de Alimentos y Productos Varios
- ↑ WTO referees rum punch-up The Guardian, 18. Juli 2000
Tightened sanctions against Cuba leads to trade dispute over rum Cuba Journal, 8. Oktober 2006 - ↑ a b „Havana Club rum boss would welcome origin recognition“, Drinks International, 3. März 2009
- ↑ Carribean Net News / Bloomberg, Januar 2007
- ↑ Report by Cuba on Resolution 59/11 of the United Nations General Assembly, August 2005, Seite 38, PDF
- ↑ a b „Madrid Provincial Court confirms rejection of Bacardi’s claims to the “Havana Club” trade mark in Spain“, pernod-ricard.com, 8. März 2007, PDF
- ↑ Stephen J. Kimmerling: „Havana club: a case summary and an analysis of selected legal issues“, University of Texas at Austin, Cuba in Transition · ASCE, 1999, S. 120–140, PDF
Havana Club Holding, S.A., Havana Club International, S.A. versus Galleon S.A., Bacardi-Martini Usa, Inc., 4. Februar 2000 - ↑ Homepage von Cuba Ron S.A. Übersicht der Joint-Ventures von Cuba Ron S.A.
- ↑ Havana Club Rum Presents New Cuban Barrel Proof, Havana Journal, 7. Dezember 2004
- ↑ Maria Antonieta: „Havana Club rum and the International Rum Festival in Cuba“, Havana Journal, 21. Juni 2004
- ↑ Ralf’s World of Rum, 2004 ff.
23.152239-81.917366Koordinaten: 23° 9′ 8″ N, 81° 55′ 3″ W
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